Gier nach Gold ist die Übersetzung von Frank Norris Roman McTeague: A Story of San Francisco. 1958 wurde der Roman von Paul Böllert aus dem amerikanischen Englisch ins Deutsche übersetzt und vom Aufbau-Verlag veröffentlicht. Anlässlich einer Inszenierung des Werkes durch Frank Castorf erschien im Jahr 2004 vom Alexander Verlag Berlin eine Neuauflage des vergriffenen Romans. Vom Naturalismus und Darwinismus geprägt, schildert die Erzählung, wie Geld, Neid und Gier die vom Trieb gesteuerten Menschen ins Unglück stürzen. Hauptfiguren sind dabei der Zahnarzt McTeague, dessen Frau Trina und sein anfänglicher Freund Marcus Schouler.
Handlung McTeague, der als Sohn eines Bergarbeiters aufwuchs, ist nun als Zahnarzt in der Polk Street, San Francisco, tätig. Seine Mutter war es, die McTeague in jungen Jahren mit einem herumreisenden Dentisten mitschickte, um ihrem Sohn eine aussichtsreichere Zukunft zu ermöglichen als die eines Grubenarbeiters. Nach dem Tod der Mutter erbte McTeague etwas Geld von ihr und nutzte es, um seine eigene Praxis zu eröffnen. Diese Praxis, von McTeague „Ateliers“ genannt, ist ein Raum, der gleichzeitig als Schlaf- und Wohnraum für ihn dient. Wichtig für ihn sind seine Konzertina und sein Kanarienvogel. Im selben Gebäude wohnt McTeagues Freund Marcus Schouler, der in einer Hundeklinik arbeitet und vor allem für seine aufbrausenden Reden bekannt ist. McTeague hingegen spricht eher wenig und zeichnet sich durch seine enorme physische Größe und Stärke aus. Als Zahnarzt ist der dafür bekannt, seinen Patienten die Zähne mit den bloßen Fingern zu ziehen. (Kapitel 1)
Eines Tages bringt Marcus seine Cousine und gleichzeitig Herzensdame Trina Sieppe in McTeagus Praxis, da sich diese einen Zahn ausgeschlagen hat. Während sie dort auf ihre Behandlung wartet, lernt sie Maria Macapa kennen, die dabei ist, das Zimmer des Zahnarztes zu reinigen. Immer darauf bedacht, Geschäfte zu machen, verkauft sie Trina ein Lotterielos. Als Trina dann auf den Behandlungsstuhl darf, erhält sie von McTeague die erschreckende Nachricht, dass neben dem bereits ausgeschlagenen Zahn ein weiterer Zahn gezogen werden müsse. McTeague, der nicht viel mit dem weiblichen Geschlecht anfangen kann, lässt sich aber schließlich von Trinas Verzweiflung und ihrem hübschen Lächeln überzeugen, eine schwierige Behandlung zu wagen und Trina eine Brücke zu fertigen. Da die Behandlung langwierig ist und Trina mehrmals die Woche in die Praxis kommen muss, lernen sich die beiden besser kennen. Bei McTeague gibt es ein sexuelles Erwachen in Bezug auf das weibliche Geschlecht. Eines Tages muss er Trina in Narkose versetzen und kann sich nicht zurückhalten, sie ohne deren Wissen zu küssen. Anschließend fragt er sie, ob sie ihn heiraten wolle. Trina, deren Behandlung ohnehin beinahe beendet ist, wehrt die Frage erschrocken, aber entschieden ab. Zwischen den beiden bricht daraufhin der Kontakt ab. (Kapitel 2)
Gemeinsam mit McTeague, Marcus und Maria wohnen noch zwei weitere Parteien im Haus. Zum einen Miss Baker, eine alte Jungfer, die früher Schneiderin gewesen ist und zum anderen Old Grannis, mit dem sie Tür an Tür lebt. Die beiden interessieren sich sehr füreinander, trauen sich aber nicht einmal den anderen anzusprechen. Wenn Maria versucht, zwischen ihnen zu vermitteln, zeigen sie sich peinlich berührt. Maria putzt im ganzen Haus und erbettelt oder klaut dabei gerne Dinge, die sie dann bei ihrem Freund Zerkow verkauft. Dieser ist besessen von einer Geschichte, die Maria wieder und wieder erzählt: in ihrem Elternhaus habe es ein Goldservice von unschätzbaren Wert gegeben und nun sei es verschollen. (Kapitel 3)
Marcus merkt, dass mit McTeague etwas nicht stimmt und bekommt die Sache mit Trina aus ihm heraus. Obwohl Marcus Interesse an seiner Cousine hatte, reagiert er überraschend positiv: Nach kurzer Bedenkzeit kommt er zu dem Ergebnis, dass McTeague Trina mehr liebt und er sie ihm deshalb überlassen möchte. Daraufhin macht er McTeague klar, dass er sich wieder mit Trina treffen muss und schlägt ihm deshalb vor, zu einem der Ausflüge mitzukommen, die Marcus regelmäßig mit Trinas Familie, den Sieppes, macht. McTeague ist unsicher, weil er nicht weiß, wie Trina reagieren würde, lässt sich aber schließlich überzeugen. Entgegen seinen Bedenken zeigt sich Trina erfreut über den Besuch und die beiden genießen den Tag im Park. Seit diesem Ausflug treffen die beiden sich regelmäßig. (Kapitel 4/5)
Trina ist hin- und hergerissen. Einerseits findet sie die monströse Gestalt des Zahnarztes beängstigend und abstoßend, andererseits kann sie ihm nicht widerstehen, wenn sie in seinen starken Armen liegt. Einen erneuten Heiratsantrag lehnt sie jedoch ab, woraufhin Marcus McTeague überredet, Trina und ihre Mutter ins Theater einzuladen. Alle sind begeistert von der Vorstellung und Als sie sich nach dem Theater auf den Weg zu McTeagues Praxis machen, wo die Sieppes übernachten wollen, werden sie schon sehnsüchtig von den anderen Hausbewohnern und einem Agenten erwartet. Alles geht durcheinander, doch schnell wird klar, was los ist: Trina hat mit dem Lotterielos, das die anfangs bei Maria gekauft und mittlerweile schon fast wieder vergessen hatte, 5000 Dollar gewonnen. Um dies zu feiern, gehen alle in McTeagues Praxis. Dort wird diskutiert und fantasiert und ganz plötzlich die Hochzeit von Trina und dem Arzt verkündet. Alle sind begeistert – nur Marcus verhält sich an diesem Abend seltsam. Old Grannis und Miss Baker sind in der aufgeregten Situation zum ersten Mal gezwungen, sich offiziell „kennenzulernen“. Nach der Feier macht Maria noch einen Ausflug zu Zerkow, um ihm eine Goldfolie, die sie dem Zahnarzt gestohlen hatte, zu verkaufen. Dieser kann seinen Ohren kaum trauen als Maria von Trinas Gewinn hört und bringt Maria wieder dazu vom goldenen Service zu erzählen. McTeague ist so verwirrt von den Ereignissen, dass ihm Marcus Bestürztheit nicht auffällt. Dieser macht sich Vorwürfe, Trina dem Zahnarzt aus Freundschaft überlassen zu haben. Nicht etwa, weil er sie so sehr liebt, sondern weil er neidisch ist auf den Reichtum, den nun McTeague, nicht er, erfährt. (Kapitel 6/7)
Auch im weiteren Verlauf bemerkt McTeague nichts von Marcus verändertem Verhalten. Er ist vielmehr mit seiner Verlobten beschäftigt. Die beiden sind glücklich, treffen sich mehrmals die Woche und unterhalten sich viel. Auch die Frage nach den Finanzen kommt bei der bevorstehenden Hochzeit immer wieder auf. Im Prinzip sieht es für die beiden gut aus. McTeague hat ein akzeptables Einkommen, Trina verdient durch das Schnitzen von kleinen Holzfiguren etwas dazu und natürlich haben sie die 5000 Dollar. Was dieses Vermögen angeht, haben die beiden allerdings ganz unterschiedliche Vorstellungen. Während McTeague von einem luxuriösen Leben träumt, beschließt Trina das Geld anzulegen und keinen Cent davon auszugeben. Vielmehr gefällt ihr die Idee dadurch zusätzliches Geld in Form von Zinsen zu verdienen. McTeague hält Trinas Sparsamkeit schließlich für einen verantwortungsvollen Zug, vor allem weil Trina beteuert, dass sie ja jederzeit an das Geld, das sie bei ihrem Onkel, einem Geschäftsmann, anlegt, kämen. (Kapitel 7/8)
Nachdem sich Marcus einmal bei McTeague über Geldsorgen beschwert hat und ihn seitdem weitgehend ignoriert, merkt der Zahnarzt spätestens an seinem Geburtstag, was los ist. Als McTeague in seine Stammkneipe kommt, gerät Marcus nämlich so sehr in Fahrt – weil er sich von McTeague um 5000 Dollar betrogen fühlt – dass er versucht, diesen mit einem Messer umzubringen. Dieser Versuch scheitert allerdings und McTeague versteht die Welt nicht mehr. Er möchte sich rächen und macht sich auf die Suche nach Markus. Da er vor seinem Zimmer allerdings Trinas Geburtstagsgeschenk, einen riesigen, goldenen Zahn als Aushängeschild für seine Praxis, den er sich schon so lange gewünscht hat, findet, lässt er sich zunächst besänftigen. (Kapitel 8)
Das nächste Ereignis ist die Hochzeit von Trina und McTeague. Sie soll im kleinen Rahmen in der neuen Wohnung der beiden stattfinden. Diese befindet sich im selben Gebäude wie McTeagues Praxis und kann von den beiden möbliert übernommen werden. Als Trina 200 Dollar von ihrem Gewinn für die Küchenausstattung aufwenden soll, zeigt sie sich empört, da sie ihr Vermögen nicht anrühren möchte. Trotz der Diskussionen gibt es eine gelungene Hochzeit, bei der es an nichts fehlt. Es wird geschlemmt bis in die Nacht und einzig die Tatsache, dass auch Marcus an der Feier teilnimmt, trübt die Stimmung teilweise etwas. Er betont, dass sein Geschenk nur an Trina gerichtet ist und den Vorschlag der Sieppes, dass er McTeagues Trauzeuge sein könnte, lehnt er entschieden ab. Miss Baker und Old Grannis sind gezwungen nebeneinander zu sitzen und wechseln zum ersten Mal einige Worte, wovon sie natürlich äußerst peinlich berührt sind. Nach der Hochzeit steht der Umzug der Sieppes nach Los Angeles an. Auch Marcus verkündet Neuheiten: Er möchte sich als Cowboy auf einer Ranch niederlassen und ist dazu auf der Suche nach einem Gleichgesinnten. Er möchte sich aus der Gesellschaft zurückziehen, von der er sich verraten fühlt. (Kapitel 9)
Die ersten drei Jahre nach der Hochzeit verbringen die McTeagues glücklich in ihrer Wohnung. Es entwickelt sich eine gewisse Routine, Trina hat ihre anfänglichen Zweifel überwunden und beginnt ihren Mann innig zu lieben. Dieser hingegen sieht die Ehe eher zweckmäßig, ist damit aber ebenso glücklich. Trina beobachtet außerdem mit Freude, dass sie es ohne McTeagues Wissen schafft, ihn in gesellschaftlicher Hinsicht zu bessern: ein ordentlicheres Erscheinungsbild, eigene Meinungen zu diskutierten Themen und weitere kleine Dinge. Auch Marcus, der sich mittlerweile politisch engagiert, ist noch in der Stadt, weiterhin auf der Suche nach einem Partner für seine Ranch. Trina uns McTeague entwickeln den Wunsch nach einem Haus und als McTeague Trina mit einem Mietvertrag für ein Objekt überrascht, stößt er auf bloßes Entsetzen: Sie könnten sich das Haus nicht leisten und außerdem habe sie gehört, dass es ungesund sei, in dem Haus zu leben, da im Keller das Wasser stehe. Sie nötigt ihren Mann die Miete für den einen Monat selbst aufzubringen, obwohl sie jede Menge Geld besitzt. Ihr Geiz ist so groß, dass auch ihr schlechtes Gewissen sie nicht umstimmen kann, McTeague wenigstens einen kleinen Teil des Geldes zu geben. (Kapitel 10)
Die neuste Nachricht ist nun, dass Maria und Zerkow heiraten wollen. Dies kann keiner nachvollziehen, da Zerkow alt und nicht sehr attraktiv ist, doch die Vermutung liegt nahe, dass Maria die Chance nutzen will, den einzigen Mann zu heiraten, der sie und ihre Geschichten ernst nimmt. (Kapitel 11)
Als die McTeagues mit Freunden einen Ausflug in den Park machen wollen, stößt Marcus unerwartet hinzu und wird von den Freunden zum Ausflug eingeladen. Im Park finden die Männer große Freude daran, sich in allen möglichen athletischen Disziplinen zu messen und enden schließlich beim Ringen. Die ungeheure Stärke von McTeague bringt ihm hier die Bewunderung der Frauen ein. Im Finale landen Marcus und er. Marcus ist eifersüchtig ist auf die Bewunderung, die McTeague zuteilwird und so beginnen die beiden, sich wie Tiere zu bekämpfen. Die Situation droht völlig zu eskalieren, nachdem Marcus den Zahnarzt so stark ins Ohr beißt, dass es kräftig blutet, und McTeague ihm im Gegenzug den Arm bricht. Den übrigen Männern in der Runde gelingt es aber schließlich, die beiden voneinander zu trennen. (Kapitel 11)