Inkonzinnität ist ein Begriff aus der Rhetorik. Man versteht darunter die bewusste Vermeidung von Parallelität. Diese kann als Mangel an Konzinnität und damit als Fehler gelten; sie kann aber auch ein bewusster Kunstgriff zur Vermeidung von Gleichförmigkeit sein. Letzteres kommt vor allem bei Tacitus häufig vor.

Inkonzinnität kann in der Syntax, in der Wortwahl (Wechsel im Ausdruck) oder in der Verwendung der Tempora (beispielsweise im Lateinischen historischer Infinitiv vs. Imperfekt/Perfekt) vorliegen. Auch die Verwendung von syntaktisch parallelen, aber semantisch unterschiedlichen Satzgliedern wird als Inkonzinnität bezeichnet. Beide Fälle lassen sich in der klassischen Rhetorik dem Zeugma zuordnen.

Beispiele: (syntaktische Variation: Substantiv/Nebensatz) (semantische Variation zwischen Psychischem und Physischem; aus Tacitus, Germania 1) (Heinrich Heine)

Literatur Jens König: Concinnitas. In: Gert Ueding (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Rhetorik, Band 2, Niemeyer, Tübingen 1994, ISBN 3-484-68102-0, Sp. 317–335, hier: 317

Kategorie:Rhetorischer Begriff