mini|Johann Klör (Kupferstich von J. Bitthäuser) Johann Klör, auch Johann Kloer, (* 16. April 1751 in Leutershausen; † 18. März 1818 in Würzburg) war ein Obstbauer, Imker, Leinenweber und Kleinbauer. Er war innerhalb der damaligen Gesellschaft von niederem Stand, schaffte es durch Fleiß und Strebsamkeit zu geringem Wohlstand und erreichte überdauernde Bekanntheit durch seine Biografie, die Franz Oberthür im Zeichen der Aufklärungsliteratur über ihn schrieb.
Leben Kindheit und Wanderjahre Klör wurde in Leutershausen im damaligen Hochstift Würzburg nahe Bad Neustadt an der Saale geboren. Sein Vater war Leinenweber und der örtliche Gemeindehirte. Von Kindheit an musste Klör seinen Vater bei diesen Tätigkeiten unterstützen.Franz Oberthür: Johann Klör, ein merkwürdiger Landmann in Franken : Nebst Klörs Bildniß, Sulzbach, 1818, S. 5 (online) Er beschäftigte sich seit seiner Jugend mit Bienen. Ein Bruder seiner Mutter war Imker und unterrichtete ihn.Franz Oberthür: Johann Klör, ein merkwürdiger Landmann in Franken, S. 101 (online) Mit neunzehn begab er sich auf Wanderschaft als Webergeselle. Sein Ziel war dabei, auch die Herstellung von Weberblättern zu erlernen. Schon im ersten Jahr seines Wanderlebens, nachdem er mit sechs Kameraden den ersten Meister verlassen hatte, weil dieser keine Arbeit mehr hatte, wurde Brot so teuer und knapp, dass er, unterwegs mit einigen Kameraden auf dem Weg spessartabwärts nach Aschaffenburg, oft auch für Geld keines kaufen konnte und hungern musste. Oft mussten sie sich von rohen Getreideähren ernähren und mehrere kranke und ermattete Mitgesellen zurücklassen. In Neuwied verloren sie einen weiteren Kameraden an einen Seelenverkäufer, wie damals Menschenhändler genannt wurden.Franz Oberthür: Johann Klör, ein merkwürdiger Landmann in Franken, S. 6/7 (online) Mit seinem letzten verbliebenen Kameraden heuerte Klör auf einem Schiff an, um nach Holland zu kommen und dort vielleicht Seemann zu werden. Bei Linz am Rhein musste ihr Schiff wegen eines Sturms anlegen. Nur seinem Kapitän verdankte es Klör, dort nicht auch in die Hände von Menschenhändlern gelangt zu sein. Weiter zur See wollte er daraufhin mit seinem Kameraden nicht fahren und die beiden wanderten über Köln nach Elberfeld, wo sie in einer Kunstweberei Arbeit fanden. Die Arbeit, bei der er viel lernte, gefiel Klör. Er musste sie aber wegen der Beschäftigung in einem Kellergewölbe zu seinem Leidwesen aus gesundheitlichen Gründen beenden.Franz Oberthür: Johann Klör, ein merkwürdiger Landmann in Franken, S. 7 (online) Sie wanderten zurück nach Köln, wo sein Mitgeselle von Menschenhändlern gekidnappt wurde. Über Trier und Koblenz ging Klör zurück nach Neuwied, wo er auf einem Jagdschiff, welches nach Mainz und Frankfurt fuhr, als Ruderer Arbeit fand. Von Mainz ging er nach Herchsheim (heute Giebelstadt) und verdingte sich als Drescher, weil es für Weber keine Beschäftigung gab.Franz Oberthür: Johann Klör, ein merkwürdiger Landmann in Franken, S. 8 (online) Durch Zufall traf er dort den zuletzt verschwundenen Kameraden wieder, dem es gelungen war, seinen Häschern zu entkommen. Mit ihm blieb er während der nächsten Zeit zusammen. Im November wurde Klör krank und es gelang ihnen nicht, eine Herberge zu finden, obwohl er zu der Zeit 40 Gulden besaß. Während ungeschützter Übernachtungen im Freien zog er sich Erfrierungen an den Füßen zu. Nachdem er wieder unter Schmerzen laufen konnte, wanderten sie nach Mainz, wo er sich im Haus der Weberzunft gesund pflegen konnte.Franz Oberthür: Johann Klör, ein merkwürdiger Landmann in Franken, S. 9 (online) Über einen Zeitraum von mehreren Wochen mit teils mehrwöchigen Pausen gelang es ihm, unter Schmerzen nach Hause zu laufen. Nach sieben Wochen machte er sich wieder auf den Weg. Wegen Fiebers musste er nach kurzer Zeit wieder in seine Heimat zurückkehren. Er brauchte ein halbes Jahr zur Genesung. Er lernte Harfe zu spielen, bevor er wieder, diesmal mit dem Instrument, loszog. Fand er in der folgenden Zeit der Wanderschaft keine Beschäftigung als Weber, spielte er auf Tanzveranstaltungen Harfe. Einmal wurde er in Miltenberg Opfer falscher Verdächtigungen, dass er ein „Streuner“ und Deserteur sei. Obwohl ihm die Meister der dortigen Weberzunft glaubten, dass die Anschuldigungen falsch waren, besorgte er Leumundszeugnisse, um sämtliche Zweifler auch unter den Gesellen und Dorfbewohnern von seiner Unschuld zu überzeugen.Franz Oberthür: Johann Klör, ein merkwürdiger Landmann in Franken, S. 10/11 (online)
Im letzten Jahr seiner Wanderschaft wurde der „Harfenhannes“, wie er wegen seines Instruments genannt wurde, auf dem Weg von Miltenberg zur Kirchweih in Marktheidenfeld, wo er spielen sollte, auf Weisung des Sohnes vom Miltenberger Amtsvogt grundlos auf offener Straße von würzburgischen Husaren verprügelt und misshandelt. Er zog, nachdem es bei seinem Meister in Miltenberg keine Arbeit mehr gab, mit Musikanten bis in die Niederlande. Von dort ging es nach Straßburg, von wo er auf Umwegen, immer wieder Beschäftigung als Weber suchend, im Alter von 27 Jahren nach Hause zog.Franz Oberthür: Johann Klör, ein merkwürdiger Landmann in Franken, S. 12–14 (online) Während seiner Wanderungen war er auch eine Zeitlang als Messer- und Scherenschleifer beschäftigt, was ihm später hilfreich war, da er auch diese Arbeiten für sich und seine später von ihm konstruierten Maschinen selbst übernehmen konnte.Franz Oberthür: Philipp Adam Ulrichs Lebensgeschichte, Sulzbach, 2. ergänzte Auflage 1824, S. 238/239 ()
Spätere Jahre mini|Die 1803 gebaute Kirche (heute im Freilandmuseum Fladungen wieder aufgebaut) Zurück in Leutershausen heiratete Klör Margaretha Feller (1751–1816) und wurde Vater von zwei Söhnen und einer Tochter.Franz Oberthür: Johann Klör, ein merkwürdiger Landmann in Franken, S. 15 (online) Das Harfespiel betrieb Klör auch in den folgenden Jahrzehnten weiter.Franz Oberthür: Johann Klör, ein merkwürdiger Landmann in Franken, S. 23 (online) Während seiner Reisen hatte Klör schon versucht, sich möglichst viel Wissen im Obstbaumschnitt und Veredeln von Obstbäumen anzueignen. Er hielt sich für geeignet, nach seiner Heimkehr als im damaligen Sinne angesehener Bürger und Handwerksmeister dieses Wissen unter seinen Mitbürgern auch zu verbreiten und praktisch umzusetzen.Franz Oberthür: Johann Klör, ein merkwürdiger Landmann in Franken, S. 38/39 (online) Seine Söhne arbeiteten später als Weber und stellten Weberblätter her wie ihr Vater. Auch seine Begeisterung für die Obstkultur und die Imkerei teilten sie. Klör hatte sie schon frühzeitig auf seinen Reisen mitgenommen. Auf diesen Reisen hatte Klör selbst oft mehrtägige Umwege in Kauf genommen, wenn er glaubte, irgendwo etwas Neues im gegenseitigen Austausch von Wissen lernen zu können.Franz Oberthür: Johann Klör, ein merkwürdiger Landmann in Franken, S. 18 (online) So besuchte er, teilweise in Begleitung seiner Söhne, ab 1791 Johann Ludwig Christ alle zwei Jahre.Franz Oberthür: Johann Klör, ein merkwürdiger Landmann in Franken, S. 47 (online)
Klör war oft unterwegs, sowohl um Hilfsmittel für seine Weberblattherstellung zu kaufen als auch um die fertigen Blätter und seine gewebten Stoffe zu verkaufen. Diese Reisen zu Fuß machte er hauptsächlich in Thüringen, Sachsen und dem Rheinland. Auf einer dieser Reisen besuchte er 1791 auf Vermittlung von Ludwig Geßner, damals Pfarrer der Pfarrei Brend, zu der Leutershausen zugehörig war, welcher selbst als Bienenzüchter und Pomologe tätig war, Johann Ludwig Christ in Kronberg. Er traf Christ in dessen Baumschule an und blieb acht Tage in Kronberg. Gemeinsam veredelten sie junge Bäume und tauschten sich über pomologische Fragen aus, wobei Klör das Veredelungsschnittverfahren von Christ erlernte.Franz Oberthür: Johann Klör, ein merkwürdiger Landmann in Franken, S. 39–41 (online) Da Klör in Kronberg gesehen hatte, dass dort fast jeder Bürger einen Obstbaumgarten angelegt hatte, tat er dies auch, bestärkt in dem Entschluss durch ein Rundschreiben der Regierung, dass in jedem Ort Industriegärten (Schulgärten) angelegt werden müssen. Gegen den Widerstand missliebiger Nachbarn, die ihm in den Folgejahren mehrfach Bäume und den das entsprechende Grundstück umgebenden Zaun zerstörten, hatte er damit langfristig einen erfolgreichen Geschäftszweig begründet. Mehrfach erweiterte er seine Gartenfläche durch Zukauf von Nachbargrundstücken.Franz Oberthür: Johann Klör, ein merkwürdiger Landmann in Franken, S. 45–47 (online)
Auch in der Landeshauptstadt Würzburg hatte man von seinem Können gehört und die Landes-Schul-Kommission beauftragte ihn, die Schullehrer in den Dörfern im Anlegen und der Pflege der Schulgärten zu unterweisen und auch Bericht zu erstatten über den Zustand der Gärten. Er bereiste dazu fünfzehn Landgerichtsbezirke in Franken. Während einige Lehrer ihn freundlich empfingen und froh waren, sich weiterbilden zu können, ließen andere ihn spüren, dass sie sich schämten, von einem Mann niedrigen Standes, der nur zu Fuß reisen konnte, belehrt zu werden. In den meisten Orten, in die Klör in der Funktion als Beauftragter kam, fand er Schulgärten. Diese waren allerdings meist in einem ungepflegten Zustand und vom Nutzen von Obstbäumen hatten die wenigsten Lehrer etwas gehört. Wo er keine Gärten vorfand, half er diese mit Hinweis auf den Befehl zur Anlage durch Franz Ludwig von Erthal auszumessen und herzurichten.Franz Oberthür: Johann Klör, ein merkwürdiger Landmann in Franken, S. 48/49 (online) Gleichzeitig verkaufte er auf diesen Reisen selbst gezogene Obstbäume und Edelreiser.Franz Oberthür: Johann Klör, ein merkwürdiger Landmann in Franken, S. 51 (online) Nachdem Klör die fünfzehn Bezirke bereist hatte, war er als Regierungsbeauftragter in Randersacker. Nachdem er dort einiges gerügt hatte, wurde er vom Ortsvorstand ins Gefängnis eingesperrt, da er das Beglaubigungsschreiben der Regierung nicht dabei hatte und sich somit nicht ausweisen konnte. Nach dieser Episode wurde sein staatlicher Auftrag von der Schul-Kommission beendet. Auch ohne diese Legitimation hat er in den folgenden Jahren, wenn er gefragt wurde, gerne jedem, insbesondere von den von seinen Inspektionsreisen bekannten, mit Rat und Tat geholfen.Franz Oberthür: Johann Klör, ein merkwürdiger Landmann in Franken, S. 55. (online)
Als im benachbarten Sachsen ein Gesetz erlassen wurde, nachdem Baumschulen angelegt und Baumwärter eingestellt werden mussten, wurde Klör von der Gemeinde Rohr (heute Thüringen) angefragt, ob er den gewählten aber unkundigen Baumwärter unterstützen könne. Klör erklärte sich dazu bereit. Nach acht Jahren, in denen entweder Klör oder einer seiner Söhne mindestens einmal im Frühjahr geholfen hatten, standen in Rohr 1422 veredelte Obstbäume. Auf seinem Weg dorthin hatte er auch den Baumwärter in Dietzhausen angeleitet, ohne dort Entlohnung zu verlangen.Franz Oberthür: Johann Klör, ein merkwürdiger Landmann in Franken, S. 56–58 (online)
Für die Brüder Sigismund und Christian Ernst von Rotenhan in Rentweinsdorf legte Klör Gärten und Bienenstöcke an und unterwies die dortigen Arbeiter, wie sie diese zu pflegen hatten.Franz Oberthür: Johann Klör, ein merkwürdiger Landmann in Franken, S. 93/94 (online)