In 19 Luftangriffen auf Weimar im Zweiten Weltkrieg warfen – ganz überwiegend – die United States Army Air Forces, mit Schwerpunkt zwischen 9. Februar und 31. März 1945, 965 Tonnen Bombenlast auf das Stadtgebiet von Weimar und Industrieanlagen ab.Olaf Groehler: Bombenkrieg gegen Deutschland. Akademie-Verlag, Berlin 1990, S. 449. Dabei fanden über 1000 Einwohner und 600 KZ-Häftlinge und Kriegsgefangene den Tod. 1945 war auch der historische Stadtkern von den Bombardierungen betroffen.Gitta Günther et al.: Weimar. Lexikon zur Stadtgeschichte. Weimar 1998 Viele Kulturbauten, öffentliche Einrichtungen, Wohnhäuser und Industrieanlagen in Weimar wurden dabei zerstört oder erheblich beschädigt. Bei einem schweren amerikanischen Luftangriff am 24. August 1944 wurden die dem KZ Buchenwald benachbarten Rüstungsindustrieanlagen auf dem Ettersberg zerstört (500 Tote).

Luftangriffe 1940 bis 1944 Leichte Luftangriffe der britischen RAF auf Weimar im Zweiten Weltkrieg begannen nachts am 23. und 24. April 1940. In der Nähe der Stadt gingen einzelne Spreng- und Brandbomben nieder, ohne größeren Schaden anzurichten. Am 24. Juli 1940 nachts warfen britische Flugzeuge aus etwa 100 Metern Höhe 50 Brandbomben auf den Forst Ettersberg ab. Sie griffen auch das KZ Buchenwald im Tiefflug mit Maschinengewehren an, ohne dass Personenschäden auftraten.Olaf Groehler: Anhalt im Luftkrieg. Anhaltische Verlagsanstalt, Dessau 1993. ISBN 3-910192-05-X. S. 7 In der Nacht vom 16. zum 17. August 1940 waren Goethes Gartenhaus,Helmut Wolf: Erfurt im Luftkrieg 1939–1945. Glaux-Verlag, Jena 2005, S. 96. der Park, die Geschäftsstelle des DRK in der Belvederer Allee und ein Hilfslazarett durch Bombenabwürfe betroffen. Es gab starke Flak-Abwehr.Jens Riederer in Bilder der Zerstörung. Weimar 1945. Fotos von Günther Beyer. Weimar, 2015. s.61

Im Jahr 1941 gab es 33 Fliegeralarme, aber keine Angriffe. 1942 erfolgten 3 Fliegeralarme, keine Angriffe.

Weimar befand sich seit Anfang der 1940er Jahre auf einer britischen Zielliste mit Fisch-Decknamen deutscher Städte als „Gwyniad“ (Große Maräne).Olaf Groehler: Bombenkrieg gegen Deutschland. Akademie-Verlag, Berlin 1990. S. 35 1942 plante der britische Luftmarschall Arthur Harris monatlich zwei Tausend-Bomber-Angriffe auf Ziele in Deutschland. In dieser Planung gab es auch einen Zielkomplex der zusammengefassten Städte Eisenach, Erfurt, Gotha, Jena und Weimar. Im November 1942 befand sich Weimar auf einer britischen Liste deutscher Städte mit geplanten „Einäscherungsbombardements“, die von Churchill aus strategischen Gründen zurückgezogen wurde. Im November 1943 wurde Weimar als Ziel in ein „Kleines Ruhrgebiet“ mitteldeutscher Städte einbezogen.Olaf Groehler: Bombenkrieg gegen Deutschland. Akademie-Verlag, Berlin 1990, S. 69, 74, 179

Am 27. Mai 1943 abends Angriff eines einzelnen Flugzeugs mit Sprengbomben auf den Bahnhof Weimar. Vier Zivilisten starben, darunter drei Eisenbahner. Im Jahr 1943 gab es 100 Fliegeralarme.Jens Riederer in Bilder der Zerstörung. Weimar 1945. Fotos von Günther Beyer. Weimar 2015. S. 61

Am 24. März 1944 erfolgte abends ein Angriff der USAAF in drei Wellen aus 4.000 bis 5.000 Meter Höhe mit 300 bis 400 Brandbomben auf den Bahnhof Weimar, den Rüstungsbetrieb Gustloff-Werk I und Umgebung. Es gab zahlreiche Brände, ein Wachposten starb, etwa 80 Menschen wurden obdachlos.Jens Riederer in Bilder der Zerstörung. Weimar 1945. Fotos von Günther Beyer. Weimar 2015. S. 62

Luftangriff auf das KZ Buchenwald

mini|Luftbild von Buchenwald nach dem US-Bombenangriff am 24. August 1944

Am 24. August 1944, von 12.18 bis 12.48 Uhr, griff bei klarem Himmel die 1st Bombardment Division der amerikanischen 8th Air Force mit 129 B-17 „Flying Fortress“ in 6–8 Wellen aus 7.500 Metern Höhe als Primärziel die großen Rüstungsanlagen des KZ Buchenwald, die Deutschen Ausrüstungswerke (im umzäunten Lagerbereich), das Werk Gustloff II (benachbart zum Lager) und SS-Einrichtungen auf dem Ettersberg an. Die „Fliegenden Festungen“ wurden von zahlreichen Jagdflugzeugen des Typs Mustang begleitet, die nach Sicht operierten und sich als Jagdbomber an der Bombardierung beteiligten. Im Kriegstagebuch der 8. US-Luftflotte ist der Angriff unter „Weimar ... an Armament Factory“ verzeichnet.Roger A. Freeman: Mighty Eighth War Diary. JANE’S, London, New York, Sydney 1981, S. 330–331 Die Werkhallen und weitere Ziele wurden von insgesamt 303 Tonnen Bomben schwer getroffen: 175 Stück 1.000-Pfund-Sprengbomben, 583 Stück 500-Pfund-Sprengbomben und 279 Stück 500-Pfund-Brandbomben. Es entstanden schwere Brände. Zerstört wurden außer den beiden genannten Rüstungsindustrie-Anlagen auch der Bahnhof mit Dienstgebäude, Gleisanlagen und 29 Waggons, Verwaltungsgebäude, die SS-Truppengaragen, andere SS-Einrichtungen, Wohnhäuser von SS-Angehörigen, Randbereiche des Häftlingslagers (Krematorium, Wäscherei, Desinfektion) und das benachbarte Sonderlager „Fichtenhain“ für Prominente. 388 Häftlinge, 82 SS-Leute und 24 Familienangehörige verloren ihr Leben, 65 SS-Leute wurden vermisst und 238 verwundet. Es gab 2.000 (1.462) verwundete Häftlinge, auch sehr viele (bis 525 bzw. 600) Schwerverletzte unter ihnen.Roger A Freeman: Mighty Eighth War Diary. JANE’S, London 1981. S. 330Harry Stein (Hrsg.): KZ Buchenwald, 1937–1945. Begleitband zur ständigen historischen Ausstellung. Wallstein-Verlag 1999, ISBN 3-89244-222-3. Eugen Kogon: Der SS-Staat. Das System der deutschen Konzentrationslager. Heyne-Verlag, München 2006. S. 299–300Jens Riederer: Bilder der Zerstörung. Weimar 1945. Fotos von Günther Beyer. Weimar 2015. S. 62 Die aus Häftlingen bestehende Lagerfeuerwehr hatte selbst drei Tote und zehn Schwerverletzte zu beklagen.Lagerfeuerwehr Buchenwald Zahlen über getötete deutsche Zivilarbeiter und -angestellte fehlen. Nach dem Angriff wurde auch der SPD-Politiker Rudolf Breitscheid tot unter Trümmern im Sonderbereich „Fichtenhain“ geborgen (der außerhalb des eigentlichen KZ lag), während seine Frau Tony Breitscheid überlebte. Deren Nachbarin, Prinzessin Mafalda von Hessen, Tochter des Königs von Italien und Ehefrau des Landgrafen Philipp von Hessen, erlag am 27. August ihrer Verwundung und Verbrennungen.Stiftung Gedenkstätte Buchenwald Ein weiteres Opfer war der tschechische Architekt Hugo Foltyn. Die NS-Propaganda behauptete, dass auch Ernst Thälmann bei dem Bombenangriff ums Leben gekommen sei. Nach Zeugenaussagen war er jedoch bereits am 18. August 1944 erschossen worden. Eine Brandbombe zerstörte die beim Bau des Lagers geschonte, mächtige „Goethe-Eiche“, die wenig später gefällt wurde.

Im Jahr 1944 gab es in Weimar 138, nach anderer Zählung 225 Fliegeralarme.

Luftangriffe im Jahr 1945 Im Januar 1945 hatte das britische Bomber Command eine Liste mit neuen Zielen (kleine und mittlere Städte) in Deutschland erarbeiten lassen. Auch Weimar war auf dieser Liste für Area Bombing verzeichnet,Spiegel Online: Weimar im Bombenkrieg für Flächenangriffe auf Wohngebiete zum „Brechen der Moral“ der Zivilbevölkerung. Anfang Februar 1945 wurde „auf höchster (angloamerikanischer) Ebene“ eine Prioritäten-Liste mit „industriellen Ausweichzielen“ (einschließlich Weimar) beschlossen, die als Befehl an die Stabschefs der 8th Air Force und des Britischen Bomber Command herausging.Olaf Groehler: Bombenkrieg gegen Deutschland. Berlin 1990. S. 385, 389

Seit der Jahreswende 1944/1945 gehörten Luftalarme und leichtere Luftangriffe zum Alltag der Bevölkerung in Weimar.

Weimar zählte Anfang 1945 mit 57.400 Einwohnern so viele, wie bisher nie in der Geschichte der Stadt, darunter eine große Anzahl Luftkriegsevakuierte und Flüchtlinge. Schulen waren zu Lazaretten umgewandelt worden. Neben den üblichen Luftschutzräumen diente die Parkhöhle als 1944 eingerichteter „Luftschutzkeller von Weimar“. Nennenswerte Jagd- oder Flak-Abwehr gab es nicht mehr. Die Flak-Batterien wurden im September 1944 aus Weimar zum Fronteinsatz abgezogen. Das Deutsche Nationaltheater war im Oktober 1944 geschlossen und das davor stehende Goethe-Schiller-Denkmal bereits 1942 zum Schutz eingemauert worden. Die Särge von Goethe und Schiller wurden aus der Fürstengruft in einen Schutzbunker in Jena gebracht. Der Cranach-Altar in der Herderkirche war bereits 1940 ausgelagert worden.

Großangriff am 9. Februar 1945 mini|250 px|Eine US-amerikanische B-17 „Flying Fortress“ beim Bombenabwurf mini|250 px|US-amerikanische B-24 „Liberator“ mini|US-Langstrecken-Begleitjäger P-51 Mustang (1944) mini|Britischer Schnellbomber Mosquito (1944)

Der 9. Februar 1945 ging als „Schwarzer Freitag“ in die Weimarer Geschichte ein. Er wurde zur größten Katastrophe, welche die Stadt bis dahin heimgesucht hatte. Die USAAF stufte ihren Angriff als „mittelschwer“ ein. Am Morgen des 9. Februar starteten in den englischen Grafschaften Norfolk und Suffolk 198 B-17 und 271 Begleitjäger vom Typ P-51 Mustang der 3rd Air Division der 8th Air Force. Als Angriffsziel waren Rüstungsbetriebe ausgewiesen. Gegen 12:00 Uhr erreichten die 7 Geschwader nach einer Flugroute über Ostende, Aachen, Köln, Fulda, Suhl, Plauen und Jena aus Richtung Südost nach Nordwest die Stadt Weimar. Nach Zielmarkierung durch eine Rauchbombe über dem Webicht warfen die Bomber in 3–4 Wellen zwischen 12:24 und 12:37 Uhr aus 5.000 bis 7.600 Metern Höhe 418 Tonnen hochexplosive Sprengbomben (1.925 Stück 500-Pfund-Bomben)US Air Forces, Interner Bericht. Zitiert nach Walter Steiner: Weimar 1945. 1997. S. 49–50 auf die Innenstadt, Industrieanlagen (Gustloff-Werk I: 275 Treffer) und das Reichsbahngelände (Haupt- und Güterbahnhof, Betriebswerk) ab. „Die Innenstadt wurde ein Trümmerfeld“, einschließlich vieler ihrer zahlreichen Kulturbauten.Walter Steiner: (2005) Die Strom- und Wasserversorgung brachen zusammen. 560 Wohnhäuser wurden zerstört oder schwer beschädigt, 2.000 Menschen dadurch obdachlos. Zerstört oder schwer beschädigt wurden unter anderem das Goethe- und das Schiller-Haus, die Stadtkirche St. Peter und Paul, das Deutsche Nationaltheater (das ausbrannte), das Wittumspalais, die Markt-Nordseite und das Stadthaus. 461 Einwohner, zusammen mit ausländischen Arbeitern, Kriegsgefangenen und Häftlingen über 1.100 Menschen verloren ihr Leben.Jens Riederer: Bilder der Zerstörung. Weimar 1945. Fotos von Günther Beyer. Weimar 2015. S. 63 Im Kindergarten der NSV in der Richard-Strauß-Straße (heute Kita „Hufeland“) starben durch einen Volltreffer 31 Kinder, insgesamt in Weimar etwa 85 Kinder. Nach dem Angriff wurden 16 neue bombensichere Räume in der Parkhöhle in Klinkerbauweise ausgebaut. Zur Bergung von Verschütteten und Leichen, sowie zur Trümmerbeseitigung in Wohngebieten und Betrieben wurden nach diesem Angriff und den weiteren neben Luftschutz-Personal, Soldaten und Hitlerjungen auch Kriegsgefangene und Häftlinge eingesetzt. Eine große Rolle spielte die Selbsthilfe der betroffenen Bevölkerung, selbst bei der Bekämpfung von Bränden auf Dächern und beim Beseitigen von Brandbomben.

Als deutsche Abwehr waren nur einige Abfangjäger und leichte Flak im Norden der Stadt im Einsatz gewesen. Über Weimar hatten die Amerikaner keine Verluste, während des Rückflugs wurden drei Fliegende Festungen abgeschossen.

Weitere Luftangriffe 1945 Am 11. Februar forderte ein nächtlicher Bombeneinschlag 6 Todesopfer.

Beim Bombenangriff am 23. Februar 1945 im Rahmen der Operation Clarion kamen besonders Am Horn östlich des Parks an der Ilm und am Lindenberg, an der Jenaer Straße und der Webichtallee 32 Einwohner ums Leben. Es gab viele Verschüttete und Verwundete. Die 2nd Air Division der 8th Air Force hatte ab 11.46 Uhr mit 57 B-24 „Liberator“ Bombern und starker Jäger-Eskorte aus 5.800 Metern Höhe die Bahnanlagen und Rüstungsindustrie als „Primärziel“. 136 Tonnen Bomben wurden abgeworfen (543 Stück 500-Pfund-Sprengbomben und 8 Stück 100-Pfund-Brandbomben). Das Gustloff-Werk I. wurde verfehlt, Gleisanlagen getroffen. An diesem Tag gab es 7 mal Luftalarm.

Am 25. Februar erfolgten weitere Bombenangriffe, ohne größere Schäden.