Olaf Latzel (* November 1967 in Biedenkopf) ist ein deutscher evangelisch-unierter Pastor der Bremer reformierten St.-Martini-Gemeinde. Er wird dem Evangelikalismus zugerechnet.

Während er mit Gottesdiensten vor Ort und per Videoübertragung sowie via YouTube Zuspruch findet, wird ihm andererseits eine christlich-fundamentalistische Einstellung vorgeworfen. Gegenstand der Auseinandersetzungen sind u. a. Latzels Ablehnung anderer Religionen und bestimmter Konfessionen, vor allem aber die Ablehnung gelebter Homosexualität, welche er mit Bibeltreue begründet.

Leben Latzel wuchs in einer gemischt-konfessionellen Familie auf, besuchte von 1974 bis 1987 die Schule in Bad Laasphe und erlebte nach eigener AussageDie Angaben in diesem Abschnitt folgten überwiegend der Darstellung auf Latzels eigener Seite bei Google+, das seit April 2019 nicht mehr verfügbar ist. Inzwischen ist seine Vita der „Kanalinfo“ seines YouTube-Kanals zu entnehmen. 1982 seine „geistliche Wiedergeburt“. Von 1987 bis 1994 studierte er Evangelische Theologie an der Philipps-Universität Marburg. Nach zwei Jahren beim Jugendamt in Frankfurt wurde er 1996 Vikar in Rauischholzhausen. Seine erste Pfarrstelle trat er 1998 in den Siegener Stadtteilen Trupbach und Seelbach in der Evangelischen Kirche von Westfalen an. Von 2000 bis 2007 war er Fachberater für Seelsorge bei der Feuerwehr Siegen. Am 2. Dezember 2007 wurde er zum Pastor der St.-Martini-Gemeinde Bremen gewählt und trat die Nachfolge von Jens Motschmann an.

Latzel ist verheiratet und hat eine Tochter. Er betreibt als Hobbys Jagd und Kraftsport. Sein jüngerer Bruder Thorsten Latzel ist der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland; seine Schwester Claudia Latzel-Binder ist Pfarrerin der Evangelischen Kirche von Westfalen.

Theologische Positionen Latzel wurde schon bald nach seinem Amtsantritt in St. Martini durch sein Eintreten für deren streng konservative Gemeindeordnung öffentlich bekannt. Unter anderem lehnt er die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und die Frauenordination ab. Im Mai 2008 bot Latzel die Gemeinderäume für das umstrittene Seminar „Homosexualität verstehen – Chance zur Veränderung“ an, nachdem es auf öffentlichen Druck vom damaligen Christival wieder ausgeladen worden war. Im Juni 2008 verweigerte Latzels Gemeinde aufgrund des in ihrem Verständnis biblischen Lehrverbots für Frauen einer Pastorin, die eine Trauerfeier in der Martinikirche leiten sollte, im Talar aufzutreten und von der Kanzel zu predigen. Latzel gehört zum „Arbeitskreis missionarische Kirche“ in Bremen.Christian Weth: Rückhalt für Pastor Olaf Latzel. Weser-Kurier, 5. Februar 2015

Am 18. Januar 2015 hielt Latzel eine umstrittene Predigt über einen Abschnitt des biblischen Buches der Richter, in dem Gideon die heidnischen Heiligtümer seiner Heimatstadt zerstört. Nach Latzel haben heutige Christen die Pflicht, diesem Beispiel zu folgen und beispielsweise Talismane, Amulette und Buddhastatuen aus ihren Wohnungen zu entfernen. Er bezeichnete den Buddha als „dicken, alten, fetten Herrn“, das islamische „Zuckerfest“ als „Blödsinn“ und katholische Reliquien als „Dreck“. Weiterhin bezog Latzel Gideons Beispiel auf die deutliche Abgrenzung des Christentums vom Islam. Wörtlich sagte er:, alternativ auf YouTube: 18.01.2015 – An Gideon die Reinigung von den fremden Göttern lernen.Olaf Latzel: Die Predigt: An Gideon die Reinigung von den fremden Göttern lernen vom 18. Januar 2015. In: evangelisch.de, 3. Februar 2015.

„Wir brauchen klare Verkündigung von Jesus Christus. Und immer wieder klar zu sagen: Es gibt nur einen wahren Gott. Wir können keine Gemeinsamkeit mit dem Islam haben. Das heißt nicht – das sag ich auch in aller Klarheit –, dass wir nicht den Muslimen in Liebe und Nähe zu begegnen haben. Das ist ganz wichtig. Gott unterscheidet zwischen der Sünde und dem Sünder. Sünde und Sünder sind unterschieden. Das absolute Nein zur Sünde, aber das Ja zum Sünder. Wir haben den Menschen muslimischen Glaubens in Liebe und Barmherzigkeit zu begegnen! Und wenn die verfolgt werden, dann haben wir uns vor sie zu stellen. Das ist unsere Aufgabe als Christen. Um da nicht missverstanden zu werden. Das ist unsere Aufgabe, denen wirklich in Nächstenliebe zu begegnen.“ […] „Die Angst vor der Welt, die darf uns nicht dazu bringen, dass wir die Furcht des Herrn lassen. Das ist wichtiger. Und da muss man eben auch Schnitte machen, wie hier Gideon. Schnitte – und ich sag das ganz bewusst. Der Name Gideon heißt ‚Hacker‘! ‚Hacker‘, ja? Der ist nicht so bisschen, so nach dem Motto: ‚Ich häng mal ’n Betttuch drüber über die Aschera, damit’s mal nicht gesehen wird, dann hab ich ja meinen Protest ausgedrückt halt, nicht?‘ oder: ‚Ich mach mal heimlich nachts ’n Graffiti drauf.‘ Gott sagt: ‚Umhauen! Verbrennen! Hacken! Schnitte ziehen!‘ Ja, das ist viel verlangt. Ja, da hat man Angst. Und da denken Sie jetzt vielleicht an die Situationen, wo Sie gefordert sind. Aber das fordere nicht ich. Das fordert unser Herr und Gott. Wir sollen dort die Schnitte ziehen. Auch in einem Vaterland, wo die Bundeskanzlerin erklärt, so mit einem Strich, nicht?, diese falschen Dinge zu wiederholen, die Bundespräsident Wulff gesagt hatte, nicht?: ‚Der Islam gehört zu Deutschland.‘ Der Islam gehört nicht zu Deutschland. Die Muslime, die hier leben – ja, absolut. Aber der Islam hat nichts zu tun mit dem Gott, von dem es in der Präambel unseres Grundgesetzes heißt: ‚Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen […]‘.“

Außerdem wandte sich Latzel gegen interreligiöse Gottesdienste:

„Aber zu falscher Lehre müssen wir genauso klar hinstellen und sagen: Das geht nicht! Und wenn EKD fordert: ‚Nein, wir müssen das zusammen machen‘ – es gibt landauf, landab bei den Landeskirchen gemeinsame Gottesdienstentwürfe für Schuleröffnungen, nicht? Da beten dann eben der Pfarrer und der Imam und der Katholik alle zusammen halt, nicht?, zu vermeintlich dem einen Gott. Das ist Sünde, und das darf nicht sein! Davon müssen wir uns reinigen halt, nicht?“

Latzel lehnt die Idee seines konservativen Vorgängers Motschmann ab, in Bremen ein interreligiöses „House of One“ nach Berliner Muster zu errichten.Eckhard Stengel: Der Hetzprediger von der Weser. In: Frankfurter Rundschau, 29. Januar 2015.

Auf einem „Eheseminar“ seiner Gemeinde im Oktober 2019 sagte Latzel: „Überall laufen diese Verbrecher rum von diesem Christopher Street Day, feiern ihre Partys“. Laut Bibel sei gelebte Homosexualität genauso wie Ehebruch ein „todeswürdiges Verbrechen“, auch wenn man deshalb niemanden umbringen müsse. Ferner sprach er von einer „teuflischen“ Homolobby und von „Genderdreck“. Früher hätten unverheiratete Paare keine Wohnung mieten können. Heute könne man schon froh sein, wenn ein Mieter „nicht mit seinem Schaf oder mit ’nem anderen Mann“ ankomme.

Rezeption

Henning Scherf vergleicht Latzel mit „Khomeinis“ Bei einer Podiumsdiskussion im Vorfeld des Christival 2008, veranstaltet vom Bremer Landesverband der Grünen Jugend unter Beteiligung des grünen Bundestagsabgeordneten Volker Beck, Annegret Siebe, Sprecherin des Landesverbands der Pro Familia, und von Olaf Latzel, sollten Kontroversen um Homosexualität, Abtreibung und biblisch begründete Positionen in einem „offenen Dialog“ geklärt werden. Latzel vertrat die konservative Position seiner Gemeinde und forderte, die Bibel solle verstärkt als Grundlage des Rechtswesens herangezogen werden, was Bremens ehemaligen Bürgermeister und Senatspräsidenten Henning Scherf zu der Bemerkung veranlasste: „Es sind diese Khomeinis, vor denen wir unsere Verfassung schützen müssen. Das können Sie Ihrem Pastor Latzel ausrichten!“

Predigt vom 18. Januar 2015 Der Schriftführer (theologische Repräsentant) der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK), Renke Brahms, kritisierte die Äußerungen in Latzels Predigt vom 18. Januar 2015 und nannte sie „geistige Brandstiftung“. „Die Formulierungen sind unerträglich und dazu geeignet, Gewalt gegen Fremde, Andersgläubige oder Asylbewerber Vorschub zu leisten“, mahnte Brahms. Die BEK distanziere sich von jeder Botschaft, die im Namen des christlichen Glaubens andere Glaubensformen beleidige oder beschimpfe.. In: Radio Bremen. Der Kirchenausschuss der Bremischen Evangelischen Kirche bat in einer Stellungnahme „die muslimischen, buddhistischen und katholischen Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner sowie alle Bremerinnen und Bremer, die durch Herrn Pastor Latzel diskriminiert und in ihren religiösen Gefühlen und Wertvorstellungen oder liturgischen Traditionen beleidigt wurden, ausdrücklich um Entschuldigung“ und kritisierte „den gesamten Duktus der Predigt“.

Mitarbeiter von sozialen Einrichtungen der BEK verfassten ein Papier mit dem Titel „Resolution für eine Vielfalt der Religionen und gegen Hassprediger“. Darin kritisierten sie Latzels Aussagen und forderten den Vorstand der St.-Martini-Gemeinde, der sich hinter Latzel gestellt hatte, zum Handeln auf. Sollte es keine Reaktion geben, sei „ein Verbleib dieser Gemeinde in der BEK unerträglich“.Christian Weth: . In: Weser-Kurier.

Auch Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) kritisierte die Predigten Latzels. „Das ist nicht das, was wir für den sozialen Frieden in unserer Stadt brauchen“, sagte Böhrnsen zu Radio Bremen.

Mehrere Dutzend Pastoren der Evangelischen Kirche in Bremen demonstrierten im Februar 2015 öffentlich auf den Stufen des Bremer Doms mit Plakaten „Bremen ist bunt! Wir leben Vielfalt“ gegen die Predigt ihres Kollegen.„Es ist uns unerträglich“. In: evangelisch.de, 5. Februar 2015.

Latzel selbst verteidigte seine Predigt mit der Aussage, dass er nicht ausländerfeindlich sei, sondern gegen „Religionsvermischung“. Für ihn gebe es nur einen Gott, und das predige er auch den Gläubigen seiner Gemeinde.Vorwurf: Pastor schürt Hass. In: Weser-Kurier, 28. Januar 2015. Gegenüber Radio Bremen erklärte Latzel, dass Christen mit Muslimen genauso wenig das Zuckerfest feiern könnten wie Muslime mit Christen das Weihnachtsfest. Es gehe nicht darum, religiöse Gefühle zu verletzen, aber gemeinsam mit einem Imam oder einem Buddhisten zu beten, erlaube die Bibel nicht. Christen gründeten ihren Glauben auf die Bibel und nicht auf den Zeitgeist. „Der allein seligmachende Weg führt nur über Jesus Christus“, bekannte der Theologe. Er lasse sich gerne als evangelikal und bibeltreu bezeichnen, aber nicht als jemand, der Hass gegenüber anderen schüre, sagte er in der Sendung buten un binnen.Staatsanwaltschaft will Predigt nachlesen. In: pro Medienmagazin vom 30. Januar 2015.

Radio Bremen berichtete von einer Unterstützungswelle für Latzel durch eine Petition und die Facebook-Seite „Solidarität mit Olaf Latzel“: „Latzel erfährt im Internet tausendfach Rückendeckung in Portalen von evangelisch-konservativen Christen.“ Radio Bremen, 3. Februar 2015. Die Gemeinde St. Martini stellte sich hinter ihren Pastor. Radio Bremen gab Auszüge des entsprechenden Posts von der Facebook-Seite der Kirchengemeinde wieder: „Wir stehen als Gemeinde und Pastor für eine weltoffene und freie Gesellschaft[,] in der alle Menschen gleich welcher Hautfarbe, Ethnie oder Religion in Frieden miteinander leben können. Wir stehen als Gemeinde und Pastor ein für Religionsfreiheit und absolute Gewaltlosigkeit unter den Menschen in Bremen, in Deutschland und in der Welt.“. In: Radio Bremen.