mini|Arnold Mercator: Kölner Stadtansicht von 1570, Neuenahrer Hof auf dem Berlich mit zugekauften Wohnungen und Haus zum Bongart (S ↔ N)|200px Der Hof zur bunten Feder, Schönforster Hof oder Neuenahrer Hof war ein Adelshof der Familien Medmann, Schönforst und Neuenahr in Köln, der in den 1640er Jahren niedergelegt wurde. Ein Treppenturm und ein eingemauerter Grinkopf der Hofanlage sind im Kloster St. Maria in der Kupfergasse erhalten.
Geschichte Der Hof lag auf dem Berlich im Schreinsbezirk von St. Kolumba an der Ecke Langgasse (heute: Neven-DuMont-Straße) / Schwalbengasse vor dem Beginn der Kupfergasse.Vgl. Angela Kulenkampff: Zur Ausstattung der Grablege der Grafen von Neuenahr im ehemaligen Zisterzienserinnenkloster Mariengarten in Köln zwischen 1459 und 1530 - zugleich ein Beitrag zum Werk des Meisters der Heiligen Sippe. In: Ulrich Schneider (Hrsg.): Festschrift für Gerhard Bott. Anthes, Darmstadt 1987, S. 36. Die Schwalbengasse wurde auch GoldgassVgl. Yvonne Leiverkus: Köln. Bilder einer spätmittelalterlichen Stadt. (diss. phil. Düsseldorf). Böhlau, Köln 2005, S. 163–172, bes. S. 163. oder Der kleine Berlich genannt.Vgl. Joseph Greving (Bearb.): Steuerlisten des Kirchspiels S. Kolumba in Köln. In: Mitteilungen aus dem Stadtarchiv von Köln 12 (1902), S. 158 und 170. Der Besitz grenzte im Süden an den St. Annen-Konvent zum Lämmchen und im Südwesten an das Haus Zum Bongart oder St. Cornelishof der Reichsabtei Kornelimünster, die beide an der Breite Straße lagen. Westlich von der Hofstelle lag eine landwirtschaftlich genutzte Fläche und dahinter an der Ecke Schwalbengasse / Auf dem Berlich gegenüber dem Klarissenkloster Sankt Clara eines der öffentlichen „Frauenhäuser“ (Badstube, gemein Haus)Vgl. Einträge vom 25. August 1438; 18. September 1476 oder 16. Mai 1601; Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 10A Ratsmemoriale A 1M, Blatt 162; A 3M, Blatt 61; Bestand 10B Ratsprotokolle, A 51, Blätter 31f); Urkunde vom 20. Februar 1471 (Bestand 1 Haupturkundenarchiv, U 1/13138), u. ö. der Stadt.
Hof zur bunten Feder Das Anwesen hieß ursprünglich „Hof zur bunten Feder“; dieser Name wird rückblickend erwähnt (1361, 1431, 1582). Als einer der ersten Besitzer des Hauses van der bonten vederen wird „Heinrich de varia penna (= von der bunten Feder)“ genannt.Einträge vom 11. März 1361 (rückblickend) im Schreinsbuch von St. Kolumba; Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 103 Columba, Urkunde 1/680; Bestand 227 Johann und Cordula, U 1/96). In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts besaß Johann de Medemen (= Mettmann) den Hof. Das Haus Medmann („dom[us] Medeme“) lag 1313 an der SchwalbengasseVgl. Hermann Keussen: Topographie der Stadt Köln im Mittelalter (Preis-Schriften der Mevissen-Stiftung 2), Hanstein, Bonn 1910, Bd. I, S. 375f; Bd. II, S. 457; Toni Diederich: Regesten zu den Urkunden des Amtleutearchivs St. Columba in Köln. (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde, Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde 48). Droste, Düsseldorf 2009, S. 189f. gegenüber dem Haus SchauenbergDie Familie ist im 13. Jahrhundert in Köln belegt; vgl. u. a. Wilhelm Kisky (Bearb.): Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter, Bd. III 1205–1261. (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde). Hanstein, Bonn 1909, S. 284. Es gibt neben diversen Adelsgeschlechtern (Grafen von Schauenburg und Holstein, Schloss Schaumburg, Schaumberg (Adelsgeschlecht) u. a.) auch eine Ortslage Am Schauenberg in Rath/Heumar. („ex opp[osito] Scouwenberg“), das auch domus Copere („Kupferhaus“) genannt wurde.Urkunde vom 30. September 1300 „domus dicta Copere, que modo vocatur Schouwenburg“; vgl. Friedrich Lau: Das Kölner Patriziat bis zum Jahre 1325. In: Mitteilungen aus dem Stadtarchiv von Köln 10 (1896), S. 103–158, bes. S. 110 Anm. 13.
Herren von Schönforst und Herren von der Dyck 1347 ging der Besitz von Johann de Medemen an Reinhard I. von Schönforst-Schönau („Rein. de Schoinhoven“)Vgl. Joseph Hansen: Beiträge zur Geschichte von Schönau. In: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins 6 (1884), S. 81–108, bes. S. 93 Anm. 2 (Digitalisat im Internet Archive). († 1376) über.Vgl. Hermann Keussen: Topographie der Stadt Köln im Mittelalter (Preis-Schriften der Mevissen-Stiftung 2), Hanstein, Bonn 1910, Bd. I, S. 339a. 1361 erweiterte Reinhard I. seinen Besitz durch die Erbpacht einer benachbarten mansio (Behausung) gegenüber Vrouwendayle,Hof Freudenthal in der Langgasse an der Ecke zur Burgmauer. die dem Johanniterkonvent St. Johann und Cordula gehörte. Als Hof des Herrn von Schönforst auf dem Berlich wird das Anwesen urkundlich 1369Urkunde vom 2. August 1369; vgl. Hubert Jakob Gross: Reinard von Schönau, der erste Herr von Schönforst. In: Aus Aachens Vorzeit. Mittheilungen des Vereins für Kunde der Aachener Vorzeit 8 (1895), S. 17–72, bes. S. 45 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau). und 1387Urkunden vom 28. April 1387; Historisches Archiv der Stadt Köln (Schreine, Bestand 103 Columba, U1/808 und U1/809). erwähnt.
1400 gehörte der Schönforster Hof Katharina von der Dyck († 1443), einer Enkelin des Reinhard I. von Schönforst, die mit dem Kölner Erbvogt Gerhard IV. von Heppendorf-Alpen († 1401)Er wurde 1382 von Geldern mit Alpen belehnt wurde; vgl. Regest bei Günter Aders (Bearb.): Urkunden und Akten der Neuenahrer Herrschaften und Besitzungen Alpen, Bedburg, Hackenbroich, Helpenstein, Linnep, Wevelinghoven und Wülfrath sowie der Erbvogtei Köln. (Inventare nichtstaatlicher Archive 21). Landschaftsverband Rheinland, Köln 1977, Nr. 366, S. 116. verheiratet war. Sie war eine Tochter von Konrad V. von der Dyck († 1368/69) und (verlobt 1355; ⚭ 1364) Adelheid von Schönau-Schönforst († nach 1396).Regesten der Heiratsverschreibungen vom 9. Juli 1355 und 17. Februar 1364 bei Günter Aders (Bearb.): Urkunden und Akten der Neuenahrer Herrschaften und Besitzungen Alpen, Bedburg, Hackenbroich, Helpenstein, Linnep, Wevelinghoven und Wülfrath sowie der Erbvogtei Köln. (Inventare nichtstaatlicher Archive 21). Landschaftsverband Rheinland, Köln 1977, Nr. 302, S. 95, und Nr. 325–326, S. 103.Vgl. Florian Gläser: Schönau • Schönforst. Eine Studie zur Geschichte des rheinisch-maasländischen Adels im Spätmittelalter. (diss. phil. Tier). Trier 1999, S. 268–272 (PDF; 3,2 MB der Universität Trier). Katharina von der Dyck überschrieb schon 1435 einen Teil ihres Besitzes an den Kölner Erbvogt Gumprecht (II.) IV. von Neuenahr (* um 1400; † 1484) und seine Frau Margarethe von Limburg († um 1459Vgl. Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 250 Mariengarten, U 1/76).).Regest einer inserierten Urkunde vom 4. Juli 1435 und zweier Urkunden vom 25. und 29. Juli 1442, ausgestellt in Frankfurt am Main (Digitalisat und Digitalisat bei Regesta Imperii Online). Ihre Halbschwester Richardis von Dyck († um 1380) war die Urgroßmutter der Margarethe von Limburg und ihr Schwager Johann III. von Neuenahr-Rösberg, verheiratet mit Alveradis von Alpen, der Großvater von Gumprecht (II.) IV. von Neuenahr gewesen.Vgl. Heike Hawicks: Die Vögte zu Köln bzw. Grafen von Neuenahr, Herren zu Alpen. In: dies.: Xanten im späten Mittelalter. Stift und Stadt im Spannungsfeld zwischen Köln und Kleve. (Rheinisches Archiv 150). Böhlau, Köln / Weimar / Wien 2007, S. 345 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau); Florian Gläser: Schönau • Schönforst. Eine Studie zur Geschichte des rheinisch-maasländischen Adels im Spätmittelalter. (diss. phil. Tier). Trier 1999, Tafel 3c (Digitalisat der Universität Trier). 1441 führte Gumprecht (II.) IV. von Neuenahr als königlicher Rat und Kammerrichter in seiner Kölner Wohnung by dem Berlach eine Vernehmung durch.Briefe von 1441; Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 51 Köln und das Reich, Briefe, A 410A und B).
Grafen von Neuenahr-Alpen-Rösberg Einige Jahre nach dem Tod der Katharina von der Dyck ließ Gumprechts (II.) IV. 1450 den Schönforster Hof aufgrund von nicht erfüllten Forderungen gegen sie bzw. gegen ihre Erben durch seinen Kaplan und Beauftragten Lambert Cloet gänzlich in Besitz nehmen.Urkunde vom 27. März 1450; Regest bei Günter Aders (Bearb.): Urkunden und Akten der Neuenahrer Herrschaften und Besitzungen Alpen, Bedburg, Hackenbroich, Helpenstein, Linnep, Wevelinghoven und Wülfrath sowie der Erbvogtei Köln. (Inventare nichtstaatlicher Archive 21). Landschaftsverband Rheinland, Köln 1977, Nr. 582, S. 175; vgl. Nr. 126, S. 45; Adjunctum sub Nro. 21. In: Friedrich Karl Karg von Bebenburg: Memorial An Eine hochlöblich-allgemeine Reichs-Versammlung zu Regenspurg, in Betref der … Wiederlöse der Stadt, des Schlosses, und des Zolls zu Kaiserswerth. Neubauer, Regensburg 1764, S. 88f (Google-Books). Ein Protest von Konrad II. von Schönforst († 1453/58) und seiner Schwester Mechtild († nach 1450) gegen den Übergang des Eigentums wurde durch ein Urteil des Kölner Schöffengerichtes abgewiesen.Hermann Keussen: Topographie der Stadt Köln im Mittelalter (Preis-Schriften der Mevissen-Stiftung 2), Hanstein, Bonn 1910, Nr. 582, S. 175; vgl. Florian Gläser: Schönau • Schönforst. Eine Studie zur Geschichte des rheinisch-maasländischen Adels im Spätmittelalter. (diss. phil. Tier). Trier 1999, S. 373f. 1462 fanden in Gumprechts (II.) IV. Haus auf dem Berlich Verkaufsverhandlungen über den Linneper Hof zwischen den Familien Sayn-Wittgenstein und Neuenahr-Alpen statt.Vgl. Eintrag vom 17. August 1462; Klaus Militzer (Bearb.): Die Protokolle des Kölner Domkapitels, Bd. I Regesten 1454–1511 (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde 77). Droste, Düsseldorf 2009, S. 20.
1481 pachtete Erbvogt Gumprechts (II.) IV. von Neuenahr ein steinernes Haus des Hospitals Ipperwald auf der Schwalbengasse neben dem Hof Schönforst an.Urkunde vom 1. Juli 1481; Regest bei Günter Aders (Bearb.): Urkunden und Akten der Neuenahrer Herrschaften und Besitzungen Alpen, Bedburg, Hackenbroich, Helpenstein, Linnep, Wevelinghoven und Wülfrath sowie der Erbvogtei Köln. (Inventare nichtstaatlicher Archive 21). Landschaftsverband Rheinland, Köln 1977, Nr. 741, S. 210f; vgl. Randnotiz „ab … 1420 usque … 1572 … solvit hospitale zum Iperwalt annue 11 marcas in termino Paschae de sominus sitis up dem Berlig, bij des heren hoff van Newenar“; Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 227 Johann und Cordula, Repertorien und Handschriften 2, S. 335f; 3, S. 301f). Er starb im Neuenahrer Hof, der in seinen testamentarischen Bestimmungen 1484 als sein „Haus zu Köln“ erwähnt wird.Urkunde vom 8. März 1484; Regest bei Günter Aders (Bearb.): Urkunden und Akten der Neuenahrer Herrschaften und Besitzungen Alpen, Bedburg, Hackenbroich, Helpenstein, Linnep, Wevelinghoven und Wülfrath sowie der Erbvogtei Köln. (Inventare nichtstaatlicher Archive 21). Landschaftsverband Rheinland, Köln 1977, Nr. 754, S. 213–215.
Grafen von Neuenahr-Bedburg-Rösberg Bei der Erb- und Güterteilung mit seinem Bruder Friedrich von Neuenahr-Alpen noch zu Lebzeiten ihres Vaters Gumprecht (II.) IV. fiel die Curia Schoneforst (= Hof Schönforst) um 1461 an Wilhelm I. von Neuenahr-Bedburg-Rösberg (* um 1447; † 1497). Seine Kinder Wilhelm II., Anna (spätere Gräfin von Brederode) und Hermann von Neuenahr der Ältere wuchsen hier auf.