Neustadt an der Donau (amtlich Neustadt a.d.Donau) ist eine Stadt an der Westgrenze des niederbayerischen Landkreises Kelheim. Sie ist vor allem durch den Kurort Bad Gögging bekannt.
Geografie Lage Die Stadt liegt auf halber Strecke zwischen Ingolstadt und Regensburg, auf einer etwa 5 km breiten Schotterebene des Donautales, welches an dieser Stelle im Süden von den bewaldeten Ausläufern des tertiären Donau-Isar-Hügellandes der Hallertau und im Norden von den im Wesentlichen aus Kalkstein bestehenden Hängen der südlichen Fränkischen Alb begrenzt wird. Im Stadtgebiet münden die Flüsse Ilm und Abens in die Donau.
Gemeindegliederung mini|Die Donau bei Neustadt Es gibt 22 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Es gibt die Gemarkungen Arresting, Bad Gögging, Eining, Geibenstetten, Hienheim, Irnsing, Marching, Mauern, Mühlhausen, Neustadt a.d.Donau, Oberrulrain und Schwaig.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden von Neustadt sind Abensberg, Altmannstein, Biburg, Kelheim, Mindelstetten, Münchsmünster, Pförring und Siegenburg.
Geschichte
mini|Die Stadtrechtsverleihung von 1273
Bis zum 19. Jahrhundert
Die älteste durch schriftliche Quellen nachgewiesene Siedlung auf dem Gebiet von Neustadt bestand mit dem Ort bzw. der Burg Trephenau.Georg Köglmeier: Neustadt an der Donau. Eine bayerische Landstadt und ihre Bewohner im Wandel der Jahrhunderte. Band I: Von den Anfängen bis um 1800. Neustadt an der Donau 1994. Noch unter der Bezeichnung Seligenstadt wurden Neustadt am 11. Mai 1273 durch Herzog Ludwig II., genannt der Strenge, die Stadtrechte verliehen. Diese Stadtrechtsverleihung ist die älteste in Bayern. Mit der Stadterhebung und der damit einhergehenden Neuanlage und Neubesiedelung könnte Herzog Ludwig II. die Sicherung der Donautalstraße sowie die Sicherung des Donauübergangs beabsichtigt haben. Die Stadtrechtsverleihung gehört zu den planmäßigen Stadtgründungen der frühen Wittelsbacher Herzöge. In einer Urkunde des Abtes Konrad von Weltenburg aus dem Jahre 1277 wurde Neustadt erstmals mit diesen Namen erwähnt.
Älter als das eigentliche Neustadt ist die vor den Toren der Stadt und unmittelbar am Ufer der Donau gelegene Siedlung Wöhr, die jetzt noch ein Gemeindeteil ist. Ihr Name geht auf das mittelhochdeutsche wert zurück, das so viel wie Insel oder erhöhtes, wasserfreies Land bedeutet. Wöhr war bereits im ausgehenden Mittelalter in die Stadt Neustadt eingemeindet. Die Bewohner von Wöhr konnten Bürger der Stadt werden, lebten jedoch außerhalb der Befestigungsanlage. Die Burg Wöhr war Stammsitz des Adelsgeschlechts der Herrn von Wöhr und des herzoglichen Urbaramtes „ze Werde“, das Natural- und Geldabgaben aus herzoglichen Gütern verwaltete.
20. und 21. Jahrhundert
Im Verlaufe seiner wechselvollen, oft durch Krieg und Zerstörung sowie von Hochwasser geprägten Geschichte entwickelte sich Neustadt von einem Landstädtchen zu einem gewerblich-industriellen Dienstleistungszentrum. Mittlerweile ist Neustadt wirtschaftlicher Mittelpunkt des Landkreises Kelheim. Das Neustädter „Wirtschaftswunder“Josef Scheugenpflug: Neustadt an der Donau. Eine bayerische Landstadt und ihre Bewohner im Wandel der Jahrhunderte. Band II: Von der Landstadt zum gewerblich-industriellen Dienstleistungszentrum (1800–2004). Neustadt an der Donau 2004. begann 1964 mit dem Bau der Erdölraffinerie und setzte sich in den 1980er Jahren fort durch die Ansiedlung namhafter Automobilzulieferer, die von der verkehrstechnisch günstigen Lage sowie der Nähe zu Audi und BMW profitieren. Mit dem Ausbau Bad Göggings zu einem Bade- und Fremdenverkehrsort erhielt Neustadt in dieser Zeit ein zweites wirtschaftliches Standbein.
Durch die Ausweisung von Gewerbe- und Wohngebieten und Eingemeindungen im Rahmen der Gebietsreform in Bayern wuchs die Einwohnerzahl von rund 4.000 im Jahre 1972 auf ungefähr 14.400 Ende 2021. Im Bereich der Stadt werden 6.900 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze angeboten, davon entfallen ca. 1.200 auf den Kurort Bad Gögging. Die Zahl der Einpendler übersteigt die der Auspendler erheblich.
mini|Stadtplan von 1819
Die Altstadt von Neustadt ist noch in ihrem historischen Kern erhalten. Mit Ausnahme des südöstlichen Teils, der so genannten Löwengrube, ist sie typisch für eine wittelsbachische Stadtgründung, weitgehend geprägt von regelmäßiger Anlage und quadratischem Grundriss. In der Löwengrube wird die ursprüngliche Siedlung Trephenau vermutet. Von der ehemaligen Stadtbefestigung sind noch einige Stadtmauerpartien, die Graben-Wall-Anlagen sowie drei Türme erhalten. Die drei Stadttore wurden im 19. Jahrhundert abgetragen. In dieser Zeit wurde der Stadtwall bepflanzt, so dass die Altstadt heute von einer mächtigen Kastanienallee umrahmt ist. Es entstand ein Grünzug, der einzigartig in seiner Art ist. Sehenswert ist das Schiff der gotischen Stadtpfarrkirche St. Laurentius sowie das ebenfalls gotische Rathaus. Der Turm der Stadtpfarrkirche wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und Ende der 1940er Jahre durch einen Neubau ersetzt.
Eingemeindungen
Im Jahr 1946 wurde Mauern in die Stadt eingegliedert. Im Zuge der Gebietsreform in Bayern kamen am 1. Januar 1972 Arresting, Eining und Marching, am 1. Juli 1972 Gögging hinzu, am 1. Januar 1978 Geibenstetten, Irnsing, Mühlhausen und große Teile der aufgelösten Gemeinde Hienheim. Die Eingliederung der bis dahin selbständigen Gemeinden Oberulrain und Schwaig schloss am 1. Mai 1978 die Eingemeindungen ab.
Einwohnerentwicklung
Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 9.813 auf 14.409 um 4.596 Einwohner bzw. um 46,9 %.
Politik Stadtrat mini|Das spätgotische RathausBei den Stadtratswahlen 2020 sind im Vergleich zu 2014 sowohl die Freien Wähler als auch die Junge Liste nicht mehr angetreten. + Kommunalwahlen 2020Partei / ListeStimmenanteilVeränderungSitzeVeränderungCSU 29,65 % +8,55 % 7 +2SPD 24,75 % −0,35 % 60 Christliche Wählergemeinschaft Mühlhausen-Geibenstetten (CWMG) 10,17 % −0,43 % 2 −1 Wählergemeinschaft Bad Gögging-Eining-Ulrain (WGBGEU) 14,65 % +4,05 % 4 +2 Wählergemeinschaft Schwaig (WGS) 7,93 % −0,27 % 20 Wählergemeinschaft Hienheim-Arresting (WGHA) 7,03 % +0,23 % 20 Wählergemeinschaft Irnsing (WGI) 5,82 % +1,82 % 10Gesamt 100 %24
Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 2020 Thomas Memmel (CSU). Dessen Vorgänger Thomas Reimer (SPD) ist nicht mehr angetreten. + Kommunalwahlen 2020 1. Bürgermeister Thomas Memmel CSU 2. Bürgermeister Günter Schweiger WGS 3. Bürgermeister Sebastian MayerCSU
+Bürgermeister-HistorieAmtszeitNamePartei1966–1984Joachim MeierSPD1984–2002Hans GiglCSU2002–2020Thomas ReimerSPDseit 2020Thomas MemmelCSU
mini|AG Neustadt in Europa
Wappen
Städtepartnerschaften Neustadt ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Neustadt in Europa, in der sich 37 Städte (Stand Dezember 2013) mit Namen Neustadt aus Deutschland, Österreich, Ungarn, der Tschechischen Republik, Polen, den Niederlanden und der Slowakei zusammengeschlossen haben. Im Jahre 1988 wurde eine Stadtpartnerschaft mit Recoaro Terme (Provinz Vicenza, Italien) begründet. Da in der Nähe von Recoaro noch zimbrisch gesprochen wird, wurde die Begründungsurkunde auch in diesem altbairischen Dialekt verfasst.Offizielle Vorstellungsbroschüre der Stadt Neustadt, S. 7, Hrsg. 2010
Kultur und Sehenswürdigkeiten Baudenkmäler
Einrichtungen Die Stadt beherbergt folgende öffentliche und private Einrichtungen: Römisch-katholische, evangelische und neuapostolische Kirchen Seniorenheim mini|Naherholungsgebiet Mauerner See Bürgerzentrum mit Bürgersaal und Stadtbücherei Hallenbad Naherholungsgebiet und Freizeitgelände Mauerner See Kindergärten Musikschule Jugendtreff Speedway-Rennbahn im Anton-Treffer-Stadion Wilhelm-Sander-Stiftung Römisches Museum für Kur- und BadewesenEckart Roloff, Karin Henke-Wendt: Wasser und Wellness in der Antike – Schwitzen tut schon immer gut (Das Römische Museum für Kur- und Badewesen in Neustadt-Bad Gögging). In: Besuchen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Eine Tour durch Deutschlands Museen für Medizin und Pharmazie. Band 2, Süddeutschland. Verlag S. Hirzel, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-7776-2511-9, S. 127–128. Forum regionaler Kunst Temporäre Kunstausstellungen auf dem Weinberg
Natur Naturschutzgebiet Goldau
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr mini|Der Bahnhof Neustadt (Donau) Die Stadt liegt im Schnittpunkt zweier Bundesstraßen. Die B 16 erschließt Neustadt in ost-westlicher, die B 299 in nord-südlicher Richtung. Über diese Straßen besteht Anschluss an die Autobahnen A 9 in Richtung München und Nürnberg und A 93 in Richtung Regensburg und Passau.
Der Bahnhof Neustadt (Donau) liegt an der Bahnstrecke Regensburg–Ingolstadt und wird vom Regionalverkehr bedient. Über die Hauptbahnhöfe Ingolstadt und Regensburg besteht Anschluss an das ICE-Netz der Deutschen Bahn AG. In Hinblick auf die örtliche hohe wirtschaftliche Konzentration ist die Donautalbahn für den Güterverkehr von großer Bedeutung.
Die Nähe zum Europakanal Rhein-Main-Donau und dem Binnenhafen Kelheim/Saal ermöglicht den Umschlag von Waren zwischen den Nordseehäfen und Osteuropa. Der nächstgelegene Flughafen für den internationalen Linienverkehr ist der 60 km entfernte Flughafen München bei Erding.
Neustadt liegt am Donau-Radweg, welcher von der Donauquelle in Donaueschingen bis nach Tulcea im Donaudelta führt.
Etwa 7,5 Kilometer nördlich des Zentrums liegt das Segelfluggelände Hienheim.
Die Fähre Eining quert im Stadtgebiet von Neustadt die Donau.
Ansässige Unternehmen mini|Die Bayernoil-Raffinerei Bayernoil: Die Erdölraffinerie Neustadt, Bayerns größte Raffinerie, wurde 1964 errichtet. Sie ist Teil des petrochemischen Zentrums im Raum Ingolstadt und bietet circa 730 Mitarbeitern Beschäftigung. Eigentümerin ist die Bayernoil GmbH, welche im Auftrag anderer Unternehmen hauptsächlich Treibstoffe und Heizöl produziert. Samvardhana Motherson Peguform (SMP): Der Automobilzulieferer mit Stammsitz in Bötzingen (Nähe Freiburg) stellt in seinem im Jahre 1986 im Ortsteil Schwaig errichteten Werk Kunststoffteile für Personen- und Nutzfahrzeuge her. SMP ist mit ca. 2100 Arbeitsplätzen der größte Arbeitgeber der Stadt. MAHLE: Das ursprünglich im Besitz der Firma Behr befindliche Unternehmen produziert mit 600 Mitarbeitern in Neustadt-Süd seit 1987 Heizungs- und Klimaanlagen für Pkw. Nachdem die MAHLE GmbH im Jahre 2013 die Mehrheit der Anteile der Behr-Gruppe erworben hat, firmiert die Firma nunmehr unter der Bezeichnung MAHLE Behr GmbH & Co. KG, Johnson: Johnson Controls Interiors ist Nachfolger der Firma Fibrit, welche sich 1987 in Neustadt niedergelassen hatte. Johnson, mit Hauptsitz in Milwaukee, USA, ist Marktführer im Bereich Autositze und Autoinnenausstattungssysteme. Die Beschäftigtenzahl beträgt etwa 700. Aufgrund eines Joint Ventures mit dem chinesischen Konzern Yanfeng Automotive firmiert die Firma seit Anfang Juli 2015 unter dem Namen „Yanfeng Automotive Interiors GmbH & Co. KG“. mini|Verwaltungsgebäude Covidien Covidien: Das Unternehmen war ursprünglich Teil des global tätigen US-amerikanischen Mischkonzerns Tyco International. Es ist aus der 1973 gegründeten Firma Kendall hervorgegangen. Covidien stellte in Neustadt-Süd mit circa 400 Mitarbeitern medizinische Erzeugnisse her und betrieb dort von 2002 bis 2013 ein Logistikzentrum. Der neue Eigentümer des Unternehmens, der Medizinkonzern Medtronic gab bekannt, dass die derzeit in Neustadt befindlichen Arbeitsplätze bis Ende 2016 an andere Standorte in Deutschland und Europa verlagert werden.Mitteilung in Mittelbayerischer Zeitung vom 25. September 2015 Im Januar 2017 sind noch etwa 85 Mitarbeiter am Produktionsstandort beschäftigt. Audi: Die Firma Audi hat 1995 im Ortsteil Schwaig ein 280 Hektar großes Areal erworben. Dort betreibt sie auf einer 4,6 Kilometer langen Ovalstrecke mit drei Fahrspuren und zwei überhöhten Kurven eine Teststrecke.