mini|Verteidigungslinie an der Promenthouse

Das Westschweizer Feldarmeekorps 1 (FAK 1, , ) der Schweizer Armee war eine Heereseinheit aus mehreren Divisionen, Brigaden und direktunterstellten Korpstruppen, der von einem Korpskommandanten (vor Armee 61 Oberstkorpskommandant) geführt wurde. Das 1. Armeekorps (seit 1961 Feldarmeekorps 1) bestand von 1891 bis 2003.

Geschichte 1891 wurde die Schweizer Armee erstmals in vier Armeekorps eingeteilt. Paul Cérésole, Bundesrat von 1870 bis 1875 und Vater des Pazifisten Pierre Cérésole, wurde 1891 vom Bundesrat das Kommando des 1. Armeekorps übertragen, das er bis 1898 befehligte.

1906 sah der Generalstabschef der Schweizer Armee die Schweiz von Frankreich bedroht, das mit einem Umfassungsangriff (Plan H = Helvétie) durch die Schweiz in Richtung der unbefestigten deutschen Südgrenze vorstossen könnte. Die Dreiländergrenze befand sich damals im Pruntruter Zipfel des Jura bei Bonfol, weil das Elsass zu Deutschland gehörte.

Erster Weltkrieg Die Fortifikation Murten wurde im Ersten Weltkrieg zum Schlüsselraum West für die Sicherung des schweizerischen Mittellandes vor gegnerischen Angriffen vom Westen.

In der Ordre de bataille von 1917 wurde die Armee in 6 Divisionen gegliedert:Gliederung der 6 Divisionen der Schweizer Armee, «Ordre de Bataille» von 1917. (PDF; 4,9 MB) In: hamfu.ch Division Brigaden Regimenter Bataillone der Infanterie 1 GE VD 1, 2, 3 1+2, 3+4, 5+61 2 3, S1 S2 In: armee.ch | Infanteriebrigade 2 1/13, S. 4–5, 4 5 6, 10 13, 8 9, 11 12 88 2 FR NE JU«Jura bernois» (umfasst aus heutiger Sicht Berner Jura und Kanton Jura) SO 4, 5, 6 7+8, 9+10, 11+1214 15 16, 18 19 20, 21 22 24, 17 23 90, 49 50 51, S3 S4 S5 3 BE VS 7, 8, 9 13+14, 15+16, 17+1825 26 27, 28 29 30, 31 32 33, 37 38 39, 34 35 36, 40 89 4 BS BL AG LU 10, 11, 12 19+20, 21+22, 23+2441 42 43, 44 45 48, 46 52 53, 54 97 99, 55 56 57, 58 59 60 5 ZH SH NW OW TI 13, 14, 15 25+26, 27+28, 29+3061 62 98 S6, 63 64 65, 67 68 69, 66 70 71, 47 72 86, 94 95 96 6 SG TG AR AI GR GL 16, 17, 18 31+32, 33+34, 35+3673 74 75, 79 80 85, 78 81 82, 83 84 S7, 76 77 S8, 91 92 93

Das 1. Armeekorps setzte sich aus der 1., 2. und 3. Division (Div) zusammen, später kamen die Gebirgsbrigaden (Br mont) 10 und 11 dazu.

Der Kriegsbestand der 1–3. Division betrug laut «Ordre de Bataille» von 1917: 2962 Offiziere, 74.316 Unteroffiziere und Soldaten, 19.888 Pferde, 51.983 Gewehre, 360 Maschinengewehre, 861 Säbel, 184 Geschütze.

Zweiter Weltkrieg Nach der Kriegsmobilmachung im Zweiten Weltkrieg vom 2. September 1939 wurde die 3. Division als Armeereserve in den Raum Laupen-Aarberg-Ins-Murten verlegt, um die Sperre zwischen Neuenburger- und Bielersee vorzubereiten (Operationsbefehl Nr. 1). Der Schlüsselraum Murten wurde als Eckpfeiler der vorgeschobenen Stellung mit zusätzlichen Verstärkungen aufgerüstet und von der Grenzbrigade 2 und der Leichten Brigade 1 betrieben.

Kurz vor Kriegsausbruch waren die Grenztruppen (Truppenordnung 1938) mit 11 Grenzbrigaden (Gz Br) neu organisiert worden. Während des ganzen Zweiten Weltkrieges blieben die Grenzbrigaden in ihrer Stammregion, der Einsatzraum und Unterstellung wurden oft angepasst. Dem 1. Armeekorps waren die Grenzbrigaden 1–3 unterstellt.

Mobilmachungsaufstellung des 1. Armeekorps EinheitKommandantEinsatzraum 1. Armeekorps Oberstkorpskommandant Lardelli Westen und Südwesten 1. Division Oberstdivisionär Gustave Combe Waadt 2. Division Oberstdivisionär Borel Bieler und Neuenburger Jura 3. Division Oberstdivisionär von Graffenried Bern / Murten 8. Division Oberstdivisionär Gübel Wiggertal 9. Division Oberstdivisionär Bolliger Gotthard 1. Leichte Brigade Oberst Charrière Morges / Jura 2. Leichte Brigade Oberst Koller Freiberge 10. Gebirgsbrigade Oberstbrigadier Schwarz unterer Lauf der Rhone und Dranses 11. Gebirgsbrigade Oberstbrigadier Bühler Simplon (oberes Rhonetal)

Die Schweizer Armee besetzte aufgrund des Operationsbefehles Nr. 2 (Aufmarsch Nord) vom 4. Oktober 1939 die Limmatstellung, um einen Angriff aus dem Norden und eine Umgehung der Maginotlinie durch die Schweiz aufhalten zu können. In dieser Armeestellung wurde die 1. Division dem 3. Armeekorps und die 2. Division dem 2. Armeekorps unterstellt. Da der Armeeaufmarsch Front Nord eindeutig gegen das Deutsch Reich gerichtet war, liess der General aus neutralitätspolitischen Gründen die Westgrenze gegen Frankreich mit der 1. Division im Gros de Vaud und an der Mentue und mit der 2. Division im Neuenburger Jura besetzen. Bei Auslösung des Falles Nord wären die beiden welschen Divisionen jedoch in ihre Kampfräume in der Limmatstellung verschoben worden. Die Stellungen der 1. Division mit der Festung Dietikon und dem Vorderhang des Heitersbergs wurden 1939 vom Ad-hoc-Verband der Gruppe Dietikon vorbereitet. Die 2. Division erhielt im Mai 1940 den Auftrag den Raum der Seen und das Sankt-Immer-Tal und das Val de Ruz zu schützen, beidseitig des Zihlkanals die Achsen zu sperren und auf dem Mont Vully zu halten.

Am 17. Juni 1940 erreichten die ersten deutschen Panzer bei Les Verrières die Schweizer Grenze und die Wehrmacht konnte das 45. französische Armeekorps unter General Marius Daille einschliessen. Am 18. Juni bewilligte der Bundesrat den Grenzübertritt und die Internierung von rund 43’000 alliierten Soldaten, darunter 1000 algerische Spahis und die polnische 2. Schützendivision mit 12'500 Mann, die sich keinesfalls in deutsche Kriegsgefangenschaft begeben wollte. Das 45. Armeekorps wäre aufgrund eines geheimen Abkommens (Manöver H) der Schweiz bei einem deutschen Angriff im Mai 1940 zu Hilfe geeilt. Mit dem Reduitbefehl (Operationsbefehl Nr. 12) vom Juli 1940 wurde mit den Grenztruppen in der Grenzzone, der vorgeschobenen Stellung „Südufer Zürich-Limmat-Bözberg-Gempen-Mont Raimeux-Chasseral-Chaumont-Mont Vuilly-Saane von Laupen bis Hauteville“ und der Zentralstellung die Verteidigung dreistufig festgelegt.

Sperren 1940/41 Die Sperren der 2. Division erstreckten sich vom Jura bis in den Raum Murten: Sonceboz, Frinvillier, Gampelen/Jolimont, Mont Vully, Löwenberg, Biberächeren. Die Sperre von Neuenegg gehörte den Leichten Brigaden.

Die Sperren der 1. Division befanden sich am Reduiteingang in Greyerz und bei La Tine an der Grenze Waadt/Freiburg.

Die Sperren der 3. Division befanden sich am Eingang zum Zentralraum (Reduit), rund um den Thunersee: Heiligenschwendi, Merligen-Sichel, Fischbalmen, Einigen, Wimmis-Gantrisch In: Verein Historische Militäranlagen Freiburg/Bern.

Reduit Mit dem Operationsbefehl Nr. 13 vom 24. Mai 1941 erhielt das 1. Armeekorps unter Jules Borel den Auftrag das Reduit mit Nordfront zu verteidigen, das obere Aaretal zu sperren und den Zugang zum Réduit in den westlichen Voralpen zu schützen. General Guisan legte die zu verteidigende Aussengrenze des Reduits für das Berner Oberland von Heiligenschwendi über Oberhofen, die Kanderstellung in Einigen bis zur Simmentalsperre (Wimmis) fest. Sie lag mit ihren strategisch wichtigen Höhen nördlich des Thunersees und westlich des Sigriswilergrates vor der eigentlichen Reduitlinie Pilatus-Hohgant-Sigriswilergrat-Stockhorn-Kaiseregg-La Tsintre-Vanil Noir-La Tine–Rochers de Naye-Chillon. Der Gebirgsbrigade 10 war das Unterwallis und der Gebirgsbrigade 11 der Simplonpass und das obere Rhonetal zugeteilt. Die Leichte Brigade 1 war als Verzögerungskraft im Genferseegebiet und Kanton Freiburg eingesetzt. Zum Einsatzraum gehörte auch das Festungsgebiet Saint-Maurice.

In den Talzugängen zum Reduit erstellten die für diesen Verteidigungsraum verantwortlichen Truppen des 1. Armeekorps mit der 1., 2. und 3. Division, der Gebirgsbrigade 10 und den Territorialtruppen feldmässige und feste Anlagen. Insgesamt waren in den drei verstärkten Divisionen 27 Bataillone Auszugsinfanterie, 10–11 Bataillone Territorialinfanterie und 18 Artillerieabteilungen in vier Festungskompanien eingesetzt. Im Raum Thunersee wurden die Befestigungen ausschliesslich mit Beton erstellt. Für das Kommando des 1. Armeekorps wurde in Frutigen eine geschützte Anlage gebaut.Jürg Keller: Das 1. Armeekorps im Aktivdienst 1939–1945. Jahresschrift der Gesellschaft für Militärhistorische Studienreisen (GMS), 2010. Das 1. Armeekorps war mit rund 94.000 Mann das truppenstärkste Armeekorps.

Aufträge und Einsatzräume des 1. Armeekorps im Reduit (Operationsbefehl Nr. 13) EinheitKommandantTruppenstärke (TO38aufgrund der Truppenordnung 38, TO 38)AuftragEinsatzraum 1. Division Combe 20'000 Verteidigt das Reduit zwischen Rochers de Naye und Kaiseregg und mit Schwergewicht entlang der Achsen, welche von Bulle ins Simmental führen Rochers de Naye bis Kaiseregg 2. Division   24'000 Verteidigt das Reduit zwischen Stockhorn und Kaiseregg Kaiseregg bis Stockhorn 3. Division (Geb), Berner Division von Graffenried 16'000 Hält als „Kampfgruppe Thunersee“ eine Stellung auf der Linie Hohgant bis Kaiseregg und verteidigt sich hier bis zum Äussersten Stockhorn – Thunersee – Hohgant Gebirgsbrigade 10 (Br mont 10) Schwarz 11'000 Verteidigt den südöstlichen Bereich der Schweizer Alpen im Unterwallis Unterwallis Gebirgsbrigade 11 Simplonbrigade Bühler 13'000 Verteidigt das Oberwallis und den Simplon Simplonpass – oberes Rhonetal 1. Leichte Brigade Charrière 10'000 Verzögerungskraft im Mittelland Genferseegebiet, Kanton Freiburg Festungsgebiet Saint-Maurice Louis Mamin   Flankiert die Alpen- oder Zentralraumstellung (réduit national) im Westen St. Maurice

Bis Juli/August 1940 wurden die 1. und 3. Division ins Reduit zurückgezogen, im Juli 1941 folgte die 2. Division, die bisher in der vorgeschobenen Stellung eingesetzt war (Operationsbefehl Nr. 13, Mai 1941).

Kalter Krieg 1945 wurde das 1. Armeekorps mit der Leichten Brigade 1, den Gebirgsinfanterieregimentern (rgt inf mont) 5, 6, 7, dem Gebirgsfüsilierbataillon (Geb Füs Bat) 17 verstärkt und die 3. Division wurde zur 3. Gebirgsdivision. 1947 kam eine Panzerjägerabteilung als Verstärkung dazu. Das Hauptquartier befand sich bis nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Bern und wurde 1955 nach Lausanne verlegt.

Im Kalten Krieg war das Motorinfanterie Regiment 2 der Mechanisierten Division 1 für die Belegung des Infanterie-Sperrriegels zwischen seinen beiden Panzer-Regimentern vorgesehen.

1961 gab es aufgrund der Truppenordnung 61 folgende Änderungen: Die 1. Division wurde in die Mechanisierte Division (Div méc) 1, die 2. Division in die Grenzdivision (Div fr) 2, die 3. Division in die Felddivision 3 umgewandelt. Dazu kamen die Grenzbrigade (br fr) 3 und die Territorialbrigade (br ter) 1. Die Festung Saint-Maurice wurde der Festungsbrigade 10 und damit dem Gebirgsarmeekorps 3 unterstellt.

Aufgrund des Grunddispositiv Zeus von 1992 umfasste das FAK 1 die Mechanisierte Division 1, die Felddivisionen 2 und 3, die Grenzbrigaden 1–3 und als Korpstruppen das Radfahrerregiment 4 und das Genieregiment 5.

Die Reform Armee 95 führte zur Auflösung der Grenzbrigaden 1, 2, 3 sowie der Mechanisierten Division 1 und von Festungswerken.

Mit der Armeereform XXI wurden alle Armeekorps und Divisionen per Ende 2003 aufgelöst.

Korpsraum und Angriffsachsen Die Schweizer Armee hat aufgrund des Haager Abkommens Abgeschlossen in Den Haag am 18. Oktober 1907. die Pflicht, ihr Territorium ab den Landesgrenzen nach dem Grundsatz der Bewaffneten Neutralität zu verteidigen. Deshalb konnten den Armeekorps feste Korpsräume zur Verteidigung zugeteilt werden.