Weitenau ist seit dem 1. Januar 1974 ein Ortsteil der Gemeinde Steinen im baden-württembergischen Landkreis Lörrach. Das 6,78 Quadratkilometer umfassende Gemeindegebiet erstreckt sich nordöstlich von Steinen und verbindet das Wiesental mit dem Kleinen Wiesental.

Geschichte Ortsname Ortsnamensendungen mit -au weisen oft darauf hin, dass sich der Ort an einem Fluss befindet.Siehe Badisches Wörterbuch, Band I, S. 77 ‚Au‘, dort wird auch Weitenau als Beispiel dieser Namensbildung erwähnt. Es entstand über mittelhochdeutsch ouweMatthias Lexer: Mittelhochdeutsches Handwörterbuch, Bd. 2, Sp. 192 (Online) aus germanisch *ahwõ ‚Gewässer, Fluss‘.

Weitenau wurde erstmals 1100 als Witnowe, 1138 als Witnowa (WUB 2,3) erwähnt, unter anderem 1140 in einer päpstlichen Bulle aus Wintenowa (WUB 2,14). Im Folgenden sind weitere über Jahrhunderte hinweg niedergeschriebene Erwähnungen des Ortsnamens genannt: Witinovva 1173 und 1189 (WUB 2,172 und 2,266), Wyttnovva ca. 1186 (Herrgott, Gen. Habs. 2,201), Wittewunowe 1257 (BaslU. 1,238), Wittenöwe 1275 (FDA 1,163), Witnowe 1321 (K. S. Blasien (Ambringen)), villa 1344 (K. Berain 9598 Propstei), Wittnow 1350 (K. Berain 7211), villa Witnow 1376 (K. Breisgauer Archive), Witenöwe 1382 (K. Breisgauer Archive), Wytnow 1553 (Z. 31,179).Badische Historische Kommission (Hrsg.), bearbeitet von Albert Krieger: Topographisches Wörterbuch des Großherzogtums Baden, Heidelberg 1904, Band 1, Spalte 519–520. (Digitalisat)

Dorfgeschichte Nach der Ersterwähnung 1100 erscheint 1344 das Dorf im Zwing und Bann des Klosters Weitenau und unter der Vogtei der Markgrafen von Hachberg-Sausenberg. In dieser Zeit umfasste die Vogtei Weitenau auch die Orte Wieslet, Demberg, Eichholz, Henschenberg und Sallneck.

mini|Karte des Dorfes Weitenau (1781) Die Siedlung und Gemarkung dürften zur Herrschaft der Herren von Warth gehört haben. Ob der Flurname Burg auf eine Burg derer von Wart schließen lässt bleibt ungeklärt. S. 636 Die Leute und Güter des Klosters St. Blasien gehörten 1413 zum Dinghof des Klosters in Steinen. Kloster Weitenau war damals eine zu St. Blasien gehörende Benediktiner-Propstei, welche zur Zeit der Reformation aufgehoben wurde.Johann Baptist von Kolb (Hrsg.): Historisch-statistisch-topographisches Lexicon von dem Großherzogthum Baden, S. 367.

Unter den Markgrafen von Baden gehörte Weitenau zur Landgrafschaft Sausenberg, Oberamt Rötteln, kam 1809 zum Bezirksamt Schopfheim und 1936/39 schließlich zum Landkreis Lörrach.

Im Juli 2000 wurde in Weitenau das 900-jährige Dorfjubiläum begangen.Gemeinde Steinen: Informationsbroschüre, S. 9.

Eingemeindung Im Zuge der Gemeindereform, die das Land Baden-Württemberg 1967 einleitete, fanden auch in den Gemeinden des Weitenauer Berglandes Diskussionen statt, ob ein Anschluss an die Gemeinde Steinen auf freiwilliger Basis angestrebt werden sollte. Weitenau machte diesen Schritt bereits mit Wirkung vom 1. Januar 1974, Endenburg folgte per 1. Oktober 1974. Die übrigen Ortsteile der heutigen Gemeinde Steinen wurden durch Gesetz vom 9. Juli 1974 per 1. Januar 1975 zwangsweise zur neuen Gesamtgemeinde Steinen zusammengeschlossen.s. Bühler S. 74–78

Geografie Lage mini|Nördlicher Ortsausgang in Richtung des Passes nach Wieslet mini|Talstraße und Schwammerich Weitenau ist eine locker bebaute Talsiedlung im nördlich vorgerückten Seitental der Wiese, an welchem mehrere Bäche zusammenfließen. Es liegt fünf Kilometer nordöstlich von Steinen, ist ein Straßendorf, welches im Wesentlichen entlang der Talstraße (Kreisstraße 6346 und Landesstraße 136) besiedelt ist. Die in Nord-Süd-Richtung verlaufende Straße entlang der Talachse verbindet Steinen mit dem Kleinen Wiesental. Mittig im Ortskern zweigt nordwestlich die Scheideckstraße (L 136) Richtung Schlächtenhaus ab, die in ihrer Verlängerung über den Scheideckpass nach Kandern führt.

Durch den Ort fließt der Bach Schwammerich teilweise parallel zur Talstraße und bildet ein schmales, teilweise nur rund 50 Meter messendes, Tal nach Steinen. Kurz vor Steinen mündet der Schwammerich in den Steinenbach.

Nördlich vom besiedelten Kern führt die L 136 über einen kleinen Passübergang auf Höhe der Abzweigung zum Schillighof auf einer Höhe von nach Wieslet.

Gliederung Neben dem Dorf Weitenau gehören dem Ortsteil die im Norden gelegenen Weiler (Zinken) Schillighof, Farnbuck, im Süden Außerdorf sowie nordwestlich der Wohnplatz Hummelberg an. Bis 1861 gehörten das Kloster Weitenau und der Klosterhof noch zur Gemarkung von Weitenau und kamen dann zu Schlächtenhaus. S. 636

Die höchsten Erhebungen auf Weitenauer Gemarkung sind der hohe Hornberg und der hohe Häfnet.

Geologie Der Ortsteil Weitenau liegt am südlichen Rand der Ausraumzone zwischen dem Schwarzwald und den Buntsandsteinrücken des Weitenauer Berglandes.Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Landkreis Lörrach (Hrsg.): Der Landkreis Lörrach, Band II, S. 592. Neben Buntsandstein ist der Hauptbestandteil des Weitenauer Berglandes Rotliegendes, was auch im Flussbett der Wiese zu sehen ist. Kleinere Wiesennebenflüsse wie der Steinenbach haben die Abhänge der eher flache Vorbergzone der Weitenauer Berge zerschnitten. An diesen Stellen zeichnen sich die Weitenauer Berge durch echte Tafelberge aus, die steil abfallen, sich nach unten verbreitern, aber in sich wenig gegliederte Flanken aufweisen.Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Landkreis Lörrach (Hrsg.): Der Landkreis Lörrach, Band I (Aitern bis Inzlingen), Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1993, ISBN 3-7995-1353-1, S. 34. (→ Naturräumliche Gliederung des Südschwarzwaldes)

Politik mini|hochkant|Flagge mit Wappen Weitenaus Wappen Blasonierung des ehemaligen Gemeindewappens von Weitenau ist ein silber und blau schräggevierter Schild belegt mit einem vierspeichigen Mühlrad in verwechselten Farben. Das Wappen wurde 1904 vom Generallandesarchiv Karlsruhe geschaffen. Der Wappenschild ohne die Gemeine Figur entspricht dem Wappen der Freiherren von Wart, die als frühere Ortsherren gesehen werden. Die Gemeine Figur, das Mühlrad, erinnert an die Klostermühle. S. 117–118

Ortschaftsrat Weitenau verfügt über einen Ortschaftsrat, der von einem Ortsvorsteher angeführt und einer Stellvertretung unterstützt wird. Dem Rat gehören sieben Mitglieder an.Gemeinde Steinen: Informationsbroschüre, S. 18. Sitz des Ortschaftsrates ist das Rathaus in Weitenau.

Bevölkerung Einwohnerentwicklung Die Zahl der Einwohner Weitenaus entwickelte sich wie folgt:Gemeinde Steinen: Informationsbroschüre, S. 13.Bevölkerungsentwicklung: Weitenau, zuletzt aufgerufen am 2. Mai 2019

Jahr Einwohner 1852 415 1871 385 1880 341 1890 316 1900 341 1910 281 1925 297 1933 315 1939 294 Jahr Einwohner 1950 331 1956 340 1961 359 1970 399 1980 388 1990 499 2007 594 2012 588 2017 553

Religion Aufgrund der historischen Zugehörigkeit zur Markgrafschaft Baden-Durlach ist die Bevölkerung überwiegend evangelisch und gehört zur Kirchengemeinde Vorderes Kleines Wiesental, hat aber keine eigene Kirche.Homepage der Kirchengemeinde, zuletzt aufgerufen am 2. Mai 2019 Seit der Reformation (1556) bis 1891 gehörte Weitenau zur Klosterkirche Weitenau, die evangelische Pfarrkirche war. Seither ist der Pfarreisitz Schlächtenhaus, dessen Sprengel auch Endenburg umfasst. Evangelische Kirchen gibt es in den drei Nachbarorten Wieslet, Hofen und Endenburg. Für die Katholiken ist die Pfarrgemeinde Steinen-Höllstein-Maulburg-Schopfheim zuständig.Seelsorgeeinheit Mittleres Wiesental, zuletzt aufgerufen am 2. Mai 2019

Die Zugehörigkeit zu den Religionsgemeinschaften verteilte sich in der Vergangenheit wie folgt:Religionszugehörigkeit 1858 und 1925: Weitenau, zuletzt aufgerufen am 2. Mai 2019Religionszugehörigkeit: Weitenau, zuletzt aufgerufen am 2. Mai 2019

Religionszugehörigkeit in Weitenau Jahr Religion evangelisch katholisch sonstige 1858 100,0 % 0 % 0 % 1925 94,6 % 2,4 % 3,0 % 1950 92,4 % 6,9 % 0,6 % 1961 91,4 % 7,5 % 1,1 % 1970 86,0 % 12,5 % 1,5 %

Kultur und Sehenswürdigkeiten Ortsbild, Bauwerke und Sehenswürdigkeiten mini|Rathaus Weitenau Dorfkern ist der Einmündebereich der Tal- und der Scheideckstraße, an welcher sich das Rathaus befindet. Das Haus mit Satteldach und zwei Vollgeschossen trägt einen auffälligen Dachreiter mit einer Uhr. Bis 1960 erfüllte das Haus zusätzlich die Funktion eines Schulhauses. Im hofseitigen Anbau ist der Geräteschuppen der Freiwilligen Feuerwehr angegliedert. Gegenüber dem Rathaus stand bis 1989 eine Holzsäge.

Südlich vom Rathaus führt der Talweg eine Abzweigung zu einer Wendeschleife, um welcher sich ein Spiel- und ein Bolzplatz, die Schule, die Halle Weitenau gruppieren. Die Halle, die auch Sportstätte des Ringervereins ist, gilt als sportlich und kultureller Mittelpunkt des Ortes und seiner Umgebung.

Der gut einen Kilometer westlich vom Dorfkern gelegene Vogelpark Steinen gehört bereits zur Gemarkung von Schlächtenhaus-Hofen.

Vereine mini|Halle Weitenau In Weitenau aktiv ist neben einem Tennisclub, einem Turn- und Sportverein auch ein Frauenverein.

Besonders erfolgreich sind die Teilnehmer der Wettkampfgemeinschaft (WG) Weitenau-Wieslet, die immer wieder in der Bundesliga mitkämpfen, so zum Beispiel 2014 in der 2. Ringer-Bundesliga. Die Wettkampf-Gemeinschaft entstand 1971 aus dem Zusammenschluss des TuS Weitenau und SV Wieslet.Markgräfler Tagblatt: Prominenter Besuch beim Heimkampf, Artikel vom 1. Januar 2017, zuletzt aufgerufen am 2. Mai 2019 Die WG verfügt über eine Kader- und eine Jugendmannschaft.

Der Gesangsverein Harmonie Weitenau stammt ursprünglich vom Männergesangsverein ab, der bereits 1830 an einem Sängerfest in Kandern teilnahm. Eine schriftliche Niederschrift ist 1844 belegt, 1864 kam es zu einer Neugründung des Vereins, der damals aus 15 Männern bestand. Im November 1883 wurden elf Frauen in den Chor eingegliedert.Chronik des Gesangsvereins Harmonie Weitenau, zuletzt aufgerufen am 2. Mai 2019

Neben einer Sektion des Musikvereins Steinen ist in Weitenau auch das am 7. Dezember 1963 gegründeteMarkgräfler Tagblatt: 50 Jahre, Artikel vom 1. August 2013, zuletzt aufgerufen am 2. Mai 2019 Harmonika-Orchester Weitenau-Schlächtenhaus beheimatet.

Infrastruktur und Wirtschaft Bildungseinrichtungen Im Dorfkern von Weitenau befindet sich die nach dem Maler und Zeichner Ernst Schleith benannte Ernst-Schleith-Grundschule. Als Nachbarschaftsschule nimmt sie neben Schüler aus Weitenau auch Schüler aus Endenburg, Schlächtenhaus und Wieslet auf.Schulen im Gemeindegebiet Steinens, zuletzt aufgerufen am 2. Mai 2019 Darüber hinaus existiert im Gebäude auch eine Kindertageseinrichtung beziehungsweise ein Kindergarten, der von den beiden Verbänden der Evangelischen Kirchengemeinden im Kleinen Wiesental sowie des Evangelischen Pfarramts Schlächtenhaus getragen wird.Kindertageseinrichtungen im Gemeindegebiet Steinens, zuletzt aufgerufen am 2. Mai 2019

Freiwillige Feuerwehr Die Freiwillige Feuerwehr Steinen unterhält in Weitenau ebenfalls eine Abteilung mit 35 aktiven Mitgliedern.Informationen zur FF Steinen, Abteilung Weitenau, zuletzt aufgerufen am 2. Mai 2019 Im Jahr 2018 war die Abteilung an acht Einsätzen beteiligt und hat an 17 Übungen teilgenommen. Darüber hinaus wirkt die Feuerwehr auch an der Ausrichtung des Dorffestes und des Scheibenfeuers mit.Badische Zeitung: Dirk Baier ist neuer Vize bei der Feuerwehr Weitenau, Artikel vom 16. Januar 2019, zuletzt aufgerufen am 2. Mai 2019

Veranstaltungen mini|Gasthaus Hirschen in Weitenau-Schillighof. Neben Fasnachtsveranstaltungen finden beim Gasthaus zum HirschenHomepage des Gasthauses zum Hirschen - Veranstaltungen; abgerufen am 14. September 2020 im Weiler Schillighof Freiluftkonzerte und Freilichttheateraufführungen statt.Veranstaltungen am Gasthaus zum Hirschen, zuletzt aufgerufen am 2. Mai 2019

Wirtschaft