mini|Andrij Melnyk (2022) Andrij Jaroslawowytsch Melnyk (; * 7. September 1975 in Lwiw, Ukrainische SSR, Sowjetunion) ist ein ukrainischer Jurist, Politiker und Diplomat. Zwischen 2007 und 2010 war er als Generalkonsul der Ukraine in Hamburg tätig.Kurzbiographie Melnyk in „Offizielle Ukraine heute“, abgerufen am 25. Januar 2015. Von 2014 bis 2022 war er Botschafter der Ukraine in Deutschland. Von November 2022 bis Juni 2023 war er Vize-Außenminister der Ukraine.https://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-ukraine-freitag-201.html Von Juni 2023 bis Mai 2025 war er ukrainischer Botschafter in Brasilien. Seit Mai 2025 ist er Ständiger Vertreter der Ukraine bei den Vereinten Nationen.

Werdegang Melnyk studierte von 1992 bis 1997 an der Fakultät für internationale Beziehungen der Nationalen Iwan-Franko-Universität Lwiw mit den Schwerpunkten Völkerrecht und deutsche Sprache und schloss als Magister ab. Im Jahr 1998 schloss er ein Master-of-Laws-Studium in internationalen Menschenrechtsnormen am Raoul Wallenberg Institute of Human Rights der schwedischen Universität Lund ab und durchlief Ende desselben Jahres das Harvard Ukrainian Security Program der Harvard Kennedy School. Er promovierte 2004 am Korezkyj-Institut für Staat und Recht der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine zum Doktor der Rechtswissenschaften. Melnyk spricht Ukrainisch, Russisch, Deutsch und Englisch.S.E. Dr. Andrij Melnyk, LL.M. Website der Botschaft der Ukraine in der Bundesrepublik Deutschland, abgerufen am 12. Juli 2022 (Archiv).

Melnyk trat 1997 in den diplomatischen Dienst der Ukraine ein. Von 1999 bis 2003 war er zunächst zweiter, dann erster Botschaftssekretär der Botschaft der Ukraine in Österreich. Anschließend war er als völkerrechtlicher Berater in der Abteilung für Außenpolitik des ukrainischen Präsidialamts tätig. Von 2005 bis 2007 hatte er unter Präsident Wiktor Juschtschenko den Posten des stellvertretenden Leiters der Abteilung für bilaterale und regionale Zusammenarbeit im Präsidialamt inne. Vom 5. April 2007 bis 2010 war er Generalkonsul der Ukraine in Hamburg. Danach war er von 2010 bis 2014 Direktor der Europaabteilung des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten der Ukraine.

Vom 25. März 2014 bis Dezember 2014 war er stellvertretender Minister des Ministerkabinetts der Ukraine und dort für die europäische Integration der Ukraine zuständig.Botschafter in Deutschland wurde Andrij Melnyk, in eurointegration.com.ua vom 19. Dezember 2015; abgerufen am 25. Januar 2015.Livia Gerster: Der ungewöhnlichste Botschafter aller Zeiten In: FAS, 27. März 2022, abgerufen am 28. März 2022.

Im Dezember 2014 trat er das Amt des Botschafters der Ukraine in Deutschland an; am 12. Januar 2015 wurde er als solcher von Bundespräsident Joachim Gauck akkreditiert. Zum 14. Oktober 2022 wurde er als Botschafter abberufen. Nachfolger in Berlin wurde Oleksij Makejew. Am 18. November 2022 wurde er zu einem der Stellvertreter des Außenministers Dmytro Kuleba ernannt.

Am 20. Juni 2023 wurde Melnyk von Präsident Wolodymyr Selenskyj zum ukrainischen Botschafter in Brasilien ernannt. Im Mai 2024 sagte er dem Spiegel über seinen Posten, er fühle sich manchmal „wie auf einem Abstellgleis im Abseits“. Zudem erklärte er über seine Arbeit, dass „90 Prozent [s]einer Treffen zunächst gar nichts [bringen]. Viele Gespräche [seien], als wären die Ohren auf Durchzug gestellt.“

Am 29. Mai 2025 wurde Melnyik Ständiger Vertreter der Ukraine bei den Vereinten Nationen.

Andrij Melnyk ist mit Switlana Melnyk verheiratet. Sie haben einen erwachsenen Sohn und eine Tochter.https://www.welt.de/vermischtes/prominente/article241495985/Grosse-Herausforderung-Melnyks-Familie-bleibt-vorerst-in-Deutschland.html

Stellungnahmen Haltung zu Stepan Bandera Melnyk verehrt den ukrainischen Partisanenführer gegen die Sowjetherrschaft und NS-Kollaborateur Stepan Bandera.Martin Sander: Der Bandera-Kult. Die problematische Seite des ukrainischen Nationalismus. Deutschlandfunk Kultur, 13. April 2022.Kiew distanziert sich von Melnyk-Äußerungen In: tagesschau.de vom 1. Juli 2022 Direkt nach seinem Amtsantritt als Botschafter in Deutschland besuchte er am 27. April 2015 das Grab Banderas in München und legte dort Blumen nieder. Danach twitterte er, Bandera sei „unser Held“. Der Staatsminister im Auswärtigen Amt Michael Roth (SPD) teilte dazu im Mai 2015 mit, dass Melnyk die Position der Bundesregierung dazu hinlänglich bekannt sei. Die Bundesregierung verurteile die von der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) teilweise unter Leitung Banderas begangenen Verbrechen an polnischen, jüdischen und ukrainischen Zivilisten und Amtsträgern. Dabei sei sie sich bewusst, dass ein erheblicher Anteil an diesen Verbrechen in Kollaboration mit deutschen Besatzungstruppen begangen worden sei.

Erneut erhebliche Kritik zog Melnyk anlässlich eines Videointerviews mit dem Journalisten Tilo Jung auf Jung & Naiv am 29. Juni 2022 auf sich, in dem er äußerte, dass es keinerlei Beweise für den Massenmord an Juden und Polen durch Anhänger Banderas gebe. Selbst den Vorwurf der Zusammenarbeit Banderas mit den Nazis ließ er nicht gelten. Melnyk erklärte weiter, die Figur Banderas sei gezielt von der Sowjetunion dämonisiert worden, und er warf deutschen, polnischen und israelischen Historikern vor, dabei mitgespielt zu haben. Eine Verwandtschaft mit dem zeitweise mit Bandera vernetzten gleichnamigen Offizier Andrij Melnyk (1890–1964) bestehe nicht. Das ukrainische Außenministerium, dem Melnyk unterstellt ist, distanzierte sich von seinen Aussagen über Bandera und bezeichnete sie als Melnyks persönliche Meinung, die nicht die offizielle Position des Ministeriums wiedergebe. Zur Distanzierung des Außenministeriums schwieg Melnyk. Polens Vizeaußenminister Marcin Przydacz rügte Melnyks Äußerungen: „So eine Auffassung und solche Worte sind absolut inakzeptabel.“ Die israelische Botschaft warf Melnyk „Verharmlosung des Holocausts“ vor, seine Darlegungen untergrüben zudem „den mutigen Kampf des ukrainischen Volkes, nach demokratischen Werten und in Frieden zu leben“.Aussagen über Stepan Bandera - Israelische Botschaft wirft Melnyk »Verharmlosung des Holocausts« vor, Der Spiegel, 1. Juli 2022.

Am 9. Juli 2022, zehn Tage nach dem Interview mit Tilo Jung, wurde Melnyk in der Folge um die Diskussion seiner Äußerungen von seinem Posten als Botschafter der Ukraine in Deutschland zum 14. Oktober 2022 abberufen, ebenso die ukrainischen Botschafter in Norwegen, Tschechien, Ungarn und Indien. auf der offiziellen Seite des Präsidenten der Ukraine In einem Interview mit dem Deutschlandfunk Anfang August 2022 sagte Melnyk, das Interview und insbesondere die Rechtfertigung bezüglich Bandera seien ein Fehler gewesen und er bedauere, wenn sich durch seine Äußerungen Menschen in Deutschland, Polen, Israel und anderswo verletzt fühlten.

Bewertung des Holodomor Im November 2020 forderte Melnyk anlässlich des Andenkens an die Opfer am 87. Jahrestag des Holodomor in der Ukraine 1932–1933, dass der Deutsche Bundestag diesen laut Melnyk von Stalin herbeigeführten Hungertod mehrerer Millionen Menschen, den Melnyk als „das größte Massenverbrechen der Stalin-Terrorherrschaft“ beschrieb, als Völkermord am ukrainischen Volk anerkennt.

Äußerung zu Kay-Achim Schönbach Nach der Affäre im Januar 2022 um Kay-Achim Schönbach im Russland-Ukraine-Konflikt verglich Melnyk dessen Haltung indirekt mit dem Nationalsozialismus („Die Ukrainer fühlten sich bei dieser herablassenden Attitüde unbewusst auch an die Schrecken der Nazi-Besatzung erinnert, als die Ukrainer als Untermenschen behandelt wurden.“) und warf dem Vizeadmiral „deutsche Arroganz und Größenwahn“ vor. Die „internationale Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit Deutschlands“ stünden „massiv infrage“. Zugleich erneuerte er die Forderungen nach Waffenlieferungen Deutschlands an die Ukraine. Die Lieferung von Schutzausrüstung bezeichnete Melnyk als „Tropfen auf dem heißen Stein“. Dieser Sichtweise widersprach der frühere CDU-Politiker Friedbert Pflüger in einem offenen Brief an Melnyk.Keine Brandbeschleunigung im Ukraine-Konflikt!, Offener Brief von F. Pflüger an Andrij Melnyk, 27. Januar 2022.

Kritik an Deutschland während des russischen Überfalls auf die Ukraine Nachdem Wladimir Putin Ende Februar 2022 mit dem Überfall auf die Ukraine den Konflikt eskaliert hatte, kritisierte Melnyk die deutsche Bundesregierung erneut. In einer Twitter-Nachricht an die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Bundestages, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), schrieb Melnyk, dass die Bundesregierung das „Morden von Hunderttausenden einfach in Kauf“ nehme. Strack-Zimmermann äußerte Verständnis für die großen Sorgen der Ukraine, nannte das Verhalten von Melnyk aber „befremdlich“ und „maßlos“.