Das Musische Gymnasium Leipzig war eine von 1941 bis 1945 existierende, zur Hochschulreife führende Bildungseinrichtung mit musischer Ausrichtung.
Lage Das Musische Gymnasium Leipzig war in einer Villa in der Sebastian-Bach-Straße 53 untergebracht. Das Gebäude war 1880/1881 von dem Architekten Arwed Roßbach für den Verlagsbuchhändler Leopold Gebhardt, den Inhaber von J. M. Gebhardt’s Verlag, errichtet worden. Die jüdische Familie Gebhardt hatte das Anwesen im Rahmen der Arisierung durch die Nationalsozialisten verloren. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude für medizinische Zwecke genutzt und ist heute mit einem modernen Anbau das Senioren-Wohnpark Stadtpalais.
Zum Gymnasium gehörten auch die benachbarten Villen Krügel und Najork; in ersterer befanden sich weitere Unterrichtsräume, in letzterer das Alumnat der Schule.
Wegen der Bombengefahr in Leipzig wurde das Musische Gymnasium 1944 bis zu seiner Auflösung nach Nossen verlegt.Heldmann, S. 608
Geschichte mini|Das Gebäude des ehemaligen Musischen Gymnasiums Leipzig im Jahr 1952 1939 war das Musische Gymnasium in Frankfurt am Main als erste Schule dieser Art in Deutschland gegründet worden. Leiter war der spätere Thomaskantor Kurt Thomas. Die Fachaufsicht hatte das Reichserziehungsministerium in Berlin.
Im September 1941 folgte in Leipzig die zweite Schule dieser Art. Absicht war, wie in Frankfurt, die politische Einflussnahme auf die musische Bildung. Der Festakt der Eröffnung fand am 28. September 1941 in Anwesenheit von Reichserziehungsminister Bernhard Rust statt. Im Bericht darüber im Leipziger Jahrbuch 1942Leipziger Jahrbuch 1942, S. 169 wird das Musische Gymnasium mit den Adolf-Hitler-Schulen und den Nationalpolitischen Erziehungsanstalten (Napola) in eine Reihe gestellt und ihm die Aufgabe zugeschrieben, „eine neue Führerschicht auf dem Gebiete der Kunst auszubilden“. Bei der „soldatisch-musischen“ Erziehung als Schulziel war das Gymnasium eine reine Jungenschule mit angeschlossenem Internat. Für das Jahr 1942 werden 110 Schüler in sieben Klassen angegeben.Heldmann, S. 611
Der Wahl von Leipzig als zweiter Schulstandort lag die Absicht zugrunde, den Thomanerchor der kirchlichen Einflussnahme möglichst zu entziehen und unter eine staatliche zu stellen, was letztlich aber nicht gelang.Miederer: Denkschrift über die Errichtung eines Musischen Gymnasiums in Leipzig unter besonderer Berücksichtigung des Einbaus des Thomanerchores, 1. August 1940, Stadtarchiv Leipzig, Akten des Schulamtes, Bandnummer 2/810 Ein erster Schritt in diese Richtung war die Berufung von Thomaskantor Günther Ramin zum musikalischen Leiter der Schule. Die Gesamtleitung der Schule lag bei dem Stadtdirektor Friedrich Hiller, dem vom Reichserziehungsministerium bestätigten Beauftragten des Leipziger Oberbürgermeisters Alfred Freyberg. Die schulische Leitung wurde kommissarisch dem Lehrer Richter übertragen, der die administrativen Fragen mit dem Schulamt unter Umgehung von Ramin regelte.Heldmann, S. 598
Im Januar 1943 legte Günther Ramin wegen der Kompetenzverteilung zwischen ihm und Hiller die künstlerische Leitung des Musischen Gymnasiums Leipzig nieder. Die Idee Thomaskantorat mit der Leitung des Musischen Gymnasiums zu verbinden, war damit gescheitert.Corinna Wörner, Zwischen Anpassung und Resistenz, S. 209–214 Die Nachfolge des künstlerischen Leiters wurde nahezu bis zur Auflösung der Schule nicht geklärt. Es wurden zahlreiche Komponisten und Musikpädagogen angefragt, die aber alle ablehnten, unter ihnen Hugo Distler, Walter Kolneder, Fritz Reuter, Cesar Bresgen, Karl Höller und Hans Chemin-Petit. Schließlich übernahm ab August 1944 Johann Nepomuk David neben seinem Direktorat an der Staatlichen Hochschule für Musik in Leipzig das Amt.Heldmann, S. 599/600 Beide Einrichtungen waren da aber schon in Ausweichquartieren.
Nach Kriegsende wurde das Musische Gymnasium nicht weitergeführt.
Bekannte Schüler Hans Bünte, Musiker und AutorAutoren im Saarland Johannes Burkhardt, Maler und Grafiker Günter Bust (1930–2005), Musikpädagoge und Komponist Saschko Gawriloff (* 1929), Violinist und Violinpädagoge Eberhard Grünenthal, Flötist und Hochschullehrerhmt Rostock Harald Hellmich, Maler und GrafikerZweiweltkind Günter Kochan (1930–2009), KomponistDietrich Brennecke: Günter Kochan. In: Dietrich Brennecke, Hannelore Gerlach, Mathias Hansen (Hrsg.): Musiker in unserer Zeit. Mitglieder der Sektion Musik der Akademie der Künste der DDR. Leipzig 1979, S. 154 Egmar Ponndorf (1929–2015), Steinbildhauer Arnd Schultheiß (1930–2021), Maler und GrafikerAbschluss einer großartigen Karriere Siegfried Kurz (1930–2023), Dirigent und Komponist Siegfried Stöckigt (1929–2012), Pianist
Literatur Werner Heldmann: Musisches Gymnasium Frankfurt am Main 1939–1945. Peter Lang, Frankfurt 2004, ISBN 3-631-51987-7, S. 583–612 (Musisches Gymnasium Leipzig) Leipziger Jahrbuch 1942, Verlag: Leipzig: Otto Beyer, (1941), S. 169/170 Corinna Wörner: Zwischen Anpassung und Resistenz. Der Thomanerchor Leipzig in zwei politischen Systemen (= Studien und Materialien zur Musikwissenschaft, Bd. 123). Georg Olms Verlag, Hildesheim 2023, S. 187–214, ISBN 978-3-487-16232-4. (Abstract)
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