mini|El Greco, Die Heilung des Blinden, 65,5 × 84 cm, Mischtechnik auf Pappelholz, um 1570, Gal.-Nr. 276. Es handelt sich um das einzige gesichert El Greco zugeschriebene Werk in einem deutschen Museum.
Die Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden besitzt mit 34 Gemälden die bedeutendste Sammlung spanischer Malerei Alter Meister in Deutschland.Matthias Weniger, Einführung, in: Matthias Weniger: Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Gemäldegalerie Alte Meister. Bestandskatalog Spanische Malerei. Prestel, München 2012, S. 14–31, 14. Zwar sind die Sammlungen spanischer Gemälde in der Berliner Gemäldegalerie und der Alten Pinakothek in München quantitativ ein wenig größer, jedoch handelt es sich bei der Dresdner Sammlung um die einzige deutsche, in der alle großen spanischen Maler des Barocks mit bedeutenden Werken vertreten sind. Der Beginn der Sammlung datiert in das Jahr 1666, als vier Landschaftsgemälde von Pedro de Orrente in die kurfürstliche Kunstsammlung gelangten. Im 18. Jahrhundert kamen dann drei Werke von Diego Rodríguez de Silva y Velázquez hinzu. Den bedeutendsten Zuwachs in der Geschichte der Sammlung stellte aber der Erwerb von 16 Gemälden aus der Galerie espagnole des abgesetzten französischen Königs Louis-Philippe I. auf einer Auktion in London im Jahr 1853 dar.Matthias Weniger, Einführung, in: Matthias Weniger: Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Gemäldegalerie Alte Meister. Bestandskatalog Spanische Malerei. Prestel, München 2012, S. 14–31, 14 und 15.
Der Bestand der Gemäldegalerie Alte Meister umfasst mit dem Gemälde Die Heilung des Blinden das einzige gesicherte Werk El Grecos in einem deutschen Museum. Velázquez ist mit drei Werken vertreten, während etwa der Pariser Louvre oder die Uffizien in Florenz über kein gesichertes Werk von ihm verfügen. Neben diesen herausragenden Beispielen ist die spanische Malerei in Dresden regional ausgewogen und qualitativ hochwertig repräsentiert. Neben der Schule von Sevilla ist die barocke Malerei aus Madrid mit Vicente Carducho und Valencia mit Jerónimo Jacinto Espinosa präsent. Der Dresdner Bestand wurde von den wichtigen auf dem Gebiet der spanischen Kunstgeschichte forschenden deutschen Kunsthistorikern Carl Justi und August Liebmann Mayer intensiv bearbeitet. Matthias Weniger legte 2012 den aktuellen Bestandskatalog vor, im Zuge von dessen Erstellung alle Gemälde eingehend naturwissenschaftlich untersucht worden sind. Diesem folgt die Bestandsliste in diesem Artikel.
Sammlungsgeschichte
Der Beginn der Sammlung Den Beginn der Sammlung spanischer Malerei markiert die Ankunft von vier Landschaftsgemälden von Pedro de Orrente in der kurfürstlichen Kunstsammlung am 27. März 1666. Diese wurden durch die Mutter eines Prinzen aus Portugal – vielleicht Luisa von Guzmán, Mutter des portugiesischen Königs Peter II., – durch den Gesandten Lorenzo Astrapheli als Geschenk der Dresdner Kunstkammer übergeben. Die genauen Umstände dieser Schenkung sind nicht bekannt, sie könnten aber als diplomatische Geschenke, etwa im Kontext der Heiratspolitik nach Sachsen gelangt sein.Matthias Weniger, Einführung, in: Matthias Weniger: Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Gemäldegalerie Alte Meister. Bestandskatalog Spanische Malerei. Prestel, München 2012, S. 14–31, 17. August der Starke kannte die spanische Kunst aus eigener Ansicht. Während seiner Kavalierstour in den Jahren 1687 und 1688 hielt er sich in Madrid auf und besuchte die umliegenden königlichen Residenzen El Pardo, El Retiro und El Escorial sowie den Palast von Aranjuez mit ihren Kunstsammlungen. Eine größere Gruppe von Porträts von Mitgliedern des spanischen Hofes gelangte in dieser Zeit über diplomatische und verwandtschaftliche Beziehungen nach Sachsen. Diese sind jedoch nicht in die Galerie aufgenommen worden, sondern meist nur in den Quellen nachzuweisen.
Mit 16 Gemälden befand sich knapp die Hälfte des heutigen Bestandes bereits vor Ausbruch des Siebenjährigen Krieges in der kurfürstlichen Sammlung. Mit neun Werken bildeten Gemälde von und nach Jusepe de Ribera die größte Gruppe innerhalb dieses Bestandes, die bis ins 19. Jahrhundert hinein im Kontext der italienischen Malerei gezeigt wurde. Die meisten von ihnen befanden sich bereits in der Sammlung, als in den 1740er-Jahren die Galerie im Stallhof eröffnet wurde. Für die Dresdner Sammlung wurden vor allem Bilder von heiterer und harmonischer Qualität erworben, weshalb die Martyriumsszenen des Künstlers keinen Eingang in die Sammlung fanden und stattdessen Werke aus seinem Umkreis, die diesen Qualitätsanforderungen eher entsprachen, bevorzugt wurden. Die zweitgrößte Gruppe innerhalb des frühen Bestandes bildeten die drei Werke von Diego Rodríguez de Silva y Velázquez. Diese gelangten aus der Galeria der Este in Modena, aus der die 100 besten Gemälde für den Besitz des Kurfürsten erworben wurden, nach Dresden. Jedoch war nur eines dieser Gemälde korrekt Velázquez zugeschrieben, die anderen beiden galten zum Zeitpunkt des Erwerbs als Werke von Peter Paul Rubens.Matthias Weniger, Einführung, in: Matthias Weniger, Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Gemäldegalerie Alte Meister. Bestandskatalog Spanische Malerei, München 2012, S. 14–31, 18.
El Grecos Die Heilung des Blinden kam als venezianisches Werk 1741 in die Sammlung. Dies verweist auf ein allgemeines Muster in der Sammlungstätigkeit, die den Erwerb spanischer Kunstwerke nicht zum Ziel hatte. So hielt Graf Hans Moritz von Brühl zum Beispiel den sächsischen Legationssekretär Louis Talon in Madrid 1743 zum Erwerb italienischer Gemälden an. Als dieser auch spanische Gemälde nach Sachsen schickte, wurden diese Käufe kritisiert. Talon arbeitete nicht sehr zuverlässig, erwarb eine große Zahl von Kopien und zweifelhaft zugeschriebenen Werken und kooperierte mit dem zwielichtigen Diego de Molina, bei dem er den Großteil der 147 Werke erstand. Da die von Talon erworbenen Werke entweder verschollen oder nicht mehr zu identifizieren sind, kann die kritische Position des Hofes ihnen gegenüber heute nicht mehr nachvollzogen und überprüft werden. So könnte es sein, dass statt der Zweifel an der Qualität auch ein generelles Unverständnis für spanische Malerei zu dieser Zeit die Ablehnung der erworbenen Werke spanischer Künstler begründet haben könnte. Das einzige Werk eines spanischen Künstlers, das bewusst für die kurfürstliche Sammlung erworben wurde, war Bartolomé Esteban Murillos Maria mit Kind im Jahr 1755. Murillo war zu dieser Zeit der einzige spanische Künstler, der auch außerhalb Spaniens bei Sammlern beliebt war. Mitte des 18. Jahrhunderts besaß die Dresdener Galerie mit den Werken von El Greco, Morales, Murillo, Ribera und Velázquez eine der bedeutendsten Sammlungen spanischer Malerei in Deutschland, obwohl die meisten dieser Gemälde nicht in diesem Kontext wahrgenommen wurden. Innerhalb der Sammlung wurden dabei insbesondere die Gemälde Riberas prominent präsentiert.Matthias Weniger, Einführung, in: Matthias Weniger, Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Gemäldegalerie Alte Meister. Bestandskatalog Spanische Malerei, München 2012, S. 14–31, 19.
Planungen zur Erweiterung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts 1817 ordnete der Generaldirektor der Gemäldegalerie Friedrich Matthäi die spanischen Werke der Sammlung erstmals in einem eigenen Raum gemeinsam an. Die Werke Riberas blieben jedoch von diesen getrennt und wurden weiterhin als geschlossene Gruppe gezeigt. Insgesamt stieg das Interesse der Verantwortlichen an der spanischen Kunst. Bereits 1825 planten Matthäi und der Professor der Dresdner Akademie Ferdinand Hartmann den Ankauf weiterer spanischer Gemälde für die Sammlung. Sie fertigten eine Liste mit zu erwerbenden Werken an, die sich an Johann Dominik Fiorillos 1806 erschienenen vierten Band der Geschichte der Künste und Wissenschaften anlehnte, der sich mit der spanischen Malerei beschäftigte. Jedoch konnten diese Pläne zu der Zeit noch nicht umgesetzt werden.Bernhard Maaz, Die spanische Malerei in Deutschland und der Dresdner Bestand: Anstelle eines Vorworts, in: Matthias Weniger, Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Gemäldegalerie Alte Meister. Bestandskatalog Spanische Malerei, München 2012, S. 6–11, 6. Zu diesem Zeitpunkt war die spanische Kunst in Deutschland noch wenig bekannt und auch international rückte sie erst langsam in den Fokus: So hatte Zar Alexander I. 1814 in Amsterdam einige spanische Gemälde erworben, 1838 wurde dann die Galerie espagnole im Musée Royal des französischen Königs Louis-Philippe I. in Paris eingerichtet.Bernhard Maaz, Die spanische Malerei in Deutschland und der Dresdner Bestand: Anstelle eines Vorworts, in: Matthias Weniger, Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Gemäldegalerie Alte Meister. Bestandskatalog Spanische Malerei, München 2012, S. 6–11, 7. In Deutschland ging ein entscheidender Impuls von Johann Gottlob von Quandt aus, der in seinen 1850 veröffentlichten Reisebeschreibungen Spaniens auch die dortige Kunst behandelte. In seinem Buch kritisierte er zugleich, dass sich in deutschen Museen allenfalls qualitativ schwache Gemälde spanischer Künstler befunden hätten. Als Mitglied des Sächsischen Kunstvereins und der Galeriekommission hatte von Quandts Position Gewicht für die Dresdner Galerie.
Der Erwerb von 1853 Das Jahr 1853 markierte den wichtigsten Erwerb in der Sammlungsgeschichte. Die über 400 Gemälde der Galerie espagnole und weitere rund 250 Werke des Musée Standish aus dem Besitz von Louis-Philippe I. kamen in London zur Versteigerung, nachdem die Sammlung dem König bei seiner Abdankung zugesprochen und deren Verbringung ins Ausland erlaubt worden war. 16 dieser Gemälde ersteigerte der Direktor des Dresdner Kupferstichkabinetts Ludwig Gruner für die Dresdner Gemäldegalerie.Bernhard Maaz, Die spanische Malerei in Deutschland und der Dresdner Bestand: Anstelle eines Vorworts, in: Matthias Weniger, Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Gemäldegalerie Alte Meister. Bestandskatalog Spanische Malerei, München 2012, S. 6–11, 9. Gegen die Konkurrenz der Londoner National Gallery und weiterer Museen gelang es Gruner, qualitativ hochwertige Werke zu sichern. So ersteigerte er mit dem Gebet des Heiligen Bonaventura um die Wahl des neuen Papstes von Francisco de Zurbarán das beste der beinahe 80 ihm zugeschriebenen Gemälde aus der Kollektion. Zwölf der Gemälde ersteigerte Gruner direkt, vier weitere erwarb er nach Genehmigung am 29. Juni 1853 über Zwischenhändler.Matthias Weniger, Einführung, in: Matthias Weniger: Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Gemäldegalerie Alte Meister. Bestandskatalog Spanische Malerei. München 2012, S. 14–31, 20. Gruner besaß Entscheidungsfreiheit, welche Werke er für die Galerie erwarb. Dabei zeigte er gute Kenntnis der spanischen Kunst, da im Gegensatz zu anderen Übernahmen aus der Galerie espagnole bei den Dresdner Werken nur wenige Zuschreibungen letztendlich nicht haltbar waren. Die genaueren Hintergründe dieser groß angelegten Erwerbung konnten aus den bisher bekannten Quellen nicht rekonstruiert werden. Der Ankauf erscheint insbesondere aufgrund der Indifferenz des Galeriedirektors Julius Schnorr von Carolsfeld gegenüber der spanischen Malerei und dem tief verwurzelten Antikatholizismus in Sachsen überraschend.Matthias Weniger, Einführung, in: Matthias Weniger: Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Gemäldegalerie Alte Meister. Bestandskatalog Spanische Malerei. München 2012, S. 14–31, 21.
mini|Karl Louis Preusser, In der Dresdner Galerie, Öl auf Leinwand, 68 × 87 cm, 1881, Galerie Neue Meister, Inv.-Nr. 94/05. Das Gemälde zeigt den Saal H, in dem der Großteil des Spanier-Bestandes der Gemäldegalerie Alter Meister präsentiert wurde.