Gustav Haeberle (* 14. April 1853 in Memmingen; † Januar 1930 in Bamberg) war ein deutscher Architekt und Vertreter des Historismus.
Leben und Wirken miniatur|Rechts der von Haeberle errichtete neue Palas der Bamberger Altenburg miniatur|Ansicht der Mälzerei Weyermann in Bamberg Gustav Haeberle studierte in Stuttgart Architektur und in München Ingenieurwesen. Danach war er zunächst als Bauassistent in seiner Geburtsstadt tätig, ehe er in dieser Funktion 1877 nach Bamberg kam. Dort arbeitete er bis zu seinem Lebensende und beeinflusste mit über 100 Bauwerken das Stadtbild. Zu seinen Frühwerken gehört die Ausfertigung der Pläne für das heutige Clavius-Gymnasium. Seine Heirat mit Kunigunde Weyermann 1880 verschaffte ihm auch berufliche Vorteile, da er so in den Kreis der Honoratioren im Altenburg-Verein gelangte, was ihm half, zwei seiner prägendsten Aufträge zu erhalten: den Komplex der Malzfabrik seines Schwagers Johann Baptist Weyermann (dessen bauliche Entwicklung er über Jahrzehnte begleitete) und die Erneuerung der Altenburg.
In seiner Eigenschaft als Distriktbautechniker und Kreisbaureferent war er unter anderem verantwortlich für mehrere Schulhäuser und Kirchen im Landkreis Bamberg, die Erneuerung der Marienkapelle und des Alten Rathauses in Scheßlitz. Mit seinem Stil, der in rücksichtsvoller, spielerischer Phantasie den Münchner Historismus eines Gabriel von Seidl aufgriff, traf er den Geschmack der Gründerzeit. Seine Werke als sorgfältiger und fleißiger Geschäftsmann wurden vor allem von aufstrebenden Unternehmern in Auftrag gegeben: oft Wohnhäuser, aber auch Zweckbauten wie Fabriken und Lagerhäuser. Neben den bereits erwähnten Hauptwerken Weyermann und Altenburg war er auch bei der Gestaltung der Brennerstraße, des Kunigundendamms und des Michelsbergs über mehrere Jahre federführend tätig. Dabei war ihm die städtebauliche Einbindung seiner Bauten wichtig. Als einer der ersten Architekten wandte er die Fotomontagetechnik an, um die Sichtbeziehungen und Wirkungen seiner Projekte deutlich zu machen. Wo sich ihm die Gelegenheit bot, versuchte Haeberle, aus seinen Gebäuden Gesamterscheinungen zu machen, indem er Details wie Geländer, Fliesen und Fenstergriffe entwarf. Im Gegensatz zu seinen Bauwerken sind die ebenfalls oft aufwändigen Inneneinrichtungen meist nicht erhalten geblieben. Ausnahmen sind etwa auf der Altenburg, aber auch im Geschäftshaus Grüner Markt 16 im Haeberle-Zimmer in der ehemaligen Buchhandlung Hübscher (heute Buchhandlung Osiander) zu finden.
Werk Bauten und Entwürfe (Auswahl) 1877: „Realschule“ (heutiges Clavius-Gymnasium) in Bamberg, Kapuzinerstraße 29 1878: Klarissenkaserne in Bamberg, Schillerplatz 13 und 15 (nicht erhalten) 1879: Mainbrücken in Breitengüßbach und Hallstadt 1883: „Villa Trautheim“ des Apothekers Sippel, Laurenzistraße 28, 1892 nach einem Brand wieder aufgebaut 1884: Marienkapelle in Scheßlitz 1885: Kapelle und Schulhaus in Oberoberndorf 1886: Kapelle von Schederndorf 1887: Marienbrunnen am Marktplatz von Scheßlitz 1888–1929: Mälzerei und Villa Weyermann in Bamberg, Brennerstraße 15/19 1889: Mariahilfanstalt in Bamberg, Stephansplatz 2 1889: Wohnhaus Buchner C.C. und Söhne (heutiges Medienhaus Hübscher) in Bamberg, Grüner Markt 16 1890: Knabenhort in Bamberg, Amalienstraße 10 1891: Bierstube im „Hotel Krone“ in Bamberg, Lange Straße 12/14 1891–1902: Umbau der Altenburg in Bamberg 1892: Doppelhaus mit „Hotel Kaiserhof“ in Bamberg, Luitpoldstraße 45/47 1892: Privilegierte Schützengesellschaft in Bamberg, Schönleinsplatz 1 (in den 1950er Jahren durch Neubau der Sparkasse ersetzt) 1894: Schulhaus in Demmelsdorf 1894: Wallfahrtskapelle Steinknock in Mistendorf 1894–1896: Evangelische Stadtpfarrkirche St. Johannis in Forchheim 1897–1911: Gross & Bohrer in Bamberg, Zollnerstraße 76 1898: Kaufhaus Kipfmüller in Bamberg, Hauptwachstraße 15/17 1898: Umbau Altes Rathaus in Scheßlitz 1899: Herz-Jesu-Kirche in Schwürbitz 1899–1912: Wohnhäuser in Bamberg, Kunigundendamm 1899: Kaufhaus Witt in Bamberg, Obere Königstraße 20 1900: Kirche Heilige Familie in Windischletten 1901: Villa Horn (späteres Karl-May-Museum) in Bamberg, Hainstraße 11 1902: Wohnhaus des Kutschers Georg Alt in Bamberg, Josephstraße 7 1902–1912: Mehrere Villen am Michelsberg in Bamberg (darunter die Villa Schröppel) 1903: Martin-Luther-Kirche in Lichtenfels 1903: Schäftefabrik Moritz Horn in Bamberg, Amalienstraße 11a 1903: Ehemalige katholische Filialkirche Septem Dolores in Gundelsheim, heute evangelische Markuskirche 1904: Villa Urban in Bamberg, Wildensorger Straße 8 1906–1914: Wohnhäuser im Umfeld der Mälzerei Weyermann in Bamberg, Brennerstraße 1907: Erweiterung Brauerei Mahr in Bamberg, Wunderburg 12 1907–1927: Heilstätte in Bischofsgrün 1909: Wirtschaft der Maisel-Bräu in Bamberg, Obere Königstraße 38 1911: Kinderbewahranstalt in Bamberg, Kleberstraße 30 1911: Villa Türk & Kneitz in Kulmbach, Luitpoldstraße 9 1913: Kontor- und Wohnhaus Farbenfabrik Hornauer in Bamberg, Hartmannstraße 3 1914: Regattahaus in Bamberg, Stadtpark Hain 1920: Aufstockung Wohnhaus an der Maisel-Bräu in Bamberg, Moosstraße 46 1927: Bau der Kontorhauses der Maisel-Bräu in Bamberg, Moosstraße 46 1929: Festsaal für die Mälzerei Weyermann
Weblinks
Seite der Mälzerei Weyermann mit Portraitaufnahme von Gustav Haeberle
Einzelnachweise
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