Die Cricket-Nationalmannschaft der Vereinigten Arabischen Emirate () vertritt die Vereinigten Arabischen Emirate auf internationaler Ebene in der Sportart Cricket. Das Team wird vom Verband Emirates Cricket Board (ECB) geleitet und ist seit 1990 assoziiertes Mitglied im International Cricket Council. Damit gehört es zur zweiten Reihe der Nationalmannschaften und gilt, zusammen mit Nepal und Oman, traditionellerweise als eine der stärksten Nationalmannschaften Asiens hinter den fünf Vollmitgliedern Südasiens. Die Vereinigten Arabischen Emirate verfügen seit 2019, wie alle ICC-Mitglieder, über vollen T20I-Status. Größte Erfolge bei Turnieren waren die Vorrunden beim Cricket World Cup (1996 und 2015), beim T20 World Cup (2014, 2022 und 2026) sowie beim Asia Cup (2004, 2008, 2016 und 2025).
Geschichte Einführung und Verbreitung von Cricket 1892 übernahm das Vereinigte Königreich die Verwaltung der Scheichtümer am Persischen Golf, damals als „Vertragsoman“ bezeichnet. Soldaten der British Army brachten den Cricketsport mit und übten ihn auf informeller Basis aus. Die ersten offiziellen Spiele fanden während des Zweiten Weltkrieges statt, als Angehörige der Royal Air Force und anderer Teilstreitkräfte des Britischen Weltreiches (darunter First-Class- und Clubspieler aus Australien, Neuseeland und Südafrika) in Städten wie Adschman, al-Ain, Dubai und Schardscha stationiert waren und dort ihrer Lieblingsfreizeitbeschäftigung nachgingen. Die Pitches, die sie beim Luftwaffenstützpunkt Schardscha einrichteten, wurden nach Weltkriegsende von den Briten und anderem ausländischen Personal weiter verwendet.
Einwohner aus Schardscha begannen örtliche Derbys gegen Einwohner aus Dubai auszutragen, die in Dubai stattfanden. Die „Gartenstadt“ al-Ain verfügt über den ältesten Cricketverband der Vereinigten Arabischen Emirate. In den 1960er Jahren gründeten sich die ersten Cricketclubs. Die Beliebtheit des Sports nahm nach der Unabhängigkeit der Vereinigten Arabischen Emirate 1971 ab. Nachdem jedoch südasiatische Arbeitsmigranten in die Emirate gekommen waren, brachten sie ihre Leidenschaft für den Sport mit. Einheimische Araber, die ihre Ausbildung in Indien und Pakistan erhalten hatten, errichteten die dafür nötige Infrastruktur und ab den 1980er Jahren erfolgte die Austragung örtlicher Turniere.
Erste Jahre der Nationalmannschaft mini|Das Sharjah Cricket Association Stadium war bereits Austragungsort von mehr als 200 ODIs und vier Test Matches Die Nationalmannschaft bestritt 1976 in Schardscha ihr erstes Spiel gegen das First-Class-Team der Pakistan International Airlines. Die Besucher erzielten 345/5 in ihren 50 Over und der Gastgeber erreichte 88/4 in 28 Over, als das Spiel wegen Regens abgebrochen werden musste. 1980 gründeten sich örtliche Cricketverbände in Dubai und Schardscha und ein Jahr später erfolgte die Einweihung des Sharjah Cricket Association Stadium, das reiche Einwohner hatten errichten lassen. Internationale Spiele in den Emiraten fanden zumeist ohne Beteiligung einer einheimischen Nationalmannschaft statt, wie beispielsweise der Asia Cup 1984, der in jenem Stadion stattfand. Im Rahmen des Turnieres wurden die ersten ODIs in den Emiraten ausgetragen; Teilnehmer waren Indien, Pakistan und Sri Lanka. Vier Jahre später folgte dort die Austragung des Austral-Asia Cup zwischen Australien, Bangladesch, Indien, Neuseeland, Pakistan und Sri Lanka. 1995 waren die Emirate Gastgeber des Asia Cups zwischen Bangladesch, Indien, Pakistan und Sri Lanka, wieder ohne eigene Beteiligung. Insgesamt haben in dem Stadion bereits mehr als 200 ODIs und vier Test Matches stattgefunden. Aufgrund von Sicherheitsüberlegungen hatte der pakistanische Verband einige seiner Heimspiele in die Emirate verlegt. Aber auch Afghanistan musste aufgrund der angespannten Sicherheitslage mehrere seiner Heimspiele dorthin verlegen.
1984 erfolgte der Beitritt zur Asian Cricket Conference (ACC; heute Asian Cricket Council). Das Emirates Cricket Board (ECB) wurde 1989 gegründet und noch im selben Jahr angeschlossenes Mitglied des International Cricket Council (ICC), was Spiele gegen andere Nationalmannschaften ermöglichte. Bereits im darauf folgenden Jahr war der Verband ein assoziiertes Mitglied. Aufgrund der fehlenden Mitgliedschaft im Weltverband war die Teilnahme an den Qualifikationen für die Cricket World Cups der Jahre 1979, 1983, 1987 und 1992 nicht möglich. Dasselbe galt für die Asia Cups der Jahre 1984, 1986, 1988, 1990 und 1995. Im Jahr 1990 verlor die Mannschaft zweimal gegen die Niederlande. Die deutlichen Niederlagen zeigten auf, dass die Emirate im Vorfeld der ICC Trophy 1994 noch Aufbauarbeit verrichten mussten, wenn die Nationalmannschaft bei dem Turnier erfolgreich sein wollte, woraufhin das ECB einen umstrittenen Beschluss fällte.
Auf dem Weg zum ersten World Cup Zum Aufbau einer erfolgreichen Nationalmannschaft bei der ICC Trophy 1994 in Kenia bot das ECB mehreren First-Class-Spielern aus Indien, Pakistan und Sri Lanka an, eine Arbeit in den Emiraten aufzunehmen, um durch die Wohnsitzregel für die Nationalmannschaft spielen zu können. Mit dem Einheimischen Sultan Zarawani als Kapitän gewannen die Emirate das Turnier und qualifizierten sich für den Cricket World Cup 1996. Es war dies der erste Erfolg bei der ersten Turnierteilnahme. Sie besiegten den Gastgeber Kenia im Finale (mit zwei Wickets). Sowohl die kenianischen Spieler als auch der Verband zeigten sich enttäuscht von der Tatsache, dass sie gegen eine Mannschaft verloren hatten, die nach Ansicht vieler aus „Söldnern“ bestand. Das ICC schwieg zu diesem Disput, verschärfte aber die Regularien für Nationalmannschaften.
Bei dem in den Emiraten ausgetragenen Austral-Asia Cup 1994 bestritt der Gastgeber seine ersten ODIs gegen Indien und Pakistan, schied jedoch nach zwei Niederlagen in der Gruppenphase aus. Bei einem Drei-Nationen-Turnier gegen Kenia und die Niederlande im selben Jahr landeten die Emiratis auf dem letzten Platz und auch das Turnier 1995 gegen die zweiten Mannschaften der Vollmitglieder Indien, Pakistan und Sri Lanka endete mit demselben Ergebnis. Ein Jahr später beteiligte sich die Mannschaft am pakistanischen ODI-Turnier und gewann dort eines von vier Spielen. Beim Cricket World Cup 1996 in Indien, Pakistan und Sri Lanka nahm sie erstmals an diesem Turnier teil, bis auf das Spiel gegen die Niederlande verloren die Emirate jedoch alle Begegnungen: gegen Südafrika (mit 169 Runs), gegen England (mit acht Wickets), gegen Pakistan (mit neun Wickets) und gegen Neuseeland (mit 109 Runs). Die Begegnung mit den Niederlanden war das erste ODI zwischen zwei assoziierten Mitgliedern des ICC und der erste ODI-Sieg für die Emirate (mit sieben Wickets). Die erste ACC Trophy 1996 in Malaysia beendeten die Emirate nach der Finalniederlage gegen Bangladesch (mit 108 Runs) auf dem zweiten Platz, womit sie den Asia Cup 1997 verpassten. Aufgrund der strengeren Auflagen für Nationalmannschaften waren die Emirate nicht in der Lage, ihren Erfolg von 1994 zu wiederholen, bei der ICC Trophy 1997 in Malaysia belegten sie den zehnten Platz. Im Halbfinale der ACC Trophy 1998 in Nepal unterlagen sie Bangladesch mit sechs Wickets und verpassten so auch den Asia Cup 2000.
Im neuen Millennium Im weiteren Verlauf konnte sich das Team, nachdem Bangladesch Vollmitglied geworden war, als das beste assoziierte Team Asiens etablieren, obschon es nicht gegen die besten Mannschaften Europas und Nordamerikas mit demselben Status mithalten konnte. Die Emirate gewannen die ACC Trophies der Jahre 2000 und 2002, nachdem sie Hongkong (mit drei Wickets) bzw. Nepal (mit sechs Wickets) im jeweiligen Finale besiegt hatten und sich auf diese Weise für die darauf folgenden Asia Cups der Jahre 2004 und 2008 qualifizierten. Bei der ICC Trophy 2001 in Kanada erreichten die Emirate dagegen den fünften Platz und verpassten so den Cricket World Cup 2003. Bei den Hong Kong Cricket Sixes im selben Jahr gelang es ihnen, Australien zweimal zu besiegen.
2004 waren die Vereinigten Arabischen Emirate Gastgeber der Six Nations Challenge, die sie punktgleich mit vier anderen Mannschaften auf dem fünften Platz abschlossen. Im selben Jahr bestritten sie ihr erstes Spiel beim Intercontinental Cup gegen Nepal, wobei Ali Asad neun Wickets im ersten Innings nahm. Danach bezwangen die Emirate Malaysia, unterlagen jedoch im Halbfinale Kanada. Die Emirate entschieden die ACC Trophy in Malaysia für sich, nachdem sie im Finale Oman mit 94 Runs bezwungen hatten. Danach spielten sie wieder ODI-Cricket, unterlagen jedoch sowohl Indien (mit 116 Runs) als auch Sri Lanka (ebenfalls mit 116 Runs) in der Vorrunde des Asia Cups 2004. Bei den Hong Kong Cricket Sixes belegten sie den vierten Platz und ließen dabei sowohl Indien als auch Südafrika hinter sich.
Die Emirate erreichten beim Intercontinental Cup 2005 wieder das Halbfinale, obschon sie in der Vorrunde gegen Nepal verloren. Danach bestritten sie in Schardscha eine Serie gegen die zweite Mannschaft Englands, in der sie jedoch alle vier Spiele verloren. Im Anschluss darauf besiegten sie Hongkong im Finale des ersten ACC Fast Track Countries Tournaments 2004/05. Bei der ICC Trophy 2005 in Irland belegten die Emiratis den sechsten Platz und scheiterten damit knapp an der Qualifikation zum Cricket World Cup 2007. Anschließend gewannen die Emirate das zweite ACC Fast Track Countries Tournament 2005/06. Sie besiegten Hongkong im Finale der ACC Trophy 2006 in Malaysia mit fünf Wickets, den Intercontinental Cup begannen sie jedoch mit einer Innings-Niederlage gegen Namibia. Darauf folgten ein Remis gegen Schottland und eine Niederlage gegen Irland, wieder mit einem Innings, nachdem Eoin Morgan mit 209 Runs ohne den Verlust seines Wickets einen neuen irischen Rekord aufgestellt hatte. Beim ersten ACC T20 Cup 2007 erzielten die Emirate den vierten Platz, beim dritten und letzten ACC Fast Track Countries Tournament den zweiten Platz hinter Nepal.
Der Intercontinental Cup 2007–08 verlief enttäuschend, da die Emirate nur einen Sieg gegen Bermuda in sieben Spielen erzielen konnten, während sie im Spiel gegen Schottland ein Remis erreichten und Kanada unterlagen. Den ersten ACC Twenty20 Cup 2007 in Kuwait beendeten sie auf dem vierten Platz. Die ICC World Cricket League Division Two der World Cricket League 2007–09 in Windhoek verlief für die Mannschaft wesentlich besser, mit einem Finalsieg gegen Oman (mit 67 Runs).
Beim Asia Cup 2008 in Pakistan unterlagen die Emirate in der Vorrunde Bangladesch (mit 96 Runs) und Sri Lanka (mit 142 Runs). Bei der ACC Trophy Elite 2008 mussten die Emirate eine überraschende Niederlage gegen Saudi-Arabien hinnehmen; es war dies die erste Niederlage in der ACC Trophy für die Mannschaft seit 1998. Sie unterlag im Finale Hongkong mit drei Wickets, was die Serie von vier aufeinanderfolgenden Titeln beendete.