mini|Stolpersteine für neun Mitglieder der Großfamilie Hirsch
In der Liste der Stolpersteine in Dirmstein sind alle Stolpersteine aufgeführt, die der Künstler Gunter Demnig im Rahmen seines Projektes Stolpersteine am 27. März 2009 in der Ortsgemeinde Dirmstein (Rheinland-Pfalz) verlegt hat. Die Gedenksteine erinnern an Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus Opfer von Deportation und/oder Ermordung wurden.
Alle zehn Steine liegen auf dem Bürgersteig vor dem Haus Mitteltor 3 (); dort, links neben dem Alten Rathaus, wohnte die Mehrzahl der neun jüdischen Opfer. Direkt neben ihren Steinen wurde derjenige für den Briten Cyril William Sibley eingesetzt; er konnte nicht an der mutmaßlichen Stelle des Mordes () verlegt werden, weil diese in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit der Ausfallstraße nach Offstein (Landesstraße 455) überbaut wurde.
Geschichte 1933, zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus, lebten in Dirmstein 15 jüdische Bürger und ein sogenannter „jüdischer Mischling zweiten Grades“. Elf von ihnen gehörten zur Großfamilie Hirsch, deren Oberhaupt Salomon Hirsch zusammen mit Adolf Liebmann auch Gemeindevorsteher war.
Obwohl Karoline Hirsch 1934 in die Niederlande emigriert war, fiel sie 1942 dem Holocaust zum Opfer. Familie Liebmann mit ihrer neunjährigen Tochter gelang 1937 die Flucht nach Argentinien. Frieda Hirsch emigrierte im gleichen Jahr ebenfalls dorthin, konnte aber ihren neunjährigen Sohn David nicht nachholen, den sie bei den Großeltern zurückgelassen hatte.
Die 1940 noch in Dirmstein verbliebenen acht Juden, die sämtlich den Nachnamen Hirsch trugen, wurden bei der Wagner-Bürckel-Aktion ins Lager Gurs deportiert. Dort, in Südfrankreich, konnten 1941 unabhängig voneinander David Hirsch, inzwischen 13 Jahre alt, sowie die weitläufig mit ihm verwandten Elisabeth Klara Hirsch und deren Tochter Ella fliehen. Die beiden Frauen emigrierten in die USA, wohin schon Ellas älterer Bruder Julius – wahrscheinlich 1938 – ausgereist war. David Hirsch folgte 1947 seiner Mutter von der Schweiz aus nach Argentinien. Die restlichen fünf Verschleppten fielen dem Holocaust zum Opfer; zwei starben bereits in Gurs, die drei Überlebenden wurden zwei Jahre später ins KZ Auschwitz transportiert und kamen unmittelbar nach der Ankunft in die Gaskammer.
Am 21. Februar 1945, kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs, überlebte Cyril William Sibley, Sergeant der britischen Royal Air Force, als Besatzungsmitglied den Abschuss seines Flugzeugs über Dirmstein, wurde jedoch anschließend Opfer eines sogenannten Fliegermordes durch Adolf Wolfert, den Dirmsteiner Ortsgruppenleiter der NSDAP, und dessen Mittäter Georg Hartleb.
Gedenken Mit einer Reihe von Veranstaltungen gedachte Dirmstein in der zweiten Märzhälfte 2009 der Opfer des Naziregimes. Den zentralen historisch-literarischen Gedenkabend anlässlich der Stolpersteinverlegung am 27. März 2009 gestalteten die Dirmsteiner Autoren Jürgen Bich, Albert H. Keil, der zudem für die Moderation verantwortlich war, Walter Landin sowie Otfried K. Linde. Ehrengast der Gemeinde war David Hirsch (1928–2019) als einziger damals noch Lebender von den deportierten Juden Dirmsteins, der aus Argentinien angereist war. Zwei Tage vor der Feier hatte er sich in Dirmstein mit Paul Niedermann, seinem fast gleichaltrigen Fluchtgefährten von 1941, getroffen.
Stolpersteine Verlegeort Name Inschrift Verlegedatum Bild Anmerkungen Mitteltor 3 Cyril William Sibley In Dirmstein ermordet21. Feb. 1945Cyril W.SibleyJg. 1923englischer SoldatLuftwaffe 27. März 2009 100px geboren am 10. Oktober 1923 in Merthyr Tydfil, Großbritanniennach Flugzeugabschuss Opfer eines Fliegermordes durch Adolf Wolfert und Georg Hartleb Mitteltor 3 Salomon Hirsch Hier wohnteSalomon HirschJg. 1875deportiert 1940Gursermordet 1942 inAuschwitz 27. März 2009 100px geboren am 13. Oktober 1875 in Birkenau (Odenwald)Ehemann von Dina Hirsch Dina Hirsch Hier wohnteDina Hirschgeb. StraussJg. 1872deportiert 1940Gurstot im Lager27.10.1941 27. März 2009 100px geboren am 14. April 1872 in DirmsteinEhefrau von Salomon Hirsch Sarah Strauss Hier wohnteSarah StraussJg. 1874deportiert 1940Gurstot im Lager16.11.1940 27. März 2009 100px geboren am 21. Juli 1874 in DirmsteinSchwester von Dina HirschHinweis: Abweichung zwischen Steininschrift und Bundesarchiv bei Vorname (Sarah/Sara) und Geburtsjahr (1874/1875) Irma Hirsch Hier wohnteIrma HirschJg. 1905deportiert 1940Gursermordet 1942 inAuschwitz 27. März 2009 100px geboren am 24. August 1905 in DirmsteinTochter von Salomon und Dina Hirsch Lilli Hirsch Hier wohnteLilli HirschJg. 1909deportiert 1940Gursermordet 1942 inAuschwitz 27. März 2009 100px geboren am 16. Mai 1909 in DirmsteinTochter von Salomon und Dina Hirsch David Hirsch Hier wohnteDavid HirschJg. 1928deportiert 1940GursFlucht 1941überlebt inSchweiz 27. März 2009 100pxAuf dem Bild von links: Arthur Mauer (Gründer des Kulturvereins St. Michael Dirmstein), David Hirsch (Holocaust-Überlebender aus Dirmstein) und Paul Niedermann (Holocaust-Überlebender aus Karlsruhe) am 25. März 2009 in Dirmstein geboren am 15. Mai 1928 in MainzSohn von Frieda Hirsch, Enkel von Salomon und Dina Hirsch1947 Auswanderung aus der Schweiz nach Buenos Aires, Argentinien2005 und 2009 Besuche in Dirmsteinverstorben 2019 in Buenos Aires Karoline HirschKorrektur Hier wohnteKaroline HirschJg. 1892deportiert 1940Gurs1942 Auschwitzermordet 28.8.1942 27. März 2009 100px geboren am 15. August 1892 in DirmsteinVerwandtschaftsverhältnis unbekanntHinweis: Schreibung des Vornamens auch „Carolina“ Elisabeth Klara Hirsch Hier wohnteElisabeth KlaraHirschgeb. LorchJg. 1866deportiert 1940GursFlucht 1941überlebt inUSA 27. März 2009 100px geboren am 13. April 1866 in LaumersheimMutter von Julius und Ella Hirsch3. November 1941 Flucht nach Südfrankreich1942 Auswanderung in die USAverstorben 1958 in Brookline (Mass.) Ella Hirsch Hier wohnteElla HirschJg. 1899deportiert 1940GursFlucht 1941überlebt inUSA 27. März 2009 100px geboren am 5. September 1899 in DolgesheimTochter von Elisabeth Klara Hirsch3. November 1941 Flucht nach Südfrankreich1942 Auswanderung in die USAverstorben am 3. Februar 1975 in Brookline (Mass.)
In Dirmstein ohne Stolperstein Verlegeort Name Inschrift Verlegedatum Bild Anmerkungen Rosa Hirschgeb. Seufert geboren am 13. März 1903 in DirmsteinVerwandtschaftsverhältnis unbekannt1939 Umzug nach Wiesbaden, dann Holzhausen über Aar11. Juni 1942 von Frankfurt aus ins Vernichtungslager Sobibor deportiert und dort ermordet
Emigrierte Juden Name Geburtsort Geburtstag Bild Anmerkungen Frieda Hirsch Dirmstein 19. September 1907 Tochter von Salomon und Dina Hirsch8. Juli 1937 Auswanderung nach Argentinienverstorben in Buenos Aires Julius Hirsch Dolgesheim 15. August 1896 Sohn von Elisabeth Klara Hirsch1938 Auswanderung nach Brookline (Mass.), USAverstorben im April 1969 in Malden (Mass.) Adolf Liebmann Dirmstein 25. September 1890 Ehemann von Emilia Liebmann1. Juni 1937 Auswanderung nach Argentinienweitere Lebensdaten unbekannt Emilia Liebmann Kirchheim an der Weinstraße 27. Juni 1892 Ehefrau von Adolf Liebmann1. Juni 1937 Auswanderung nach Argentinienweitere Lebensdaten unbekannt Gertrud Liebmann Ludwigshafen am Rhein 25. Juni 1928 Tochter von Adolf und Emilie Liebmann1. Juni 1937 Auswanderung mit den Eltern nach Argentinienweitere Lebensdaten unbekannt
Literatur
Weblinks
Projekt Stolpersteine von Gunter Demnig
Einzelnachweise und Anmerkungen Im Auswanderungsregister ist „Liebmann“ zu „Liebener“ geworden.
Angaben von David Hirsch (Sohn von Frieda Hirsch).
Entgegen den Angaben in der Ortschronik und der darauf basierenden Aufschrift auf dem Stolperstein wurde Karoline Hirsch nicht 1940 von Dirmstein nach Gurs deportiert; denn sie war bereits am 6. Februar 1934 in die Niederlande emigriert. Nach deren Okkupation durch die deutsche Wehrmacht (1940) wurde Hirsch am 15. August 1942 aufgespürt, zwei Tage lang in Westerbork eingesperrt und dann nach Auschwitz verschleppt. Später wurde der 28. August 1942 als Todesdatum festgehalten.
!Stolpersteine Dirmstein Kategorie:Geschichte der Pfalz Kategorie:Geschichte (Landkreis Bad Dürkheim)