Diabolotherium ist ein ausgestorbener Vertreter der Faultiere und wird in die Familie der Megalonychidae gestellt, der auch die heute noch lebenden Zweifinger-Faultiere angehören. Er war relativ klein und erreichte die Größe der Formen, die einst die karibischen Inseln bewohnten. Nachgewiesen ist Diabolotherium mit mehreren Fossilresten bestehend aus Teilen des Schädels und des Körperskelettes, die weitgehend im westlichen Teil Südamerikas gefunden wurden. Dabei stammt ein Großteil der Funde aus dem Gebiet der Anden und der Küstentiefländer am Pazifik, einige wenige Reste sind zudem aus Patagonien bekannt. Alle bisherigen Fossilreste datieren in das ausgehende Oberpleistozän und sind zwischen 29.000 und 10.000 Jahre alt, möglicherweise starb die Gattung aber erst im frühen Holozän aus. Bemerkenswert ist die Mischung von anatomischen Merkmalen, die sowohl bei den Megalonychidae als auch bei den riesenhaften Megatheriidae, zudem aber auch bei den heute noch lebenden, baumbewohnenden Faultieren zu finden sind. Aufgrund des Baus der vorderen Gliedmaßen kann auf eine kletternde Lebensweise geschlossen werden. Das weitgehende Fehlen von Bäumen in den Hochgebirgsregionen der Anden und die Lage einiger Funde in schwer zugänglichen Höhlen lässt hierbei an Klettern in schwierigem Felsgelände denken. Diabolotherium erweitert somit das bestehende Wissen um die Lebensweise der Faultiere, die neben den rezenten baumkletternden vor allem ausgestorbene bodenbewohnende, im Untergrund grabende und semiaquatisch schwimmende Formen einschließen.

Merkmale Diabolotherium stellt einen relativ kleinen Vertreter der Faultiere mit schlankem Körperbau und lang gestreckten Gliedmaßen dar. Er ist über einzelne Funde und ein Teilskelett bekannt. Ein vollständiger Schädel liegt vor, wurde bisher aber noch nicht beschrieben. An einem fragmentierten Hinterschädel eines allerdings noch nicht vollständig erwachsenen Tieres verlief die Profillinie der Scheitelbeine leicht aufgewölbt. Höchstwahrscheinlich war bei adulten Individuen ein Scheitelkamm ausgebildet. Das Hinterhauptsbein besaß in der Ansicht von hinten eine rechteckige Form, es war dabei niedrig und relativ breit. Die Gelenkansätze für die Halswirbelsäule zeigten leicht nach unten und waren nicht sehr prominent, ein Merkmal, das bei mehreren Vertretern der Megalonychidae der karibischen Inseln auch auftritt. Der hintere Abschnitt des Jochbogens setzte direkt vor dem Gehörgang am Schläfenbein an. Er war extrem kurz, stand in einem Winkel von 25° zur Schädelmittelachse ab und verlief leicht abwärts. Der vordere Bogenteil begann am Oberkiefer oberhalb des zweiten und dritten Zahns. Der Unterkiefer ist nur fragmentarisch bekannt, die beiden bisher vollständigsten Exemplare weichen in ihrer Größe um 10 % ab. Die für zahlreiche Faultiere typische vordere, spatelartige Verlängerung der Symphyse ist nur in ihrem hinteren Teil erhalten, die vollständige Länge ist unbekannt. An der Basis des Fortsatzes befand sich ein äußeres Foramen mentale, ein inneres lag 14 mm vor dem ersten Zahn. Der Unterkieferkörper erreichte seine größte Höhe unterhalb des ersten Zahns und maß dort 3,4 cm. Er wurde nach hinten zu kontinuierlich niedriger, womit die für die Megatheriidae und Nothrotheriidae charakteristische Ausstülpung des unteren Unterkieferrandes fehlte. Der Gelenkfortsatz ragte weit auf, sodass das Unterkiefergelenk wenigstens 4,5 cm hoch über dem hinteren Winkelfortsatz (Processus angularis) lag.

Der überwiegende Teil der bisher gefundenen Kieferfunde ist zahnlos, anhand des Baus und der Anordnung der Alveolen lässt sich aber die Struktur des Gebisses ablesen. Das Gebiss besaß den typischen Aufbau der Faultiere mit fünf Zähnen je Kieferhälfte im Ober- und vier im Unterkiefer, insgesamt waren somit 18 Zähne ausgebildet. Alle Zähne standen geschlossen in einer Reihe und besaßen eine molarenartige Gestalt. Dies erinnert an die Megatheriidae, weicht aber von den Megalonychiden ab, deren jeweils vorderster Zahn eckzahnartig umgestaltet und durch ein Diastema von der hinteren Bezahnung abgetrennt ist. Auch die Form der Zähne zeigte Ähnlichkeiten zu den großen Megatherien. Sie besaßen im Oberkiefer eine rechteckige, im Unterkiefer eine eher quadratische Gestalt, der jeweils vorderste wies aber einen leicht triangulären Umriss auf. Die Kauoberfläche einiger weniger aufgefundener Zähne wies zwei typische, querstehende Leisten auf. Die Länge der unteren Zahnreihe betrug 4,4 cm.

Das Körperskelett ist nur unvollständig bekannt. Der Atlas (erster Halswirbel) war vorn und hinten verschmälert, die drei Gelenkflächen, die ihn mit dem nachfolgenden Axis (zweiter Halswirbel) verbanden, standen in Kontakt zueinander. Die insgesamt zehn bisher überlieferten Schwanzwirbel weisen im Vergleich zu den Megatherien verlängerte, aber schmalere Querfortsätze auf. Die Gliedmaßenknochen wurden im Vergleich zu denen der anderen Bodenfaultieren sehr lang und schlank und ähnelten dadurch den heutigen Baumfaultieren. Der Oberarmknochen erreichte bis zu 24 cm Länge. Der Schaft wurde von einer Knochenleiste (Crista deltoidea) umgriffen, die als Muskelansatzstelle diente und besonders im mittleren Teil kräftig ausgebildet war. Wie bei allen Faultieren wies das untere Gelenkende einen wuchtigen Bau auf. Die Elle wies fast die gleiche Länge wie der Humerus auf. Der obere Gelenkfortsatz, das Olecranon, war verhältnismäßig länger als bei den heutigen Baum- und auch den meisten ausgestorbenen Bodenfaultieren. Die Speiche besaß eine Länge von 18 cm, war kurz und massiv und hatte ein kreisförmig gestaltetes Köpfchen, das direkt vor der Elle ansetzte. Die Hand umfasste wenigstens vier Strahlen (II bis V), möglicherweise war der innere Strahl (I) mit einigen Teilen der Handwurzel zu einem Knochenkomplex verwachsen, dem für einige große Bodenfaultiere typischen Metacarpal Carpal Complex (MCC). Von den vier ausgebildeten Strahlen waren aber nur drei (II bis IV) funktional. Bemerkenswert ist, dass diese nahezu gleich große Mittelhandknochen aufwiesen, deren Länge 3,9 bis 4,1 cm betrug, was ungewöhnlich ist für ausgestorbene Faultiere. Bei den Megatherien und den Nothrotherien nahm die Länge der Metacarpalia vom zweiten zum vierten Strahl deutlich zu. Die Endphalangen hatten einen dreieckigen Umriss im Längsschnitt und zeigen damit, dass sie Krallen trugen. Die Länge der letzten Phalanx des Mittelstrahls betrug 6 cm, sie war schmal gebaut sowie leicht nach unten gebogen, was eine entsprechend geformte Kralle annehmen lässt. Im Vergleich zu den heutigen Baumfaultieren scheint sie aber vergleichsweise kürzer gewesen zu sein. Vom hinteren Bewegungsapparat sind bis auf das schlank gebaute Darmbein, das Sprungbein und das Fersenbein sowie einzelne Teile des Mittelfußes bisher kaum Knochenelemente überliefert.

Fossilfunde mini|Erland Nordenskiöld fand die ersten Fossilreste von Diabolotherium. Der überwiegende Teil der Fossilfunde von Diabolotherium stammt aus dem westlichen Südamerika, vor allem aus Peru und Chile. Dort wurden sie sowohl in den Hochlagen der Anden als auch in den westlich angrenzenden Küstenniederungen zu Tage gefördert. Die ersten Funde entdeckte der schwedische Forscher Erland Nordenskiöld bereits am Anfang des 20. Jahrhunderts. Er besuchte zu dieser Zeit peruanische und bolivianische Fundstellen und sammelte fossile Säugetierreste. Darunter befanden sich auch ein Oberarmknochen und ein zahnloses Oberkieferfragment eines kleinen Faultiers aus der Höhle Casa del Diablo, die nahe der Stadt Tirapata am Titicacasee in rund 3800 m Höhe liegt. Nordenskiöld glaubte, dass die Funde einer neuen Gattung der Faultiere zugewiesen werden können. Er selbst fertigte keine eigene Beschreibung an, veröffentlichte aber den Oberarmknochen im Jahr 1908. Später, im Jahr 1926, kreierte der argentinische Forscher Lucas Kraglievich dann auf den Knochenfunden basierend die Art Nothropus nordenskioldi. Weitere bedeutende Funde in den Hochlagen der Anden konnten erst wieder zu Beginn des 21. Jahrhunderts geborgen werden. Hervorzuheben ist dabei ein nahezu vollständiger, aber weitgehend zahnloser Schädel sowie eine fast vollständige Hand aus dem Höhlenkomplex Jatun Uchco in der Nähe der Stadt Ambo in der peruanischen Region Huánuco. Der Höhlenkomplex liegt in rund 2150 m Höhe. Im Abri Trigo Jirka, der in der gleichen Region in einer Felswand 300 m über dem Río Marañón in 2700 m Höhe liegt, fand sich eine Endphalanx, der noch die aus Keratin bestehende Kralle aufsaß. Stärker fragmentierte Knochenreste sind dagegen aus der Cueva Roselló 26 km südwestlich von Huancayo überliefert. Mit einer Lage in 3875 m Höhe stellt die Höhle die bisher höchste Fundstelle dar. Bereits im Jahr 1975 hatte ein französisches Wissenschaftlerteam um Rudolf Hoffstetter an der Fundstelle Piedra Escrita in der Wüste Cupisnique an der peruanischen Westküste 80 km südlich von Trujillo zahlreiche Fossilreste eines kleinen Faultiers gefunden, die ein Teilskelett eines einzigen Individuums repräsentieren. Die Knochen lagen an der Oberfläche und waren teilweise verwittert. Aus Chile sind Funde aus den unteren Lagen der 4 m breiten Höhle Baño Nuevo bekannt, dazu gehören ein linker, bezahnter Unterkiefer und ein Fingerglied. Die Höhle liegt rund 80 km nordöstlich der Stadt Coyhaique. Auch ein isolierter Zahn aus der Senke Pampa del Tamarugal wird zu Diabolotherium gestellt. Weitere Fossilfunde wurden aus Patagonien berichtet und umfassen Kieferfragmente mit anhaftenden Zähnen.

Alle bisher bekannten Funde von Diabolotherium werden in das ausgehende Oberpleistozän gestellt. Für die Fossilreste aus der Cupisnique-Wüste stehen mit Hilfe der Uran-Thorium-Datierung gewonnene Altersdaten zur Verfügung, die zwischen 25.000 und 15.000 Jahren vor heute liegen, abweichend geben Radiocarbondaten einen Alterswert von 8910 Jahren BP an. Die unteren Schichten von Baño Nuevo werden auf ein Alter von etwa 13.000 bis 9000 Jahren eingestuft. Die noch mit einer Kralle versehene Phalanx von Trigo Jirka ergab einen Radiocarbonwert von 29.140 Jahren BP. Die jüngsten Funde sind bisher aus Patagonien bekannt und gehören möglicherweise schon dem Unteren Holozän an.

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