mini|Evangelische Kirche Kleinich von Westen
Die frühklassizistische evangelische Kirche ist eine von mehreren Kirchen und Kapellen der Christusgemeinde Kleinich im Hunsrück, Landkreis Bernkastel-Wittlich in Rheinland-Pfalz und wurde 1789/90 nach Plänen des herzoglich zweibrückischen Baumeisters Friedrich Gerhard Wahl erbaut. Die heutige Kirche hat mehrere Vorgängerbauten und steht wahrscheinlich an der Stelle eines römischen Tempels, da beim Abriss des Vorgängerbaus der heutigen Kirche 1788 Silbermünzen und ein römischer Haustein mit den Namen Merkur, Rosmerta und Romanus gefunden wurden.
Vorgängerbauten mini|links|hochkant|Zeichnung von 1788 der alten Kleinicher Kirche von Pfarrer Tobias Schneegans
Die heutige Kirche hatte an gleicher Stelle mehrere Vorgängerbauten. 1788 wurden beim Abriss des direkten Vorgängerbaus der heutigen Kirche eine römische Silbermünze, ein silberner römischer Ring und Werksteine mit römischen Inschriften gefunden. In dem im Jahr 1220 entstandenen liber annual. jur. des Dekanats Kaimt (Zell) wird der Ort noch ohne Kapelle erwähnt. Die Kirche hatte in der vorreformatorischen Zeit ein (1552 dokumentiertes) St.-Martins-Patrozinium, was auf eine Gründung in der Zeit zwischen 550 und spätestens 750 schließen lässt.
Im Jahr 1318 ist die Pfarrkirche bezeugt. Die Kirche wurde bei ihrem Abriss als uralt und als ein Bau im gotischen Geschmack bezeichnet. Sie besaß im Kirchenschiff ein steinernes Gewölbe von wahrscheinlich 1513, die auf einem Mittelpfeiler ruhten. Sie übernahm damit das Bauschema der Hospitalskapelle in Kues,Hospitalkapelle Sankt Nikolaus in der Datenbank der Kulturgüter in der Region Trier wie es auch bei anderen heute noch vorhandenen Kirchen in Graach an der Mosel, oder Meckel. Der Chor war schmaler und sein Gewölbe war jünger, etwa von 1595. 1519 wird ein Annenaltar in der Kirche erwähnt. Bei dem Einsturz des Kirchturms im Jahr 1519 kann es sich wohl nur um den Einsturz des Oberbaus des Turms gehandelt haben, da das Mauerwerk in den unteren Geschossen des heute noch erhaltenen Turms in karolingische Zeit datiert wird. Die Kirche wurde von marodierenden bayrischen Truppen unter Oberst Jost Maximilian von Bronckhorst-Gronsfeld am 10. Dezember 1635 angezündet, wobei alles Holzwerk einschließlich der Turmhaube verbrannte.
1672 und 1730 erhielt die Kirche eine jeweils neue Empore. 1753 wurden Dach und Kirchturm wiederhergestellt. 1783 schlug der Blitz in den Turm ein und zerstörte dessen Dach. Außer durch kriegerische Ereignisse wurde die Kirche auch durch Feuchtigkeit beschädigt. 1727 wurden im Chor starke Risse festgestellt und Verhandlungen über einen Neubau begonnen. 1788 wurden schließlich Chor und Schiff abgebrochen. Der Turm blieb erhalten und wurde in den Neubau integriert.Vogts, S. 162–163.
Heutige Kirche mini|hochkant|Der Altar von 1901 Die Kirche steht am nördlichen Ortsrand des Ortsteils Kleinich an der Kante eines Hochplateaus, das nach Norden zum Kleinicher Bach und zum Ortsteil Thalkleinich hin abfällt. Die heutige Kirche ist ein Bau nach einem Entwurf des Baudirektors Friedrich Gerhard Wahl aus Zweibrücken. Die ausführenden Handwerker waren Maurermeister Georg Simon Klick und Zimmermeister Johann Peter Kimnach, jeweils aus Traben. Von der alten Kirche blieb nur der frühromanische Glockenturm erhalten. Dieser besteht in den unteren Geschossen aus 1,40 m starken fränkischen oder frühmittelalterlichen Bruchsteinmauern und hat einen ungefähr quadratischen Grundriss von etwa 6 m äußerer Seitenlänge. Im obersten Turmgeschoss, das wahrscheinlich im Rahmen der Turmerneuerung 1539 erbaut wurde, befinden sich vier rundbogige Schallöffnungen. Der mit drei Holzgesimsen gegliederte Helm mit Laterne, Knauf und Wetterhahn wurde um 1753 errichtet. mini|hochkant|links|Grabtafel von Georg Wilhelm Streccius Grundsteinlegung für die Kirche erfolgte am 27. Mai 1789, die Einweihung am 17. Oktober 1790. Das Baumaterial für die Kirche kam aus der Umgebung: Der Schieferbruchstein aus dem Zweibachtal, der härtere Quarzitstein, der für Quadersteine verwendet wurde, kam vom Idarwald bei Hochscheid, die Sandsteine kamen von Niederhosenbach. Das Bauholz kam von Ehrang und wurde von dort bis Traben-Trarbach auf der Mosel geflöst. Die Kirche bietet Platz für etwa 500 Personen und ist in Form eines griechischen Kreuzes gebaut. Sie hat eine Länge von 22,55 m, eine Breite von 23,30 m und eine Höhe von 8,50 m. Das Kirchenschiff hat ein flaches Spiegelgewölbe aus Holz, drei rechteckige und zehn rechteckige Fenster, die jeweils mit Horizontalgesimsen bekrönt sind. Über diesen befinden sich insgesamt 13 elliptische Fensteröffnungen. Der Kirchenbau entspricht im Äußeren wie im Inneren der Idee einer evangelischen Kirche. Er wird als ein der ländlichen Umgebung angepasstes Gegenstück der Saarbrücker Ludwigskirche und ähnlicher Kirchenbauten des frühen Klassizismus zum Ende des 18. Jahrhunderts bezeichnet.
Die Ausstattung der Kirche stammt weitestgehend aus der Erbauungszeit. Emporen, Bänke, Türen, Kanzel und der Orgelprospekt gehen auf Zeichnungen Wahls zurück. Die hölzerne Kanzel besitzt am Helm Girlandenschnitzereien und wurde vom Schreiner Kullmann aus Kleinich gefertigt. Ebenso der Orgelprospekt mit Dreieckszwickel, Flüge und durchbrochener Schnitzerei. Der Altar und das auf dem Altar stehende Kreuz wurden 1901 von dem Schnitzer Wilhelm Ströher geschaffen. Im Turm befinden sich zwei Grabplatten des Pfarrers G.W. Streccius (gest. 27. Dezember 1774) und seines Sohns, dem Kirchenschaffner Johann Christian Streccius.Vogts, S. 163–165. 1999 wurden sie von dem Graveur Rudolf Franz, einem ihrer Nachfahren, restauriert. Weiterhin befindet sich dort eine 1957 eingerichtete Gedenkstätte für die Gefallenen der beiden Weltkriege.
Orgel hochkant|mini|alt=Orgel im östlichen Seitenschiff|Stumm-Orgel von 1809 auf der Ostempore
Die Kirche besitzt eine Orgel von 1809. Orgelbauer war die dritte Generation der Orgelbaufamilie Stumm. Die Orgel ist somit ein Spätwerk dieser Orgelbauerfamilie und entstand 1809. Die Orgel ist nahezu im Originalzustand erhalten, besitzt ein Manual mit 14 Registern und ein Pedal mit zwei eigenständigen Registern. Eine Besonderheit ist die letzte von Stumm gebaute Vox humana (ein Zungenregister). Der Stimmton ist der auch für Stumm-Orgeln typische Cornettton (a1 = 452 Hertz).
Glocken mini|hochkant|Kirchturm Die Kleinicher Kirche besitzt drei Glocken, die im Turm hängen. Deren Schlagtöne sind e', fis’ und d' '.
Erstmals erwähnt sind die Glocken 1739 als der Kirchturm einstürzte und die Glocken herunterstürzten. Der (heute noch bestehende) Turm wurde 1551 wieder aufgebaut. 1587 fällt die mittelgroße Glocke herunter ohne dabei Schaden zu nehmen. Als 1636 marodierende kaiserliche Truppen die Kirche anzünden, stürzen alle Glocken herab und schmelzen durch die Hitze. In den Jahren 1650 und 1654 wurden eine und 1669 zwei neue Glocken gegossen. 1669 war die große Glocke und 1671 die mittlere Glocke gesprungen und mussten jeweils umgegossen werden. Aus dem Material der kleinsten Glocke, die 1772 gesprungen war, wurde 1789 eine neue Glocke angefertigt.
Die große und die kleine Glocke müssen 1942 für Kriegszwecke abgeliefert werden und werden zum Glockenfriedhof nach Hamburg gebracht. Erfreulicherweise gehören die Glocken aus Kleinich bei Kriegsende zu den 14.000 noch vorhandenen (von ehemals 91.000). Sie werden Ende 1947 wieder zurückgebracht und hängen seit dem 7. März 1948 wieder an ihrem Platz im Glockenstuhl des Turms.. Orgel-Förderverein St. Marien-Rachtig e. V., 54492 Zeltingen-Rachtig.Erik Zimmermann: Das Kirchspiel Kleinich: neun Dörfer im Hunsrück.; S. 256–257
Inschrift der großen Glocke: ALLEIN GOTT DIE EHR UND NIEMAND MEHR. IM JAHR CHRISTI MDCLXIX UNDER REGIERUNGUNSERER GNEDIGSTEN FUERSTEN PFALZ BIERKENFELD UND BADEN UND INSPEKTOR JOH. H NICOLAI LANGERHAN M. FRIEDR. ENGELBERT FRITZER PFARRER ZU CLENICH H. JOH. PETRI KNODEN KIRCHESCHAFFNERS A.D. G. K. MATTHIAS CROMEL VON LEY GOS MICH. Die Glocke hat 1,10 m unteren Durchmesser.
Inschrift der mittleren Glocke: DURCH MEINEN SCHALL RUF UEBERAL DEM VOLCK ZUR KIRCHEN ZUSAMMEN. GOTT GEBE GNAD DAS FRUW UND SPAT SIE FOLGEN DER GEISTLICHEN AMMEN UND LEBEN RECHT GLAUBEN AUCH SCHLECHT GOTTES WORT ZUM LEBEN AMEN. F.C.F.P.P.C.J.A.CH. MDCLXXI J.P.K.K.S. MATHIAS CROMEL GOS MICH. Die Glocke hat 1,05 m unteren Durchmesser.Vogts, S. 166.
Geschichte der Kirchengemeinde + Pfarrer der Evangelischen Kirche Kleinich seit der Reformation Name Amtszeit Anmerkung Antonius Murschein 1557–1559 erster evangelischer Pfarrer Simon Molenstein 1559–1572 wurde nach seiner Suspendierung wieder katholisch Balthasar Novanus 1573–1574 Lambert Faber 1575–1580 war gelegentlich so betrunken, dass er dieAmtshandlungen nicht mehr ausführen konnte Wiltenburger 1580–1598Legte das erste Kirchenbuch an Johann Burkhard Trarbach 1598–1636 Johannes Wintzius 1636–1659 Friedrich Engelbert Fritzer 1659–1674 Johann Bernhard Beuerle1674–1696 Nikolaus Steccius 1696–1729 Hat das Kirchspiel bei seinem Amtsantrittetwas verwildert angetroffen Georg Wilhelm Streccius 1729–1774 Tobias Schneegans I. 1775–1819 Tobias Schneegans II. 1820–1841 Friedrich Münster 1841–1871 Adolf Schettler 1874–1896 Friedrich Becker 1897–1912Erster von der Kirchengemeinde gewählte Pfarrer Martin Sinemus 1913–1925 Heinrich Dungs 1925–1928 Hermann Lutze 1929–1936 Heinz Berkemann 1939–1950 Peter Schumacher1951–1955 Johannes Haverkamp 1956–1961 Hellmuth Schareina1961–1996 Stefan Haastert 1998– seit 1995 im Sonderdienst
Vorreformatorische Zeit Christianisiert wurde die Kleinicher Gegend zur Zeit Karls des Großen. Die Gegend gehörte zuerst zur Reichskirche St. Peter in Kröv, nach Auflösung dieser Urpfarrei nach Enkirch und nach Zunahme der Besiedlungsdichte ab dem 11./12. Jahrhundert wurde die bereits bestehende Kapelle zur Pfarrkirche eines Pfarrbezirks mit 13 Dörfern erhoben. Sie wird 1220 im Buch der jährlichen Rechte des Trierer Erzbischofs aufgeführt. Dabei wird erwähnt, dass weder die Kathedralsteuer noch der Beitrag von 50 Solidus zur Holzlieferung bezahlt wurden. 1338 wird das Kirchspiel Kleinich das erste Mal urkundlich erwähnt. Spätestens 1318 hatte Kurtrier das Zehnt- und Patronatsrecht den Herren von Esch übertragen. Nach deren Aussterben fiel das Kirchenpatronat 1564 an den Erzbischof von Trier zurück. Innerhalb des Bistums Trier gehörte die Pfarrei Kleinich zum Dekanat Kaimt-Zell und Archidiakonat St. Castor in Karden. Von den Pastoren vor der Reformationszeit ist wenig bekannt. Meist waren es jüngere Söhne der Herr von Esch oder derer Verwandter. Der Unterhalt der Kirche war wie folgt geregelt: die Gemeinde musste für das Kirchenschiff und den Turm aufkommen, der Patronatsherr für den Chor und das Pfarrhaus, erhielt dafür aber auch 2/3 des Zehnten. Der Pfarrer erhielt das restliche Drittel und für seinen eigenen Lebensunterhalt und für die Bezahlung von Hilfsgeistlichen. Außer der Pfarrkirche in Kleinich gab es eine Filialkirche in Hirschfeld und vier Kapellen in den umliegenden Dörfern. Die Kommunion durfte aber nur in Kleinich und Hirschfeld ausgeteilt werden.Erik Zimmermann: Das Kirchspiel Kleinich: neun Dörfer im Hunsrück.; S. 225–228
Reformation und 16. Jahrhundert