mini|hochkant=1.2|St. Gallus und Otmar von Westen mini|hochkant=1.2|St. Gallus und Otmar von Süden mit Treppenaufgang St. Gallus und Otmar ist die römisch-katholische Pfarrkirche von Ebringen, einem Breisgau-Ort südwestlich von Freiburg im Breisgau am Westabhang des Schönbergs.

Die Pfarrgemeinde gehört zur Seelsorgeeinheit Batzenberg-Schönberg des Erzbistums Freiburg. Die beiden Kirchenpatrone sind der heilige Gallus, der um 612 am Ufer des Flüsschens Steinach eine Einsiedelei errichtete, und der heilige Otmar, der etwa hundert Jahre später die Einsiedelei zu einem Benediktinerkloster ausbaute, das er nach Gallus benannte. Besonders der Ebringer Pfarrer und Kunsthistoriker Manfred Hermann hat Geschichte und Gestalt der Kirche erforscht.

Geschichte Schon bei der ersten Nennung als „Eberingen“, zwischen 716 und 720, zur Zeit der Regierung des Merowingerkönigs Chilperichs II., wird eine Schenkung an das Kloster St. Gallen erwähnt. Mit der Zeit wurde der St. Galler Besitz in Ebringen so umfangreich, dass das Kloster den Ort zum Verwaltungssitz seiner Breisgauer Güter machte. Allerdings weilten die St. Galler Pröpste immer nur vorübergehend hier. Direkter war der Einfluss ihrer Vögte. 1349 gab St. Gallen Ebringen den Herren von Hornberg zu Lehen, die auf der Schneeburg oberhalb des Ortes saßen. Mehrere Adelsgeschlechter mit vielfältig, auch mit dem eigenen Lehnsherren St. Gallen, konkurrierenden Herrschaftsansprüchen lösten sich im Lauf der Jahrhunderte ab.Schott und Weeger, S. 105. Einige ihrer Grabsteine sind an und in der Pfarrkirche erhalten. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts war die Schneeburg verfallen, und die Ortsherrschaft residierte in einem Herrenhaus im Dorf.Die Angabe, die Burg sei in den deutschen Bauernkriegen von den Bauern zerstört worden, ist mangels jeden Hinweises in der relativ dichten St. Gallen-Ebringer Überlieferung unwahrscheinlich. Persönliche Mitteilung des Ebringer Archivars Edmund Weeger, Koautors der Ortsgeschichte (siehe Literatur), an Benutzer:Coranton.

Nicht das ganze heutige Ebringen gehörte im Mittelalter kirchlich zu St. Gallus und Otmar. Der östlich und bergauf, Richtung Wittnau gelegene Ortsteil Berghausen bildete eine eigene, dem Kloster St. Trudpert unterstehende Pfarrei, die 1536 durch den Bischof von Konstanz in St. Gallus und Otmar inkorporiert wurde. Nur die „Berghauser Kapelle“ ist von Berghausen geblieben.Berghausen bei leo-bw.de. Abgerufen am 25. Januar 2015. Die bergab gelegenen Höfe gehörten zur westlich benachbarten Pfarrei Wolfenweiler. Erst als dort 1556 die Reformation eingeführt wurde, kam dieser Teil zur Pfarrei Ebringen.

1621 kaufte St. Gallen „die Herrschaft Ebringen mit allen Pertinenzen“ von Hans Dietrich von Hohenlandenberg für 68.000 Gulden zurück.. Abgerufen am 25. Januar 2015. Im Herrenhaus residierten nun der Propst und zwei weitere St. Galler Patres; ein vierter wohnte im Pfarrhaus. Der Ort einschließlich seiner Pfarrkirche und der Berghauser Kirche litt furchtbar im Dreißigjährigen Krieg, dem Holländischen Krieg und den Kriegen des 18. Jahrhunderts. Um 1713 errichtete der St. Galler Statthalter Lukas Graß an der Stelle des alten ein neues Herrenhaus, das Ebringer „Schloss“, heute Rathaus. Der bedeutendste St. Galler Benediktiner des 18. Jahrhunderts in Ebringen war Ildefons von Arx, der eine Geschichte der Ebringer Pfarrei schrieb (siehe Literatur). Im Zuge der Säkularisation endete schließlich die geistliche Herrschaft. 1805 hob der Kanton St. Gallen das Kloster auf, und 1809 gelangte Ebringen an das Großherzogtum Baden.

Baugeschichte mini|links|St. Gallus und Otmar 1874 mini|Die „Berghauser Kapelle“ 1873 Über die Kirche zu Beginn der St. Galler Zeit ist nichts bekannt. Die ältesten Teile, das Langhaus ohne seine Erweiterungen, das Westportal, die Turmuntergeschosse und – jünger, um 1510 – der Chor sind spätgotisch. Ildefons von Arx meint, sie seien, „so viel man aus der Bauart abnehmen kann, unter den Edeln von Hornberg […] erbaut worden“,Ildefons von Arx S. 85. das wäre zwischen 1349 und 1458. Im Jahr 1556, als die Kirche „durch den doppelten Zuwachs der Berghausisch- und Wolfenweilischen Pfarrkinder zu klein“ geworden war, wurde das Langhaus unter Versetzung des Westportals nach Westen verlängert. 1670 wurde eine Sakristei angebaut. Unter Lukas Graß, dem Erbauer des „Schlosses“, fand 1721 eine durchgreifende Erneuerung statt. Die gotischen Fenstergewände im Langhaus wurden herausgebrochen, und der Stuckateur Franz Joseph Vogel zog eine Gipsdecke ein. 1787 wurde das Langhaus zusätzlich verbreitert, indem an die drei westlichen Joche Seitenschiffe angefügt wurden. Diese Arbeiten leistete der Baumeister und Stuckateur Johann Joseph Meisburger. Ende des 19. Jahrhunderts vermittelte Pfarrer Wilhelm Seilnacht (1830–1887)Theodor Kurrus: Priester aus Endingen am Kaiserstuhl. In: Bernhard Oeschger (Hrsg.): Endingen am Kaiserstuhl. Die Geschichte der Stadt. Endingen 1988, S. 377–393, hier S. 392. „im Hochgefühl des deutschen Kaiserreiches den Ebringern die Idee […], den Turm mit seinen fünf Geschossen um ein weiteres zu erhöhen. Trotz Geldmangels ließ die Pfarrgemeinde nicht locker.“Hermann 1987, S. 10. 1892 wurden die gotischen Giebel und das alte Satteldach entfernt, und auf die alte Glockenstube wurde eine neue mit hohem Spitzhelm aufgesetzt. Außenrenovierungen erfolgten 1934 und 1976, eine Innenrenovierung erfolgte 1980 bis 1982. Dabei wurden in die Seitenschiffe von 1787 Emporen eingebaut.

Gebäude Im Süden führt eine Treppe von der Straße zum ummauerten Kirchplatz hoch, auf dem bis zum 19. Jahrhundert der Friedhof lag. Die Kirche ist ein Saal von fünf Jochen, von denen die drei westlichen durch Meisburgers Seitenschiffe verbreitert sind. Im Westen tritt das Langhaus gegenüber den Seitenschiffen vor. Seine Fassade enthält unter einem schützenden Vorbau das spitzbogige gotische Portal, darüber zwei Ochsenaugenfenster. Im Norden führt ein weiteres Portal in die Kirche. Südlich ist an die beiden östlichen Langhausjoche der 48 m hohe Turm angebaut. Sein viertes, noch gotisches Geschoss enthält jederseits zwei maßwerkgefüllte Spitzbogenfenster. Über seinem abschließenden Gesims steigen die Dreiecksgiebel von 1892 empor, von Kreuzblumen gekrönt, mit Wasserspeiern an den Ecken und mit je drei schmalen Schallöffnungen. Langhaus und Chor werden durch stichbogige Fenster erhellt. Im Innern tragen an der Stelle des Seitenschiffanbaus zwei mächtige korbbogige Scheidbögen die Hochschiffwand. Die Seitenschiffemporen von 1980 bis 1982 und die Orgelempore werden durch eine Balustrade zu einheitlicher Wirkung verbunden. In den eingezogenen, polygonal geschlossenen, von einem Netzgewölbe überspannten Chor leitet ein ebenfalls korbbogiger Triumphbogen, den Meisburger an die Stelle eines spitzbogigen setzte.

Ausstattung

Neben der Treppe zum Kirchplatz stehen über barock geschwungenen Sockeln auf Weltkugeln links eine Maria immaculata mit einem Sternenkranz, rechts der heilige Josef mit einer Lilie in der Hand, Rokoko-Statuen von 1768, die dem Wentzinger-Schüler Fidelis Sporer zugeschrieben werden.Kopien, die Originale im Augustinermuseum Freiburg; zu den Kopien auf den Seitenaltären siehe unten. „Gegenüber dem stilleren, mehr klassischen Lehrmeister ist Sporer ein größeres Pathos eigen, das sich in dem hingebungsvoll nach oben gewandten Antlitz der hl. Jungfrau äußert und in dem nervösen Faltenspiel im Gewand des hl. Josef.“ Auf dem ehemaligen Friedhof sind zwei Kreuze erhalten, auf der Nordseite von 1682, auf der Südseite von 1784, letzteres von Franz Anton Xaver Hauser (1739–1819). mini|links|Blick zum Chor mini|Blick zum Westeingang Die Tür im Westportal, 1761 angefertigt, ist mit Maria- und Christus-Symbolen in Rokoko-Rankenwerk verziert. Darüber wurde bei der Verlängerung von 1556 eine von Strahlen umgebene Madonna mit dem Kind gemalt, heute verwittert und stark überarbeitet. In die Tür des Seitenportals im Norden, im Sturz 1787 datiert, ist ein Bild der damaligen Kirche geschnitzt, vor Erweiterung durch die Seitenschiffe, wahrscheinlich ebenfalls von Franz Anton Xaver Hauser.Hermann 1987, S. 19.

Das Innere des Langhauses ist in warmem Ocker gehalten. Die Gemälde der Stuckdecke stammen von Johann Caspar Brenzinger. In einem Vierpass in der Deckenmitte ist die Aufnahme Marias in den Himmel dargestellt. Darum sind vier weitere Szenen aus dem Marienleben angeordnet. Ein Oval chorwärts zeigt das Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern, wobei dem Maler „prächtige Charakterköpfe gelungen sind“. Ein Oval im Westen blieb unausgeführt bis auf die umlaufende Schrift „S. OTHMARIUS PATRIMONIUM SUUM EBRINGAM OFFERT S. GALLO – 1721“ „Der heilige Otmar übergibt sein Ebringer Vermögen dem heiligen Gallus – 1721.“Hermann 1987, S. 15. In Rundbildern zwischen dem Vierpass und den großen Ovalen erscheinen Gallus und Benedikt von Nursia, in kleinen Ovalen in den Ecken die vier Evangelisten.

Das Netzgewölbe im Chor ist mit Pflanzenornamenten geschmückt. In die Schlusssteine sind Maria mit ihrem Kind, Johannes der Evangelist und zwei Benediktinerheilige gemeißelt.

Altäre Zur Zeit der Errichtung des heutigen Chores stand dort vermutlich – nach einer von ihm stammenden, im Augustinermuseum Freiburg erhaltenen Heiligenfigur – ein Schnitzaltar des Sixt von Staufen.Hermann 1987, S. 14. Nach Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg folgte „ein sehr primitiver hölzerner Hochaltar. Derselbe wurde im Jahre 1784 entfernt und der jetzige in Marmorimitation ausgeführt, mit einem Kostenaufwand von über 1600 fl., ein sehr hoher Preis, wenn man bedenkt, daß der eigentliche Stock und Stein des Altars schon vorhanden war.“Oechsler 1902, S. 222. Dieser heutige Hochaltar ist nach Manfred Hermann zusammen mit dem Hochaltar von St. Trudpert der letzte bedeutende Altarbau des 18. Jahrhunderts im Breisgau. Die Stuckarbeiten, das feurige Fleischrot von Säulen, Pilastern und Gebälk, das Gold der Kapitelle, das helle Blau des Bildrahmens, fertigte Meisburger. Golden strahlt auch das Weihnachts-Reliefbild. Mit ihm habe Joseph Hörr, der eigentliche Vertreter des Klassizismus unter den Breisgauer Bildhauern, den letzten Höhepunkt seines Schaffens erreicht. Im heiligen Josef, links, habe er sich selbst an die Krippe treten lassen. Von der anderen Seite nahe „der ‚Ebringer Hirtenbub‘, demütig niederkniend, um dem neugeborenen Erlöser einen Apfel als persönliches Geschenk zu überreichen.“Hermann 1987, S. 16. Über Durchgängen zu Seiten des Altars stehen links der heilige Gallus mit dem Bären, rechts der heilige Otmar mit dem Weinfass seiner Legende. Auf dem Gebälk über den Hauptsäulen sitzen links Petrus mit seinem Himmelsschlüssel, rechts der Evangelist Johannes mit seinem Giftbecher. Zuoberst unter dem Netzgewölbe balancieren zwei Putten. Vier weitere Putten, über dem Weihnachtsrelief und ganz außen auf dem Gebälk, stammen aus anderem Zusammenhang und sind vielleicht von Fidelis Sporer. „Gegenüber den beschwingten Rokoko-Altären auf der Seite ist jener im Chor ein typisches Kind des strengen und kühlen Klassizismus, der von Frankreich her mit seinem Ideal ‚der schlichten Einfalt und stillen Größe‘ Einzug hielt. Alle Schnörkel vermeidend, ist er in den strengen Linien von Waagerechten und Senkrechten aufgebaut.“