Richard Morgan Fliehr (* 25. Februar 1949 in Memphis, Tennessee), besser bekannt unter seinem Ringnamen Ric Flair, ist ein ehemaliger US-amerikanischer Wrestler.
Er zählt zu den erfolgreichsten und bekanntesten Wrestlern der Geschichte. Flair ist nach Zählweise der WWE und der damaligen WCW ein 16-facher World Champion. Flair selbst gibt 21 World Titel Gewinne an. Seine Karriere umspannt sechs Jahrzehnte, er ist sowohl Mitglied der WWE Hall of Fame als auch der NWA Hall of Fame.
Ab 1974 trat er bei Jim Crockett Promotions unter dem Dachverband National Wrestling Alliance (NWA) auf. Er stand viele Jahre bei der Nachfolge-Promotion von Crockett Promotions World Championship Wrestling (WCW), sowie bei WWE (vormals WWF) unter Vertrag. In der WCW war er zeitweise auch als Booker tätig. Er war Anführer des Stables Four Horsemen, das sich 1984 bildete und zu den einflussreichsten Gruppierungen der Wrestlinggeschichte wurde. Sein Gimmick The Nature Boy übernahm er 1978 von Buddy Rogers. Seine Tochter Charlotte Flair zählt zu den erfolgreichsten Wrestlerinnen der Gegenwart.
Privatleben Laut seiner Autobiographie ist Richard Morgan Fliehrs tatsächlicher bürgerlicher Nachname nicht gänzlich nachzuvollziehen, da er nach der Geburt zur Adoption freigegeben wurde. Fliehr gibt jedoch an, dass er höchstwahrscheinlich als Fred Phillips, Sohn von Ollive und Luther Phillips, zur Welt kam.Ric Flair: To Be The Man Die Adoptionsagentur wurde später überführt, betrügerisch Adoptionsfreigaben von Müttern erlangt und dieses durch Aktenmanipulation vertuscht zu haben. Das Baby, das von seinen Adoptiveltern darauf Richard Morgan Fliehr genannt wurde, wurde am 25. Februar 1949 in Memphis, Tennessee geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er nach einem Umzug mit seinen Adoptiveltern in der kleinen Stadt Edina in Minnesota. Schon sehr früh waren seine sportlichen Fähigkeiten zu erkennen. In der Highschool spielte er Basketball und wurde High-School-Amateurmeister im Ringen. Außerdem spielte er in seiner College-Zeit Football an der Universität von Minnesota. Richard Fliehr verließ die Universität ohne Abschluss und arbeitete kurze Zeit als Türsteher in einem Nachtclub, wo er Ken Patera, einen ehemaligen Olympiateilnehmer im Gewichtheben traf, der sich auf seine Zweitkarriere als Wrestler vorbereitete. Durch Pateras Vermittlung gelangte Fliehr zu seinem ersten Trainer.
Er war seit 2006 zum dritten Mal verheiratet, doch auch diese dritte Ehe wurde geschieden. Am 11. November 2009 heiratete Fliehr seine nunmehr vierte Ehefrau; im Herbst 2012 lief auch die Scheidung von dieser.
Aus seinen früheren Ehen hat er vier Kinder. Seine Söhne David und Reid sowie seine Tochter Ashley Fliehr sind bzw. waren ebenfalls Wrestler. David hat sich bereits teilweise wieder aus dem Wrestling-Geschäft zurückgezogen. Reid verstarb am 29. März 2013 im Alter von 25 Jahren an Drogenmissbrauch. Ashley tritt aktuell in der WWE unter ihrem Ringnamen Charlotte Flair auf.
Fliehr ist in der Vergangenheit regelmäßig als Unterstützer der amerikanischen Republikaner aufgetreten und erwog im Jahre 2000 eine eigene Kandidatur als Gouverneur des US-Staates North Carolina, die jedoch im Sande verlief.
Fliehr war laut eigenen Angaben viele Jahre lang alkoholkrank, was ihm beinahe das Leben kostete.Ric Flair says he had at least 15 drinks per day before he nearly died, usatoday.com, 20. Oktober 2017, abgerufen am 17. Mai 2022
Wrestling-Karriere American Wrestling Association (1972–1974) Flair wurde von Verne Gagne sowie Billy Robinson trainiert und debütierte am 10. Dezember 1972 unter dem Ringnamen Ric Flair, den er seitdem beibehalten hat, in der American Wrestling Association (AWA) gegen „Scrap Iron“ Gadinski. Das Match endete in einem Unentschieden. Flair trat drei Jahre für die AWA an und wechselte dann zur National Wrestling Alliance (NWA), dem Dachverband zahlreicher regionaler Wrestlingligen.
Jim Crockett Promotions/World Championship Wrestling (1974–1991) In dieser Zeit übernahm Flair das „Nature Boy“-Gimmick von Buddy Rogers und begann eine Adaptation von Also sprach Zarathustra von Richard Strauss als Einmarschmusik zu nutzen. Ric Flair etablierte sich als Tag-Team- und Einzelwrestler. Am 3. Juni 1975 gewann er seinen ersten Wrestlingtitel, den „NWA Television Title“, durch einen Sieg über Paul Jones, musste diesen jedoch eine Woche später in einem Rückmatch wieder an Jones abgeben. Am 20. September 1975 erhielt Flair seinen zweiten Titel, den „NWA Mid-Atlantic Heavyweight Title“, als er seinen Kontrahenten Wahoo McDaniel besiegte.
Am 4. Oktober 1975 wurde er bei einem Flugzeugabsturz am Rücken schwer verletzt, sodass ihm das Ende seiner Karriere vorausgesagt wurde. Nach Krankenhausaufenthalt und intensiver Physiotherapie konnte er seine Karriere jedoch fortsetzen. Am 24. März 1976 wurde Flair, in Charlotte, North Carolina, zum zweiten Mal „NWA Mid-Atlantic Heavyweight Champion“, indem er, wie beim ersten Titelgewinn, ein Match gegen Wahoo McDaniel gewann. Der Titel wechselte 1976 noch einige Male zwischen Flair und McDaniel. Ziel dieser intensiven Fehde war es, Ric Flair zum neuen Star der NWA aufzubauen. Er und sein neuer Tag-Team-Partner Greg Valentine wurden „NWA Tag-Team Champions“, indem sie am Weihnachtstag 1976 Gene und Ole Anderson besiegten.
miniatur|Flair als NWA World Heavyweight Champion (1986) In der NWA gewann Flair den NWA United States Heavyweight Title gleich fünf Mal, bis er schließlich 1981 erstmals den NWA World Heavyweight Title von Dusty Rhodes erhielt. Insgesamt erhielt Flair diesen Titel achtmal. 1984 schloss er sich mit Arn Anderson, Tully Blanchard und Ole Anderson zur Gruppierung „The Four Horsemen“ zusammen. In der Folgezeit dominierten die Horsemen jahrelang die Haupt-Storylines der NWA und hielten zeitweise alle Titel der Liga.
Nachdem der Promotor Jim Crockett ab 1986 mehrere lokale Wrestlingpromotionen im Südosten und Mittelwesten der Vereinigten Staaten unter seine Kontrolle gebracht und zur Promotion World Championship Wrestling (WCW) geformt hatte, trat Fliehr weiter als „Ric Flair“ für diese an. Flair war der Top-Star von WCW und hatte auch hinter den Kulissen großen Einfluss.
World Wrestling Federation (1991–1993) Bis 1991 war Flair der absolute Topstar von WCW. Als es zu Meinungsverschiedenheiten mit den Offiziellen der Liga kam, die seinen Einfluss beschneiden, sein Gimmick verändern und vor allem sein Gehalt kürzen wollten, verließ Flair die Promotion und schloss einen Vertrag mit deren Hauptkonkurrenz, der World Wrestling Federation. Da Flair zu diesem Zeitpunkt amtierender WCW World Heavyweight Champion war und deren Titelgürtel mitnahm (Flair hatte, wie alle Titelhalter, für den Gürtel ein Pfand hinterlegt, dieses aber nicht zurückerhalten), ließ ihn sein neuer Arbeitgeber an der Seite seines „technischen Beraters“ Mr. Perfect mit dem Gürtel der Konkurrenz-Promotion als „Real World Champion“ auftreten. Der Rechtsstreit zwischen Flair und seinem früheren Arbeitgeber um die Herausgabe des Gürtels endete erst ein Jahr später, nachdem Flair das gezahlte Pfand nebst Zinsen zurückerhalten hatte. Beim PPV Royal Rumble 1992 erhielt Flair aufgrund eines Sieges bei der namensgebenden Battle Royal den „WWF World Heavyweight Title“. Diesen verlor er bei WrestleMania VIII gegen Randy Savage, gewann ihn im Sommer allerdings noch ein zweites Mal, bevor er 1993 die WWF schließlich wieder in Richtung World Championship Wrestling verließ. Laut Storyline musste er die WWF aufgrund einer Niederlage bei einem „Loser leaves WWF“-Match gegen Mr. Perfect verlassen.
Rückkehr zur World Championship Wrestling (1993–2001) miniatur|Flair im Jahr 1996 Bei World Championship Wrestling wurde Flair, der weiter sein gewohntes Gimmick verwendete, sofort wieder ein Star der Promotion. Bereits bei der Großveranstaltung Starrcade 1993 erhielt er den WCW World Heavyweight Title wieder, diesmal von dem als „Vader“ antretenden Leon White. Die Promotion führte ihn dann in eine Fehde mit Wrestling-Ikone Hulk Hogan, der 1994 den Titel von Flair übernahm und dem 45-jährigen Wrestler später durch einen Sieg in einem Karriere-bedrohenden Match eine Auszeit verschaffte.
Nach einer nicht allzu langen Zeit kehrte Flair zurück und es folgte eine Fehde gegen „Macho Man“ Randy Savage, der zwischenzeitlich von Hogan den Titel übernommen hatte. Im Verlauf dieser Fehde wechselte der Titel mehrmals. Flair spielte auch weiterhin wesentliche Rollen in den wichtigsten Storylines der Promotion. Mit seinen „Four Horsemen“ bildete er den Kern der Gegner des laut Storyline die Übernahme der Promotion anstrebenden Stables „nWo“. Anfang 1998 wurde Flair von der Promotion wegen einer unerlaubten Abwesenheit bei einer Fernsehveranstaltung suspendiert. Bei seiner Rückkehransprache fiel er aus der Rolle des Ric Flair und beschuldigte WCW-Präsident Eric Bischoff, die Wünsche der Fans zu missachten. Ob es sich dabei um einen sogenannten „Shoot“, der aufgrund des Starstatus Flairs vertuscht werden sollte, oder einen vorgetäuschten „worked shoot“ handelte, ist unklar. Es schloss sich an die Rückkehr eine Storyline an, in der Flair gegen Bischoff um die Präsidentschaft der WCW rang, diese durch einen Sieg bei einem Stahlkäfig-Match gegen Hulk Hogan gewann und ihm so das Amt des WCW-Präsidenten auf Lebenszeit zugeschrieben wurde.
WCW war allerdings bereits im März 2001 bankrott und wurde von der damaligen World Wrestling Federation aufgekauft. Das letzte Match der Promotion bestritten die langjährigen Top-Stars der Promotion Ric Flair und Sting. WCW-Präsident Flair, zu der Zeit die Rolle eines sogenannten „Heels“ spielend, verlor das Match.
Rückkehr zur World Wrestling Federation/Entertainment (2001–2008) miniatur|Flair bei WrestleMania X8 Nach einer Abwesenheit vom Wrestling trat der 50-jährige ab November 2001 mit seiner angestammten Rolle als „Ric Flair“ für seinen neuen Arbeitgeber als angeblicher Teilbesitzer der zu „World Wrestling Entertainment“ umbenannten World Wrestling Federation auf. Die Teilbesitzer-Storyline wurde zu einer Fehde zwischen dem tatsächlichen Eigner Vince McMahon und Flair, in deren Verlauf WWE in die zwei Teilpromotionen SmackDown! und RAW aufgespalten wurde, von denen jeder Fehdengegner eine kontrollierte. Die Fehde wurde schließlich mit einem Sieg McMahons aufgelöst.
Flair erhielt bei WWE über die Jahre mehrere Titel, zunächst den des World Tag Team Champions, den er zweimal mit Batista gewann, mit dem er auch in dem Stable „Evolution“ verbunden war.
Am 18. September 2005 wurde Flair bei der Großveranstaltung Unforgiven nach einem Sieg gegen Carlito der bis dato älteste WWE Intercontinental Champion, was er bis zum 20. Februar 2006 bleiben durfte, um den Titel dann an Shelton Benjamin zu verlieren.
Anschließend nahm Flair wieder eine mehrmonatige Pause, um sich zu erholen und zum dritten Mal zu heiraten, bevor er in das Programm zurückkehrte. Aus einer Zwistigkeit mit „Hardcore Wrestling“-Legende Mick Foley, über den Flair sich in seiner im Juli 2004 unter seinem Ringnamen veröffentlichten Autobiographie „To Be the Man“ abfällig geäußert hatte, entwickelte World Wrestling Entertainment eine Fehde zwischen Foley und Flair, die sich über mehrere Monate erstreckte. Tatsächlich hatten die beiden Wrestler den Streit schon vor Beginn der Storyline beigelegt.