mini|Rathaus in Zlín
Zlín (deutsch Zlin; von 1949 bis 1990: Gottwaldov) ist eine Stadt in Tschechien mit 75.000 Einwohnern und das Industriezentrum in der Region Zlínský kraj in Mähren. Sie erstreckt sich im Tal der Dřevnice.
Geographie Zlín befindet sich rund 60 Kilometer von Brünn entfernt und liegt im Tal der Dřevnice. Die Stadt wird durch die Silnice I/49 sowie mehrere kleinere Landstraßen angebunden. Auch die Bahnstrecke Otrokovice–Vizovice verläuft durch Zlín, wo sie zehn Haltepunkte besitzt.
Zlín grenzt an Bohuslavice u Zlína, Březnice, Fryšták, Hostišová, Hvozdná, Karlovice u Zlína, Kašava, Lhota u Zlína, Lípa nad Dřevnicí, Lukov u Zlína, Oldřichovice, Ostrata, Otrokovice, Racková, Sazovice, Tečovice, Veselá u Zlína, Vlčková, Zádveřice-Raková und Želechovice nad Dřevnicí.
mini|Baťa-Hochhaus am Abend
Geschichte Die Geschichte reicht bis ins Mittelalter. Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1322. Damals war die Stadt Zentrum des Handwerks und Bergbaus und maßgeblich für die weitere Ansiedlung von Handwerkern in der Umgebung, die bis dato meist von Viehzucht lebte. Zlín war auch der Sitz der Verwaltung und der Landesherrscher. 1397 erhielt der Ort erweiterte Stadtrechte und 1509 das Marktrecht. 1605 wurde die Stadt von den Truppen Stephan Bocskais geplündert. 1779 wurde die erste Manufaktur, eine Wäschefärberei, errichtet. 1850 gründete Claudius von Bretton eine Streichholzfabrik. Die Kinder des Barons Bretton wurden von Johann Mach, dem Vater des Physikers Ernst Mach erzogen bzw. unterrichtet. Die Streichholzfabrik wurde bald wieder geschlossen.
Die ruhige Entwicklung nahm erst zur Zeit der Industriellen Revolution Fahrt auf. 1894 wurde die Baťa-Schuhfabrik gegründet. Vom schnellen Wachstum der Fabrik des Tomáš Baťa, der ab 1923 auch Bürgermeister von Zlín war, profitierte auch die Stadt. Zlín bekam durch die Architekten Jan Kotěra, František Lydie Gahura, M. Lorenc und Vladimír Karfík ein völlig neues Gesicht, und die Bevölkerung wuchs von 5.000 schnell auf 43.000 an. Tomáš Baťa und sein Bruder Jan Antonín Baťa ließen unter dem Motto „Kollektiv arbeiten – individuell wohnen“ Werkssiedlungen nebst firmeneigenen Kindergärten und Schulen sowie ein Krankenhaus, ein Warenhaus und das damals größte Kino Mitteleuropas errichten. Zlín kann aufgrund der streng rationalen, an der Optimierung aller Funktionen orientierten Stadtplanung unter Einbeziehung sozialer und psychologischer Aspekte als erste funktionalistische Stadt der Welt im Sinne der Charta von Athen (1933) bezeichnet werden.vgl. Hubertus Adam: Janusgesicht der Moderne: Die Baťa-Stadt Zlín – ein funktionalistisches Baudenkmal von Weltrang in Südmähren. In: NZZ. 16. Januar 2010, Nr. 12 (PDF).
1949 wurde die Stadt nach dem kommunistischen Präsidenten Klement Gottwald in Gottwaldov umbenannt. Diesen Namen führte sie bis 1990. Renommee brachten der Stadt auch die Filmstudios, die vor allem in den 1960er Jahren durch animierte Filmproduktionen und Trickfilme der Regisseure Karel Zeman und Hermína Týrlová internationale Bekanntheit erwarben. Seit 1961 findet dort das Zlín Film Festival statt. Die unternehmerische Seele, aber auch die gute Lage sind als Grund anzusehen, dass Zlín nach dem Sturz des kommunistischen Regimes viele Existenzgründer und Jungunternehmer hervorbrachte, deren Aktivitäten weit über dem Durchschnitt des Landes liegen.
2001 wurde die Tomáš-Baťa-Universität in Zlín gegründet.
Stadtgliederung Die Stadt Zlín besteht aus den Ortsteilen Chlum, Jaroslavice (Jaroslawitz), Klečůvka (Kleczuwka), Kostelec (Kostelletz), Kudlov (Kudlow), Lhotka (Klein Lhotta), Louky (Luk), Lužkovice (Luschkowetz), Malenovice (Mallenowitz), Mladcová (Mlatzow), Prštné, Příluky (Prziluk), Salaš (Sallasch), Štípa, Velíková und Zlín.
Bevölkerungsentwicklung Jahr 1869 1880 1890 1900 1910 1921 1930 1950 1961 1970 1980 1991 2001 2011 2021 Einwohner 9889 10.265 10.445 10.944 11.970 13.488 33.068 59.364 61.203 68.436 77.460 81.146 78.833 75.318 74.178Zensus 2021, Český statistický úřad, abgerufen am 18. Juli 2025 (tschechisch)
Partnerstädte Altenburg, Deutschland Groningen, Niederlande Chorzów, Polen Izegem, Belgien Limbach-Oberfrohna, Deutschland Romans-sur-Isère, Frankreich Sesto San Giovanni, Italien Trenčín, Slowakei Möhlin, Schweiz Turin, Italien Partizánske, Slowakei
Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Der Baťa-Wolkenkratzer wurde 1939 fertiggestellt
Baťa-Wolkenkratzer Burg Malenovice Waldfriedhof Zlín Schloss Lešná und Zoo Zlín Wallfahrtskirche Štípa
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt Hynek Vojáček (1825–1916), Komponist und Pädagoge Tomáš Baťa (1876–1932), Unternehmer und Begründer des Baťa-Konzerns Rudolf Asmus (1921–2000), Opernsänger (Bassbariton) Ilja Prachař (1924–2005), Schauspieler Ludmilla Ymeri (1924–2004), Cellistin und Musikpädagogin Svatopluk Pluskal (1930–2005), Fußballspieler Tom Stoppard OM, CBE, (geb. Tomáš Sträussler; 1937–2025), britischer Dramatiker Radoslav Zapletal (1937–2010), Geiger und Komponist Josef Abrhám (1939–2022), Schauspieler Eva Jiřičná (* 1939), tschechisch-britische Architektin und Designerin Mojmír Bártek (* 1942), Jazzposaunist und Komponist Ludmila Zeman (* 1947), Kinderbuchautorin, Illustratorin, Trickfilmproduzentin Ivana Trump, geb. Zelníčková (1949–2022), US-amerikanische Unternehmerin Elia Cmíral (* 1950), Komponist Thomas Dolak senior (1952–2013), deutsch-tschechischer Eishockeyspieler Petr Janečka (* 1957), Fußballspieler František Břečka (* 1958), Leichtathlet Alena Hanáková (* 1958), Politikerin und Lehrerin Miroslav Gavalec (* 1961), Richter am Europäischen Gerichtshof Olga Charvátová (* 1962), Skirennläuferin Michaela Šojdrová (* 1963), Politikerin Stanislav Struhar (* 1964), österreichischer Schriftsteller Petr Hába (* 1965), Schachmeister Hana Androníková (1967–2011), Schriftstellerin Zuzana Lapčíková (* 1968), Musikerin Tom Kučera (* 1970), Rabbiner Roman Čechmánek (1971–2023), Eishockeyspieler Tomáš Dvořák (* 1972), Leichtathlet Roman Hamrlík (* 1974), Eishockeyspieler Petr Čajánek (* 1975), Eishockeyspieler Jiří Novák (* 1975), Tennisspieler Petr Šindelář (* 1975), Snowboarder Martina Dlabajová (* 1976), Politikerin Roman Kresta (* 1976), Rallyefahrer Ivan Vrba (* 1977), Bahnradsportler Ivana Walterová (* 1977), Schwimmerin Thomas Dolak junior (* 1979), deutsch-tschechischer Eishockeyspieler Pavel Prokopec (* 1980), Handballspieler Zdeněk Hřib (* 1981), Politiker Michal Smola (* 1981), Orientierungsläufer Renata Voráčová (* 1983), Tennisspielerin Tomáš Kostka (* 1984), Rennfahrer Adéla Bruns (* 1987), Sportschützin Ondřej Čelůstka (* 1989), Fußballspieler Klára Křížová (* 1989), Skirennläuferin Michal Jordán (* 1990), Eishockeyspieler Stanislav Dostál (* 1991), Fußballtorhüter Pavla Gajdošíková (* 1991), Schauspielerin und Sängerin Martina Kubičíková (* 1991), Tennisspielerin Klára Cahynová (* 1993), Fußballspielerin Tomáš Galvas (* 2006), Eishockeyspieler
Im Ort wirkten und lebten Ivan Blecha (* 1957), Leiter des Instituts für Philosophie an der Universität in Olmütz, lehrte in Zlín Karel Dodal (1900–1986), einer der ersten Trickfilmregisseure der Tschechoslowakei, arbeitete in den Filmstudios Gottwaldov Martin Erat (* 1981), Eishockeyspieler, spielte 2004/05 für HC Hamé Zlín Vítězslav Jandák (* 1947), Schauspieler und früherer Kulturminister Tschechiens, leitet seit Jahren das Kinderfilmfestival von Zlín Marek Kincl (* 1973), Fußballspieler, spielte 1997 bei FC Zlín Zdeněk Miler (1921–2011), Zeichentrickfilmer, begann seine Arbeit im Zeichentrickstudio Baťa in Zlín, bekannt z. B. durch die Maulwurf-Figur Zdeněk Nehoda (* 1952), Fußballspieler, Spielervermittler und Jurist, Stürmer von TJ Gottwaldov und Dukla Prag, Europameister 1976 Jaroslav Opěla (1935–2016), Dirigent und Leiter der tschechoslowakischen Staatlichen Philharmonie in Zlin Silvia Saint (* 1976), Silvia Tomčalová, Pornodarstellerin, arbeitete im hiesigen Hotel Hermína Týrlová (1900–1993), Regisseurin und Trickfilmproduzentin Otto Wichterle (1913–1998), Chemiker, forschte in den Baťa-Werken in Zlín, vor allem auf dem Gebiet der Verarbeitung von Polyamiden und Kaprolaktamen Karel Zeman (1910–1989), Trickfilmproduzent Miroslav Zikmund (1919–2021), Reiseschriftsteller und -fotograf, lebte und arbeitete in Zlín
Sport PSG Zlín, ehemalige Eishockeyabteilung des TJ Gottwaldov, Tschechischer Meister 2004 FC Fastav Zlín, früher FC Tescoma Zlín und TJ Gottwaldov, heute Teilnehmer an der höchsten Fußballliga Tschechiens, der Gambrinus-Liga
Literatur Antonín Cekota, Slavoboj Tusar (Grafik), Josef Vaňhara (Fotograf): Zlin. Die Stadt der Mitarbeit. Tisk, Zlín 1936. Katrin Klingan, Kerstin Gust (Hrsg.); Bas Princen (Fotograf): A Utopia of Modernity: Zlín. Revisting Bata's functional city. Jovis, Berlin 2009, ISBN 978-3-86859-034-0 (englisch). Winfried Nerdinger, Ladislava Hornáková, Radomíra Sedláková (Hrsg.): Zlín. Modellstadt der Moderne. (Anlässlich der Ausstellung Zlín – Modellstadt der Moderne im Architekturmuseum der TU München in der Pinakothek der Moderne, 19. November 2009 – 21. Februar 2010). (Übersetzungen aus dem Tschechischen und Slowakischen von Alena Kubatzky, aus dem Französischen von Thorsten Doerdrechter). Jovis, Berlin 2009, ISBN 978-3-86859-051-7. Rainer Sittenthaler: Zlín – Die ideale Industriestadt der Moderne? Wien 2013 (Wien, Universität, Diplomarbeit, 2013). Josef Vaňhara: Příběh jednoho muže a jednoho města. J. Vaňhara, Zlín 1998, ISBN 80-238-0517-7 (tschechisch).
Weblinks
Website der Stadt (tschechisch, englisch) Ronald Berg: Stadt aus Schuhen. In: Die Tageszeitung, 15. Juni 2009 Hubertus Adam: Janusgesicht der Moderne. In: NZZ, 16. Januar 2010
Einzelnachweise
Kategorie:Statutarstadt (Tschechien) Kategorie:Tschechische Hochschul- oder Universitätsstadt Kategorie:Ersterwähnung 1322