mini|Das 12 m hohe Kriegerdenkmal zwischen Kanonenrohren (2010) mini|Das Denkmal im 19. Jahrhundert, kurz nach einer Gedenkveranstaltung;Foto im Kabinettformat von Christian Bregazzi
Das Langensalza-Denkmal in Bad Langensalza in Thüringen ist ein 1868 eingeweihtes Kriegerdenkmal zur Erinnerung an die in der Schlacht bei Langensalza am 27. Juni 1866 gegen Preußen gefallenen Soldaten des Königreichs Hannover.Alheidis von Rohr (Bearb.): Langensalza – Denkmal für die gefallenen Hannoveraner, in: Niedersächsische Landesgeschichte im Historischen Museum Hannover (= Abteilungskatalog des Historischen Museums am Hohen Ufer Hannover, Bd. III), Katalog bearbeitet von Alheidis von Rohr. Mit Beiträgen von Waldemar R. Röhrbein und Georg Schnath. Hannover 1985, S. 245 f.
Geschichte Nach der verlorenen Schlacht und der preußischen Annexion des Königreichs Hannover bildete sich Ende 1867 in Hannover um Friedrich Culemann ein Comité für die Errichtung eines Langensalza-DenkmalsStadtarchiv Hannover, Signatur: 3.NL.023 Nr. 80, Findbucheintrag auf arcinsys.niedersachsen.de, abgerufen am 17. September 2025., das „offensichtlich als Zentraldenkmal für alle gefallenen Soldaten des Königreichs Hannover“ dienen sollte.Gerhard Schneider: Langensalza – ein hannoversches Trauma. Gefallenengedenken auf dem Schlachtfeld von 1866. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Jg. 61, 1989, S. 265–323, hier S. 272. (Digitalisat auf historische-kommission.niedersachsen.de, abgerufen am 18. September 2025) Zur Einwerbung der zum Bau des Denkmals benötigten Gelder fertigte der Architekt Georg Hägemann aus Hannover – als ein Jugendwerk – eine repräsentative, lithografierte Architekturzeichnung, die als großes Schmuckblatt vervielfältigt wurde.Die Herstellung besorgte die Druckerei J. C. König & Ebhardt in Hannover als 50 × 31,7 cm großes Schmuckblatt mit einer Farblithografie in zwei Brauntönen. Ein Exemplar wurde Teil der Sammlung des Vaterländischen Museums in Hannover (heute: Historisches Museum Hannover). – Das darüber hinaus heute seltene Blatt ist u. a. erhalten im Niedersächsischen Landesarchiv, Abteilung Aurich, Signatur: Dep. 41 acc. 2001/033 K Nr. 3 vorläufig (Findbucheintrag auf arcinsys.niedersachsen.de, abgerufen am 17. September 2025). Darauf findet sich unter der Titelzeile Langensalza Denkmal für die gefallenen Hannoveraner folgender Text:
Das Entwurfsblatt zeigt innerhalb eines Zierrahmens ein neugotisches Turmbauwerk mit Wimpergen und Filialen in einer Landschaft. Schließlich kamen in der Spendensammlung die benötigten 2500 Thaler zusammen, wovon das abgesetzte hannoversche Königshaus rund 1500 Taler übernommen hatteGerhard Schneider: Langensalza – ein hannoversches Trauma. Gefallenengedenken auf dem Schlachtfeld von 1866. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Jg. 61, 1989, S. 265–323, hier S. 293 und 294. (Digitalisat auf historische-kommission.niedersachsen.de, abgerufen am 18. September 2025), so dass das Denkmal nach den Plänen Hägemanns errichtet und am zweiten Jahrestag der Schlacht, am 27. Juni 1868, eingeweiht sowie in die Obhut der Stadt Langensalza übergeben werden konnte.Gerhard Schneider: Langensalza – ein hannoversches Trauma. Gefallenengedenken auf dem Schlachtfeld von 1866. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Jg. 61, 1989, S. 265–323, hier S. 295. (Digitalisat auf historische-kommission.niedersachsen.de, abgerufen am 18. September 2025) – Mit Beschreibung der Zeremonie, Reden usw. Die Rede zur Einweihung hielt der ehemalige Feldpropst der Hannoverschen Armee Karl Reinecke.Feldpropst Karl Reinecke (1797–1877), hannover-historisch.de (Historischer Verein für Niedersachsen), 29. November 2016, abgerufen am 17. September 2025. Das 12 m hohe Denkmal wurde – abweichend von der Zeichnung auf dem Werbeblatt – mit einer dicken Eisenkette zwischen senkrecht aufgestellten Kanonenrohren eingefriedet.
Errichtung und Einweihung des Denkmals waren Gegenstand zahlreicher Pressemeldungen in Deutschland und im deutschsprachigen Ausland. Die Einweihung des Denkmals feierte man zeitgleich auch in Hietzing bei Wien, dem Exil des österreichischen hannoverschen Königs.Gedenkfeier. In: Der Kamerad. Österreichisch Militär-Zeitung, Jg. 7, 1868, Nr. 52, 3. Juli 1868, S. 536.
In dem Maße, wie rund um Langensalza weitere hannoversche Denkmäler errichtet wurden, verlor das große Kriegerdenkmal auf dem Friedhof von Langensalza seine zentrale Bedeutung.Gerhard Schneider: Langensalza – ein hannoversches Trauma. Gefallenengedenken auf dem Schlachtfeld von 1866. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Jg. 61, 1989, S. 265–323, hier S. 298. (Digitalisat auf historische-kommission.niedersachsen.de, abgerufen am 18. September 2025) Unter den in Langensalza überaus zahlreich an die Schlacht von 1866 erinnernden Kriegerdenkmälern blieb das Denkmal für die gefallenen Soldaten des Königreichs Hannover das Größte.
Zu DDR-Zeiten trat anstelle des Friedhofs ein Kleintierzoo mit einer Gartenwirtschaft, in dem sich das monumentale Denkmal „reichlich deplaziert“ ausnahm. Der Standort Alter Friedhof ist heute Teil des Baumparks Arboretums in Bad Langensalza. An Ort und Stelle wird das Gedenken weiterhin regelmäßig gepflegt: Zuletzt fand am Jahrestag der Schlacht von Langensalza, am 27. Juni 2025, eine feierliche Kranzniederlegung mit Vertretern der Stadt Bad Langensalza und des Welfenbundes statt.Fahrt nach Bad Langensalza. In: Der Bund, Zeitschrift des Welfenbundes von 1952, Nr. 182, Mai 2025, PDF-Seite 28. (Digitalisat auf der-welfenbund.de, abgerufen am 17. September 2025)
Sonstiges Am selben Tag weihte die Stadt Langensalza auch ihr eigenes Denkmal für die Schlacht ein, zum Dank, dass „ein gnädiges Geschick die Stadt vor Zerstörungen während der Kampfhandlungen bewahrt hatte.“Gerhard Schneider: Langensalza – ein hannoversches Trauma. Gefallenengedenken auf dem Schlachtfeld von 1866. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Jg. 61, 1989, S. 265–323, hier S. 294 f. (Digitalisat auf historische-kommission.niedersachsen.de, abgerufen am 18. September 2025)
Ein weiteres Kriegerdenkmal für gefallene hannoversche Soldaten stiftete in Langensalza 1876 aus der Ferne der ehemalige hannoversche König Georg V. Es hat die steinerne Form eines Sarkophags und befindet sich im sogenannten Badewäldchen über einem Massengrab von Gefallenen.
Literatur Die Denkmale bei Langensalza. In: Illustrirte Zeitung, Nr. 1309, 1. August 1868, S. 83–84. (Digitalisat auf digitale-sammlungen.de, abgerufen am 17. September 2025) – Mit Abbildung. Denkmal für die am 27. Juni 1866 gefallenen Hannoveraner, auf dem Kirchhofe zu Langensalza. In: Th. Fontane (Illustrationen Ludwig Burger): Der deutsche Krieg von 1866. Verlag der Königlichen Geheimen Ober-Hofdruckerei, Berlin 1871, Anhang: S. 26. (Google Books) – Mit Abbildung. J[ohann] Freiherr von Reitzenstein (Bearbeiter): Ehrengedächtnis der im Kriege von 1866 gebliebenen Officiere u. Mannschaften, namentliche Liste der Gebliebenen und Bescheibung ihrer Grabstätten und Denkmäler / nach authentischen Quellen und persönlichen Wanderstudien. Jacob, Hannover 1896, S. 31. Langensalza – Denkmal für die gefallenen Hannoveraner. In: Niedersächsische Landesgeschichte im Historischen Museum Hannover (= Abteilungskatalog des Historischen Museums am Hohen Ufer Hannover, Bd. 3). Bearbeitet von Alheidis von Rohr. Mit Beiträgen von Waldemar R. Röhrbein und Georg Schnath. Hannover 1985, S. 245 f. Gerhard Schneider: Langensalza – ein hannoversches Trauma. Gefallenengedenken auf dem Schlachtfeld von 1866. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Jg. 61, 1989, S. 265–323. (Digitalisat auf historische-kommission.niedersachsen.de, abgerufen am 18. September 2025)
Weblinks
Christian Kirchner: Bad Langensalza, Unstrut-Hainich-Kreis, Thüringen, auf denkmalprojekt.de (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive). – Enthält eine nahezu vollständige Abschrift von 2007 der Inschriften am Denkmal. Horst Großmann: Beschreibung der Denkmäler zur Erinnerung an die Schlacht bei Langensalza am 27. Juni 1866, Manuskript vom 31. März 1994 – überarbeitet zum 31. März 2008, auf merxleben.de, abgerufen am 17. September 2025.
Einzelnachweise
Kategorie:Gedenkstätte des Deutschen Kriegs Kategorie:Kriegerdenkmal in Thüringen Kategorie:Kulturdenkmal in Bad Langensalza Kategorie:Neugotisches Bauwerk in Thüringen Kategorie:Erbaut in den 1860er Jahren Kategorie:Königreich Hannover Kategorie:Hannoversche Militärgeschichte