Die Zerstörer vom Typ B 97 waren acht Boote, die 1914 von der Kaiserlichen Marine nach Beginn des Ersten Weltkriegs bestellt wurden. Die Boote entstanden auf Vorschlag der Werft Blohm & Voss, die einen Nachbau der russischen Großzerstörer vom Typ Nowik unter Verwendung deutscher Zulieferungen für im Bau befindliche russische Zerstörer vorschlug.
Die Boote waren ab 1915 bei der Hochseeflotte im Einsatz, nahmen an der Skagerrakschlacht und an folgenden Flottenvorstößen teil und mussten 1918 zum Teil mit der Hochseeflotte nach Scapa Flow ausgeliefert werden.
Nur B 97 kam nach dem Kriegsende zu einer weiteren Verwendung. Das an Italien ausgelieferte Boot wurde dort als Zerstörer und Versuchsschiff eingesetzt und erst 1939 abgewrackt.
Geschichte
Baugeschichte Die Geschichte der ersten deutschen Zerstörer ist eng mit Entwicklungen deutscher Werften für andere Marinen verknüpft. Die Kaiserlich Russische Marine forderte 1909 ein größeres und schwerer bewaffnetes Fahrzeug mit Turbinenantrieb und einer Geschwindigkeit von über 30 Knoten für seine Torpedoverbände. Entsprechende Angebote wurden von erfahrenen ausländischen Werften eingeholt. Als Prototyp wählte man den Entwurf eines 1.280 t großen Fahrzeugs aus, das Ölfeuerung und Turbinenantrieb erhalten sollte und von der AG Vulcan in Stettin angeboten wurde. Das gesamte Projekt wurde einschließlich der dazugehörigen Zeichnungen angekauft, und die AG Vulcan erhielt den Auftrag, die Kessel- und Turbinenanlage zu liefern. Die erforderlichen Mittel, die das Komitee zur Verstärkung der russischen Flotte durch freiwillige Beiträge zur Verfügung stellte, beliefen sich am Ende auf über 2 Millionen Rubel. Das Boot sollte ursprünglich auch von der AG Vulcan gebaut werden, doch nach heftigen Protesten und intensiver Lobby-Arbeit bekam die Putilow-Werft in St. Petersburg den Zuschlag, die brisanterweise eng mit der Werft Blohm & Voss in Hamburg zusammenarbeitete und zudem an Putilow auch finanziell beteiligt war.
Auf der Basis des Prototyps Nowik bestellte die russische Marine nach ähnlichen Plänen bei verschiedenen russischen Werften ab 1912 über 30 Zerstörer für die Baltische Flotte und mehr als 15 für die Schwarzmeerflotte. Die deutschen Werften Blohm & Voss, Schichau und AG Vulcan waren weiter an den Detailplanungen und der Zulieferung von Bauteilen, insbesondere Maschinenanlagen, beteiligt und unterstützten die beauftragten russischen Werften.
Bei Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 waren bei Blohm & Voss je zwei Antriebsanlagen für Zerstörer der Leitenant-Iljin-Klasse und der Gawriil-Klasse für die Auslieferung an die Putilow-Werft sowie die Russisch-Baltischen Werke in Reval bereit. Blohm & Voss schlug der Kaiserlichen Marine vor, diese Turbinensätze in neu zu bauende Zerstörer nach den von ihr mitentwickelten russischen Plänen einzubauen und glaubte, derartige Zerstörer in sechs Monaten liefern zu können. Der Staatssekretär im Reichsmarineamt, von Tirpitz, setzte diesen Vorschlag und die Bestellung von vier weiteren Einheiten durch.
Die neuen Zerstörer hatten eine Länge von 98 m, eine Breite von 9,35 m und einen Tiefgang von 3,8 m. Sie verdrängten unter normalen Einsatzbedingungen 1.374 t (max. 1.843 t) und konnten mit der von vier Kesseln gespeisten 40.000-PS-Turbinenanlage über zwei Wellen schneller als 36 Knoten laufen. Sie hatten eine reine Ölfeuerung, die ihnen bei dem Vorrat von 527 t einen Fahrbereich von 2.600 Seemeilen bei 20 kn gaben. Die Bewaffnung bestand aus vier 8,8-cm-L/45-Kanonen für Torpedoboote, die auf dem Vorschiff, zwischen den Schornsteinen und am Heck auf der Mittellinie der Boote standen. Dazu kamen sechs 50-cm-Torpedorohre. Zwei einzelne drehbare Rohre standen nebeneinander vor dem Brückenhaus, und ihre Drehkreise schnitten in das Vorschiff ein. Hinter den drei Schornsteinen standen zwei drehbare Zweier-Torpedorohrsätze auf der Mittellinie, deren beide Rohre einen festen Winkel zueinander hatten. Dazu waren auf der Steuerbordseiten Schienen zum Transport und Abwurf von bis zu 24 Minen vorhanden.
Die neuen Boote waren die ersten Drei-Schornstein-Boote der kaiserlichen Torpedowaffe; sie waren größer, schneller und stärker bewaffnet als alle anderen Torpedoboote. Erstmals wurde bei ihnen und den von der Germaniawerft fertiggebauten Argentinienbooten G 101-104 neben den Bezeichnungen „Torpedoboot 1914R(ussland)“ sowie „Torpedoboot 1914A(rgentinien)“ auch der Begriff „Zerstörer“ verwandt.
Das 1914 modernste deutsche „Hochseetorpedoboot“ V 25 verdrängte nur 812 (max. 975) t, war 78,5 m lang, hatte eine Maschinenleistung von 23.500 PS für 33,5 kn und hatte eine Reichweite von 1.080 sm bei 20 kn. Bewaffnet waren die Boote dieses Typ mit drei 8,8-cm-L/45-Kanonen, ebenfalls sechs Torpedorohren sowie optional 24 Minen.
Am 15. Dezember 1914 lief mit B 97 das erste Boot der Klasse vom Stapel, dem B 98 am 2. Januar 1915 folgte. Am 13. Februar 1915 wurde B 97 als erstes Boot in Dienst gestellt. B 98 folgte im März. Für die beiden anderen Antriebsanlagen sollte die Hamburger VulkanwerftBauliste Hamburger Vulcan die Zerstörerrümpfe bauen, die sich letztlich etwas von den Blohm & Voss-Bauten unterschieden. Die Vulkan-Boote V 99 und V 100 liefen erst am 9. Februar bzw. 8. März 1915 vom Stapel und kamen im April und Juni zur Flotte.
Im Juni 1915 kamen auch schon die ersten nachbestellten Boote B 109 und B 110 in Dienst, denen dann die zweite Nachbestellung (B 111, B 112) im August und September folgte. Zusammen mit den vier von Argentinien bestellten, etwas kleineren und langsameren Germania-Booten G 101-G 104 (1116/1734t) wurde mit ihnen die II. Torpedoboot-Flottille mit neuem Schiffsmaterial ausgerüstet. Diese Flottille war damit, unter dem Kommando von Korvettenkapitän Heinrich Schuur und später Oskar Heinecke, die schlagkräftigste Einheit der kaiserlich-deutschen Torpedobootsverbände und wurde auch entsprechend eingesetzt.
Bezogen auf ihre Größe, Kampfkraft und Seefähigkeit wie -ausdauer, waren die Boote mit den gleichaltrigen britischen Flottillenführern vergleichbar – nur dass sie innerhalb der Kaiserlichen Marine zu einer eigenständigen Flottille zusammengefasst wurden und damit gleichfalls einen Eliteverband darstellten – was es auf britischer Seite zu diesem Zeitpunkt so nicht gab.
Einsatzgeschichte Als 1915 der Einsatz der Boote bei der Kaiserlichen Marine begann, wurden die ersten fertigen Blohm & Voss-Boote mit den Germania-Bauten in der Nordsee eingesetzt. Die beiden Vulkan-Boote stellte man dem Befehlshaber der Aufklärungsstreitkräfte der Ostsee, Konteradmiral Hopman, für den Vorstoß in die Rigaer Bucht zur Verfügung. mini|Die Nowik Am 16. August 1915 begann der Versuch, in die Rigaer Bucht einzudringen. Bei einsetzender Dämmerung wurde der Versuch, eine geräumte Gasse durch die Minensperren zu schaffen, vertagt. Die deutsche Führung entschied, die Zerstörer V 99 und V 100 zu einem Torpedo-Nachtangriff auf das russische Schlachtschiff Slawa einzusetzen. Die Boote liefen um 18:30 Uhr dicht unter der kurländischen Küste an den russischen Minensperren vorbei in die Irbenstraße ein und hatten gegen 20 Uhr ein kurzes Gefecht mit zwei älteren russischen Zerstörern der Ochotnik-Klasse, die das Gefecht abbrachen und sich zurückzogen. Beide Boote suchten weiter nach der Slawa und stießen dabei bis zur Linie Insel Runö – Halbinsel Fettel auf Ösel vor. Der Rückmarsch erfolgte über die Arensburger Bucht von Ösel, ohne wegen der Dunkelheit die dort liegende Slawa zu entdecken. Gegen 2 Uhr stießen die deutschen Boote südöstlich Zerel auf zwei Boote der Ukraina-Klasse, die mit Torpedos angegriffen wurden. Die Torpedos unterliefen die russischen Boote. mini|Die sinkende V 99 Gegen 4:15 Uhr entdeckte V 99 einen russischen Zerstörer und griff ihn sofort an. Es handelte sich um die Nowik, das Typschiff auch der deutschen Zerstörer. Sie erhielt sofort Unterstützung durch die drei kleineren Boote Emir Bucharski, Finn und Dobrowolez der Emir-Bucharski-Klasse. V 99 erhielt mehrere Treffer, und es brachen Brände im Vorschiff und mittschiffs aus. Das deutsche Boot versuchte durch die bekannten russischen Minenfelder nahe der kurländischen Küste zu entfliehen und erhielt dabei zwei Minentreffer. Um 5 Uhr griff V 100 ein und nebelte das Schwesterboot ein, dem auch S 31, S 34 und V 108 zur Hilfe eilten. Das alarmierte Schlachtschiff Posen vertrieb mit seiner schweren Artillerie die russischen Boote. Alle Rettungsmaßnahmen waren jedoch vergebens, da das immer tiefer sinkenden Boot nicht zu halten war. Um 8 Uhr sank V 99 am 17. August 1915 auf der Position vor Pissen unter Verlust von 21 Mann.Hildebrandt: Die deutschen Kriegsschiffe. Bd. V, S. 52 V 100 konnte den Rest der Besatzung einschließlich 22 Verwundeter vom sinkenden Schwesterboot retten.
Das Gefecht hatte deutlich gemacht, dass die Bewaffnung der deutschen Boote unzureichend war, da die russischen Boote durchgängig über 102-mm-Geschütze verfügten. Daher wurde auf deutscher Seite entschieden, alle Zerstörer mit 10,5-cm-L/45-Geschützen in einer neu entwickelten Lafette nachzurüsten, was bis zum April 1916 abgeschlossen wurde. mini|Zerstörer der Hawthorn-M-Klasse Am 17. August 1915, als am frühen Morgen die V 99 in der Ostsee sank, kam es auch in der Nordsee zu einem Gefecht der Zerstörer der II. Torpedobootsflottille, die auf dem Rückmarsch von einem Vorstoß zum Horns Riff auf den britischen Hilfsminenleger Princess Margaret (5.934 BRT) gesichert durch Zerstörer der 10th DF und 4th DF traf, die eine Minensperre nahe der Amrumbank legen wollten. Nur die B 98 schoss Torpedos ab, verfehlte die Princess Margaret in der sehr dunklen Nacht bei ruhiger See und traf den Zerstörer Mentor. Die Mentor verlor ihren Bug, konnte aber nach Harwich zurücklaufen. Die Briten brachen nach ihrer Entdeckung die Operation ab.
Am 10. Februar 1916 kam es bei einem Vorstoß der II. Torpedobootsflottille zur Doggerbank erneut zu einem Zusammenstoß mit Minenlegern, was allerdings von deutscher Seite nicht erkannt wurde, da die Sloops der Flower-Klasse als Kreuzer angesprochen wurden. Daher wurde nur die Arabis durch einen Torpedotreffer eines Germania-Bootes versenkt. mini|Die Galatea, deren Schüsse auf deutsche Zerstörer die Schlacht eröffneten In der Seeschlacht am Skagerrak am 31. Mai/1. Juni 1916 nahmen die vorhandenen elf Zerstörer als II. Torpedobootsflottille im Verband der Aufklärungsstreitkräfte unter dem II.FdT auf der Regensburg teil. B 109 und B 110 liefen mit dem Kleinen Kreuzer Elbing (begonnen als russ. Admiral Newelskoi) auf der linken Seite des deutschen Schlachtkreuzergeschwaders, als die beiden Zerstörer bei der Kontrolle eines dänischen Dampfers durch den britischen Kreuzer Galatea entdeckt wurden. Galatea und Phaeton eröffneten das Feuer. Die Elbing erwiderte es und erzielte aus Maximaldistanz den ersten Treffer der folgenden Schlacht auf der Galatea.Hildebrandt, Bd. II, S. 61 Die Zerstörer liefen dann lange auf der dem Gefecht abgewandten Seite der Schlachtkreuzer. Als das britische 3. Schlachtkreuzer-Geschwader in das Gefecht eingriff, kamen auch die Zerstörer ins Gefecht und beschossen den Leichten Kreuzer Chester und die Zerstörer Acasta und Shark. Auch B 98 erhielt einen Treffer, der den hinteren Zwillingstorpedosatz zerstörte, zwei Mann tötete und weitere elf verletzte. Keiner der deutschen Zerstörer ging in der Schlacht verloren, die in der Nacht den Kontakt zum Feind, wie zur Hochseeflotte, verloren und um Skagen nach Kiel zurückmarschierten.
In die Nordsee erfolgten noch 1916 und 1917 weitere Vorstöße ohne Feindkontakt. mini|Die Tagga-Bucht, wo die Deutschen am 12. Oktober 1917 landeten