mini|hochkant=1.2|Neue Propsteikirche St. Trinitatis am Tage ihrer feierlichen Eröffnung 2015. Die Propsteikirche St. Trinitatis ist ein römisch-katholischer Kirchenbau in der Innenstadt von Leipzig. Die Kirche steht auf einem Grundstück gegenüber dem Neuen Rathaus, an der Nonnenmühlgasse 2. Sie ist die Pfarrkirche der Leipziger Propsteigemeinde St. Trinitatis und gehört zum Dekanat Leipzig im Bistum Dresden-Meißen.
Die Trinitatiskirche wurde am 9. Mai 2015 geweiht und ist der größte Kirchenneubau in den „neuen Bundesländern“ seit der Friedlichen Revolution 1989 in der DDR und der Deutschen Einheit 1990. Das Ensemble umfasst außer dem Kirchenraum einen großen Gemeindesaal, Priesterwohnungen und Büroräume.
Erste und zweite Trinitatiskirche in Leipzig
Die Propsteikirche St. Trinitatis ist die dritte Trinitatiskirche in Leipzig.
Die erste Trinitatiskirche wurde im Jahr 1847 westlich des Neuen Rathauses in der Rudolphstraße errichtet und 1923 von Bischof Schreiber zur Propsteikirche erhoben. Dieses Kirchengebäude wurde 1943 bei Bombenangriffen schwer beschädigt; erhalten blieben lediglich die Außenmauern und der Kirchturm. Im Jahre 1954 wurde die Kirchenruine, da man einen größeren Neubau anstrebte, gesprengt.Vgl. zu den Die Gemeinde erhielt auch zunächst eine Genehmigung für diesen, die dann allerdings durch die SED-Regierung zurückgezogen wurde.
Nach dem Krieg nutzte die Propsteigemeinde diverse Kirchenräume der evangelischen Gemeinden Leipzigs (u. a. die 1968 gesprengte Universitätskirche). Der Propsteichor war jahrelang in der Nikolaikirche zu Proben und Aufführungen zu Gast.
Erst Ende der 1970er-Jahre erhielt die Propsteigemeinde nach zähen Verhandlungen nochmal eine Genehmigung für den Bau einer neuen Pfarrkirche. Diese zweite Trinitatis-Propsteikirche wurde nach Plänen der Bauakademie der DDR (mit Ausstattungsstücken des Berliner Metallbildhauers Achim Kühn) errichtet und 1982 fertiggestellt und geweiht. Die Entweihung der zweiten Trinitatiskirche wurde am 3. Mai 2015 mit der Messe zur Profanierung durch Propst Gregor Giele vorbereitet.Bistum Dresden-Meißen: Damit handelt es sich bei diesem Gebäude, das im Juni 2015 unter Denkmalschutzmoderne-regional.de gestellt wurde, nicht mehr um eine Kirche. Stand 2022 ist das Kirchengebäude abgerissen und die Bauarbeiten für Wohnungen wurden begonnen. Der Glockenturm ist erhalten.
Hintergründe und Planung des Neubaus Bereits kurz nach Fertigstellung der zweiten Propsteikirche von 1982 zeigten sich an dem Neubau erhebliche Bauschäden. Im Laufe der Folgejahre verschlechterte sich der Bauzustand zunehmend. Die Kosten für die laufenden Sanierungen, den Unterhalt und die Beheizung der Propsteikirche erwiesen sich mehr und mehr als unkalkulierbar. Zudem erwies sich die Randlage der Kirche für die seit Mitte der 1990er-Jahre wachsende Propsteigemeinde als nachteilig.
Vor diesem Hintergrund wurde in der ersten Hälfte der 2000er-Jahre der Plan entwickelt, eine neue Propsteikirche zu bauen, und das Vorhaben am 10. November 2008 auf einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt.Zur Geschichte der Propsteikirche in Leipzig (Netzpräsenz des Bistums). Der Neubau ist auch bemerkenswert, weil Leipzig nur rund 20.000 Katholiken zählt, was einem Bevölkerungsanteil von etwa dreieinhalb Prozent entspricht.Statistisches Jahrbuch 2010, S. 33 (PDF), abgerufen am 9. Mai 2015.
Das Grundstück, auf dem die erste Propsteikirche stand, ist seit dem Verschwinden der Kirchenruine unbebaut. Da es jedoch Bestandteil des Schulhofes der angrenzenden Anna-Magdalena-Bach-Schule ist, stand es für den Neubau nicht zur Verfügung. Die Stadt Leipzig stellte ein in Sichtweite vom alten Kirchenstandort liegendes Grundstück zwischen Martin-Luther-Ring, Peterssteinweg und Nonnenmühlgasse zur Verfügung, welches die Gemeinde im Jahr 2007 käuflich erwarb. Die Adresse des Propsteipfarramtes St. Trinitatis, Nonnenmühlgasse 2, erinnert daran, dass die Kirche auf dem Grund des durch die Reformation untergegangenen Nonnenklosters St. Georg steht.Tag des Herrn Nr. 14/2016 vom 3. April 2016, S. 13. mini|Der Kirchenraum der Neuen Propsteikirche mini|Die Werktagskapelle Im Jahr 2009 wurde ein internationaler Architektenwettbewerb für den Neubau ausgeschrieben, an dem sich 20 Architekturbüros beteiligten. Acht Entwürfe kamen in die zweite Phase des Wettbewerbs. Am 7. Dezember 2009 entschied sich das Preisgericht, das mit Architekten aus Deutschland, einer Vertreterin der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, Vertretern aus Stadtverwaltung und Stadtrat sowie der Propsteigemeinde besetzt war, für den Entwurf des Architektenbüros Schulz und Schulz Architekten GmbH (Leipzig). Dieser sah im östlichen Teil einen kompakten Baukörper vor, an den sich einen Hof einfassend niedrigere Teile anschließen und sich nach Westen verjüngen, um schließlich im Glockenturm zu enden. Die gesamte Fassade des Gebäudes ist mit Rochlitzer Porphyr zu belegen.
Im Nutzungskonzept standen fünf Komponenten des Bauensembles: die Kirche mit Glockenturm, der Gemeindebereich, die Verwaltung, Wohnungen sowie ein Funktionsbereich.Fünf Bausteine bilden das Nutzungskonzept
Für die Gestaltung des liturgischen Bereiches hatte der Pfarrgemeinderat ein beim Entwurf der Kirche zu beachtendes Konzept entwickelt.Liturgiebezogene Gestaltungswünsche des Pfarrgemeinderates
Baugeschichte Bei archäologischen Grabungen vor Baubeginn wurde neben Töpferausschussscherben, die das Töpferhandwerk in der Petersvorstadt im 16. Jahrhundert belegen, und anderen Funden auch das Lager eines Musikinstrumentenbauers entdeckt.Ausführliche Grabungsdokumentation auf der Seite des sächsischen Landesamtes für Archäologie (PDF), abgerufen am 17. Februar 2013.
Mit den Gründungsarbeiten wurde im November 2012 begonnen. Zunächst wurden 104 Pfähle mit einer Länge von jeweils neun Metern in den Baugrund eingelassen, die das Fundament für den Neubau bilden. Anschließend wurden die Grundleitungen verlegt und die Grundplatten für die Kirche und das Gemeindezentrum gegossen.Zur Baugeschichte
Der Grundstein für den Kirchenbau wurde am 27. April 2013 gelegt. Am 28. März 2014 wurde Richtfest gefeiert, und am 5. April das Turmkreuz angebracht.Leipziger Propsteikirche wächst. In: Bonifatiusblatt, Jg. 155 (2014), Heft 2 (Mai–August), S. 16. Am 9. Mai 2015 wurde die Kirche durch Bischof Heiner Koch mit einem im MDR Fernsehen übertragenen Festgottesdienst geweiht.Festjahr 2015. Programm zur Kirchweihe. (PDF; 2,2 MB).
Die geplanten Baukosten, die unter anderem aus Spenden und vom Bonifatiuswerk aufgebracht wurden, lagen bei rund 17 Millionen Euro (Gotteshaus mit Gemeindezentrum und vier angeschlossenen Wohnungen (15 Millionen Euro) sowie Innenausstattung der Kirche (2 Millionen Euro)) zuzüglich 1 Million Euro für das Grundstück.N. N.: Bericht zur Kirchweihe auf der Seite des Bonifatiuswerkes, 9. Mai 2015, abgerufen am 9. Mai 2015.https://www.archivioradiovaticana.va/storico/2016/01/04/bistum_rechtfertigt_kosten_der_propsteikirche_leipzig/de-1198735, abgerufen am 9. November 2024 Die tatsächlichen Kosten inklusive der Umfeldgestaltung lagen bei 29,4 Millionen Euro und somit um 4,4 Millionen Euro höher als erwartet.
Die Architekten Schulz und Schulz erhielten 2016 vom World Architecture Festival 2016 die Auszeichnung „Religiöses Gebäude des Jahres“.
Bauwerk mini|Modell Das Gebäudeensemble hat einen dreieckigen Grundriss. Im Ostteil befindet sich der Kirchenraum, an den sich südlich eine Werktagskapelle und die Sakristei anschließen. Im Westteil (Spitze) befinden sich im Erdgeschoss ein großer Gemeindesaal sowie diverse Gemeindebüros; im Obergeschoss befinden sich drei Priesterwohnungen und eine Gästewohnung. Die Außenwand ist mit Rochlitzer Porphyr verkleidet. Die Spitze bildet der 50 m hohe Glockenturm,Vgl. die Informationen auf der Website der Architekten. der von einem 7,50 m hohen und 700 kg schweren Kreuz aus Stahlträgern gekrönt wird.Leipziger Propsteikirche wächst. In: Bonifatiusblatt, Ausgabe 2/2014, S. 16.
Der Hofbereich wird nach Norden durch ein Wasserbecken und einen Wasservorhang begrenzt, der aus in das Becken fallenden Wasserstrahlen gebildet wird.
Das 22 Meter lange und drei Meter hohe Nordfenster der Kirche wurde durch den Leipziger Künstler Falk Haberkorn entworfen. Je nach Beleuchtung sind auf den Scheiben, die auch isolierende Aufgaben haben, der gesamte Text des Alten und des Neuen Testaments zu lesen. Ausführende Glasbaufirma war die in Taunusstein ansässige Firma Derix.Derix gestaltet in Leipzig Fenster der neuen Propsteikirche in Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 19. Februar 2015, S. 44. Im Mai 2022 wurde dieses Fenster durch Vandalismus schwer beschädigt.
In Anlehnung an die Raumgestaltung der Propsteikirche von 1982, deren Orgel als Teil der Verkündigung links neben dem Altar und im Blickfeld der Kirchenbesucher platziert wurde, folgt auch die Aufstellung der Orgel der jetzigen Propsteikirche diesem Muster.„Orgelmagazin“ vom 13. April 2025 in MDR Klassik, Sendung zum Tod des langjährigen Leipziger Propsteikantors Kurt Grahl
Ausstattung mini|hochkant|Vleugels-Orgel (op. 430) Altar, Ambo, Tabernakel und weitere Objekte wurden durch den kubanisch-amerikanischen Künstler Jorge Pardo entworfen.Angaben zur Gestaltung auf der Seite der Trinitatisgemeinde (PDF), abgerufen am 9. Mai 2015.
Orgel Zunächst war offen, ob die in gutem Zustand befindliche Schuke-Orgel (Baujahr 1987, 2 Manuale und Pedal, 36 Register) aus der Propsteikirche von 1982 in die neue Kirche umgesetzt und für diese adaptiert, oder ein Neubau errichtet werde. Bischof Joachim Reinelt entschied auf eine neue Orgel. Für den Bau der neuen Orgel wurde ebenfalls ein Wettbewerb veranstaltet. Den Bauauftrag erhielt im Herbst 2012 die Orgelmanufaktur Vleugels (Hardheim). Die neue Orgel verfügt über 44 echte Register (2.716 Pfeifen) und zwei Transmissionen auf drei Manualen und Pedal.Zum Orgelneubau Das Instrument mit einem Gesamtgewicht von etwa 12 Tonnen kostete rund 750.000 Euro und ist auf der linken Seitenempore in einem dafür vorgesehenen Wandausschnitt aufgestellt.Vgl. die Informationen zur Orgel; zur Disposition auf der Website der Orgelbaufirma. Reinelt, inzwischen Altbischof, weihte die Orgel am 27. September 2015. Die Vleugels-Orgel (Opus 430) hat folgende Disposition: I Hauptwerk C–a3 1. Praestant 16′ 2. Principal 8′ 3. Flûte harmonique 8′ 4. Bourdon 8′ 5. Gamba 8′ 6. Octave 4′ 7. Spitzflöte 4′ 8. Quinte ′ 9. Superoctave 2′ 10. Quinte ′ 11. Mixtur IV–V ′ 12. Cornet V 8′ 13. Trompete 8′ Tremulant II Schwellpositiv C–a3 14. Diapason 8′ 15. Rohrflöte 8′ 16. Principal 4′ 17. Flauto dolce 4′ 18. Nasard ′ 19. Waldflöte 2′ 20. Terzflöte ′ 21. Larigot ′ 22. Sifflet 1′ 23. Schalmey 8′ Tremulant III Schwellwerk C–a3 24. Viole d’amour 16′ 25. Flûte 8′ 26. Viole de Gambe 8′ 27. Voix céleste 8′ 28. Fugara 4′ 29. Flûte octaviante 4′ 30. Doublette 2′ 31. Plein jeu IV 2′ 32. Cor anglais 16′ 33. Trompette harmonique 8′ 34. Hautbois 8′ 35. Clairon harmonique 4′ 36. Voix humaine 8′ Tremulant Pedalwerk C–g1 37. Kontrabass 16′ 38. Subbass 16′ 39. Praestant (= Nr. 1) 16′ 40. Zartbass (= Nr. 24) 16′ 41. Quintbass ′ 42. Octavbass 8′ 43. Gedecktbass 8′ 44. Choralbass 4′ 45. Posaune 16′ 46. Trompete 8′ mechanische Spieltrakturen, elektrische Ansteuerung für die Prospektpfeifen des Praestant 16′ Koppeln Normalkoppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P Suboktavkoppeln: III/I, III/III Superoktavkoppeln: III/I, III/III, III/P
Glocken Die Kirche besitzt ein Geläut aus fünf bronzenen Glocken..
In das neue Geläut wurden zwei Klangkörper des Geläuts der Propsteikirche von 1982 (Schlagton f1 mit 950 kg Gewicht und Glockenspruch Sursum corda (Erhebet die Herzen) sowie Schlagton g1 mit 660 kg Gewicht und Glockenspruch Deo gratias (Dank sei Gott)), das 1981 von Glockengießermeister Franz Peter Schilling in Apolda gegossen wurde, übernommen.