Die Formel-2-Europameisterschaft 1983 war die 17. und vorletzte Saison dieser 1967 etablierten Motorsportserie. Die Meisterschaft umfasste zwölf Rennen, die in Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien abgehalten wurden. Der Meistertitel ging an Jonathan Palmer, der als Spitzenfahrer des Ralt-Werksteams sechs Rennen gewann, darunter die letzten fünf in Folge.

Überblick Politik Seit den frühen 1980er-Jahren wurde über die Einstellung der Formel 2 diskutiert. Die Kosten des Rennbetriebs hatten sich gegenüber den 1970er-Jahren deutlich erhöht, was unter anderem an dem Einstieg mehrerer Werksteams lag, die einen erheblichen finanziellen und organisatorischen Aufwand betrieben. Anderseits hatte die FISA ein Interesse daran, die DFV-Saugmotoren von Cosworth, die in der Formel 1 angesichts der Erfolgswelle der Turbomotoren zunehmend obsolet wurden, weiter bei Rennen einzusetzen. Daraus entstand die Idee der Formel 3000, die die Formel 2 ablösen sollte. Erste Planungen sahen vor, dass die Formel-2-Europameisterschaft bereits 1983 letztmals ausgetragen werden sollte. Erheblicher Widerstand der Teambesitzer führte dazu, die Formel 2 noch bis 1984 beizubehalten.Eberhard Reuß, Ferdi Kräling: Formel 2. Die Story von 1964 bis 1984, Delius Klasing, Bielefeld 2014, ISBN 978-3-7688-3865-8, S. 192.

Reglement Technische Änderungen im Vergleich zum Vorjahr ergaben sich im Hinblick auf die Karosserie. Die profilierten Unterböden, mit denen ein Ground Effect erzielt werden konnte, waren seit Saisonbeginn verboten; die Unterböden mussten nun glattflächig sein. Die Formel 2 folgte damit einer Entwicklung, die auch in der Formel 1 zu verzeichnen war. Auch Schürzen, mit denen der Unterboden seitlich abgedichtet werden konnte, waren jetzt verboten.

Die Bodenfreiheit musste mindestens 4 cm betragen.David Hodges: Rennwagen von A–Z nach 1945, Stuttgart 1993, ISBN 3-613-01477-7, S. 273. 1982 hatte dies nur für stehende Autos gegolten; ab 1983 musste die Bodenfreiheit auch während des Rennens auf der Strecke eingehalten werden. Mehrere Hersteller entwickelten Konzepte, um diese Vorgaben zu umgehen. AGS, Ralt und Maurer etwa setzten doppelte Federsysteme ein, die die Rennwagen in der Boxengasse anhoben und auf der Piste wieder absenkten.Eberhard Reuß, Ferdi Kräling: Formel 2. Die Story von 1964 bis 1984, Delius Klasing, Bielefeld 2014, ISBN 978-3-7688-3865-8, S. 193.

Die Vorschriften bezüglich der Motoren änderten sich nicht. Nach wie vor waren Saugmotoren mit einem Hubraum von maximal 2,0 Litern zugelassen, die nicht auf Serientriebwerken beruhen mussten.

Teams An der Europameisterschaft 1983 nahmen 15 Teams mit insgesamt 39 Fahrern teil. AGS, Ralt, Maurer und Minardi konstruierten wie in den Jahren zuvor eigene Rennwagen und unterhielten Werksteams; im Falle von AGS wurde das Werksteam unter Einbeziehung der Sponsornamen als Écurie Armagnac Bigorre Nogaro gemeldet.

Das italienische Merzario Team, das im Vorjahr zugekaufte und leicht überarbeitete March 822 eingesetzt hatte, konstruierte für 1983 wieder eigene Modelle. Die Fahrzeuge vom Typ M28 orientierten sich technisch allerdings stark an den letztjährigen March-Modellen.

Der britische Hersteller March Engineering hatte sein Werksteam mit Ablauf der Saison 1982 aufgelöst. Ab 1983 unterstützte March den unabhängigen Rennstall Onyx Race Engineering, der informell als Quasi-Werksteam oder als werksunterstütztes Team angesehen wurde.Mike Lawrence: March, The Rise and Fall of a Motor Racing Legend, MRP, Orpington 2001, ISBN 1-899870-54-7, S. 165.

Nach fünfjähriger Unterbrechung kehrte der französische Hersteller Automobiles Martini als Konstrukteur in die Formel 2 zurück. Martini unterhielt kein Werksteam, sondern überließ den Renneinsatz dem etablierten Team Oreca, das allerdings Werksunterstützung erhielt. Im Hinblick auf den Hauptsponsor verwendete das Team die Bezeichnung BMW France.

Zu diesen Werks- oder werksunterstützten Teams kamen diverse reine Kundenteams, von denen allerdings nur wenige zu jedem Rennen der Saison antraten. Zu den regelmäßig engagierten Teams gehörten Emco Sports von Jo Gartner, der britische Rennstall Mint Engineering, der seine Wurzeln in der Formel 3 hatte, und James Gresham Racing. Emco war das einzige Kundenteam, das in diesem Jahr einen Sieg erzielte (Gartner in Pau); Gresham erreichte einen dritten Platz, und der Mint-Pilot Dave Scott fuhr eine Poleposition heraus. Alle anderen Podestplatzierungen, Polepositionen und schnellsten Runden gingen an Fahrer der Werksteams.

Spirit Racing, das in der zurückliegenden Saison mit selbst konstruierten Autos drei Rennen hatte gewinnen können, konzentrierte sich 1983 auf Formel 1 und trat werksseitig nicht mehr in der Formel 2 an. Die Autos übernahm Jo Gartners Emco-Team; sie waren nun mit BMW- anstelle der Honda-Motoren versehen.

Motoren Das dominierende Triebwerk war der V6-Motor von Honda, der in Großbritannien bei Engine Developments („Judd“) überarbeitet und vorbereitet wurde. Der Motor wurde exklusiv an das Ralt-Werksteam geliefert. BMW rüstete die meisten Teams aus. Das von March unterstützte Team Onyx erhielt werksseitig vorbereitete Motoren, die in Anlehnung an ihren Konstrukteur Paul Rosche die Zusatzbezeichnung „Rosche“ trugen. 1983 war die letzte Saison, in der BMW Werksmotoren bereitstellte. Andere Teams ließen die BMW-Triebwerke bei freien Tunern warten; zumeist nahm das Schweizer Unternehmen Heini Mader Racing Components diese Aufgabe wahr, von einzelnen Teams wurde auch der Liechtensteiner Tuningbetrieb von Max Heidegger beauftragt. In einem Fall erschien auch ein älterer Motor von Hart. Ferrari-Motoren, die noch im Jahr zuvor von Minardi verwendet worden waren, kamen 1983 nicht mehr zum Einsatz.

Fahrer Corrado Fabi, der Europameister der Saison 1982, trat 1983 nicht mehr in der Formel 2 an. Er wechselte in die Formel 1, wo er bei Osella debütierte. Johnny Cecotto, der Vizemeister des Vorjahrs, ging zu Tolemans Formel-1-Team.

Jonathan Palmer blieb im Ralt-Werksteam, ergänzt durch Mike Thackwell. Onyx übernahm Christian Danner, der im Vorjahr für das March-Werksteam gefahren war, und verpflichtete außerdem Beppe Gabbiani, der als künftiger Champion aufgebaut werden sollte. Maurer behielt Stefan Bellof als Spitzenfahrer; allerdings legte das Team nicht das ganze Augenmerk in Bellofs Einsätze. Bellof ging 1983 nur bei sieben Meisterschaftsläufen an den Start, da er parallel werksseitig Sportwagenrennen für Porsche fuhr und es wiederholt zu Terminsüberschneidungen kam. Maurer und Bellof gaben den Sportwagenrennen den Vorzug, um so Bellofs Aufstieg in die Formel 1 zu erleichtern. Daneben fuhren Pierre Petit, Alain Ferté, Kenny Acheson und Frank Jelinski bei Maurer. Alessandro Nannini war wie im Vorjahr bevorzugter Fahrer bei Minardi.

Mit Beppe Gabbiani, Derek Daly, Lamberto Leoni, Patrick Nève und Mike Thackwell nahmen fünf Fahrer an der Formel-2-Europameisterschaft teil, die bereits über Formel-1-Erfahrungen verfügten.

Teams und Fahrer Team Chassis Motor Nr. Fahrer Rennen March 822 Hart 0 8 March 832 BMW-Rosche 1 1–12 2 1–12 3 1–6 7 8–12 Maurer MM83 BMW-Heidegger 4 1–2, 4, 6–8, 10–11 5 1–8 11 6 1–11 17 1–8 AGS JH19B BMW-Mader 7 1–3, 5–12 36 5–12 Ralt RH6 Honda 8 1–12 9 1–12 Minardi M283 BMW-Mader 10 2–12 11 1–3, 12 7 9 10 11 35 12 March 832 BMW-Mader 12 1 6–7, 11 8 9–10 14 3–4 Maurer MM82 BMW-Mader 15 1–6, 8, 11 16 1–2, 4 3 Lola T850 BMW-Heidegger 18 4–6 March 832 8–12 7 Minardi M283 19 3 Toleman TG280 4 March 832 5–6, 8–11 7 Merzario M28 BMW-Mader 20 1–3 4–7, 9, 10, 12 21 1–4 Spirit 201 BMW-Heidegger 24 1–12 25 1–3, 5–9, 11–12 Martini 001 BMW-Mader 26 1–4, 6–12 35 6–10 11 March 832 BMW-Mader 27 1–2, 4–5, 7–12 28 1 2–6 8, 11–12 29 8 March 832 BMW-Mader 33 1–7 34 1–3, 5–7, 9–10 March 802 BMW 35 3

Rennkalender Nr. Datum Rennen(Strecke) Distanz(km) Sieger Zweiter Dritter Pole-Position SchnellsteRennrunde Gesamtführender Fahrer 1 20. März BRDC International Trophy (Silverstone) 221,746 (Onyx) (Ralt) (Onyx) (Mint Engineering) (Maurer) (Onyx) 2 4. April British Automobile Drivers Club „200“ (Silverstone) 197,98 (Onyx) (Ralt) (Ralt) (Ralt) (Ralt) 3 10. April Deutschland-Trophäe (Hockenheim) 203,7 (Ralt) (Onyx) (Ralt) (James Gresham Racing) (Ralt) 4 24. April Eifelrennen (Nürburgring-Nordschleife) 187,47 (Onyx) (Minardi) (Onyx) (Onyx) (Onyx) 5 8. Mai Gran Premio di Roma (Vallelunga) 208 (Onyx) (Ralt) (Ralt) (Onyx) (Onyx) 6 22. Mai Grand Prix de Pau (Pau) 220,290 (Emco Sports) (Maurer) (Ralt) (Maurer) (Maurer) 7 12. Juni Gran Premio de Madrid Circuito del Jarama 221 (Ralt) (Maurer) (Ralt) (Ralt) (Ralt) 8 25. Juni Donington „50.000“(Donington) 220,5 (Ralt) (Ralt) (AGS) (Ralt) (Ralt) (Ralt) 9 22. Juli Gran Premio dell’Adriatico(Misano) 202,246 (Ralt) (Minardi) (James Gresham Racing) (BMW France) (BMW France) 10 31. Juli Gran Premio del Mediterraneo(Enna-Pergusa) 222,750 (Ralt) (AGS) (Ralt) (Ralt) (Minardi) 11 21. August Grote Prijs van Limborg(Zolder) 195,96 (Ralt) (Ralt) (AGS) (Ralt)(Ralt) (Ralt) 12 4. September Gran Premio del Mugello (Mugello) 220,290 (Ralt) (Ralt) (AGS) (Ralt) (Ralt)

Rennberichte Der Verlauf der Saison 1983 war zweigeteilt. In der ersten Hälfte dominierte das von March unterstützte Onyx-Team, dessen Fahrer Beppe Gabbiani vier der ersten fünf Rennen gewann. Gabbiani wurde von dem ehemaligen Rennfahrer Peter Gethin unterstützt, der als Berater für Onyx arbeitete. Onyx konnte allerdings die Dominanz nicht über die ganze Saison aufrechterhalten. Eine wesentliche Ursache für die nachlassende Leistung war die Verwindungsfreudigkeit des March 832, die weder das Team noch der Hersteller kurzfristig beseitigen konnten. Anstelle der Konstruktion eines festeren Monocoques beschränkte sich March darauf, an einzelnen Stellen nachträgliche Versteifungen aus Kunststoff zu installieren.David Hodges: Rennwagen von A–Z nach 1945, Stuttgart 1993, ISBN 3-613-01477-7, S. 166. Der Ralt RH6 des Ralt-Werksteams war weitaus belastbarer als der March; hinzu kam eine um ca. 30 PS höhere Leistung des Honda-Motors. Während Gabbiani nach dem fünften Saisonrennen in Vallelunga nur noch einmal punkten konnte, begann im Frühsommer eine Siegesserie des Ralt-Werksfahrers Jonathan Palmer, der, beginnend mit den Donington „50.000“ Ende Juni 1983, alle verbleibenden Rennen der Saison gewann.

B.R.D.C. International Trophy Platz Fahrer Team Zeit 1 1:08:30,71 2 1:08:57,31 3 1:09:40,25 PP 1:16,95 SR 1:19,93

Die 35. BRDC International Trophy war das Auftaktrennen der Saison. Es fand am 20. März auf dem Silverstone Circuit statt. Das Rennen ging über 47 Runden zu je 4,718 km und hatte eine Gesamtdistanz von 221,46 km. Zum Rennen meldeten sich 12 Teams mit 23 Fahrern. Die Poleposition fuhr Dave Scott in dem privaten March von Mint Engineering heraus. Er war einer von nur drei Fahrern, die bei starkem Regen in der Stowe Corner von der überschwemmten Ideallinie abwichen und auf diese Weise sicher um die Kurve kamen. Das Rennen, das unter trockenen Bedingungen stattfand, gewann Beppe Gabbiani im Onyx-March 832; sein Teamkollege Christian Danner belegte mit mehr als einer Minute Rückstand Rang drei. Zweiter wurde Mike Thackwell im Werks-Ralt.

B.A.R.C. „200“ Platz Fahrer Team Zeit 1 1:03:54,06 2 1:01:01,91 3 1:04:08,57 PP 1:05,68 SR 1:07,38

Das 12. B.A.R.C. „200“ (200-Kilometer-Rennen des British Automobile Racing Club), das auch die Bezeichnung Jochen-Rindt-Gedächtnisrennen trug, fand am 4. April auf dem Thruxton Circuit in Andover statt. Es ging über 55 Runden zu je 3,792 km und hatte eine Gesamtdistanz von 197,98 km. Insgesamt gingen elf Teams mit 23 Fahrern an den Start. Zu den gemeldeten Rennställen gehörte auch das Minardi-Team, das das erste Saisonrennen ausgelassen hatte. Mike Thackwell (Ralt) fuhr die Poleposition heraus und absolvierte die schnellste Rennrunde. Sieger war Beppe Gabbiani im Onyx-March 832, gefolgt von Thackwell und dessen Teamkollegen Jonathan Palmer.

Deutschland-Trophäe