miniatur|hochkant|Julius von Flotow
Julius Christian Gottlieb Ulrich Gustav Georg Adam Ernst Friedrich von Flotow (* 9. März 1788 in Pitzerwitz in der Neumark; † 15. August 1856 in Breslau) war ein preußischer Major der Kavallerie und Botaniker. Sein besonderes Interesse galt der Flechtenkunde (Lichenologie) und der Botanik der Moose (Bryologie).Flotow, Julius (Christian Gottlieb Ulrich Gustav Georg Adam Ernst Friedrich) von (1788-1856). In: J.-P. Frahm, J. Eggers: Lexikon deutschsprachiger Bryologen. Band 1, BoD, Norderstedt 2001, S. 110. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet
Herkunft Julius von Flotow war der älteste Sohn des Kaufmanns und markgräflich Ansbach-Bayreuthschen Kammerherrn Adam Ernst Friedrich von Flotow (* 13. Juni 1751 in Käselin; † 25. September 1823 in Sorau) und dessen Ehefrau Friedrike Wilhelmine, geborene von Dossow (* 2. April 1772; † 12. Dezember 1842).
Flotows Vater hatte in Hamburg als Kaufmann gearbeitet, verlor sein dabei erarbeitetes Vermögen aber beim Untergang von zwei Handelsschiffen.G. von Flotow: Beiträge zur Geschichte der Familie von Flotow. C. Heinrich, Dresden 1844, S. 39. Daraufhin zog er 1781 nach Bayreuth zu seinem Bruder, dem königlich preußischen Geheimrat Hans Georg Hartwig von Flotow, und wurde dort zum Bayreuther Kammerherrn ernannt. Er tätigte schließlich wieder Geschäfte in Hamburg und kaufte 1785 von dem damit erarbeiteten Vermögen seinen Geschwistern und weiteren Erben das Gut Pitzerwitz in der Neumark zusammen mit einigen anderen Ländereien ab.
Flotows Eltern heirateten im Mai 1787. Julius von Flotow hatte vier Schwestern, die zwischen 1790 und 1795 geboren wurden und später alle als Konventualinnen in verschiedenen Klöstern, so Sophie und Jenny zu Kloster Dobbertin, Amalie zu Malchow und Eleonore in Kloster Ribnitz, lebten.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser (Uradel). 1900. Erster Jahrgang, Verlag Justus Perthes, Gotha 1899, S. 311 f. Sein jüngerer Bruder war der preußische Sekondeleutnant Cäsar Drewes Ernst Ludwig Paschen Alexander Gottlieb Siegesmund von Flotow (* 11. August 1791 auf Gut Pitzerwitz). Die Eltern trennten sich 1797, seine Mutter heiratete im Jahr 1800 in zweiter Ehe den kgl. Generalkommissar für die Neumark (Landrat) Herrn von Sack; aus dem brandenburgisch-Preußischen Zweig dieser Adelsfamilie. Der Vater erkrankte an einer Geisteskrankheit, von der er sich zwar erholte, worunter aber seine Geschäfte so sehr gelitten hatten, dass er seinen Grundbesitz nach und nach verkaufen musste. Schließlich musste er auch Pitzerwitz verkaufen und lebte in Berlin und Sorau.G. von Flotow: Beiträge zur Geschichte der Familie von Flotow. C. Heinrich, Dresden 1844, S. 40.
Flotow heiratete am 22. Mai 1817 Betty Louise Giesche (* 23. Oktober 1792 in Oppeln; † 10. Januar 1867 in Hirschberg).Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser (Uradel). 1900. Erster Jahrgang, Verlag Justus Perthes, Gotha 1899, S. 311 f. Das Ehepaar bekam einen Sohn, Otto Ferdinand Friedrich Herrmann von Flotow (1822–1900), der ebenfalls die Militärlaufbahn einschlug und preußischer Generalmajor wurde, sowie zwei Töchter, Elisabeth Jenny Julie (* 26. September in Preußisch-Minden) und Katharina Helene Wilhelmine (* 19. April 1861 in Herford).
Flotow starb am 15. August an den Folgen einer Rippenfellentzündung, in deren Folge er einen Lungenembolie erlitt.C. Nees von Esenbeck: Bekanntmachungen der K.L.C. Akademie der Naturforscher: Dr. Julius von Flotow. In: Bonplandia. Zeitschrift für die gesammte Botanik. Officielles Organ der K. L.-C. Akademie der Naturforscher. 4. Jahrgang, Verlag von Carl Rümpler. Hannover 1856, S. 294–296.
In der Geschlechtszählung des Adelsgeschlechts von Flotow trägt er die Nummer 158.G. von Flotow: Beiträge zur Geschichte der Familie von Flotow. C. Heinrich, Dresden 1844, S. 44. Er war der Cousin des Pomologen Gustav von Flotow.
Militärische Karriere Flotow besuchte zur Vorbereitung auf den Militärdienst das Kadetteninstitut in Stolp.C. Nees von Esenbeck: Bekanntmachungen der K.L.C. Akademie der Naturforscher: Dr. Julius von Flotow. In: Bonplandia. Zeitschrift für die gesammte Botanik. Officielles Organ der K. L.-C. Akademie der Naturforscher. 4. Jahrgang, Verlag von Carl Rümpler. Hannover 1856, S. 294–296. Er trat im Jahr 1803 in die Preußische Armee ein und diente bei dem Dragonerregiment „von Katte“ in Landsberg an der Warthe. Am 27. Juli 1805 wurde er zum Fähnrich ernannt.E. von Hagen: Geschichte des neumarkischen Dragoner-Regiments. 3. Ausgabe, E. S. Mittler, Berlin 1885, S. 485. Am 14. Oktober 1806 nahm er an der Schlacht bei Jena teil und kam am 30. Januar 1807 zur Dragonerbrigade „von Wedell“. Dort folgte am 4. März 1807 seine Beförderung zum Sekondeleutnant. Im Juni 1807 nahm er an der Schlacht bei Friedland teil.
Nach dem Frieden von Tilsit wurde Flotow 1808 auf Halbsold gesetzt und lebte auf dem Gut seines Vaters, bis er 1811 die Allgemeine Kriegsschule in Berlin besuchte und 1812 wieder seine ehemalige Stelle in seinem Regiment einnahm. Während der Befreiungskriege nahm er am 2. Mai 1813 an der Schlacht bei Großgörschen teil und wurde dabei an der rechten Schulter schwer verwundet. In dieser Schlacht wurde auch sein jüngerer Bruder Cäsar von Flotow, der als Sekondeleutnant im Regiment Garde zu Fuß diente, verletzt und galt seitdem als vermisst.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser (Uradel). 1900. Erster Jahrgang, Verlag Justus Perthes, Gotha 1899, S. 311. Er wurde in das Feldlazarett Teplitz gebracht und verbrachte zur Genesung anschließend Kuraufenthalte in Bad Warmbrunn und Bad Kudowa.C. Nees von Esenbeck: Bekanntmachungen der K.L.C. Akademie der Naturforscher: Dr. Julius von Flotow. In: Bonplandia. Zeitschrift für die gesammte Botanik. Officielles Organ der K. L.-C. Akademie der Naturforscher. 4. Jahrgang, Verlag von Carl Rümpler. Hannover 1856, S. 294–296. Am 2. November 1813 wurde er zum Premierleutnant befördert. Nach der Genesung kehrte er 1814 zu seinem Regiment zurück, das in Frankreich stationiert war. Im Jahr darauf nahm er am Sommerfeldzug teil und erhielt für seine Leistungen das Eiserne Kreuz II. Klasse.C. Nees von Esenbeck: Bekanntmachungen der K.L.C. Akademie der Naturforscher: Dr. Julius von Flotow. In: Bonplandia. Zeitschrift für die gesammte Botanik. Officielles Organ der K. L.-C. Akademie der Naturforscher, 4. Jahrgang, Verlag von Carl Rümpler, Hannover 1856, S. 294–296.
1819 wurde er zum Rittmeister befördert und zum Eskadronchef ernannt. Allerdings bereitete ihm die alte Schulterverletzung zunehmend gesundheitliche Probleme. Sein rechter Arm war teilweise gelähmt, weshalb er 1824 als Invalide aus dem Militärdienst ausschied.E. von Hagen: Geschichte des neumarkischen Dragoner-Regiments. 3. Ausgabe, E. S. Mittler, Berlin 1885, S. 485. Er ließ sich in Hirschberg im Riesengebirge nieder, das er während seines Kuraufenthaltes kennengelernt hatte. Am 10. Mai 1832 wurde schließlich sein Abschied als Major mit Pension bewilligt.
Botanik mini|Die von Julius von Flotow entdeckte Blutregenalge (Haematococcus pluvialis)
Flotows Interesse galt schon früh der Botanik, der er sich nach dem Abschied aus dem Militär intensiv widmete. Er stand in engem Kontakt mit zahlreichen Botanikern, mit denen er einen intensiven fachlichen Austausch pflegte. Er sammelte in sehr großem Umfang Flechten und Moose, die er in Herbarien konservierte und auch anderen Botanikern zur Verfügung stellte.Flotow, Julius von. In: Karl Gabriel Nowack: Schlesisches Schriftsteller-Lexikon - oder bio-bibliographisches Verzeichniss der im zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts lebenden schlesischen Schriftsteller. Verlag von Wilhelm Gottlieb Korn, Breslau 1836, S. 32.
Die Zeit zwischen dem Abschied aus dem Militär im Jahr 1808 und dem Besuch der Kriegsschule in Berlin 1812 verbrachte er auf Gut Pitzerwitz, wo er von dem Botaniker und Entomologen Pastor Georg August Neuschild aus Groß-Möllen bei Pyritz zunächst an die Botanik der Blütenpflanzen herangeführt wurde und mit diesem botanische Studien betrieb.Flotow, Julius von. In: Karl Gabriel Nowack: Schlesisches Schriftsteller-Lexikon - oder bio-bibliographisches Verzeichniss der im zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts lebenden schlesischen Schriftsteller. Verlag von Wilhelm Gottlieb Korn, Breslau 1836, S. 32. Er begann in dieser Zeit ein Herbarium von Blütenpflanzen anzulegen und kultivierte im Hausgarten des väterlichen Gutes mehrere 100 verschiedene Zierpflanzen.
Nach der Verwundung in der Schlacht von Großgörschen lernte er im Lazarett Teplitz den Chirurgen Wilhelm Sprengel kennen, mit dessen Vater, dem Botaniker Kurt Sprengel, der Direktor des Botanischen Gartens in Halle war, ihn später ein intensiver fachlicher Austausch verband.
Während seiner Kuraufenthalte wegen der Kriegsverletzung lernte er den Breslauer Arzt und Botaniker Karl Christian Günther (1769–1833) kennen, der zusammen mit Schummel, Friedrich Wimmer und Heinrich Emanuel Grabowski an der Herausgabe des botanischen Fachbuches Schlesische Flora arbeitete und sein Interesse für Moose und Flechten weckte.Flotow, Julius von. In: Karl Gabriel Nowack: Schlesisches Schriftsteller-Lexikon - oder bio-bibliographisches Verzeichniss der im zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts lebenden schlesischen Schriftsteller. Verlag von Wilhelm Gottlieb Korn, Breslau 1836, S. 32.
1814 und 1817 war von Flotow für mehrere Monate in Frankreich stationiert. Von seinem Standort St. Mihiel im Maas-Departement aus erkundete er die dortige Flora und unternahm regelmäßig Exkursionen in die Ardennen, um dort Pflanzen, insbesondere Flechten und Moose, zu sammeln.G. W. Körber: Über Julius von Flotow. In: 34. Jahresbericht der Schlesische Gesellschaft für vaterländische Kultur. Graß, Barth und Comp. Breslau 1856, S. 50 f. Reprint: BoD, Norderstedt 2022. ISBN 978-3-36801-500-8. Seine schriftliche Dokumentation übergab er nach der Rückkehr Kurt Sprengel, der sie 1820 veröffentlichte.
Nach der Entlassung aus dem Militärdienst zog 1824 er nach Hirschberg im Riesengebirge, das er durch Kuraufenthalte kennengelernt hatte, und kaufte dort ein eigenes Haus. In dessen Garten legte er abermals eine umfangreiche Pflanzensammlung an, wobei er durch eine engen Kontakte zu namhaften Botanikern der Zeit dafür zahlreiche Pflanzen aus verschiedenen botanischen Gärten erhielt.Flotow, Julius von. In: Karl Gabriel Nowack: Schlesisches Schriftsteller-Lexikon - oder bio-bibliographisches Verzeichniss der im zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts lebenden schlesischen Schriftsteller. Verlag von Wilhelm Gottlieb Korn, Breslau 1836, S. 32.
Zwischen 1829 und 1831 gab er über den Johann Ambrosius Barth Verlag in Leipzig zwei Lieferungen von Sammlungen mit jeweils 100 Flechten heraus.J. von Flotow: Lichenen, vorzüglich in Schlesien, der Mark und Pommern gesammelt von Jul. v. Flotow. In Kommission bei Barth in Leipzig, Cent. I: Hirschberg 1829, Cent. II: Hirschberg 1831. Von den zehn angefertigten Exemplaren gelangten nur vier nicht vollständige in den Handel, während die anderen an naturwissenschaftliche Gesellschaften und Museen gespendet wurden, unter anderem an die Königliche botanische Gesellschaft zu Regensburg.V. Monographische Beiträge zu Floren. Kryptogamie. In: Königliche botanische Gesellschaft zu Regensburg: Botanische Literatur-Blätter zur periodischen Darstellung der Fortschritte der Pflanzenkunde in steter Beziehung zur gesammten Naturkunde: Und in ihrer Anwendung auf Land- und Gartenbau, Künste und Gewerbe. 4. Band, 3. Jahrgang, 1. Hälfte, Fridrich Pustet, Regensburg 1830.