Die Bürgermeisterei Dorp war im 19. Jahrhundert eine Bürgermeisterei und Stadt im Kreis Solingen der preußischen Rheinprovinz. Sie ging aus Teilen des mittelalterlichen bergischen Amtes Solingen hervor, das 1806 unter den Franzosen aufgelöst wurde und in eigenständige Kantone und Mairies unterteilt wurde. Unter Preußen wurde die nach dem Titularort Dorperhof sogenannte Mairie Dorp in die Bürgermeisterei Dorp umgewandelt und erhielt 1856 das Stadtrecht. Im Jahre 1889 wurde Dorp nach Solingen eingemeindet und verlor damit seine Eigenständigkeit.
Die Stadt Dorp war ähnlich wie Höhscheid trotz ihrer zahlreichen Industriebetriebe bis zuletzt in ihrem Charakter eine Landgemeinde geblieben, die aus vielen verstreut im Stadtgebiet liegenden Wohnplätzen bestand. Erst in den 1880er Jahren entstanden etwa durch die Einrichtung einer eigenen Sparkasse und den Neubau eines Rathauses teilweise städtische Strukturen und die Stadt wuchs an ihrem Nordrand mit Solingen zusammen.Heinz Rosenthal: Solingen. Geschichte einer Stadt. Band 3: Aus der Zeit von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Braun, Duisburg 1975, ISBN 3-87096-126-0.
Heute gehört das ehemalige Gemeindegebiet Dorps im Norden zum Solinger Stadtbezirk Mitte, im Süden zum Stadtbezirk Burg/Höhscheid, die Ortsbezeichnung Dorp für das einstige Stadtgebiet ist heute weniger gebräuchlich. Dorp bildet allerdings bis heute eine der sieben Gemarkungen innerhalb der bergischen Großstadt Solingen., abgerufen am 14. März 2021 (PDF) Geographie Geographische Lage mini|Die Grenzen von 1808 bis 1888 der sieben ehemaligen Städte auf dem Gebiet der heutigen Stadt Solingen; die Stadt Dorp im östlichen Bereich Das Gebiet der Bürgermeisterei und Stadt Dorp lag im Nordwesten der Bergischen Hochflächen am Übergang von dem Solinger Höhenrücken zum Westlichen Wupperengtal. Der ursprüngliche Siedlungskern am Dorper Hof liegt dabei auf rund 220 Meter über NHN, den mit etwa 261 Metern über NHN höchsten Punkt des Gemeindegebietes bildete die Krahenhöhe. Das Gelände fällt nach Osten und Süden zum Fluss Wupper auf teils bis zu 130 bzw. 84 Meter über NHN ab. Von West nach Ost bzw. von Nord nach Süd zerschneiden zahlreiche Bachläufe wie der Bertramsmühler Bach das Gelände, die die Solinger Hochfläche und die Krahenhöhe in Richtung der Wupper entwässern.Rheinischer Städteatlas Dorp: Lfg. VII Nr. 38, 1982; Bearbeiter: Reinhold Kaiser; Rheinland-Verlag, Köln, ISBN 3-7927-0724-1.
Der Verlauf der Gemeindegrenze der Bürgermeisterei und Stadt Dorp bis 1889 kann wie folgt skizziert werden: Vom Werwolf aus folgte die Nord- und Ostgrenze zu Solingen ungefähr der späteren Korkenzieherbahn, dann der Klauberger Straße nach Osten und der Cronenberger Straße nach Norden. An der Einmündung der Kuller Straße war die Grenze zu Gräfrath erreicht, die Dorper Grenze verlief weiter am Rande des Bärenlochs in nordöstliche Richtung bis zur Fleußmühle und folgte dann dem Verlauf des Külfer Bachs bis Kohlfurth, wo die Wupper und die Stadtgrenze zu Cronenberg erreicht wurde. Bis hinter den Wiesenkotten folgte die Dorper Grenze dann dem Verlauf des Flusses Wupper. Die Grenze umging dann auf direktem Wege in südwestlicher Richtung die Wupperschleife, in der die Stadt Burg liegt, und folgte östlich von Strohn wieder dem Verlauf der Wupper bis Wüstenhof. Die Ostgrenze zu Höhscheid bildete ab Wüstenhof zunächst der Wüstenhofer Weg und ab Vockert etwa die Straße Grünental, bis der Weinsberger Bach erreicht wurde. Die Grenze folgte dann in nördlicher Richtung bis zum Weegerhof dem Verlauf des Bachs, bevor sie noch einige Straßenzüge rund um den Grünewald mit einschloss, ehe sie ungefähr mit dem Verlauf der späteren Bahnstrecke in östlicher Richtung wieder auf den Werwolf traf.Beschreibung des Grenzverlaufes nach der Darstellung im digital abrufbaren Historischen Atlas der Stadt Solingen
Stadtstruktur Dorp blieb bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts ausschließlich weilerartig besiedelt. Erst in den 1880er Jahren verdichtete sich die Bebauung im Bereich der nördlichen Stadtgrenze zu Solingen sowie am Grünewald und es entstanden durch gründerzeitliche Neubauten erste städtische Strukturen in Dorp. Die ursprüngliche Besiedlungsform durch Hofschaften blieb, bedingt durch die zerklüftete Topographie, abseits der Höhenrücken jedoch meist bis heute erhalten. Entlang der Höhenrücken und Hochplateaus im Stadtgebiet verdichtete dich die Bebauung allerdings noch in den 1880er Jahren.
Entlang der Hauptausfallstraßen entstanden in Dorp ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Fabriken und Produktionsstätten der Dorper Industrie, die wie die Solinger mehrheitlich zur Schneidwarenindustrie zählte, darunter die Großbetriebe J. A. Henckels und Friedrich Herder Abraham Sohn. Diese Fabriken entstanden häufig direkt neben Wohnhäusern, eine Trennung zwischen Wohnen und Industrie fand nicht statt. Da Dorp über keinen eigenen Anschluss an das Eisenbahnnetz verfügte, waren die Straßenverbindungen die einzig möglichen Transportwege für die ansässige Industrie. Nach seiner Einweihung 1867 wurde von der Dorper Industrie allerdings der Bahnhof am Weyersberg in Solingen mitgenutzt.
Geschichte Vor- und Frühgeschichte Einzelfunde aus der Jung- und der Mittelsteinzeit auf späterem Dorper Gemeindegebiet gelangen im Bereich der Krahenhöhe, bei Unnersberg sowie bei Strohn. Nahe dem Wiesenkotten befinden sich auf dem Bergrücken zwischen Jagenberg und Dorperhof Reste einer möglicherweise frühgeschichtlichen Grabenanlage, die sogenannte Ringwallanlage Wiesenkotten. Weitere Reste von Erdwällen und Gräben im Bereich Glüder deuten auf die sogenannte Ringwallburg Heidenkeller hin.
Siedlungsursprünge bis 18. Jahrhundert mini|Windfeln, eine der ältesten Höfe in Dorp Im Gemeindegebiet der späteren Bürgermeisterei und Stadt Dorp reichen die Siedlungsanfänge vermutlich bis in das 11. Jahrhundert zurück. Wie in der gesamten Region war auch im Dorper Raum zunächst die sogenannte Einzelhofbesiedlung üblich, die sich an dazu geeigneten Stellen weilerartig verdichtete. Die ältesten dieser Höfe im Dorper Raum sind die seit dem 13. Jahrhundert nachgewiesenen Orte Unnersberg, Windfeln, Hohenscheid, Jagenberg und Schaberg. Die namensgebende Hofschaft Dorper Hof hat ihre Ursprünge mutmaßlich im 14. Jahrhundert, entwickelte sich bis in das 18. Jahrhundert allerdings zum größten Dorf der späteren Bürgermeisterei und wurde ihr Titularort.
Im Mittelalter wurde das Gebiet um Dorp in die drei Honschaften Balkhausen, Dorp und Solingen als Untergliederung des Kirchspiels Solingen innerhalb des Amtes Solingen im Herzogtum Berg gebildet. Alle drei Honschaften gehörten zum Landgerichtsbezirk Solingen. Die meisten der auf Dorper Gebiet befindlichen Höfe gehörten zur Villikation des Solinger Fronhofes, der 1363 an die Abtei Altenberg verkauft worden war. Auch die Fischereirechte an der Wupper lagen bei der Abtei Altenberg, die allerdings ab 1598 an den Betreiber der Papiermühle verpachtet wurden. Neben der Abtei Altenberg verfügte auch das Stift Gerresheim in Dorp über Besitztümer, weitere Höfe und Ländereien waren zumindest zeitweise in ritterlichem Besitz wie etwa Windfeln, das erst im 14. Jahrhundert an die Johanniterkommende in Burg gefallen ist.
Wie auch in Solingen war in Dorp seit dem Mittelalter die Schneidwarenindustrie der bedeutendste Wirtschaftszweig. An der Wupper und den zahlreichen Bächen im späteren Gemeindegebiet wurden Schleifkotten errichtet, in denen mithilfe der Wasserkraft ursprünglich Blankwaffen wie Schwerter und Dolche produziert wurden, über die Jahrhunderte wurde die Produktion auf haushaltsübliche Schneidwaren wie Messer, Scheren oder Besteck umgestellt. Ein weiterer Wirtschaftszweig war die Papierherstellung, die ab dem 16. Jahrhundert hauptsächlich in der zunächst von Johannes Soter betriebenen Papiermühle an der Wupper konzentriert war.
Im 18. Jahrhundert wurden im Gebiet um Dorp einige insbesondere für die Stadt Solingen bedeutsame Verkehrswege ausgebaut. Den Anfang machte 1752/1754 die Anlage des Neuen Rheinwegs von Solingen über Weeg, Höhscheid und Aufderhöhe bis zum Rheinhafen in Hitdorf. Dieser wurde zwischen Dickenbusch und Weeg ein kurzes Stück auch über späteres Dorper Gebiet gebaut (die spätere Provinzialstraße Elberfeld–Hitdorf und heutige Bundesstraße 229). Im Jahre 1775/1776 wurde der Kohlenweg von Cronenberg über Kohlfurth nach Solingen ausgebaut, über den ein wesentlicher Teil der Kohleversorgung für die Stadt Solingen verlief. Im Jahre 1810 wurde diese Straße zur Chaussee ausgebaut (heute Landesstraße 427, Cronenberger Straße). Beide Abschnitte waren nun Teil der Provinzialstraße Elberfeld–Hitdorf. Der zunehmende Fuhrwerksverkehr hatte auch in Dorp neue Siedlungsgründungen an diesen Straßen zur Folge, so entstanden etwa Wirtschaften oder Fuhrwerksraststätten im späteren Gemeindegebiet.
19. Jahrhundert bis 1850 Das Herzogtum Berg, in dem Dorp sich befand, gehörte zuletzt aufgrund von Erbfällen zum Besitz Königs Maximilian I. Joseph von Bayern. Am 15. März 1806 trat er das Herzogtum an Napoleon Bonaparte im Tausch gegen das Fürstentum Ansbach ab. Dieser übereignete das Herzogtum an seinen Schwager Joachim Murat, der es am 24. April 1806 zusammen mit den rechtsrheinischen Grafschaften Mark, Dortmund, Limburg, dem nördlichen Teil des Fürstentums Münster und weiteren Territorien zu dem Großherzogtum Berg vereinte.
Bald nach der Übernahme begann die französische Verwaltung im Großherzogtum neue und moderne Verwaltungsstrukturen nach französischem Vorbild einzuführen. Bis zum 3. August 1806 ersetzte und vereinheitlichte diese Kommunalreform die alten bergischen Ämter und Herrschaften. Sie sah die Schaffung von Départements, Arrondissements, Kantone und Munizipalitäten (ab Ende 1808 Mairies genannt) vor und brach mit den alten Adelsvorrechten in der Kommunalverwaltung. Am 14. November 1808 war dieser Prozess nach einer Neuordnung der ersten Strukturierung von 1806 abgeschlossen. In dieser Zeit wurde die Munizipalität bzw. Maire Dorp als Teil des Kanton Solingen im Arrondissement Elberfeld geschaffen. Ihr gehörten die altbergischen Honschaften Balkhausen, Dorp und Solingen sowie die Höfe Bünkenberg, Scharfhausen und Brühl an. Die Honschaft Solingen umfasste dabei aufgrund des mittelalterlichen Stadtrechts das weitere Umfeld der Stadt Solingen, aber nicht die Stadt und deren Außenbürgerschaft selbst.
1813 zogen die Franzosen nach der Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig aus dem Großherzogtum ab und es fiel ab Ende 1813 unter die provisorische Verwaltung durch Preußen im sogenannten Generalgouvernement Berg, die es 1815 durch die Beschlüsse des Wiener Kongreß endgültig zugesprochen bekamen. Mit Bildung der preußischen Provinz Jülich-Kleve-Berg 1816 wurden die vorhandenen Verwaltungsstrukturen im Großen und Ganzen zunächst beibehalten und unter Beibehaltung der französischen Grenzziehungen in preußische Landkreise, Bürgermeistereien und Gemeinden umgewandelt, die häufig bis in das 20. Jahrhundert Bestand hatten. Der Kanton Solingen wurde zum Kreis Solingen, die Maire Dorp zur Bürgermeisterei Dorp.
Bereits 1814 wurde der Versuch unternommen, die Bürgermeistereien Dorp, Höhscheid und Solingen zu einer Gemeinde zu vereinigen, der jedoch scheiterte. mini|Fleußmühle