Die Schlacht bei Weißenburg fand am 4. August 1870 bei der Grenzstadt Weißenburg () im Elsass statt. Bei dieser Schlacht trat im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 erstmals ein gesamtdeutsches Heer auf. Dort kämpfte die 3. Armee unter der Führung von Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen gegen die Elsassarmee unter Marschall Mac Mahon.

Ausgangsposition mini|hochkant|General Pierre de Failly mini|Plan der Truppenstellungen kurz vor der Entscheidung mini|Karte der Schlacht aus der Zeitung Le Gaulois vom 5. August 1870 mini|Gedenkstätte auf dem Geisberg – Ansicht der Truppenaufstellung der Schlacht von Weißenburg, 2005 mini|Gedenkstätte auf dem Geisberg – Obelisk zum Gedenken an die französischen Gefallenen (2005)

Weißenburg ist das nördliche Eingangstor zum Elsass. Nachdem das Elsass Ende des 17. Jahrhunderts unter Ludwig XIV. an Frankreich gefallen war, wurden um Weißenburg von dem französischen Marschall Villars die sogenannten Weißenburger Linien angelegt, die sich entlang der Lauter bis Lauterburg erstreckten und das Elsass vor einem Angriff von Norden her schützen sollten. Diese Weißenburger Linien waren im Zickzack angelegt, geschmeidig dem Terrain angepasst und bestanden aus Brustwehr und Graben. Militärisch spielten die Linien letztmals während des Ersten Koalitionskriegs anlässlich der Schlacht an den Weißenburger Linien am 13. Oktober 1793 eine Rolle. Allerdings verfielen diese Wehranlagen nach der französischen Revolution zusehends. Auch die Verteidigungsanlagen an der Stadtmauer von Weißenburg waren im Verfall begriffen. Für eine Erneuerung dieser Wehranlagen vor dem Krieg blieb keine Zeit.

Auch auf deutscher Seite gab es in der bayerischen Pfalz mit der Festung Landau und der Festung Germersheim einen wichtigen Verteidigungsabschnitt gegen einen Angriff aus dem Süden.

Französische Stellungen Die Stellung der „Elsassarmee“, welche den rechten Flügel der französischen Armee bildete, reichte Anfang August von einer Linie Bitsch–Hagenau (5. Corps de Failly, und Teile des 1. Corps Mac Mahon) bis Straßburg (Division Lartique vom I. Corps). Das VII. Corps unter General Félix Douay lagerte in zweiter Linie in Belfort. Die von seinem Bruder Abel kommandierte 2. Infanteriedivision, die ins I. Corps mit den Brigaden Pelletier und Pellé eingegliedert war, rückte in eine vorgezogene Position in Weißenburg und Sulz unterm Wald ein.

Deutsche Stellungen Die dritte Armee, auch „deutsche“ Armee genannt, da sie überwiegend aus nichtpreußischen Truppen bestand, wurde aus fünf Korps gebildet: Dem

V. preußischen Korps unter Generalleutnant Hugo Ewald von Kirchbach, dem XI. preußischen Korps unter Generalleutnant Julius von Bose, dem I. bayerischen Korps unter General der Infanterie Ludwig Freiherr von der Tann-Rathsamhausen, dem II. bayerischen Korps unter General der Infanterie Jakob von Hartmann und dem VI., gemeinsamen württembergisch-badischen Korps unter Generalleutnant August von Werder, welches aus jeweils einer Division der beiden Länder gebildet wurde.

Das I. bayerische Korps, das V. und XI. Korps sowie die württembergische Division standen zwischen Germersheim und Landau, das II. bayerische Korps bei Bergzabern leicht vorgeschoben in der bayerischen Pfalz. Nur die badische Division wurde noch auf rechtsrheinischem Gebiet bei Rastatt zurückgehalten, um bei einer möglichen Invasion von Straßburg aus auf badischem Boden schnell reagieren zu können.

Vorabend der Schlacht Die Deutschen gingen (wie sich herausstellte, zu Recht) davon aus, dass Mac Mahon seine noch in Straßburg weilende Division mit seinem restlichen Korps bei Bitsch beziehungsweise Metz mit der Rheinarmee zusammenführen wollte, um dem von französischer Seite auf Metz erwarteten deutschen Angriff mehr Widerstand und Kampfkraft entgegensetzen zu können. Zur Absicherung dieser Truppenverlegung war die 2. Infanteriedivision unter General Abel Douay vom I. Korps, die man für stark genug hielt, einem deutschen Angriff standzuhalten, nach Weißenburg vorgeschoben worden.

Auf der anderen Seite wollten die Deutschen die Vereinigung der beiden französischen Truppenkontingente unbedingt verhindern, und so entschlossen sie sich, mit starken Kräften aus der Südpfalz nach Südwesten vorzustoßen, um so der Armee Mac Mahons den Weg abzuschneiden, sie einzeln zur Schlacht zu zwingen und womöglich zu schlagen.

Auf französischer Seite wurden die deutschen Truppenbewegungen aufgrund von sträflich vernachlässigter Aufklärung vorerst nicht bemerkt; so entging es auch den Franzosen, dass deutsche Kavallerie in die umliegenden Wälder einsickerte und sich dort verborgen hielt. Man vermutete nur schwache deutsche Kräfte in der Südpfalz, so dass es für ausreichend gehalten wurde, lediglich die 2. Infanteriedivision mit der Besetzung Weißenburgs und der umliegenden Höhen zu betrauen.

Verlauf der Schlacht 4 Uhr – 8 Uhr Die einzelnen deutschen Korps brachen gegen 4 Uhr bei Nieselregen ihr Biwak ab und begaben sich in ihre Ausgangsstellungen. Diese waren wie folgt:

Das II. bayerische Korps zog auf die Höhe von Schweigen und traf dort gegen 8 Uhr ein. Das V. Korps setzte sich Richtung Schweighofen in Bewegung und wartete auf den dortigen Anhöhen auf den Angriff auf Altenstadt. Das XI. Korps schritt durch den Bienwald, um die Befestigungen der Weißenburger Linien östlich von Altenstadt zu überrennen. Das VI. Korps machte sich auf breiten Straßen auf den Weg nach Lauterburg. Das I. bayerische Korps hielt sich als Reserve westlich von Langenkandel bereit.

Der Kronprinz traf gegen 8 Uhr unmittelbar nach dem II. bayerischen Korps in Schweigen ein. Von der Anhöhe bei Schweigen hatte er einen guten Überblick auf Weißenburg, Altenstadt und den südlich von Weißenburg liegenden Geisberg, auf dem General Douay sein Zeltlager aufgeschlagen hatte und nichtsahnend gerade seinen Morgenkaffee genoss.

Die Franzosen waren von der Ankunft der deutschen Truppen völlig überrascht. Erst nach dem Eintreffen der deutschen Truppen eilten ein Bataillon der 74. Infanterie und das 1. Regiment algerische Tirailleure, sogenannte Turcos, nach Weißenburg und Altenstadt, um ihre Stellungen einzunehmen. Der Hauptteil des Truppenkontingents blieb auf dem Geisberg und formierte sich beim dortigen Schloss und dem nahe gelegenen Gehöft Schafbusch.

8 Uhr – 12 Uhr mini|hochkant|General Hugo von Kirchbach, Kommandierender General des V. Armee-Korps

Der Kampf in den Vormittagsstunden war geprägt vom Artilleriefeuer und Kämpfen zwischen deutschen und algerischen Truppenkontingenten. Nach dem Eintreffen des V. deutschen Korps in Schweighofen übernahm die 9. Division unter Generalmajor von Sandrart die Führung, um über Altenstadt nach Weißenburg zu gelangen.

Das 1. Schlesische Jäger-Bataillon Nr. 5 unter Major Georg Graf Waldersee nahm Altenstadt ohne großen Widerstand. Als es sich jedoch gegen Weißenburg wandte, wurde es am Ortsrand von Altenstadt mit einem Kugelhagel von den in den Vorgärten gut verschanzten Algeriern empfangen. Ebenso machte das Artilleriefeuer vom Geisberg ein Vorwärtskommen sehr schwer. Es gab große Verluste auf beiden Seiten; unter den Gefallenen war auch Major Graf Waldersee, der älteste Sohn von Franz von Waldersee. Das Jäger-Bataillon Nr. 5 bekam nun Unterstützung von zwei Bataillonen des 3. Posenschen Infanterie-Regiments Nr. 58. Erst vor dieser Übermacht der Deutschen zogen sich die Franzosen Richtung Weißenburg zurück.

Mit den Bataillonen des Infanterie-Regiments Nr. 58 in der Mitte, flankiert von dem Jäger-Bataillon Nr. 5, zogen die Deutschen nun weiter Richtung Weißenburg. Auf Höhe des Bahnhofs, der sich damals noch außerhalb der Stadt befand, kam eine Abteilung des französischen 74. Infanterie-Regiments den algerischen Tirailleuren zu Hilfe und griff die Deutschen an. Die Franzosen wurden jedoch von heftigem Gewehrfeuer empfangen und in die Stadt zurückgedrängt.

Als noch zwei Bataillone des 2. Niederschlesischen Infanterie-Regiments Nr. 47 den deutschen Angriff unterstützten, wurde der Bahnhof gegen 11 Uhr gestürmt. Die in den Vorstadthäusern verschanzten algerischen Truppen wurden überrannt und gefangen genommen. Kurz darauf drangen die Füsiliere des Infanterie-Regiments Nr. 58 durch das Hagenauer Tor in die Stadt Weißenburg ein.

Zur selben Zeit, als die 9. Division gegen Altenstadt vorging, wandte sich die Division „Bothmer“ vom II. bayerischen Korps von Schweigen aus gegen Weißenburg. Das 10. kgl. bayr. Jäger-Bataillon, unterstützt vom III. Bataillon des 5. Infanterie-Regiments, schob sich von Norden Richtung Weißenburg vor. Der Vorstoß traf auch hier auf heftigen Widerstand der hier in Hecken und Gräben gut verschanzten algerischen Tirailleure.

So verzögerte sich der Vorstoß und es wurde auf Verstärkung gewartet. Die III. Bataillone des 11. und 14. Infanterie-Regiments sowie die 7. Brigade unter Generalmajor von Thiereck gingen links des 10. Jäger-Bataillons in Stellung und schlossen so die Lücke zum V. Korps. Als nun Altenstadt eingenommen war und das V. Korps auf den Bahnhof zustürmte, griffen das 10. Jäger-Bataillon sowie die III. Bataillone des 5., 11. und 14. Infanterie-Regiments von Norden und Nordosten die Stadt Weißenburg an.

Der Widerstand gegen die Bayern war inzwischen erheblich schwächer geworden, da die Franzosen sich mit den meisten Kräften auf das Hagenauer Tor und den Bahnhof konzentriert hatten. Gegen 12 Uhr nahmen die Bayern das Landauer Tor und das 10. Jäger-Bataillon zog geschlossen und unter Hörnerklang in die Stadt ein. Ein Teil der Franzosen versuchte noch durch das Bitscher Tor zu entkommen, wurde aber von einer Kompanie des 10. Jäger-Bataillons aufgehalten, welche ihnen den Rückzugsweg abschnitt.

12 Uhr – 16 Uhr mini|Das 5. Königlich Bayerische Regiment in der Schlacht von Weißenburg, 1870 mini|hochkant|General Abel Douay

Nach der Einnahme Weißenburgs wandten sich die Deutschen den französischen Stellungen auf dem Geisberg zu. Dort befanden sich zwei Gebäude: Auf halber Höhe das Schloss Geisberg, in welchem General Douay sein Hauptquartier eingerichtet hatte, sowie oben auf dem Berg, westlich des Schlosses, ein Gehöft mit dem Namen Schafbusch.

Die französischen Truppen, dies waren Teile des 74. Infanterie-Regiments, das 50. Infanterie-Regiment, das 16. Jäger-Bataillon der Brigade Pelletier de Montmarie, sowie das 78. Infanterie-Regiment der Brigade Pellé, dazu noch drei Batterien Artillerie und eine Batterie Mitrailleusen, waren zwischen den beiden Gebäuden verteilt. Der Großteil der deutschen Truppen wurde auf das Schloss Geisberg konzentriert, da der Geisberg nach Osten hin seine geringste Neigung hatte und am leichtesten erstürmt werden konnte. Im Laufe der Schlacht um den Geisberg bekam Douay noch Unterstützung aus Sulz unterm Wald durch das 3. Husaren- und das 11. Chasseurs-Regiment der Kavalleriebrigade Septeuil.

Vom Geisberg sahen die Franzosen, dass von Osten her, aus der Richtung des Bienwaldes, die 41. Brigade des XI. Corps (hessisches Füsilier-Regiment Nr. 80; nassauisches Infanterie-Regiment Nr. 87) im Anmarsch war. Gleichzeitig formierten sich im Tal das Königs-Grenadier-Regiment Nr. 7 in der Mitte, das freigewordene 5. Jäger-Bataillon rechts und die bisher noch nicht eingesetzten I. Bataillone des 47. und 58. Regiments links, für die Erstürmung des Geisberges. Während das 7. Regiment mit den drei Teilregimentern den Geisberg unter der Führung von Major von Kaisenberg hinaufstürmte, setzte sich die 41. Brigade nach Süden in Bewegung und versuchte, durch Umgehung des Geisberges von hinten den Schafbusch zu erreichen.

Die Franzosen waren im Schloss und in den Gebäuden allerdings gut verschanzt. Dadurch musste die Erstürmung des Geisbergs mit vielen Opfern bezahlt werden.