Karl Holy, bis 1918 zumeist: Carl HolyDokument in der Deutschen Fotothek nennt als alternativen Nachnamen Cammerer (* 3. Januar 1870 in Ober-Eschach, Baden; † nach 1946 in Stuttgart (?)Antwortbrief des Dirigenten Leo Blech an Oberregisseur Karl Holy, Stuttgart 13 vom 28. Mai 1946. Leo Blech collection im Center for Jewish History.) war ein deutscher Theaterschauspieler, Opernsänger und Regisseur.
Leben Holy studierte zunächst Philologie und Theologie. Während des Theologiestudiums entdeckte man seine schöne Stimme und er begann eine Gesangsausbildung in Freiburg im Breisgau und/oder Berlin, die er am Konservatorium von Köln vervollkommnete. 1896 debütierte er am Stadttheater von Essen; dort blieb er als Sänger und Schauspieler bis 1898. In der Spielzeit 1898/99 war er am Hoftheater Kassel (Debütrolle „Bandit Barbarino“ in Alessando Stradella) und 1899/1900 am Theater des Westens in Berlin engagiert. 1900 trat er in den Verband des Stadttheaters Freiburg ein, wo er sowohl in der Oper wie im Schauspiel tätig war. 1902 wechselte er an das Großherzogliche Hoftheater Schwerin, dem er bis 1918 angehörte; hier war er sowohl als Tenorbuffo wie auch als Opernregisseur tätig. Im April 1918 wurde ihm der Titel „Großherzoglich mecklenburg-schwerinischer Kammersänger“ verliehen. Dokument in der Deutschen Fotothek Nach einer Gastregie 1917 wurde er zum 1. September 1918 als Oberregisseur an die Berliner Staatsoper Unter den Linden berufen. Hier schuf er zahlreiche Inszenierungen.Georg Droescher: Statistischer Rückblick auf die künstlerische Tätigkeit und die Personalverhältnisse während der Zeit vom 1. Januar 1886 bis 31. Dezember 1935. Elsner, Berlin 1936, S. 118 1932 wurde er aufgrund von Differenzen mit dem Intendanten Heinz Tietjen pensioniert.Misha Aster: Staatsoper. Siedler, München 2017, ISBN 978-3-8275-0102-8, S. 144 Danach war er als Gesangslehrer in Berlin tätig.
1915/16 war er als Regisseur an der Metropolitan Opera in New York verpflichtet.Musical America vom 8. Mai 1915, S. 4 Als Gast inszenierte er u. a. in Rom (Meistersinger, 1922), an der Städtischen Oper Berlin (1928/29) und in Barcelona (Meistersinger, Der fliegende Holländer, 1929). Ab 1919 war er am Neuaufbau des Repertoires der Deutschen Grammophon-Gesellschaft beteiligt.Peter K. Burkowitz: Die etwas andere Geschichte der Schall-Platte
Während seiner Schweriner Zeit war er Berater, Agent, Freund und zeitweise Verlobter der später weltberühmten Sängerin Frieda Hempel.
Carl Holy ist nicht zu verwechseln mit dem Bassisten Carl Holly, der von 1889 bis etwa 1918 als Chorist und in kleineren Partien an verschiedenen Wiener Theatern (Raimundtheater, Carltheater) tätig war.Neuer Theater-Almanach, Jg. 1890–1910 und Deutsches Bühnenjahrbuch, Jg. 1915–1918
Repertoire Sein Repertoire umfasste hauptsächlich die Buffo- und Charakterpartien seines Stimmfachs: den Veit in Lortzings Undine, den Georg im Waffenschmied, Peter Iwanow in Zar und Zimmermann, den Monostatos in der Zauberflöte, Jacquino im Fidelio, den Wenzel in der Verkauften Braut, den David und den Beckmesser in den Meistersingern sowie den Mime im Ring des Nibelungen. Er sang auch lyrische Partien wie den Lyonel in Martha und die Titelhelden in Aubers Fra Diavolo und Flotows Alessandro Stradella. Erfolgreich war Holy auch in Operettenpartien, so als Eisenstein in der Fledermaus, als Andredl in Das verwunschene Schloss (Millöcker) und als Fürst Roderich im Obersteiger (Zeller).
Tondokumente Im Februar 1900 entstanden in Berlin fünf seltene Titel für das Label Grammophon: „Vater, Mutter, Schwestern, Brüder“ und „Uns beiden ist die Hauptstadt wohlbekannt“ (Duett mit Robert Leonhardt) aus Undine, „Man wird ja nur einmal geboren“ und „War einst ein junger Springinsfeld“ aus Der Waffenschmied sowie „Winterstürme wichen dem Wonnemond“ aus Die Walküre.The Gramophone Co. discography und GHT-BASE WEB
Würdigung
Literatur Holly, Carl. In: Ludwig Eisenberg: Großes biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Paul List, Leipzig 1903, S. 448 (). Frieda Hempel: Mein Leben dem Gesang. Argon Verlag, Berlin 1955, S. 66 ff. Holy, Carl. In: Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens, Hansjörg Rost: Großes Sängerlexikon. Vierte, erweiterte und aktualisierte Auflage. K. G. Saur, München 2003, ISBN 3-598-11598-9 (7 Bände). S. 2131.
Weblinks Privat- und Rollenfotos in der Deutschen Fotothek
Einzelnachweise
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