mini|Marie Kreutzer (2026) Marie Kreutzer (* 25. August 1977 in Graz) ist eine österreichische Filmregisseurin und Drehbuchautorin.

Leben Marie Kreutzer wuchs in Gleisdorf und Graz auf, wo sie die AHS Modellschule besuchte, eine Alternativschule mit künstlerischem Schwerpunkt. 1995 maturierte sie und studierte anschließend Romanistik und Germanistik in Graz und Wien. Von 1997 bis 2005 studierte sie Drehbuch und Dramaturgie bei Walter Wippersberg an der Filmakademie Wien. Im Juni 2006 schloss sie ihr Studium mit ihrer Diplomarbeit zum Thema Dramaturgie des Kurzspielfilms mit Auszeichnung ab.Marie Kreutzer. Personeneintrag auf der Website des Vereins sixpackfilm, abgerufen am 24. Jänner 2023.

Mit ihrem ersten Langspielfilm Die Vaterlosen, in dem sie die Geschichte einer Kommune erzählt, gewann sie u. a. den Großen Preis des österreichischen Filmfestivals Diagonale. Ihr Spielfilm Der Boden unter den Füßen wurde bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin 2019 für den Wettbewerb um den Goldenen Bären nominiert.Berlinale 2019: François Ozon, Marie Kreutzer, Denis Côté, Fatih Akin, Angela Schanelec und Emin Alper im Wettbewerb. In: filmportal.de, 13. Dezember 2018, abgerufen am 24. Jänner 2023. Ein Jahr später erschien Was wir wollten, an dessen Drehbuch Kreutzer mitgearbeitet hatte.Was wir wollten. Filmdetails auf der Website des Österreichischen Filminstituts, 2021, abgerufen am 24. Jänner 2023. 2022 folgte mit Corsage ein Historiendrama um Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn. Der Film feierte seine Premiere in der Reihe Un Certain Regard bei den Filmfestspielen von Cannes.

Nach der Veröffentlichung von Corsage wurde ein Kinderpornographie-Fall von Hauptdarsteller Florian Teichtmeister bekannt, zudem wurden einem zweiten Darsteller Übergriffe vorgeworfen, wovon Kreutzer bereits vor den Dreharbeiten Kenntnis gehabt haben soll, nachdem betroffene Frauen mit Kreutzer in Kontakt getreten sein sollen. Kreutzer habe dennoch an dem Darsteller festgehalten.MeToo: Vorwürfe gegen weiteren "Corsage"-Darsteller, DerStandard.at, 16. Jänner 2023, abgerufen am 23. Juni 2023. Beim österreichischen Filmpreis 2023 hielt Kreutzer eine Rede, in der sie die Nominierung von Corsage verteidigte und von drei MeToo-Fällen in der Filmbranche berichtete, darunter eine nicht einvernehmliche Oralsex-Szene. Kurz darauf dementierten sowohl der betroffene Regisseur als auch die Schauspielerin die Vorwürfe, betonten, dass es sich um einvernehmliche und geschützte Dreharbeiten gehandelt habe und sie nicht mit Kreutzer Kontakt gehabt hätten. Die Regisseurin Katharina Mückstein kritisierte die Rede von Kreutzer: „Es ist auch Machtmissbrauch, Geschichten von Übergriffen in die Öffentlichkeit zu bringen, ohne das mit den jeweiligen Betroffenen abgesprochen zu haben. Stell dir vor, du sitzt beim Filmpreis im Publikum, und deine Geschichte wird dort plötzlich auf der Bühne erzählt.“Betroffene dementieren einen von Regisseurin Kreutzer erwähnten MeToo-Fall, derstandard.at, 23. Juni 2023, abgerufen am 23. Juni 2023.

2023 wurde Kreutzer in die Europäische Filmakademie aufgenommen. Mit ihrem Film Gentle Monster wurde sie zu den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2026 in den Wettbewerb um die Goldene Palme eingeladen.

Die Idee zu Gentle Monster entstand 2020, nachdem Kreutzer eine Recherche der Wochenzeitung Die Zeit über einen aufgedeckten Pädokriminalitätsring in Nordrhein-Westfalen gelesen hatte. Im Mittelpunkt des Films stehen die Pianistin Lucy (Léa Seydoux), deren Ehemann wegen des Besitzes von Missbrauchsdarstellungen von Kindern festgenommen wird, und die mit dem Fall befasste Polizistin Elsa (Jella Haase). Während Lucy mit den Enthüllungen über ihren Mann konfrontiert ist, muss Elsa die Pflege ihres demenzkranken Vaters organisieren, der seiner Pflegekraft gegenüber übergriffig wird. Kreutzer stellte bewusst nicht den Täter, sondern dessen persönliches Umfeld in den Mittelpunkt und verband die beiden Handlungsstränge, um unterschiedliche Formen männlicher Machtausübung und den gesellschaftlichen Umgang mit Grenzüberschreitungen zu thematisieren. Die Enthüllungen über Florian Teichtmeister ließen sie zwischenzeitlich an der Umsetzung des Films zweifeln; schließlich bestärkten sie sie nach eigener Aussage darin, das Projekt zu verwirklichen.

Marie Kreutzer ist mit einem Szenenbildner, der wie sie im Filmgeschäft tätig ist, verheiratet und ist Mutter einer Tochter sowie Stiefmutter von drei weiteren Kindern. Sie ist die Tochter der steirischen Grünen-Politikerin Ingrid Lechner-Sonnek.Filme, Frauen und freie Tage. Rubrik People. In: Steirerin, 11. August 2022, abgerufen am 24. Jänner 2023. („Zur Person Marie Kreutzer – Regisseurin und Drehbuchautorin“: „Geboren am 25. August 1977 in Graz.“)Julia Schafferhofer: Mit dem ersten Langfilm zur Berlinale. Es ist ihr erster Kinofilm und der hat es gleich auf die Berlinale geschafft. Marie Kreutzer (33) ist spätestens ab Samstag keine Unbekannte mehr. In: Kleine Zeitung, 12. Februar 2011 (Artikel hinter Bezahlschranke), abgerufen am 24. Jänner 2023.

Filmografie mini|Marie Kreutzer bei der Premiere von Gruber geht in Wien, 2015 2000: Cappy Leit, Kurzspielfilm 2002: un peu beaucoup, Kurzspielfilm 2006: White Box, Kurzspielfilm nach einer Erzählung von Siri Hustvedt 2007: Punsch Noël, Kurzspielfilm 2009: Ingrid, Kurzspielfilm 2011: Die Vaterlosen, Spielfilm 2015: Gruber geht, nach dem Roman von Doris Knecht 2016: Was hat uns bloß so ruiniert 2017: Stadtkomödie – Die Notlüge (Fernsehreihe) 2019: Der Boden unter den Füßen 2020: Was wir wollten 2021: Landkrimi – Vier (Fernsehreihe) 2022: Corsage 2025: Landkrimi – Acht (Fernsehreihe) 2026: Gentle Monster

Auszeichnungen und Preise (Auswahl) 2000/01: 1. Preis des Jugendfilmwettbewerbs der Kurzfilmtage Oberhausen, 1. Preis des Drehbuchwettbewerbs der StudentInnen der Filmakademie Wien (Cappy Leit) 2003: 3. Preis der short cuts cologne 03 (un peu beaucoup) 2007: Thomas-Pluch-Drehbuchförderpreis der Diagonale 2011: Berlinale Panorama: lobende Erwähnung für den Besten Erstlingsfilm, Diagonale: Großer Preis Bester Spielfilm sowie drei weitere Preise, Bozner Filmtage: Preis für den Besten Spielfilm, 5 Seen-Filmfestival: Preis für den besten Nachwuchsfilm (Die Vaterlosen) 2012: Nominierung für den Österreichischen Filmpreis (Die Vaterlosen) 2017: Biberacher Filmfestspiele – Biber als bester Fernsehfilm für Die NotlügeZuschauerrekord bei den Filmfestspielen. In: schwäbische.de, 5. November 2017 in der Version vom 23. Oktober 2019, abgerufen am 24. Jänner 2023. 2019: Nominierung für den Thomas-Pluch-Drehbuchpreis (Hauptpreis und Spezialpreis der Jury) für Der Boden unter den Füßen 2021: Biberacher Filmfestspiele – Biber als bester Fernsehfilm für Vier 2022: Best Film bei BFI London Film Festival 2022 für Corsage 2022: Bester TV-Film und Spezialpreis der Jury beim Fernsehfilmfestival Baden-Baden für Vier 2023: Thomas-Pluch-Drehbuchpreis (Hauptpreis) für Corsage

Weblinks

Stefan Grissemann: Marie Kreutzer: „Ich fühle mich da wahnsinnig lebendig“. „Bei den Filmfestspielen in Cannes präsentiert Regisseurin Marie Kreutzer ‚Corsage‘. Ihre Freude darüber ist jedoch gedämpft.“ In: Profil, 17. Mai 2022. Thomas Abeltshauser: Kein Schicksal, Geschichte. „Die österreichische Regisseurin Marie Kreutzer über ihren neuen Film »CORSAGE« und die Frage, wie man in die Lücken der Geschichte vorstößt“. Interview. In: epd Film, 24. Juni 2022. Valerie Dirk: Marie Kreutzer: Feministische Regisseurin in Erklärungsnot. Reihe Kopf des Tages. In: Der Standard, 23. Jänner 2023.

Einzelnachweise

Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Drehbuchautor Kategorie:Darstellender Künstler (Österreich) Kategorie:Mitglied der Europäischen Filmakademie Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1977 Kategorie:Frau