mini|Ehemaliges Schloss Atzenzell: Gastwirtschaft mit landwirtschaftlicher Nutzung mini|Lageplan des Schlosses Atzenzell auf dem Urkataster von Bayern
Das Schloss Atzenzell ist ein denkmalgeschütztes Gebäude im Ortsteil Atzenzell der oberpfälzischen Gemeinde Traitsching im Landkreis Cham von Bayern (Zeller Straße 23). Die Anlage ist unter der Aktennummer D-3-72-164-5 als denkmalgeschütztes Baudenkmal von Atzenzell verzeichnet. Ebenso wird sie als Bodendenkmal unter der Aktennummer D-3-6841-0073 im Bayernatlas als „archäologische Befunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit im Bereich des ehem. Schlosses von Atzenzell“ geführt.
Geschichte Zwischen 1160 und 1170 (Kopie [um 1170]) wird Aeceliniscelle in den Traditionen des Klosters Reichenbach am Regen erstmals urkundlich erwähnt.
Während des Hoch- und Spätmittelalters ist hier keine Wehranlage nachweisbar, sondern nur ein oder mehrere Landgüter. Um 1165 schenkt ein Adalbert von Vrunthersdorf dem Kloster Reichenbach predii sui in Aeceliniscelle. 1395 wurde den Sattelbogenern ein lehenbarer Hof zu Atzenzell wegen nicht erfolgter Lehensnahme als heimfällig erklärt. In den Landtafeln von 1488 und 1503 sind die Stöckl auf der Hofmark als Inhaber genannt, die vermutlich die Erbauer des Schlosses waren. Der erste aus dieser Familie war Hans Stöckl, der zugleich auch Pfleger von Neuhaus war. 1543 ist Hans Pentzkofer beglaubigt, während in der Matrikel von 1588 die Rainer von Rain zu Sattelbogen folgen. 1570 sind hier die Poißl nachgewiesen, um 1636 war Christoff Paur der Besitzer. 1649 heiratete Johann Christian von Hautzenberg die Margaretha Keck, eine geborene Paur von Etzenberg. 1651 beantragte er die Immatrikulation für die erworbene Hofmark. Dann ging Atzenzell an die Freiherrn von Manteuffel über. 1781 erwarb Max Edler von Stubenrauch diesen Besitz, verkaufte ihn aber bereits 1782 an Josef Edlen von Grauvogl. Dieser veräußerte die Hofmark an die Kurfürstin Maria Anna, die sie noch im gleichen Jahr an das Kloster Oberalteich verkaufte.
Nach der Säkularisation gehörte das Schloss kurz dem Damenstift St. Anna in München, dann kaufte Wolfgang Aschenbrenner, Bräuer von Kötzting, das Gut für seinen Bruder Beda, den ehemaligen Abt des Klosters Oberalteich. Im Anschluss wurden Familien Matthias Pfeilschifter, Steinkirchner und Schuhmann Besitzer des Schlossgutes. Seit 1865 befindet sich das Schlossgut im Besitz der Familie Schegerer, die das Schloss heute noch bewohnt und neben der Landwirtschaft auch ein Gasthaus betreibt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren viele Flüchtlinge in dem Schloss untergebracht.Viele Flüchtlinge im Atzenzeller Schloss
Schloss Atzenzell heute Das ehemalige Schloss geht auf das ausgehende 15. Jahrhundert zurück. Die damals vorhandenen Wehranlagen sind abgegangenen. 1726 wird es als Schlössl/so zwar alt/jedoch mit Zimmern/Kämmeren/Gewölberen/und Getraydt-Böden zu der Noththurfft versehen beschrieben.
Im 19. Jahrhundert wurde in das Schlossgebäude eine Brauerei eingebaut. Die landwirtschaftliche Nutzung brachte ebenfalls starke Veränderungen des Baubestandes mit sich, ebenso die Erneuerungen nach dem Brand 1916. Unklar ist, ob die heute profanierte und unterteilte Kapelle bereits zum Ursprungsbau gehörte.
Das Hauptgebäude ist ein dreigeschossiger Walmdachbau, der im Kern aus dem späten Mittelalter stammt, was u. a. durch die gewölbten Keller belegt wird. Im ersten Obergeschoss sind ein gewölbter Gang sowie die in zwei Räume unterteilte ehemalige Kapelle. Der ehemalige Edelsitz wird jetzt als Gastwirtschaft genutzt.
Literatur Max Piendl: Das Landgericht Cham (S. 35–36). (= Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern Heft 8). Kommission für bayerische Geschichte, Verlag Michael Lassleben, München 1955.
Einzelnachweise
Weblinks
Tourismusbüro Traitsching
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