Amor prigioniero (auch L’Amore prigioniero; deutsch: „der gefangene Amor“) ist ein Libretto zu einem Componimento drammatico in einem Akt von Pietro Metastasio. Erstmals aufgeführt wurde es in der Vertonung von Luca Antonio Predieri 1732 auf der kaiserlichen Privatbühne in Wien., abgerufen am 3. Februar 2015.
Handlung
Diese kurze Kantate besteht aus einem einzigen Dialog zwischen der keuschen Jagdgöttin Diana und Amore, dem Gott der Liebe. Metastasio verarbeitet darin einige Motive aus seinem früheren Werk L’asilo d’Amore.
Diana und ihren Gefährtinnen ist es gelungen, Amore im Schlaf zu überwältigen und in einem kleinen Wald auf der Insel Delos gefangenzuhalten. Nun fleht Amore die Jägerinnen an, ihn wieder freizulassen. Im Gegenzug verspricht er ihnen ewiges Liebesglück ohne Eifersucht. Diana warnt ihre Begleiterinnen davor, ihm zu glauben, da er seine Versprechen nicht halten werde. Amore weist darauf hin, wie viel sie ihm verdanken. Nur seinetwegen werden sie bewundert. Wenn er gefangen bliebe, wäre Schluss damit. Selbst ihre Schönheit wäre ohne die Liebe nutzlos. Diane nennt nun mit den Namen Silvia, Clori und Irene einige Beispiele, in denen die Liebe Verwirrung gestiftet hat, aber Amore gibt der Eifersucht und den Göttern die Schuld daran. Allmählich stellt Diana fest, dass keine ihrer Freundinnen ihr die Treue gehalten hat. Sie alle haben der Liebe nachgegeben. Amore versichert ihr, dass das kein Verbrechen sei, da die ganze Welt, die Menschen und die Götter lieben würden – und sogar Diana selbst. Diana versucht vergeblich, ihn zum Schweigen zu bringen, aber Amore offenbart ihr Verhältnis mit dem Hirten Endimione. Auch sie ist also den Verlockungen der Liebe erlegen. In diesem Moment kann sich Diana nicht mehr verteidigen. Sie gibt auf und bittet Amore, Frieden mit ihr zu schließen. Amore bietet ihr seine Freundschaft an. Er wird ihr Lehrer in der Liebe werden. Zunächst jedoch hat er andere Aufgaben zu erfüllen. Diana und ihre Begleiterinnen müssen seine Rückkehr abwarten. Jeder Versuch, ihm zu widerstehen, würde ihn nur grausam machen.
Gestaltung
Es ist nicht bekannt, aus welchem Anlass Metastasio mit Amor prigioniero beauftragt wurde. Das Thema des Sieges der Liebe lässt jedoch vermuten, dass es sich um eine Verlobung, eine Hochzeit oder ein ähnliches Ereignis gehandelt hat.
Metastasio verwendet in diesem kurzen Gedicht eine scheinbar schlichte Sprache, die ihren psychologischen Inhalt aber dennoch mit großer stilistischer Vielfalt ausdrückt. Dem Dichter gelingt es, eine glaubwürdige szenische Handlung darzustellen, obwohl diese lediglich in der psychologischen Entwicklung besteht. Wenn Diana zu Beginn die Jägerinnen ermutigt, sich an dem gefangenen Amore zu rächen, sich aber niemand rührt, wird dem Spott des jungen Gottes freier Lauf gelassen. Keines der Mädchen spricht, und ihr Schweigen ist bedeutsam.
Vertonungen
Folgende Komponisten vertonten dieses Libretto:
Komponist Uraufführung Aufführungsort AnmerkungenLuca Antonio Predieri1732, HoftheaterL’amor prigioniero (Luca Antonio Predieri) bei Opening Night! Opera & Oratorio Premieres, Stanford University, abgerufen am 18. Dezember 2020. Wien „Dialogo per musica fra Diana et Amore“Georg Reutter1741, HoftheaterL’amor prigioniero (Georg Reutter) bei Opening Night! Opera & Oratorio Premieres, Stanford University, abgerufen am 18. Dezember 2020. WienFriedrich Beringervermutlich in den 1740er JahrenPartitur der Kantate von Friedrich Beringer. Digitalisat im International Music Score Library Project. Kantate für Sopran, Alt, zwei Flöten, zwei Hörner, Streicher und Basso continuoDavide Perez1751 „Cantate profane“Francesco Araja16.–27. Juni 1755, Theater, abgerufen am 3. Februar 2015. OranienbaumJohann Adolph Hasse1761Partitur der Kantate von Johann Adolph Hasse. Digitalisat imim International Music Score Library Project. Kantate für zwei Soprane, Orchester und Basso continuoGiuseppe Colla1762Giuseppe Scarlattiunbekannt (komponiert vor Scarlattis Tod 1777)Informationen zur Kantate von Giuseppe Scarlatti (italienisch). In: Clori. Archivio della cantata italiana, abgerufen am 19. Januar 2026.Partiturmanuskript der Kantate von Giuseppe Scarlatti. Digitalisat der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden. Kantate für zwei Soprane, zwei Violinen, Viola und Basso continuoGiuseppe Bonnovermutlich nicht aufgeführtDatensatz der Serenata von Giuseppe Bonno auf culturaitalia.it, abgerufen am 3. Februar 2015. „Dialogo per Musica fra’ Diana ed Amore“Giovanni Battista Ferrandini1781L’amor prigioniero (Giovanni Battista Ferrandini) bei Opening Night! Opera & Oratorio Premieres, Stanford University, abgerufen am 18. Dezember 2020. MünchenGiovanni Battista Bevilacqua1784Datensatz der Serenata von Giovanni Battista Bevilacqua auf librettodopera.it, abgerufen am 29. März 2018. „Componimento in musica“Giuseppe Musenga1789Partitur der Serenata von Giuseppe Musenga. Digitalisat im Portal Internet Culturale. „Componimento per Musica“Bernardo Ottani1789Joseph Schuster1801, Kleines HoftheaterL’amor prigioniero (Joseph Schuster) bei Opening Night! Opera & Oratorio Premieres, Stanford University, abgerufen am 18. Dezember 2020. DresdenStefano Cristiani28. Januar 1803, Teatro Principal, abgerufen am 3. Februar 2015. BarcelonaGeorg Joseph Voglerunbekannt (komponiert 1804) auf der Website der Forschungsstelle Südwestdeutsche Hofmusik der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Amore prigioniero (SCHV 176) für Solostimme, Chor und OrchesterDavid August von Apell1815
Aufnahmen und Aufführungen in neuerer Zeit
Johann Adolph Hasse: 1999: Aufführung. Berliner Lautten Compagney, Leitung: Wolfgang Katschner. Sänger: Alessandra Catteruccia und Jörg Gottschick.Schön wie das Morgenland. Rezension der Aufführung von Hasses Kantate. In: Berliner Zeitung. 9. Juli 1999, abgerufen am 6. Juli 2024. Giuseppe Scarlatti: 2021/2022: Liebhabertheater Schloss Kochberg. Aufführung in deutscher Sprache (Übersetzung: Babette Hesse). Ensemble I Porporini, Leitung: Gerd Amelung, Regie: Nils Niemann. Sängerinnen: Anne Martha Schuitemaker und Frieda Jolande Barck.Der gefangene Amor oder Die Liebe in Fesseln (Amor prigioniero). Programmheft der Aufführung von Scarlattis Kantate auf der Website der Klassik Stiftung Weimar, abgerufen am 19. Januar 2026.
Weblinks
Opere di Pietro Metastasio, Band 12. Digitalisat bei Google Books, S. 29 ff.
Digitalisate
Einzelnachweise
Jacques Joly: Les fêtes théâtrales de Métastase à la cour de Vienne, 1731–1767. Pu Blaise Pascal, 1978, ISBN 978-2845160194, S. 243 ff. (online bei Google Books)
Kategorie:Libretto Kategorie:Literatur (18. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Italienisch) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Werk von Pietro Metastasio Kategorie:Serenata