Die 2. Bundesliga bildet die zweithöchste Spielklasse im deutschen Fußball. Sie wurde 1974, elf Jahre nach Gründung der Fußball-Bundesliga, als neue zweithöchste Spielklasse für Profifußball geschaffen, um die große wirtschaftliche Kluft von Profi- und Amateurbereich zu überwinden, die damals zwischen Bundesliga und den gleichalten, bis dahin als zweite Liga fungierenden fünf Fußball-Regionalligen entstanden war.
Spielmodus Der Spielmodus der 2. Bundesliga wechselte mehrfach. Zunächst wurde sie in 2. Bundesliga Nord und 2. Bundesliga Süd unterteilt. Die jeweiligen Ligaersten stiegen direkt in die Bundesliga auf, die beiden Zweiten ermittelten den dritten Aufsteiger in Hin- und Rückspiel (falls erforderlich, gab es ein Entscheidungsspiel). Dieser Modus hatte bis zur Saison 1980/81 Bestand. Mit einer kurzen, durch die Wiedervereinigung Deutschlands bedingten Unterbrechung (Saison 91/92 mit diversen Sonderregelungen), wurde von nun an in einer eingleisigen Liga gespielt. Direkte Aufsteiger waren der Erst- und der Zweitplatzierte. Der Tabellendritte hatte die Möglichkeit, sich über zwei Relegationsspiele gegen den Tabellensechzehnten der Bundesliga für die Bundesliga zu qualifizieren. Aus Gründen der Planungssicherheit gab es von der Saison 1992/93 bis 2007/08 drei direkte Aufsteiger. Seit der Spielzeit 2008/09 wird wieder der alte Aufstiegsmodus aus den Jahren 1981 bis 1991 mit zwei sicheren und einem möglichen dritten Aufsteiger angewandt.
Auch die Anzahl der Absteiger aus der 2. Bundesliga variierte, da auch die Anzahl der Teilnehmer nicht immer gleich war. Bis 2008 gab es in der Regel vier Absteiger. Ausnahmen hierbei sind unter anderem die Saison 1980/81, in der um die Qualifikation zur eingleisigen 2. Bundesliga gespielt wurde, sowie die wegen der deutschen Wiedervereinigung zweigleisige Saison 1991/92. Seit der Gründung der 3. Liga im Jahr 2008 steigen der Tabellensiebzehnte und der -achtzehnte direkt ab, während der Tabellensechzehnte gegen den Tabellendritten der 3. Liga in zwei Relegationsspielen um den Klassenerhalt bzw. Aufstieg spielt.
+ Modus der 2. Bundesliga seit 1974 Spielzeiten Staffeln Teams Spieltage Aufsteiger in die Bundesliga Absteiger in die Drittklassigkeit 1974/75 bis 1978/792 (Nord + Süd) 40 (jeweils 20) jeweils 382 (jeweilige Staffelsieger)+ 1 Relegationsgewinner(Duell der Vizemeister)8 (jeweils 4) 1979/80 41 (Nord: 20 / Süd: 21) Nord: 38 / Süd: 40 1980/81 42 (Nord: 22 / Süd: 20) Nord: 42 / Süd: 38 22 (Nord: 12 / Süd: 10) 1981/82 bis 1990/91 1 20 38 2+ 1 möglicher Relegationsgewinner(3. gegen 16. der Bundesliga) 4 1991/92 2 (Nord + Süd) 24 (jeweils 12) jeweils 32(22 + 10 Spiele in Auf- und Abstiegsrunden) 2 (jeweilige Staffelsieger) 4 (jeweils 2)+ 1 oder 2 Relegationsverlierer(Triell zwischen den beiden 10. und dem 3. der Oberliga Nord) 1992/931 24 463 7 1993/94 20 38 5 1994/95 bis 2007/081834 4 2008/09 bis heute 2 + 1 möglicher Relegationsgewinner(3. gegen 16. der Bundesliga) 2 + 1 möglicher Relegationsverlierer(16. gegen 3. der 3. Liga)
Alle Teilnehmer der 2. Bundesliga einschließlich der Absteiger der Vorsaison nehmen auch am DFB-Pokal teil.
Vereine
Bis zur Saison 2023/24 haben insgesamt 128 Vereine in der 2. Fußball-Bundesliga gespielt; als einzige landesweite Liga waren Vereine aus allen Bundesländern vertreten. Mit dem MTV Ingolstadt und dem ESV Ingolstadt-Ringsee spielten zwei Vorgängervereine des FC Ingolstadt 04 selbst zeitweilig in der 2. Liga und auch der SC Paderborn 07 hat mit dem TuS Schloß Neuhaus einen Vorgängerverein mit Zweitligavergangenheit.
Mit Ausnahme des FC Bayern München, der drei Spielzeiten in der Zweitklassigkeit verbrachte, jedoch lange vor Gründung der 2. Bundesliga (nämlich 1955/56 und von 1963 bis 1965) und dem SC Tasmania 1900 Berlin, der 1973 – ein Jahr vor der ersten Austragung – aufgelöst wurde, haben alle bisherigen Bundesligisten eine oder mehrere Spielzeiten in der 2. Bundesliga verbracht und die Liga mitgeprägt. Spätere Nationalspieler wie Jürgen Klinsmann, Rudi Völler, Andreas Brehme, Olaf Thon und viele andere machten in der 2. Liga erstmals auf sich aufmerksam.
Den Titel des Rekordmeisters der 2. Fußball-Bundesliga hält der 1. FC Köln mit fünf Meisterschaften. Zwei Mannschaften, der SC Freiburg und der VfL Bochum, errangen jeweils vier Titel in der „eingleisigen“ 2. Liga, also nach Zusammenlegung der Staffeln Nord und Süd. Der 1. FC Nürnberg kommt ebenfalls auf vier Meisterschaften, von denen eine in der Staffel Süd erreicht wurde. Arminia Bielefeld sicherte sich zwei der insgesamt ebenfalls vier Titel in der Staffel Nord.
Durch die steigende Resonanz beim Publikum gegenüber den Formierungsjahren und die höheren Einnahmen aus TV und Sponsoring stehen die meisten Zweitligisten wirtschaftlich auf gesunden Füßen. In der Saison 2016/17 lag die Zuschauerzahl erstmals über 6 Millionen. Den höchsten Zuschauerschnitt eines Vereins erreichte der FC Schalke 04 in der Saison 2023/24 mit durchschnittlich 61.538 Zuschauern je Heimspiel. In der gleichen Saison wurde mit insgesamt knapp 8,9 Millionen Zuschauern bei allen 306 Spielen der 2. Fußball-Bundesliga ein neuer Höchstwert erreicht.
In der Ewigen Tabelle der 2. Fußball-Bundesliga liegt die SpVgg Greuther Fürth mit insgesamt 1797 Punkten (Stand: Saisonende 2024/2025) vorne. Die meisten Punkte je Spiel erreichte Werder Bremen, die in zwei Spielzeiten mit durchschnittlich 2,12 Punkten je Spiel jeweils den direkten Wiederaufstieg schafften.
Siehe auch: Liste der Vereine der 2. Fußball-Bundesliga
Geschichte mini|360px|Karte
Saison Zweitliga-Meister 1974/75 Hannover 96 (Nord)Karlsruher SC (Süd) 1975/76 Tennis Borussia Berlin (Nord)1. FC Saarbrücken (Süd) 1976/77 FC St. Pauli (Nord)VfB Stuttgart (Süd) 1977/78 Arminia Bielefeld (Nord)SV Darmstadt 98 (Süd) 1978/79 Bayer 04 Leverkusen (Nord)TSV 1860 München (Süd) 1979/80 Arminia Bielefeld (Nord)1. FC Nürnberg (Süd) 1980/81 Werder Bremen (Nord)SV Darmstadt 98 (Süd) 1981/82 FC Schalke 04 1982/83 SV Waldhof Mannheim 1983/84 Karlsruher SC 1984/85 1. FC Nürnberg 1985/86 FC 08 Homburg 1986/87 Hannover 96 1987/88 Stuttgarter Kickers 1988/89 Fortuna Düsseldorf 1989/90 Hertha BSC 1990/91 FC Schalke 04 1991/92 Bayer 05 Uerdingen (Nord)1. FC Saarbrücken (Süd) 1992/93 SC Freiburg 1993/94 VfL Bochum 1994/95 FC Hansa Rostock 1995/96 VfL Bochum 1996/97 1. FC Kaiserslautern 1997/98 Eintracht Frankfurt 1998/99 Arminia Bielefeld 1999/00 1. FC Köln 2000/01 1. FC Nürnberg 2001/02 Hannover 96 2002/03 SC Freiburg 2003/04 1. FC Nürnberg 2004/05 1. FC Köln 2005/06 VfL Bochum 2006/07 Karlsruher SC 2007/08 Borussia Mönchengladbach 2008/09 SC Freiburg 2009/10 1. FC Kaiserslautern 2010/11 Hertha BSC 2011/12 SpVgg Greuther Fürth 2012/13 Hertha BSC 2013/14 1. FC Köln 2014/15 FC Ingolstadt 04 2015/16 SC Freiburg 2016/17 VfB Stuttgart 2017/18 Fortuna Düsseldorf 2018/19 1. FC Köln 2019/20 Arminia Bielefeld 2020/21 VfL Bochum 2021/22 FC Schalke 04 2022/23 1. FC Heidenheim 2023/24 FC St. Pauli 2024/25 1. FC Köln 2025/26 FC Schalke 04
Vorgeschichte Mit Einführung der Bundesliga im Jahr 1963 wurden gleichzeitig fünf Regionalligen (Süd, Südwest, West, Nord und Berlin) als zweithöchste bundesdeutsche Spielklasse geschaffen, deren beide jeweils erstplatzierten Mannschaften am Ende der Saison in zwei Gruppen die beiden Bundesligaaufsteiger ausspielten. Mit dem Übergang von den früheren Oberligen zur neuen Bundes- bzw. Regionalliga zeigte sich jedoch, dass der Unterbau der Bundesliga sowohl sportlich als auch wirtschaftlich problematisch war und ein Abstieg einen Verein schnell wirtschaftlich ruinieren konnte.
Diese Situation war mitverantwortlich für den Bundesliga-Skandal 1971, in dem es wegen manipulierter Punktspiele im Abstiegskampf Rot-Weiß Oberhausen und Arminia Bielefeld gelungen war, in der Bundesliga zu verbleiben. Als eine Konsequenz beschloss der DFB-Bundestag in Frankfurt am 30. Juni 1973 die Einführung der in Nord- und Südstaffel geteilten 2. Bundesliga zur Saison 1974/75, wodurch die Kluft zwischen Profi- und Amateurbereich geschlossen werden sollte.
Qualifikationssystem Die Kriterien für die Qualifikation besagten, dass zwei Gruppen mit je 20 Vereinen gebildet werden. Die Nordgruppe mit Regionalliga-Vereinen aus den Regionalverbänden West, Nord und Berlin und die Südgruppe, die aus den Vereinen der Regionalligen Süd und Südwest besteht. Diskutiert wurde, allein den finalen Tabellenstand der Saison 1973/74 als Maßstab für die Qualifikation heranzuziehen. Letztlich setzte sich aber der Gegenvorschlag der DFB-Kommission durch, insgesamt fünf Spieljahre als Bewertungsmaßstab zu nehmen. Die Platzbewertungszahlen aus der Regionalliga oder 25 Punkte pro absolvierter Spielzeit in der 1. Bundesliga nach den Endtabellen 1970 und 71 wurden einfach, 1972 und 73 doppelt, 1974 aber dreifach gezählt. Wie in den Vorjahren sollte es in den fünf Regionalligen je zwei Berechtigte für die Aufstiegsrunde zur 1. Bundesliga geben und Absteiger in die Amateurligen, obwohl diese ja eigentlich bei der neuen Klasseneinteilung nicht erforderlich wären; mit dem Abstieg aus der Regionalliga verloren sie jegliches Qualifikationsrecht. Die Regionalverbände Süd sollten 13 Vereine, der aus West elf Vereine, der Norden und Südwesten je sieben Vereine und Berlin zwei Vereine stellen. In diesen Zahlen sollten auch die Bundesligaabsteiger der Saison 1973/74 enthalten sein. Bei Punktgleichheit sollte das letzte Jahr den Ausschlag geben.
Dies alles hatte zur Folge, dass es zunächst nur zwei sichere Teilnehmer der 2. Bundesliga gab, nämlich die beiden Absteiger aus Liga Eins zum Saisonende 1973/74. Als Schwachstelle wurde ausgemacht, dass die Regionalliga-Neulinge 1973/74 keine realistische Chance hatten, in die neue 2. Bundesliga aufzurücken. Diese konnten zwar in die 1. Bundesliga aufsteigen, nicht aber in die zweite. Umgekehrt durften sich langjährige Regionalligisten oder Ex-Bundesligisten dank bereits erworbener Qualifikationspunkte aus den Vorjahren schlechte Ergebnisse in der Saison 1973/74 erlauben – solange sie nicht abstiegen.
Wirtschaftliche und strukturelle Voraussetzungen wurden beim DFB-Bundestag am 30. Juni 1973 zunächst nicht festgelegt, jedoch ein Jahr später zu relevanten Faktoren deklariert.
Nach Ende der Saison 1973/74 erwies es sich als gravierend, dass übersehen worden war, dass sich die zehn an der jährlichen Aufstiegsrunde zur Bundesliga teilnehmenden Regionalligisten durch ihre Platzierung in der Saison 1973/74 nicht von vornherein für die neue 2. Bundesliga qualifiziert hatten. Im Fall des 1. FC Saarbrücken führte dies dazu, dass der Klub nach dem Scheitern in der Aufstiegsrunde durch Anordnung des DFB trotz nicht vorhandener Erfüllung der Kriterien in die 2. Bundesliga Süd aufgenommen wurde und den Platz des SV Alsenborn einnahm, der ebenfalls aus der Regionalliga Südwest stammte. Dieser von Fritz Walter geförderte „Dorfklub“ war 1968, 1969 und 1970 dreimal in der Bundesliga-Aufstiegsrunde gescheitert und hatte sich deutlich für die neue Spielklasse qualifiziert. Der DFB befand nun, dass in Alsenborn keine zweitligatauglichen Zustände vorhanden seien und diese auch nicht in absehbarer Zeit erreicht werden könnten und stufte den SV in die dann drittklassige Amateurliga Südwest zurück, obwohl der Klub bei erfolgreicher Teilnahme an einer der drei Aufstiegsrunden zur Bundesliga mit einer Sondergenehmigung sogar in der höchsten Spielklasse hätte spielen dürfen (dann nicht im heimischen Stadion, sondern in Kaiserslautern oder Ludwigshafen).
Zweigleisige 2. Bundesliga (1974–1981)