Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der schwedischen Fußballnationalmannschaft der Frauen bei Weltmeisterschaften. Schweden konnte sich für alle WM-Endrunden der Frauen qualifizieren, war Gastgeber der zweiten Weltmeisterschaft und belegt in der ewigen Tabelle Platz 3. Die Schwedinnen haben als einzige Mannschaft ein WM-Finale durch ein Golden Goal verloren. Der schwedische Verband ist der erste Verband, dessen Frauen- und Männernationalmannschaft Vizeweltmeister wurde, ohne dass eine von ihnen Weltmeister werden konnte.Brasiliens Männernationalmannschaft wurde sowohl Weltmeister als auch Vizeweltmeister, die brasilianischen Frauen nur Vizeweltmeister. Die Männer und Frauen des Deutschen Fußball-Bundes wurden sowohl Weltmeister als auch Vizeweltmeister. Mittlerweile ist auch der niederländische Verband bei Männern (1974, 1978 und 2010) und Frauen (2019) Vizeweltmeister geworden.

Die Nationalmannschaft bei Weltmeisterschaften Übersicht Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … Gegner ErgebnisDie Platzierungen ab Platz 5 wurden von der FIFA festgelegt, ohne dass es dafür Platzierungsspiele gab, siehe , S. 159. Trainer Bemerkungen und Besonderheiten 1991 Volksrepublik China Spiel um Platz 3Deutschland 3. Gunilla Paijkull 1995 Schweden Viertelfinale China5. Bengt Simonson Erstes Land, das sowohl eine WM der Männer als auch der Frauen ausgerichtet hat, Aus im Viertelfinale im ersten Elfmeterschießen bei einer WM der Frauen 1999 USA Viertelfinale Norwegen 6. Marika Domanski LyforsViertelfinalaus gegen den Titelverteidiger 2003 USA Finale Deutschland Vizeweltmeister Marika Domanski Lyfors Niederlage durch Golden Goal 2007 Volksrepublik China Vorrunde USA, Nigeria, Nordkorea11. Thomas Dennerby 2011 Deutschland Spiel um Platz 3 Frankreich3. Thomas Dennerby Aus im Halbfinale gegen den späteren Weltmeister 2015 Kanada Achtelfinale Deutschland16. Pia SundhageIn der Gruppenphase traf die Mannschaft auf die USA, Nigeria und Australien und wurde mit drei Remis Dritter. 2019 Frankreich Spiel um Platz 3 England Dritter Peter Gerhardsson In der Qualifikation traf die Mannschaft auf Dänemark, die Ukraine, Ungarn und Kroatien und qualifizierte sich als Gruppensieger. In Frankreich waren Chile, Thailand und die USA die Gruppengegner. 2023 Australien/Neuseeland Spiel um Platz 3 Australien Dritter Peter Gerhardsson In der Qualifikation trafen die Schwedinnen auf Finnland, Irland, die Slowakei und Georgien. Als erste europäische Mannschaft nach sieben von acht Spielen qualifiziert.

Statistik (Angaben inkl. 2023: Neun Weltmeisterschaften)

nicht teilgenommen: nie (0 %) ohne Qualifikation qualifiziert (als Gastgeber): einmal (11,1 %) sportlich qualifiziert: achtmal (88,9 % bzw. 100 % der notwendigen Versuche) Vorrunde: einmal (11,1 %; 2007) Achtelfinale: einmal (11,1 %, 2015) Viertelfinale: zweimal (22,2 %; 1995 und 1999) Dritter: viermal (44,4 %; 1991, 2011, 2019 und 2023) Vizeweltmeister: einmal (11,1 %; 2003)

Die Turniere WM 1991 in der Volksrepublik China Für die erste WM der Frauen qualifizierten sich die Schwedinnen als bester Viertelfinal-Verlierer der EM-Qualifikation für die Europameisterschaft 1991. Dafür hatten sie sich zunächst in der Gruppenphase mit vier Siegen gegen Frankreich und Polen durchgesetzt. Im Viertelfinale gegen Italien erreichten sie im Heimspiel nur ein 1:1. Aufgrund des 0:0 im Rückspiel war Italien aber durch die Auswärtstorregel für die EM-Endrunde qualifiziert. Da die anderen im Viertelfinale ausgeschiedenen Mannschaften kein Spiel gewannen und alle mindestens eins verloren, war Schweden als fünfte europäische Mannschaft für die WM qualifiziert.

In der Volksrepublik China wurde Schweden in die Gruppe mit Südamerikameister Brasilien, Mittel- und Nordamerikameister USA und Japan gelost. Am 17. November 1991 bestritten sie in Panyu ihr erstes WM-Spiel und verloren gegen die USA mit 2:3. Dabei erzielte Lena Videkull mit dem 1:3 das erste WM-Tor für die Schwedinnen.Schweden - USA 2:3 (0:1) Im zweiten Spiel folgte dann ein 8:0 gegen Japan, wobei Videkull bereits nach 30 Sekunden das 1:0 und damit das schnellste Tor bei einer WM der Frauen gelang. Mit einem 2:0 gegen Brasilien im letzten Gruppenspiel wurde Schweden Gruppenzweiter und traf im Viertelfinale auf die Mannschaft von Gastgeber und Asienmeister Volksrepublik China. Bereits in der 3. Spielminute gelang Pia Sundhage das 1:0, wobei es bis zum Ende blieb. Im Halbfinale war dann Vizeeuropameister Norwegen der Gegner. Zwar ging Schweden wieder früh, diesmal in der sechsten Spielminute in Führung, musste aber kurz vor der Halbzeitpause den Ausgleich durch einen verwandelten Strafstoß hinnehmen und in der zweiten Halbzeit der Überlegenheit der Norwegerinnen Tribut zollen, die durch drei weitere Tore ins Finale einzogen. Im Spiel um Platz 3 war dann erstmals Europameister Deutschland der Gegner und mit dem 4:0 sicherten sich die Schwedinnen Platz 3.

WM 1995 in Schweden Vier Jahre später mussten sich die Schwedinnen als WM-Ausrichter nicht qualifizieren, womit Schweden das erste Land war, das sowohl die WM der Männer (1958) als auch der Frauen ausrichtete. Dennoch nahmen sie an der Qualifikation teil, da diese gleichzeitig als Qualifikation für die EM 1995 diente. Mit vier Siegen gegen die Slowakei und Lettland gelang der Sprung ins Viertelfinale. In diesem wurde Dänemark nach einer 0:2-Auswärtsniederlage im Heimspiel mit 3:0 besiegt. Damit wären sie auch sportlich für die WM qualifiziert gewesen. Auch im Halbfinale verloren sie zunächst das Auswärtsspiel gegen Norwegen mit 3:4, gewannen aber das Heimspiel mit 4:1. Im Finale in Deutschland gegen den Titelverteidiger verloren sie mit 2:3.

Bei der WM im eigenen Land wurden ihnen von Tomas Brolin und Kristin Bengtsson (Spieler des Jahres bzw. Spielerin des Jahres 1994 in Schweden) wie vier Jahre zuvor Brasilien und Japan zugelost, ferner EM-Finalgegner Deutschland. Nach einer 0:1-Auftaktniederlage gegen Brasilien konnten sie sich mit 3:2 gegen Deutschland für die EM-Finalniederlage revanchieren. Mit einem 2:0 gegen Japan wurden sie punktgleich mit Deutschland Gruppenzweite, da sie die schlechtere Tordifferenz hatten. Im Viertelfinale gegen Asienmeister China gerieten sie in der 29. Minute mit 0:1 in Rückstand und dabei blieb es bis zur 90. Minute. In der dritten Minute der Nachspielzeit gelang dann Ulrika Kalte noch der Ausgleich. Da in der anschließenden Verlängerung keine Mannschaft ein Tor erzielen konnte, gab es das erste Elfmeterschießen bei einer WM der Frauen. Hier hatten die Chinesinnen die etwas besseren Torschützinnen und kamen durch ein 4:3 ins Halbfinale.Schweden - China VR 1:1 n. V. (1:1, 0:1) 3:4 i. E. China verlor dann im Halbfinale gegen Deutschland und auch das kleine Finale gegen die USA. Die Schwedinnen, die mit dem Fairplay-Preis ausgezeichnet wurden, mussten zusehen wie der Nachbar Norwegen gegen Deutschland das Finale gewann und als erste europäische Mannschaft Weltmeister der Frauen wurde. Mit dem Einzug ins Viertelfinale hatte sich Schweden aber für das erste Fußballturnier der Frauen bei den Olympischen Spielen 1996 qualifiziert, an dem nur die acht besten Mannschaften der WM teilnehmen konnten.Weil allerdings England als siebtbeste Mannschaft bei den Olympischen Spielen nicht startberechtigt war, konnte Brasilien als neuntbeste Mannschaft auch teilnehmen.

WM 1999 in den USA Für die dritte Weltmeisterschaft setzte die UEFA dann auch erstmals und bis heute einziger Kontinentalverband separate Qualifikationsspiele an. In der Qualifikation traf Schweden auf die Ukraine, Island und Spanien. Mit sechs Siegen in sechs Spielen belegte Schweden mit neun Punkten Vorsprung vor der Ukraine den ersten Platz und qualifizierte sich direkt für die WM. Die Ukraine verlor dann in den Playoffs der Gruppenzweiten gegen Deutschland, das sich damit ebenfalls qualifizierte.

In den USA verloren die Schwedinnen das Auftaktspiel gegen Asienmeister China mit 1:2, mit einem 3:1 gegen Ozeanienmeister Australien und einem 2:0 gegen WM-Neuling Ghana wurde aber noch Platz 2 belegt. Im Viertelfinale trafen sie auf den Nachbarn und Titelverteidiger Norwegen. Nach einer torlosen ersten Halbzeit verloren sie mit 1:3, womit die WM wieder im Viertelfinale zu Ende war. Damit war Schweden aber für das Fußballturnier der Frauen bei den Olympischen Spielen 2000 qualifiziert, an dem neben Gastgeber Australien nur die sieben besten Mannschaften der WM teilnehmen konnten.

WM 2003 in den USA mini|Szene aus dem Finale gegen Deutschland Eigentlich sollte die WM 2003 wieder in der Volksrepublik China stattfinden. Wegen der SARS-Epidemie wurde das Turnier kurzfristig in die USA verlegt. Damit fand die Weltmeisterschaft zum zweiten Mal in den USA statt. In der Qualifikation traf Schweden auf Dänemark, die Schweiz und den Nachbarn Finnland. Mit fünf Siegen und einer Niederlage qualifizierte sich Schweden als Gruppensieger für die WM. Den zweitplatzierten und punktgleichen Däninnen gelang es in den Playoffs der Gruppenzweiten nicht sich für die WM zu qualifizieren. Nach einem 0:2 in Frankreich war das 1:1 im Heimspiel zu wenig.

In den USA trafen sie im ersten Gruppenspiel auf den Gastgeber USA und verloren mit 1:3. Gegen Asienmeister Nordkorea folgte dann ein 1:0-Sieg und mit einem 3:0 gegen Afrikameister Nigeria wurde als Gruppenzweiter noch das Viertelfinale erreicht. Hier war Brasilien der Gegner und nach einem 2:1 wurde das Halbfinale erreicht. In diesem gewannen sie gegen Kanada ebenfalls mit 2:1 und erreichten zum ersten Mal das Finale. Hier war Deutschland der Gegner, der im Halbfinale den Gastgeber und Titelverteidiger ausgeschaltet hatte. Nachdem die ersten 40 Minuten torlos geblieben waren, erzielte Hanna Ljungberg in der 42. Minute das 1:0 für die Schwedinnen, womit es in die Pause ging. Unmittelbar nach Wiederanstoß zur 2. Halbzeit gelang Maren Meinert der Ausgleich. Dabei blieb es bis zum Ende der regulären Spielzeit, so dass es wie vier Jahre zuvor eine Verlängerung gab. In dieser gelang dann Nia Künzer das einzige Golden Goal in einem WM-Spiel der Frauen, womit die deutschen Frauen erstmals Weltmeister wurden und Deutschland damit erster Weltmeister bei Männern und Frauen. Für Schweden ist der zweite Platz die bis heute beste Platzierung und damit war Schweden auch für das Fußballturnier der Frauen bei den Olympischen Spielen 2004 qualifiziert, an dem neben Gastgeber Griechenland nur die beiden besten europäischen Mannschaften der WM teilnehmen konnten.

WM 2007 in der Volksrepublik China Vier Jahre später fand dann die WM doch zum zweiten Mal in der Volksrepublik China statt. In der Qualifikation traf Schweden auf Tschechien, Island, Belarus und Portugal. Mit sieben Siegen und einem Remis setzten sich die Schwedinnen souverän durch.

Bei der Endrunde trafen sie wie vier Jahre zuvor auf Mittel- und Nordamerikameister USA, Afrikameister Nigeria und Nordkorea. Im Auftaktspiel gegen Nigeria reichte es nur zu einem 1:1. Im zweiten Spiel gegen die USA verloren sie mit 0:2. Damit mussten sie im letzten Spiel gegen Nordkorea mit drei Toren Unterschied gewinnen, um das Viertelfinale zu erreichen. Es gelang aber nur ein 2:1-Sieg, womit Schweden erstmals in der Vorrunde ausschied. Mit dem Vorrundenaus verpasste Schweden auch die direkte für das Fußballturnier der Frauen bei den Olympischen Spielen 2008 qualifizieren, an dem nur die drei besten europäischen Mannschaften der WM teilnehmen konnten. Da England als drittbeste europäische Mannschaft aber nicht startberechtigt war, durften Schweden und Dänemark um diesen Platz spielen. Schweden setzte sich dabei mit 4:2 und 3:1 durch und konnte dann doch teilnehmen.

WM 2011 in Deutschland mini|Sofia Jakobsson, Josefine Öqvist und Madelaine Edlund nach dem Sieg im Spiel um Platz 3