Rolf (Rudolf) Schlögell (* 7. Januar 1921 in Bremen; † 8. Mai 1984 in Köln) war ein deutscher Mediziner und Ärztefunktionär. Er gehörte zu den Mitbegründern des Marburger Bundes und war maßgeblich am Aufbau der ärztlichen Selbstverwaltung beteiligt.

Biografie Schlögell erlangte 1939 sein Abitur am Alten Gymnasium in Bremen. Nach Arbeitsdienst und krankheitsbedingt kurzer Kriegsdienstzeit studierte er ab 1940 Medizin an der Philipps-Universität Marburg, wo er in die Kameradschaft XI Herold des NSDStB, die damals gleichgeschaltete Marburger Burschenschaft Rheinfranken, eintrat. Am 6. Februar 1941 wurde er nach persönlichen Konflikten aus der Kameradschaft ausgeschlossen.Bernhard Grün: Die Protokoll- und Konvent-Bücher der Kameradschaft „Ritter von Schönerer“ im Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund an der Universität Marburg/Lahn 1938-1945: In: Christian Oppermann (Hrsg.): „Wahrheit, Muth und Kraft!“ - Gedenkschrift für den Historiker, Archivar und Burschenschafter Professor Dr. Dr. Harald Lönnecker. (= Darstellungen und Quellen zur Geschichte der deutschen Einheitsbewegung im 19. und 20. Jahrhundert, Band 24), Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2025, S. 658. Weitere Studienorte waren die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und die Reichsuniversität Straßburg, wo er sein Studium im Jahre 1944 mit Staatsexamen und Promotion über das Thema "Wachstumsverdichtungen am kindlichen Handgelenk" abschloss. Danach arbeitete er bis 1947 als Wissenschaftlicher Assistent am Pathologischen Institut der Universität Marburg. Er heiratete die Tochter von Karl Winter, der seine Wiederaufnahme in die Marburger Burschenschaft Rheinfranken durchsetzte. Dieser gehörte Schlögell dann bis zu seinem Tode als Alter Herr an.

Schlögell war Mitbegründer der LDP in Hessen und Mitglied der ersten, nach dem Zweiten Weltkrieg frei gewählten Stadtverordnetenversammlung von Marburg (Lahn).

Von 1947 bis 1951 war er bei der Arbeitsgemeinschaft der Westdeutschen Ärztekammern, der späteren Bundesärztekammer, tätig. In diesem Rahmen war er an der Verbreitung und Interpretation der Resolution der Westdeutschen Ärztekammern zum Nürnberger Ärzteprozess vom 18./19. Oktober 1947 beteiligt.Jürgen Peter: Der Nürnberger Ärzteprozess. 3., überarbeitete Auflage. LIT Verlag Münster 1998, Seite 273 ff Digitalisat

Anschließend war Schlögell bis 1977 Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Kassenärztlichen Vereinigungen, der späteren Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Von 1954 bis 1980 war Schlögell als Experte für Versicherungswesen im Weltärztebund tätig. 1949 wirkte Schlögell bei der Gründung des Bundesverbandes der Freien Berufe mit. Von 1977 bis kurz vor seinem Tode war er dessen Vorsitzender.Bundesverband der Freien Berufe BFB:

Im Jahr 1980 wurde er für seine maßgebliche Beteiligung am Aufbau des Systems der ärztlichen Selbstverwaltung mit der Paracelsus-Medaille ausgezeichnet.

Auszeichnungen 1973: Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland 1974: Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland 1980: Paracelsus-Medaille

Weblinks Geschichte der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Nachruf auf Rolf Schlögell. Deutsches Ärzteblatt 1984; 81 (21): A-1692

Einzelnachweise

Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes Kategorie:Träger der Paracelsus-Medaille Kategorie:FDP-Mitglied Kategorie:Ärztefunktionär Kategorie:Burschenschafter (20. Jahrhundert) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1921 Kategorie:Gestorben 1984 Kategorie:Mann