mini|Beutinger & Steiner kennzeichneten ihre Bauten regelmäßig mit solchen Inschriften. Unter dem Namen Beutinger & Steiner betrieben Emil Beutinger und Adolf Steiner zu Beginn des 20. Jahrhunderts Architektur- und Designbüros in Darmstadt und Heilbronn, zeitweise auch in Stuttgart. Etliche ihrer erhaltenen Bauten stehen mittlerweile unter Denkmalschutz.

Geschichte Steiner Während Emil Beutingers Werdegang gut dokumentiert ist, finden sich über Adolf Steiner nur wenige Nachrichten. Er lebte von 1875 oder 1879 bis 1944.Laut Julius Fekete u. a.: Stadtkreis Heilbronn. (= Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg: Denkmaltopographie Baden-Württemberg I. 5.) Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8062-1988-3, S. 275 wurde Steiner erst 1879 geboren, hier wird aber als Geburtstag der 29. Juni 1875 genannt. Er war geprüfter Wasserbautechniker und unterschrieb als solcher z. B. in den Bauakten zu Gebäuden am Hammelwasen 33 und 34 in Heilbronn, die sich unter der Signatur A034-1703 im Heilbronner Stadtarchiv befinden. Nach der Auflösung der Bürogemeinschaft mit Beutinger arbeitete er allein als Architekt weiter. In einem Baugesuch von 1927 (Signatur A034-3079 im Heilbronner Stadtarchiv), das sich auf Gebäude in der Lohtorstraße 33 und der Lammgasse 2 in Heilbronn bezieht, erscheint er allein als Architekt. Die alte Firmierung Beutinger & Steiner in den Akten wurde durch einen Stempel geändert.

Beutinger Emil Beutinger, der aus Heilbronn stammte, lebte von 1875 bis 1957. Er absolvierte eine Steinmetzlehre und ein Studium der Architektur in Stuttgart und Darmstadt, danach arbeitete er unter anderem 1896/97 in Mannheim bei der Baufirma J. PetersIn dieser Zeit ruderte Beutinger bei der Mannheimer Rudergesellschaft, für die er wenig später ein in der Literatur häufig gepriesenes Bootshaus baute. Dieses wurde im Zweiten Weltkrieg komplett zerstört. Eine Abbildung wurde als Blatt 49 in den Architektonischen Charakterbildern III von 1902 veröffentlicht. und in Berlin bei dem Architekten Otto Rieth, wurde Lehrer und stellvertretender Direktor an der Gewerbeschule Darmstadt sowie Hauptlehrer an der Großherzoglichen Landesbaugewerkeschule. Nachdem er Assistent an der Technischen Hochschule Darmstadt gewesen war, wurde er Professor für bürgerliche Baukunst. 1911 erhielt er eine Professur an der Kunstgewerbeschule in Wiesbaden, deren Direktor er von 1913 bis 1921 war. 1921 zum Oberbürgermeister von Heilbronn gewählt, wurde er 1933 seines Amtes enthoben und in den Ruhestand versetzt. Während des Dritten Reichs betätigte er sich wieder als Architekt, allerdings nun ohne Compagnon.Unter anderem baute er um 1937 ein Wohnhaus in der Bottwartbahnstraße 47 in Heilbronn-Sontheim. Die Bauakten liegen unter der Signatur A034-938 im Stadtarchiv Heilbronn. 1938 plante er den Umbau des Gebäudes Cäcilienstraße 52 und 52a in Heilbronn zum israelitischen Gemeindehaus. Diese Pläne wurden nicht mehr umgesetzt. Die Bauakten tragen die Signatur A034-1684. 1945 setzte die US-Militärregierung Beutinger wieder als Oberbürgermeister und zusätzlich als Landrat ein. Im Jahr darauf ging Beutinger als Oberbürgermeister in den Ruhestand. Beutinger war Gründer und langjähriger Herausgeber der Zeitschrift Industriebau.

Beutinger betrieb 1899 in Darmstadt noch alleine ein Atelier für Architektur und Kunstgewerbe, wie aus einem Firmenstempel mit dem Text „E. Beutinger / Atelier für Architektur / u. Kunstgewerbe / Darmstadt“ auf einem Entwurf aus dieser Zeit hervorgeht. auf kunsthandel-koskull.de Seine Möbel- und Zimmerentwürfe wurden 1904 in einem Artikel von Otto Schulze-Köln gelobt, der ihn bereits als „Baukünstler großen Stils“ bezeichnete.Otto Schulze: Architekt Emil Beutinger - Darmstadt und Heilbronn. In: Deutsche Kunst und Dekoration. Illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst und künstlerisches Frauen-Arbeiten. 14, 1904, S. 465 (ohne Abbildungen online auf digi.ub.uni-heidelberg.de) mini|Stempel aus dem Jahr 1906 und Unterschrift Beutingers Er tat sich offenbar wenig später mit Adolf Steiner zusammen.

Beutinger & Steiner als Architekten Beutinger & Steiner betrieben Architektur- und Designbüros in verschiedenen Orten. Genannt werden meist Darmstadt und Heilbronn, wo sie laut einem Firmenstempel die Nachfolge des 1903 verstorbenen August Dederer angetreten hatten,Firmenstempel mit dem Text „Aug. Dederer’s Nachfolger“ auf dem Plan zum Haus Bergstraße 25 und 27 später auch Stuttgart und Heilbronn.In der Schweizerischen Bauzeitung 61, 1913, S. 262 findet sich hinter der Firmenangabe Beutinger & Steiner die Ortsangabe „Heilbronn und Stuttgart“, im Baumeister 12, 1914, S. 55 ist die Version „Stuttgart-Heilbronn“ zu finden. In einem Briefkopf aus dem Jahr 1910Briefkopf von 1910 im Stadtarchiv Heilbronn sind zwar noch die Orte Heilbronn und Darmstadt angegeben, aber nur zwei Heilbronner Telefonnummern und keine in Darmstadt. Beutinger & Steiner bezeichnen in diesem Briefkopf ihr Unternehmen als „Specialbureau für Fabrikbauten“.

In einem Aufsatz in der Zeitschrift Dekorative Kunst aus dem Jahr 1911 lobte Franz Mannheimer die Werke der beiden Architekten, allerdings mit deutlichem Schwerpunkt auf Beutinger, unter anderem mit den Worten, Emil Beutinger habe bereits zu einer Zeit, als ringsum noch „die subjektiv bizarre Manier des Jugendstils herrschte“, einen „ruhigen, sachlichen Stil“ entwickelt, sich aber auch die Werte früherer Epochen nachfühlend anzueignen gesucht. Die Ateliergemeinschaft Beutinger & Steiner habe sowohl im In- als auch im Ausland „Villen von einfach ländlichem bis massiv geschlossenem Charakter“, Fabriken und außerdem Mietshäuser hervorgebracht, die unter den in Gessners Standardwerk Das deutsche Mietshaus vorgestellten Mietshäusern „am meisten persönlichen Charakter“ trügen.Franz Mannheimer: Das Haus Brüggemann in Heilbronn. In: Dekorative Kunst. XIV, März 1911, S. 249 in den Beständen des Stadtarchivs Heilbronn.

Die jüngsten von Beutinger & Steiner errichteten Bauwerke scheinen aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zu stammen, etwa das Portland-Zementwerk in Lauffen am Neckar, das 1911 errichtet wurde, und das Nettel-Kamerawerk in Sontheim aus dem Jahr 1912.

Beutinger & Steiner als Designer Beutinger & Steiner konzentrierten sich nicht nur auf Architektur, sondern entwarfen unter anderem auch Geschirr und andere Gefäße. In der Zeitschrift Die Kunst stellte J. Baum 1910 ein Kaffeeservice und hessische Töpfereien vor, die Beutinger & Steiner bei den Darmstädter Firmen L. Noacks Nachf. und E. Eckerts Nachf. hatten produzieren lassen. Weinkühler, Bowlen und Leuchter nach Entwürfen des Ateliers produzierte Carl Rittershaus, ebenfalls in Darmstadt ansässig.J. Baum: Arbeiten der Architekten Beutinger und Steiner in Heilbronn. In: Die Kunst. Monatshefte für freie und angewandte Kunst. XIII. Jahrgang, Band 22, 1910, S. 160 f. Im selben Heft dieser Zeitschrift findet man auch eine Gläserserie und diverse Kompottschalen nach Entwürfen von Beutinger & Steiner. die in dem Artikel Geschenke. Vom Schenken überhaupt. von Eugen Kalkschmidt vorgestellt wurden. Thema dieses ziemlich essayistischen Artikels war der Kampf zwischen Kunst und Kunsthandwerk, zwischen billiger Massenware und kaum erschwinglichen Designstücken sowie die Frage, ob denn auch bezahlbare, aber qualitativ hochwertige Waren auf diesem Sektor zu finden seien. Ausgewählt wurden nur Stücke zu einem Preis zwischen 2 und 150 Mark. Der Autor vermerkte: „Wir waren überrascht, wie viel Gutes sich fand, unter Arbeiten, die durchweg keine Massenware, sondern überwiegend handwerkliche Einzelprodukte sind, was ja bekanntlich die Mitarbeit der Maschine nicht ausschließt […]“Eugen Kalkschmidt: Geschenke. Vom Schenken überhaupt. In: Die Kunst. Monatshefte für freie und angewandte Kunst. XIII. Jahrgang, Band 22, 1910, S. 114–140, Abb. auf S. 121, Textzitat aus S. 131. Noch 1912 wurden in der Kunst. Entwürfe zu lichtechten Tapeten von Beutinger & Steiner. vorgestellt, die in der Tapetenfabrik Bammental angefertigt wurden.Die Kunst. Monatshefte für freie und angewandte Kunst. 26, 1912, S. 577.

Liste von Bauwerken

Bietigheim Adresse Baujahr Geschichte und Beschreibung Status Bild um 1909 Das Haus Grimm wurde für den Handelsgärtner Grimm errichtet. Die oberen Geschosse waren mit naturfarbigen Eichenholzschindeln verkleidet, die Fassaden ansonsten in grauem Putz und rotem Sandstein gehalten.Fortschritte der Technik 1, 1909, S. 1134. Das Bauwerk ist in dem Artikel von J. Baum in der Zeitschrift Die Kunst mit einer Außenansicht und drei Grundrissen vertreten. Mit Badezimmer, Loggia, Salon etc. genügte es auch gehobenen Ansprüchen.J. Baum: Arbeiten der Architekten Beutinger und Steiner in Heilbronn. In: Die Kunst. Monatshefte für freie und angewandte Kunst. XIII. Jahrgang, Band 22, 1910, S. 157 (Grundrisse) und S. 158 (Außenansicht). mini|hochkant|Haus Grimm um 1910

Gruppenbach Adresse Baujahr Geschichte und Beschreibung Status Bild 1907/08 Das Landhaus des Schultheißen Hiltwein wurde auf einer halben Seite in der Architektonischen Rundschau vorgestellt. Das Stadtarchiv Heilbronn besitzt das Blatt unter der Signatur D079-90.Haus des Schultheißen Hiltwein in Gruppenbach Außerdem auch Abbildungen in Der Profanbau. Zeitschrift für Geschäftshaus-, Industrie- und Verkehrs-Bauten.Nr. 19, 1. Oktober 1907mini|hochkant|Haus Hiltwein 1907

Heilbronn Adresse Baujahr Geschichte und Beschreibung Status Bild Allee 72 1914 Das Verwaltungsgebäude der Allgemeinen Ortskrankenkasse HeilbronnFotografie des Krankenkassengebäudes wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. nicht erhalten Badstraße 48 1909 Das Schwabenhaus ist das älteste Vereinsheim der Stadt.Ruderer holen Alpinisten ins Boot. in: Heilbronner Stimme. 12. Juni 2009. Bootshallen, Kegelbahn, Gesellschaftsräume und Terrassen wurden zunächst ausschließlich von den sogenannten „Ruderschwaben“ genutzt. J. Baum veröffentlichte in dem Artikel Arbeiten der Architekten Beutinger und Steiner in Heilbronn 1910 in der Zeitschrift Die Kunst außer den Grundrissen auch eine Außenansicht des Gebäudes.J. Baum: Arbeiten der Architekten Beutinger und Steiner in Heilbronn. In: Die Kunst. Monatshefte für freie und angewandte Kunst. XIII. Jahrgang, Band 22, 1910, S. 152–161 (online auf archive.org). Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, wurde das Gebäude später wieder aufgebaut. nach Kriegsschäden wieder aufgebaut, nicht denkmalgeschützt mini|Schwabenhaus um 1910 Bergstraße 25-27 1906 Das Doppelwohnhaus wurde für den Werkmeister Hermann Huber errichtet. Die Bauakten befinden sich unter Signatur A034-1394 im Stadtarchiv Heilbronn.Straßen- und Südseitenansicht des Hauses Bergstraße 25, 27 in den Bauakten nicht erhalten Bruckmannstraße 16a (?) 1904 Das Landhaus der Frau K. Gmelin wurde 1904 gebaut und 1907 in der Architektonischen Rundschau vorgestellt. Zwei Exemplare dieser Ausgabe befinden sich unter der Signatur D079-88 im Stadtarchiv Heilbronn, das sich offenbar über den Standort des Hauses nicht sicher ist. Eine Außenansicht sowie ein Grundriss wurden 1907 in Landhaus und Garten veröffentlicht.Hermann Muthesius (Hrsg.): Landhaus und Garten. Beispiele neuzeitlicher Landhäuser nebst Grundrissen, Innenräumen und Gärten. München 1907, S. 63 (online). Auf derselben Seite ist auch ein „Haus Wahl“ von Beutinger & Steiner in Heilbronn mit Außenansicht und Grundriss vertreten. nicht erhalten Cäcilienstraße 42 1907/08 H. Huber ließ sich ein Doppelwohnhaus bauen, das in der Architektonischen Rundschau vorgestellt wurde. Ein Exemplar der Bildtafel aus dieser Zeitschrift befindet sich unter der Signatur D079-89 im Stadtarchiv Heilbronn. Sie zeigt den Grundriss eines Stockwerks sowie eine Zeichnung der Straßenansicht des Hauses.Cäcilienstraße 42, Heilbronn kriegszerstört, nicht originalgetreu wiederaufgebaut mini|Haus Huber, 1907 Frankfurter Straße 18