Als wir träumten ist ein Spielfilm des deutschen Regisseurs Andreas Dresen aus dem Jahr 2015 nach dem gleichnamigen Bestseller-Roman des Schriftstellers Clemens Meyer. Als offizieller Wettbewerbsbeitrag der 65. Berlinale hatte der Film am 9. Februar 2015 Premiere, der deutsche Kinostart war am 26. Februar 2015. In: RBB online, 31. Januar 2015, abgerufen am 31. Januar 2015.
Handlung Der Film stellt die Geschichte einer Leipziger Jungenclique dar, die sich seit ihrer Schulzeit in der Deutschen Demokratischen Republik kennt. Die Handlung spielt in der frühen Nachwendezeit, wobei es allerdings immer wieder Rückblenden in die Zeit vor der Wende gibt. Sie wird aus der Sicht des Protagonisten Dani erzählt und hier chronologisch dargestellt.
Die 13-jährigen Jungen Dani, Rico, Pitbull, Mark und Paul besuchen in den 1980er Jahren eine Polytechnische Oberschule im Osten Leipzigs, sind Thälmannpioniere und werden ganz im Sinn des Sozialismus systemgetreu erzogen. Dani und Rico sind miteinander befreundet, Dani ist ein guter Schüler und war Sieger im Talentwettbewerb „Gedichte aufsagen“. Rico betreibt neben der Schule Boxsport, zu dem ihm sein Vater gebracht hat. Nachdem Ricos Vater seine Mutter und ihn wegen einer anderen Frau sitzen gelassen hat, fällt Ricos Leistung ab und er widersetzt sich Anweisungen der Lehrer. Er zündet in der Schultoilette vor Danis Augen sogar sein rotes Pionierhalstuch an, wodurch sie vor die Schulleitung zitiert werden. Dani versucht, seinen Freund zu verteidigen, doch er wird aufgefordert, sich von Rico zu distanzieren und die Tat zu verurteilen. Danis heimliche Liebe Katja erzählt ihm, dass sie mit ihren Eltern in den Westen auswandern wird, was ihn sehr schmerzt. Mit dem Aufkommen der ersten Demonstrationen in Leipzig werden die Schüler von der Schulleitung auf die Gefährlichkeit und das verantwortungslose Verhalten der Demonstranten hingewiesen. Mit diesen verbotenen Aufmärschen würden sie die Errungenschaften und die Ordnung des sozialistischen Systems zerstören wollen.
Ein paar Jahre später hat sich einiges geändert. Der Schulleiter hat mittlerweile seine Position verloren, die Eltern der aus dem Arbeitermilieu stammenden Schüler, müssen sich vorrangig an die neuen Gesellschaftsverhältnisse nach der Wende und dem Ende der DDR anpassen und sind mit der Situation überfordert. Die Clique kann sich deshalb relativ unbeaufsichtigt ausprobieren. Sie trinken viel, begehen Ladendiebstähle und knacken nachts Autos, mit denen sie durch die Leipziger Straßen rasen. Jetzt ist auch Sternchen, die neue heimliche Liebe von Dani, öfter dabei. Die Clique hilft aber auch immer wieder einer alten Frau, indem sie ihr gegen Bezahlung die Kohlen hochtragen, und Pitbull geht auch einmal dazwischen, als ein Nachbar seine Frau misshandelt. Sie bekommen auch immer wieder Ärger mit den örtlichen Neonazis („Glatzen“) und ziehen dabei öfter den kürzeren, Rico, Paul und auch Dani werden von ihnen übel zusammengeschlagen. Sternchen gibt sich aber immer mehr mit Kehlmann, dem Anführer der Neonazis, ab.
Die fünf haben eigentlich Träume wie viele andere Teenager in dieser Zeit auch. Rico hat den Wunsch, als Profiboxer erfolgreich zu werden, Pitbull möchte sich finanziell unabhängig machen, Dani und Paul endlich bei ihrer Traumfrau landen, Mark hingegen nur das Leben in vollen Zügen genießen. Die fünf Jungen versuchen auf eigene Faust, in einer alten Fabrikhalle einen eigenen Club aufzumachen, auch wenn dies anfänglich gar nicht so leicht ist. Mark hat entsprechendes Equipment und über Kontakte bauen sie das „Eastside“ dann doch einigermaßen erfolgreich auf. Doch an dem Geschäft wollen Kehlmann und seine Truppe mitabsahnen. Dies endet irgendwann damit, dass sie den Club völlig zerstören. Die Hoffnung, dass die Antifa gegen die Neonazis vorgeht, hatte sich nicht erfüllt. Aber auch sonst kommen die fünf Jungen im Leben nicht so richtig voran, sie fallen immer wieder polizeilich auf, mit den Eltern gibt es häufig Auseinandersetzungen. Dani muss zwischendurch vier Wochen in den Jugendarrest, da er auf der Flucht vor Kehlmanns Handlangern ein Schaufenster eingeworfen hatte. Paul kommt über eine unerwiderte Liebe nicht hinweg und Mark verfällt den harten Drogen. Pitbull wird Drogendealer und Rico überfällt schließlich sogar eine Sparkasse. Als Mark an einer Überdosis stirbt, macht Dani Pitbull nach der Beerdigung Vorwürfe, dass dieser mit Drogen gedealt und auch Mark versorgt hätte. Paul versucht zwischen Dani und Pitbull zu vermitteln, doch er kann wenig ausrichten.
Als Rico und Dani in einen Stripclub gehen, treffen sie die dort als Stripperin arbeitende Sternchen. Rico versucht, Sternchen auf der Toilette zu bedrängen und gibt ihr Drogen, was Dani mitbekommt und ihn sehr schmerzt. Als er mit Rico danach in einem Taxi nach Hause fährt, wartet die Polizei schon auf Rico, um ihn wegen des Sparkassenüberfalls zu verhaften.
Filmmusik Titelmelodie des Films ist A New Error von Moderat. Dresen sagt dazu: „Die Musik im Film ist nur dort historisch, wo sie ‚innerszenisch‘ benutzt wird, ansonsten haben wir uns die Freiheit genommen, auch modernere Stücke und Sounds zu verwenden […]“.Presseheft: Die Filmmusik. In: Pandora Film, 2015, S. 20. Dabei werden im Film auch Übergänge zwischen historischen und aktuellen Stücken geschaffen, so z. B. mit den zwei Marusha-Tracks Rave Channel (1992) und Club Arrest (2012).
Entstehungsgeschichte mini|Peter Rommel und Andreas Dresen beim Berlinale Openhouse Berlinale-Talk 2015 zu Als wir träumten Gedreht wurde im Herbst 2013 in Leipzig (vor allem in den Stadtteilen Lindenau, Grünau, Reudnitz, Innenaufnahmen in einer Kneipe in Connewitz und in der Ruine der ehemaligen Sternburg-Brauerei in Lützschena). Auch Halle (Saale), Dessau und Dresden waren Drehorte. Die Zusammenarbeit von Dresen und Kohlhaase ist die dritte nach Sommer vorm Balkon (2005) und Whisky mit Wodka (2009).
Romanautor Clemens Meyer ist in einem Cameoauftritt als Polizist im Film zu sehen.Clemens Meyer – Filmdreh. In: Hundertvierzehn – Das literarische Online-Magazin des S. Fischer Verlags, Interview mit Filmfotos, abgerufen am 1. Februar 2015. Die Verfilmung wurde erstmals 2009 angekündigt, ursprünglich mit Lars Kraume als Regisseur.dpa: Meyers Roman „Als wir träumten“ wird verfilmt. In: N24, 1. September 2009, abgerufen am 1. Februar 2015. Nachdem die Filmrechte wieder frei geworden waren, setzten Rommel und Dresen mit einem neuen Drehbuch von Wolfgang Kohlhaase das Filmprojekt um.
Gefördert von der Mitteldeutschen Medienförderung, dem Medienboard Berlin-Brandenburg und dem Deutschen Filmförderfonds waren unter anderem RBB, BR, MDR und Arte an der Produktion beteiligt.Ricarda Nowak: In: Märkische Allgemeine, 5. Februar 2014, abgerufen am 4. März 2015.
Rezeption In der Filmankündigung der Berlinale heißt es, Kohlhaase und Dresen würden Meyers Roman „zu einer filmischen Parabel über Freundschaft und Verrat, Zuversicht und Illusion, Brutalität und Zärtlichkeit“ verdichten. Sie erzählen die Geschichte „einer verlorenen Jugend und präsentieren zugleich ein Spiel um Rebellion und die nicht enden wollende Utopie vom großen Glück“.
Die Deutsche Film- und Medienbewertung FBW verlieh dem Film das Prädikat besonders wertvoll:
Literatur Clemens Meyer: Als wir träumten. Roman. S. Fischer, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-10-048600-5 Pandora Film GmbH & Co. Verleih KG: Als wir träumten. Presseheft. Aschaffenburg 2015 (PDF; 3,3 MB, 25 S.).
Weblinks
alswirtraeumten.de – Offizielle Filmseite
Berlinale-Seite zum Film Regine Sylvester: Clemens Meyer, Andreas Dresen und Wolfgang Kohlhaase erzählen, wovon Jungs träumen, und geben Antworten auf die große Frage: Wie kommt man an Mädchen ran? In: ZEITmagazin, Nr. 6, 26. Februar 2015, Interview.
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 2015 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Filmdrama Kategorie:Independent-Film Kategorie:Technokultur Kategorie:Andreas Dresen