Goch ist eine mittlere kreisangehörige Stadt des Kreises Kleve im Regierungsbezirk Düsseldorf. Sie liegt am unteren linken Niederrhein im Nordwesten des Landes Nordrhein-Westfalen und ist Mitglied der Euregio Rhein-Waal.

Geographie

Stadtgebiet Die Stadt Goch hat eine Gesamtfläche von 115 km2 und liegt ca. auf etwa 6 Grad 10 Minuten östlicher Länge und 51 Grad 41 Minuten nördlicher Breite.

Durch die Stadt fließt die Niers, die im niederländischen Gennep in die Maas mündet. Goch ist Mitglied im Niersverband.

Goch zählt rund 35.374 Einwohner (30. Juni 2016), die sich wie folgt auf die acht Ortsteile verteilen:

Goch (Kernstadt) (20.543 Einwohner) Asperden (2.340 Einwohner) Hassum (1.142 Einwohner) Hommersum (502 Einwohner) Hülm (715 Einwohner) Kessel (2.134 Einwohner) Nierswalde (1.039 Einwohner) Pfalzdorf (6.959 Einwohner).

Nachbargemeinden Die Stadt Goch grenzt im Norden an die Stadt Kleve und die Gemeinden Kranenburg und Bedburg-Hau, im Osten an die Gemeinde Uedem, im Süden an die Gemeinde Weeze sowie im Westen an die Gemeinden Bergen und Gennep (beide Provinz Limburg, Niederlande).

Geschichte Das früheste Schriftzeugnis ist aus der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts und lautet „Gohhe“. Man stellt den Namen meist zu mittelniederdeutsch oog (‚Aue‘) mit einem Kollektivpräfix ge-. Das Ausgangswort dürfte *goog(e) (‚Auenlandschaft‘) gewesen sein.

Das älteste Dokument, in dem Goch als Stadt bezeichnet wird, trägt das Datum 1261. Das genaue Jahr der Verleihung der Stadtrechte lässt sich nicht mehr ermitteln; wahrscheinlich fällt die Verleihung in die Regierungszeit von Otto II. (Geldern) (1229–1271). Der erste Stadtbefestigungsring wurde 1350 vollendet.

Goch gehörte zunächst zum Herrschaftsbereich der Grafen, später der Herzöge, von Geldern. Es fiel 1473 an das Herzogtum Kleve und 1614 mit dem Vertrag von Xanten an Brandenburg/Preußen. In den folgenden 200 Jahren wechselte die Herrschaft über Goch mehrmals: 1615 wurde die Stadt von Niederländern erobert. Von 1622 bis 1625 herrschten die Spanier in Goch. Von 1757 bis 1763 erfolgte eine Besetzung durch französische Truppen. Von 1795 bis 1815 gehörte Goch zu Frankreich (siehe Franzosenzeit). Während dieser Zeit bildete Goch eine Mairie nach französischem Vorbild und war Sitz des Kantons Goch im Arrondissement Kleve des Rur-Departements.GenWiki: Kanton Goch 1815 kam Goch wieder zu Preußen. Aus der Mairie Goch der Franzosenzeit wurde die preußische Bürgermeisterei Goch im neuen Kreis Kleve.

1741 siedelten sich Pfälzer, die eigentlich nach Amerika auswandern wollten, in der Gocher Heide an. Aus dieser Ansiedlung entwickelte sich das Dorf Pfalzdorf, das 1799 als Gemeinde selbstständig wurde. So entstand eine pfälzische Sprachinsel.

1847 organisierte man erstmals den Gocher Flachsmarkt. Flachsmärkte waren im frühen 19. Jahrhundert am Niederrhein sehr verbreitet. Flachs ist eine Kulturpflanze, die seinerzeit zur Fasergewinnung angebaut wurde. Der Gocher Flachsmarkt findet noch heute zweimal im Jahr statt; auf ihm werden hauptsächlich Kurzwaren vertrieben. Der Bau der Eisenbahnstrecken Köln – Kleve (Linksniederrheinische Strecke) und Boxtel – Wesel (Boxteler Bahn), an deren Schnittpunkt Goch lag, begünstigte einige neue Industrieansiedlungen und einen wirtschaftlichen Aufschwung in Goch. Eine bedeutende Industrieansiedlung war die Holländische Margarine-Werke Jurgens & Prinzen GmbH. Sie beschäftigte im Jahre 1928 über 3000 Menschen in Goch.

1905 wurde der Städtische Friedhof als evangelischer Friedhof angelegt, 1912 dann ein katholischer Friedhof.Seit dem Beschluss des Gocher Stadtrates am 14. Juni 1973 werden die Beerdigungen nicht mehr nach Religionszugehörigkeit ausgeführt.

Mit der Machtergreifung setzte auch in Goch die nationalsozialistische Diktatur ein. Sofort wurden politische Gegner verfolgt. Angehörige oder Unterstützer sozialistischer und kommunistischer Parteien wurden verhaftet, teilweise körperlich misshandelt, aus ihren Berufen entlassen und der Willkür der SS in den Konzentrationslagern ausgeliefert. Besonders schlimm traf es Menschen jüdischen Glaubens: In Goch lebten zwischen 1933 und 1945 ca. 90 Deutsche jüdischen Glaubens, an die auf diese Art und Weise erinnert werden soll. Nach 1933 wurden sie entrechtet und ausgegrenzt, man boykottierte und zerstörte ihre Geschäfte, bedrohte und vertrieb sie. Über die Hälfte der jüdischen Bevölkerung Gochs wurde in Konzentrationslagern getötet. Viele von ihnen waren Kinder.Dieser Text stammt aus der Beschreibung des Projekts Gegen das Vergessen der Gesamtschule Mittelkreis wp.ge-mittelkreis.de In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Synagoge in Goch in der Herzogenstraße von SA und SS zerstört und niedergebrannt.

In der Nacht vom 7. auf den 8. Februar 1945 und einige Tage später, am 12. Februar 1945, wurde Goch von westalliierten Flugzeugen bombardiert. Im Zuge der Schlacht im Reichswald, die vom 7. bis zum 22. Februar 1945 im Klever Raum stattfand, kam es in Goch am 18. und am 19. Februar zu teils schweren Gefechten mit Häuserkämpfen und Artillerieeinsatz.Felle Strijd om Goch. In: Vrije Stemmen. Dagblad voor Zeeland, 20. Februar 1945, S. 1 (niederländisch). Die Zerstörungen durch die Bombenangriffe und durch den Kampf um die Stadt werden mit ca. 80 % der Bebauung beziffert. Die Führung der alliierten Streitkräfte hatte angenommen, dass Bunkeranlagen rund um Goch eine Verlängerung des Westwalles (Geldernstellung) darstellten, was als einer der Gründe für die massiven Bombardements gilt. Ziel der auf die Bombardements folgenden britisch geführten Bodenoffensive war es, bei Wesel den Rhein zu überqueren und in das Ruhrgebiet vorzustoßen.

Die schweren Kriegsschäden zum Ende des Zweiten Weltkrieges führten in den Nachkriegsjahren zu einem wirtschaftlichen Niedergang der Stadt. Die Margarineproduktion wurde nicht mehr aufgenommen. Goch hatte in den Jahren 1950/51 mit 25 % die höchste Arbeitslosenquote von Nordrhein-Westfalen.

mini|Evangelische Kirche am Markt

In der Nacht zum 24. Mai 1993 stürzte der 67 Meter hohe Kirchturm der Sankt-Maria-Magdalena-Kirche ein. Der Wiederaufbau dauerte zehn Jahre. Experten zufolge führte eine Verkettung unglücklicher Umstände zu dem Einsturz.

Am 18. Mai 2005 wurde Goch durch den Bischof von Münster, Reinhard Lettmann, zum Wallfahrtsort erklärt. Zahlreiche Pilger besuchen seit der Heiligsprechung von Pater Arnold Janssen dessen Taufkirche St. Maria Magdalena, dessen Geburtshaus und die in den 1970er Jahren neu gegründete Arnold-Janssen-Pfarrei.

Im Verlauf des Jahres 2008 wurden der Ring und der Bahnhof erweitert.

Am 8. September 2011 war Goch Epizentrum eines Erdbebens der Stärke 4,4 der Richterskala, das im Umkreis von rund 200 km wahrgenommen wurde.

Gebietsreform Goch entstand in der heutigen Form am 1. Juli 1969 beim ersten kommunalen Neugliederungsprogramm in Nordrhein-Westfalen. Die Stadt Goch, die Gemeinde Pfalzdorf sowie die Gemeinden Asperden, Hassum, Hommersum, Hülm, Kessel und Nierswalde des Amtes Asperden wurden zur neuen Stadt Goch zusammengeschlossen.

Am 1. Januar 1975 wurde im Zuge des zweiten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen der Altkreis Kleve mit dem ehemaligen Kreis Geldern und Teilgebieten der Kreise Moers und Rees zum neuen niederrheinischen Kreis Kleve zusammengefügt.

Einwohnerentwicklung Die Einwohnerzahl entwickelte sich von ca. 4.000 im Jahr 1850 auf etwa 13.600 im Jahr 1933. Die folgenden Angaben beziehen sich auf das heutige Gebiet der Stadt Goch.Bevölkerung aller Gemeinden in Nordrhein-Westfalen ab dem 31. Dezember 1962 jeweils am Jahresende nach dem jetzigen Gebietsstand.

Jahr Einwohner 1975 28.209 1980 28.779 1985 28.415 1990 29.843 1995 31.186 2000 32.675 Jahr Einwohner 2005 33.948 2010 34.106 2015 33.889 2018 33.804 2020 34.531 2022 35.270

Politik

Stadtrat Neben den bundesweit vertretenen Parteien ist in der Gocher Kommunalpolitik die lokale Wählervereinigung BürgerForum Goch (BFG), das 2007 von ehemaligen SPD-Ratsherren gegründet wurde, aktiv.

Seit der letzten Kommunalwahl am 14. September 2025 sind im Stadtrat CDU (38,0 %, 16 Sitze), BürgerForum Goch (BFG) (25,2 %, 10 Sitze), Grüne (6,9 %, 3 Sitze), SPD (10,4 %, 4 Sitze), FDP (2,4 %, 1 Sitz), AfD (13,4 %, 5 Sitze) und Die Linke (3,7 %, 1 Sitz) vertreten. Die Wahlbeteiligung betrug 49,8 %.

Bürgermeister Bei den Kommunalwahlen am 14. September 2025 wurde Stephan Luyven (CDU) in der Stichwahl zum Bürgermeister gewählt. Zuvor war Ulrich Knickrehm von 2015 bis 2025 Bürgermeister.

Wappen, Siegel, Banner und Logo Der Stadt Goch wurde zuletzt am 10. Dezember 1970 ein Wappen, ein Siegel und eine Flagge (Banner) verliehen.

Wappen Blasonierung: „Erniedrigt geteilt von Blau und Gold, oben ein wachsender, rot gekrönter und rot bewehrter, zwiegeschwänzter goldener Löwe, unten eine fünfblättrige rote Geldernsche Rose (Mispelblüte) mit goldenem Butzen und goldenen Kelchblättern.“

Wappenbeschreibung: Der zwiegeschwänzte goldene Löwe ist der Geldernsche Löwe, die fünfblättrige rote Mispelblüte die Geldernsche Rose, die beide auf die Zugehörigkeit der Stadt Goch zum ehemaligen Herzogtum Geldern hinweisen. Das Wappen entstammt dem älteren Stadtsiegel, das das Stadtwappen als Siegelbild in einem in den Fugen mit stumpfen Spitzen versehenen Spitz-Dreipass (Ausschmückung aus drei nach außen gerundeten Bögen um das innere Siegelbild) in der nachstehenden Tingierung enthält: „Erniedrigt geteilt von Schwarz und Silber, oben ein wachsender, zwiegeschwänzter silberner Löwe, unten eine fünfblättrige silberne Mispelblüte (Geldernsche Rose).“

Siegel Die Umschrift des Siegels lautet: „Stadt Goch“. Das Siegelbild enthält auf einem in den Fugen mit stumpfen Spitzen versehenen Dreipass das Stadtwappen in folgender Tingierung: „In von Schwarz und Weiß erniedrigt geteiltem Schilde oben ein wachsender, zwiegeschwänzter weißer Löwe, unten eine fünfblättrige weiße Mispelblüte.“

Banner Die Flagge (Banner) ist im Verhältnis 1 : 1 längsgestreift und trägt die Farben blau-gelb. Das weiße Bannerhaupt zeigt das Wappen. Hauptsatzung der Stadt Goch § 2, Absatz 3.

Städtepartnerschaften (Niederlande) (Vereinigtes Königreich) (Frankreich) (Polen) (Italien) (nicht offiziell)

Schulden Für das Jahr 2019 gab das Statistische Landesamt für die Stadt Goch eine Verschuldung-pro-Kopf in Höhe von 2967 Euro (insgesamt 101 032 208 €) und damit die höchsten Schulden im Kreis Kleve an. Das entspricht einer Steigerung von 28,4 % im Vergleich zum Jahr 2009.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

mini|Gebäude des ehemaligen Klosters St. Johannes mini|Südseite der Susmühle an der Niers

Museen Museum Goch

Kultur Kultur- und Kongresszentrum Kastell Kultourbühne Goch Historisches Kino 'Goli Theater' Stringtime Niederrhein Kindermusical-Workshop „Ritter Rost“ Klostergut Graefenthal (Ehemalige Zisterzienserinnenabtei) Stadtbücherei Goch Stadtarchiv

Sehenswürdigkeiten

Liebfrauenkirche Arnold-Janssen-Kirche Haus zu den fünf Ringen (16. Jh.) Pfarrkirche Maria-Magdalena (14.–16. Jh., Kirchturm 24. Mai 1993 eingestürzt, 2003 modern wiederaufgebaut) Steintor (14. Jh.) Susmühle (18. Jh.) Haus des Klosters St. Johannes (ehemals Stadtbücherei) Klostergut Graefenthal Männerhaus (16. Jh.) Frauenhaus (16. Jh.) Langenberghaus Geburtshaus des heiligen Arnold Janssen Viller Mühle Collegium Augustinianum Gaesdonck mit der spätgotischen Stiftskirche Evangelische Kirche am Markt zu Goch Rathaus: „Gocher Serie“ des Düsseldorfer Künstlers Horst Wackerbarth Mahnmal Drei Jünglinge im Feuerofen

Freizeiteinrichtungen Die Viller Mühle ist eine stillgelegte denkmalgeschützte Öl- und Getreidemühle. Sie wird als Museum und Veranstaltungsort genutzt. Eine Handvoll gastronomischer Betriebe lädt zur Spargelsaison ins Spargeldorf Kessel ein.

Sport In dem Freizeitbad „GochNess“ (Kessel) gibt es einen Naturbadesee mit Sandstrand und im Innern ein Wettkampf- und Erlebnisbecken, sowie eine große Saunaanlage.