150px|rechts|Wappen der Stadt Wiesbaden

Die Geschichte der Stadt Wiesbaden umfasst die Entwicklungen auf dem heutigen Gebiet der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden von der ersten Besiedlung bis zur Gegenwart.

Anfänge und Römerzeit mini|Bleirohr mit Inschrift der Legio XIIII Gemina aus Wiesbaden.

Die ersten Besiedlungsspuren im Wiesbadener Stadtgebiet datieren aus dem Neolithikum.

In der spätaugusteischen Zeit (um das Jahr 6 bis 15 unserer Zeitrechnung) wurde von den Römern eine Befestigung oberhalb des Quellenviertels errichtet, dort wo die Straßennamen Römerberg und Kastellstraße des modernen Wiesbadens Bezug darauf nehmen. Die heißen Quellen wurden erstmals um das Jahr 77 in dem Werk Naturalis historia von Plinius dem Älteren beschrieben. Die Legionen I Adiutrix, XIIII Gemina, XXI Rapax und XXII Primigenia bauten in flavischer Zeit die Thermen aus. Die bleiernen Wasserleitungen wurden von der Legio XIIII Gemina hergestellt.Gabriele Wesch-Klein: Soziale Aspekte des römischen Heerwesens in der Kaiserzeit, Steiner, Stuttgart 1998 (= Habil. Heidelberg 1995). ISBN 3-515-07300-0, S. 86. Mit dem Ausbau der Thermen wurde eine römische Siedlung begründet, die 121 unter dem Namen Aquae Mattiacorum erstmals Erwähnung fand. Der Name bezog sich auf den hier ansässigen chattischen Stamm der Mattiaker. Aquae Mattiacorum war Hauptort der Civitas Mattiacorum.

Im Vorort Erbenheim wurden im Jahr 2009 Reste einer römischen villa rustica ausgegraben, wobei dort auch frühere und spätere Besiedlungen nachgewiesen wurden. Die villa stellt nur einen Teil einer ganzen Reihe von villae rusticae rund um Wiesbaden dar, die sich südlich von Erbenheim entlang des Wäschbachs nach Norden Richtung Igstadt entlang zog. Diese Siedlungen waren wohl landwirtschaftlich ausgerichtet, während die villae rusticae, die nördlich von Wiesbaden im Stadtwald liegenden, eher auf Viehzucht ausgerichtet waren. Helmut Schoppa vermutet aufgrund von Ziegelstempeln, die hier gefunden wurden, zumindest in zweien dieser villae ursprüngliche Straßenposten entlang der von Wiesbaden zum Kastell Zugmantel führenden Straße.Helmut Schoppa: Aquae Mattiacae. Wiesbadens römische und alamannisch-merowingische Vergangenheit (Geschichte der Stadt Wiesbaden, Band 1). Steiner, Wiesbaden 1974, S. 79.

In den Jahren 259 bis 260 wurde die Befestigung von den Alamannen erobert und zu weiten Teilen zerstört. Das Gebiet um Wiesbaden diente als Mainzer Vorposten den Römern als Sammellager für Eroberungszüge in die Wetterau und an die Elbe. In diesem Zusammenhang wurde die sogenannte Heidenmauer errichtet. Die Mauer ist damit das älteste erhaltene Bauwerk Wiesbadens aus der Zeit des römischen Reiches.

Völkerwanderung und Mittelalter Im 6. Jahrhundert verdrängten die Franken die Alamannen und errichteten im 8. Jahrhundert einen Königshof. Einhard, der Biograf Karls des Großen, erwähnte um 828/830 Wisibada, die früheste Überlieferung des Namens Wiesbaden.

Am 9. Mai 1239 kam es in Wiesbaden zu einem Treffen von Kaiser Balduin II. von Courtenay und dem Mainzer Erzbischof Siegfried III. von EppsteinWiesbadener Tagblatt: (Abgerufen am 1. Januar 2014). Balduin bemühte sich um Unterstützer zur Rückeroberung des Lateinischen Kaiserreichs.

In den 1270er Jahren wurden die Grafen von Nassau mit den Herrschaftsrechten in und um Wiesbaden belehnt. Vermutet wird die Erhebung Wiesbadens zur Reichsstadt im Jahr 1232, was eine der Ursachen der Eroberung durch den Mainzer Erzbischof im Jahr 1242 gewesen sein dürfte. Dieser ließ die Stadt niederbrennen, in der Folge wurde der Status der Reichsstadt für Wiesbaden nicht mehr erwähnt. 1270 kehrte Wiesbaden zur Grafschaft Nassau zurück. Um 1283 wurde Wiesbaden und die Burg Sonnenberg in einer Nassauisch-Eppsteinische Fehde erneut zerstört.

Kaiser Ludwig der Bayer stellte Nassau 1329 das Münzprivileg aus und in Wiesbaden wurden Münzen geprägt.

Der Kochbrunnen wurde 1366 erstmals als „Brühborn“ erwähnt. Er führte 15 Quellen zusammen und war im 19. Jahrhundert Zentrum der Wiesbadener Trinkkur. Die 66 °C heiße Natriumchlorid-Therme ist die bekannteste Quelle der Stadt und liefert 346 Liter Heilwasser pro Minute.

Die Ortschaft Seeroben wurde 1367 verlassen und fiel wüst.

Während des Bauernkrieges erhoben sich im Jahr 1525 auch die Wiesbadener und verloren nach ihrer Niederschlagung alle erteilten Privilegien, erst 1566 erhielten sie diese wieder zurück. Mit der Ernennung Wolf Dentheners zum evangelisch-lutherischen Pfarrer wurde 1543 die Reformation in Wiesbaden eingeführt. Im selben Jahr wurde eine Lateinschule begründet, die als Vorbereitung für das Gymnasium in Idstein diente und später zur heutigen Diltheyschule wurde.

mini|hochkant=1.6|Wiesbaden – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian dem Jüngeren 1655

Von 1609 bis 1610 wurde das alte Rathaus erbaut, das älteste noch existierende Gebäude im Stadtkern Wiesbadens. Die meisten älteren Gebäude sind zwei Bränden in den Jahren 1547 und 1561 zum Opfer gefallen.

In den Jahren 1676 und 1677 wurden unter Johann Graf zu Nassau, Herr zu Wiesbaden und Idstein, sechs Menschen aus Wiesbaden in Hexenprozessen verurteilt und hingerichtet. Das prominenteste Opfer dieser Hexenverfolgungen in Idstein war 1676 die 69-jährige Sonnenberger Pfarrersfrau Elisabeth Hoffmann.. Die Liste enthält die Namen der Opfer aus Wiesbaden. (Abgerufen am 14. September 2015)

Nassauische Residenz (ab 1744) mini|Stadt Wiesbaden auf einer topografischen Karte von 1819

Nach dem Übergang des Fürstentums an die Usinger Linie des Hauses Nassau wurde das Biebricher Schloss, ursprünglich ein Gartenhaus, das zur Sommerresidenz erweitert wurde, im Jahr 1744 zur Hauptresidenz, und 1806 wurde Wiesbaden Regierungssitz und Hauptstadt des neugegründeten Herzogtums Nassau.

mini|Aus der Wiesbadener Tracht im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts mini|Blick auf die Stadt Wiesbaden von Südosten im Jahr 1837 vor dem Brand und Abbruch der Mauritiuskirche, deren Turm in der Bildmitte links neben dem des 1873 abgerissenen Uhrturms zu sehen ist, ganz links die Ruine der 1831 teilweise eingestürzten klassizistischen Bonifatiuskirche, Aquarell von Fritz Bamberger

Im Jahr 1771 erteilte der Fürst von Nassau-Usingen eine Konzession für das Glücksspiel in Wiesbaden. Ab 1810 befand sich die Spielbank Wiesbaden im alten Kurhaus. Nachdem ein Reichsgesetz von 1872 die Schließung der Spielbanken zur Folge hatte, konnte das Spiel erst 1949 im Foyer des Theaters wiederaufgenommen werden. Heute befindet sich die Spielbank im ehemaligen Weinsaal des Kurhauses. In der Spielbank versuchten auch der russische Dichter Fjodor Dostojewski (welcher daraus wohl einen Teil seiner Inspiration für seinen Roman Der Spieler bezog) und der Komponist Richard Wagner ihr Glück.

Die revolutionären Ereignisse des Jahres 1848 gingen auch an Wiesbaden nicht spurlos vorbei. Am 4. März versammelten sich 30.000 Nassauer Bürger – im Zeitalter der Postkutsche eine ungeheure Menschenmenge, die die Zahl der Einwohner deutlich überstieg – vor dem Stadtschloss und verlangten vom Herzog das Zugeständnis einer Verfassung, welches sie auch erhielten.

Nach dem Brand der Mauritiuskirche im Jahr 1850 wurde die erste Freiwillige Feuerwehr in Wiesbaden, das Pompier-Corps, mit zunächst 42 Mann gegründet.

Aufstieg zur Weltkurstadt (1852 bis 1918) mini|Das alte Wiesbadener Kurhaus mini|Ansicht von Wiesbaden von Südosten im Jahr 1856 auf einem Gemälde von Nicolaus Berkhout: Die Stadterweiterung ist bis zur Rheinstraße erfolgt. mini|hochkant|Stadtplan aus Meyers Konversations-Lexikon von 1885–90 mini|Ehemalige Trinkhalle des Kochbrunnens um 1900

Im Jahr 1818 legte der Architekt Christian Zais grundlegende Baupläne und Gutachten für das später so genannte Historische Fünfeck vor. Er plante, den Stadtkern von fünf gerade verlaufenden Straßen zu begrenzen und damit die als unschön empfundene Stadt dahinter zu verbergen. Von 1847 bis 1855 wurde die russisch-orthodoxe Kirche am Neroberg als Grabkirche der Herzogin Elisabeth Michailowna Romanowa errichtet und 1862 die Marktkirche eingeweiht. (Siehe auch Kapitel „Sehenswürdigkeiten“)

Im Jahr 1840 wurde in Wiesbaden die Landeskreditanstalt Nassau gegründet, aus der die heutige Nassauische Sparkasse und die Helaba hervorgingen. Der Turnerbund Wiesbaden wurde 1864 gegründet.

Im Deutschen Krieg (Bruderkrieg) zwischen Preußen und Österreich und ihren Verbündeten wurde Nassau österreichischer Bündnispartner und 1866 als Partei der unterlegenen Seite von Preußen annektiert, womit Wiesbaden den Status als Landeshauptstadt verlor. 1867 wurde der Regierungsbezirk Wiesbaden gebildet, und Wiesbaden wurde Sitz des Mainkreises, später nach dessen Teilung Sitz des Landkreises Wiesbaden, blieb selbst aber kreisfreie Stadt. In der Folgezeit wurde Wiesbaden als Kurbad, Kongressstadt und Verwaltungssitz weiter ausgebaut und erlebte einen großen Aufschwung. Die Zeit um die folgende Jahrhundertwende gilt als die Blütezeit der Stadt. Wiesbaden wurde zur WeltkurstadtEinzelne Kurgäste recherchierbar in der digitalen Wiesbadener Kurliste 1867–1933 (https://www.hs-rm.de/landesbibliothek/hessen-und-nassau/tageszeitungen-der-region-digital/wiesbadener-badeblattkurliste/index.html) und als Nizza des Nordens bezeichnet. Kaiser Wilhelm II. besuchte die Stadt regelmäßig zur Sommerfrische. Im Gefolge des kaiserlichen Hofstaates kamen zahlreiche Adelige, Künstler und wohlhabende Unternehmer in die Stadt und ließen sich dort zunehmend auch nieder.

Am 27. Juli 1872 gründete sich der Feuerwehr-Verband für den Regierungsbezirk Wiesbaden im Römersaal in Wiesbaden.

Steigende Lebensmittelpreise während der Gründerkrise führten im Jahr 1873 zu Protesten der ärmeren Bevölkerung, die in den Wiesbadener Brotkrawallen mündeten.

Auf dem Kochbrunnenplatz wurde 1887/1888 als Ersatz für eine offene gusseiserne Halle von Bogler eine neue Trinkkuranlage errichtet. Die Z-förmig angelegten Gebäude verbanden die heute noch bestehende Arkadenhalle mit dem Quellentempel. Das nicht zerstörte Portal und die Trinkkurhalle wurden 1955 abgerissen. Um den Kochbrunnenplatz entstanden zahlreiche Hotels, unter anderen das Palasthotel und das Hotel Rose, heute Sitz der Hessischen Staatskanzlei.

Im Auftrag von Kaiser Wilhelm II. wurde das heutige Hessische Staatstheater 1894 von den Wiener Architekten Fellner und Helmer erbaut; das repräsentative Foyer im prunkvollen neobarocken Stil wurde im Jahr 1902 von Genzmer angefügt.