mini|Monatsmitteltemperaturen und monatliche Abweichungen für Deutschland Das Klima in Deutschland gehört zur kühlgemäßigten Klimazone und befindet sich im Übergangsbereich zwischen dem maritimen Klima Westeuropas und dem kontinentalen Klima Osteuropas.
Überblick Das Klima in Deutschland wird maßgeblich durch Deutschlands Lage an der Westseite des Kontinents im Bereich der Westwindzone bestimmt. Mit den in den mittleren nördlichen Breiten vorherrschenden Westwinden wird häufig feuchte und aufgrund des warmen Golfstroms milde Meeresluft vom Atlantik herangeführt, so dass die Temperaturen in Deutschland vor allem im Winterhalbjahr höher sind, als es seine nördliche Position vermuten ließe. Das gesamte Land befindet sich in der gemäßigten Klimazone. Der atlantische Einfluss nimmt innerhalb des Landes von Nordwest nach Südost ab. Die stärkste Kontinentalität weist Ostbayern auf. So schwankt die jährliche Temperatur in Landshut/Bayern zwischen −1 Grad Celsius im Januar und 18,1 Grad Celsius im Juli (Vergleichsperiode 1970–2000).Landshut, auf klimadiagramme.de
Klimazonen innerhalb Deutschlands
Maritim-warm Die maritim-warme Klimazone betrifft vor allem den Westen und Nordwesten des Landes, insbesondere Regionen nahe der Nordsee und Teile des Rheinlandes. Dieses Klima zeichnet sich durch milde Winter, gemäßigte Sommer und eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit aus. Die Nähe zum Golfstrom sorgt für feuchtwarme Luftmassen, die häufig Regen und wechselhaftes Wetter mit sich bringen. Diese Bedingungen beeinflussen auch die Vegetation, die hier überwiegend aus Laub- und Mischwäldern besteht.
Kontinentales Klima Das kontinentale Klima in Deutschland erstreckt sich vor allem über den Osten und Südosten des Landes, insbesondere in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Teilen Bayerns und Baden-Württembergs südöstlich der Schwäbischen Alb. Es ist durch kalte Winter und heiße Sommer mit geringen Niederschlägen gekennzeichnet. Da der Einfluss des Atlantiks hier schwächer ist, gibt es größere Temperaturunterschiede zwischen den Jahreszeiten. Die Luft ist oft trockener, was zu häufigeren Hochdrucklagen führt. Diese klimatischen Bedingungen begünstigen ausgedehnte Kiefernwälder sowie landwirtschaftliche Nutzung, insbesondere für den Getreideanbau.
Klima am Oberrhein Das Klima am Oberrhein bis Mannheim gehört zu den wärmsten Regionen Deutschlands, die Sommer sind dort deutschlandweit am heißesten, die jährlichen Temperaturschwankungen aber relativ hoch. Die Temperaturen schwanken zwischen wenig über Null Grad im Winter und über 18 Grad im Sommer. Im Vergleich dazu schwankt die Temperatur z. B. in Emden (Niedersachsen) zwischen 2 Grad Celsius im Januar und 17,1 Grad im August. Auch sind das nordwestliche Niedersachsen und der Niederrhein später von Nachtfrösten betroffen. Durch die geschützte Lage zwischen Schwarzwald und Vogesen sind die Sommer am Oberrhein am heißesten, allerdings mit Niederschlagsmengen von 80–100 mm (z. B. Freiburg, 1970–2000) auch nass. Die Oberrheinregion weist eine hohe Sonnenscheindauer von über 1.700 Stunden pro Jahr auf. Die Stadt Freiburg im Breisgau verzeichnet außerdem deutschlandweit die meisten Tropennächte und nach Städten im Rheinland, wie Köln, Aachen und Düsseldorf, die zweitmildesten Winter. Diese Bedingungen ermöglichen dort den Anbau von Wein, Feigen, Mandeln und anderen wärmeliebenden Pflanzen.
Übergangsbereich Der Südwesten Deutschlands, die Bundesländer Saarland, Rheinland-Pfalz, südliches Hessen und westliches Baden-Württemberg, befinden sich im Übergangsbereich zwischen dem Kontinentalerem Klima der östlichen und südöstlichen Bundesländer und dem maritim-warmen Klima. Bedingt durch die wärmsten Durchschnittswerte in den Sommermonaten finden sich in den Flussniederungen des Südwestens, besonders im Oberrheingraben, die Orten mit den deutschlandweit höchsten Jahresmitteltemperaturen.
Mikroklima Aufgrund von Geländeformen, Höhenlagen und lokalen Gegebenheiten gibt es in Deutschland zahlreiche Mikroklimazonen. Beispiele sind:
Alpen und Mittelgebirge: Kühle Temperaturen, hohe Niederschläge, oft subalpines oder alpines Klima in Hochlagen. Städtische Wärmeinseln: Großstädte wie Berlin oder Frankfurt haben durch dichte Bebauung und Abwärme höhere Temperaturen als ihr Umland. Flusstäler (z. B. Moseltal, Elbtal): Geschützte, wärmere Lagen mit weniger Wind und einem milden Mikroklima, das Weinbau begünstigt.
Klimabeobachtung und Mittelwerte
Zur Beurteilung des Klimas und seiner Veränderung bedient man sich langjähriger Mittelwerte für die verschiedenen Messparameter wie z. B. Temperatur, Niederschlag oder Luftfeuchtigkeit, die üblicherweise aus den Messwerten einer 30 Jahre langen Beobachtungsreihe idealerweise am selben Standort gebildet werden und die Referenz- oder Normalperiode genannt wird. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) arbeitet mit der auch international noch sehr verbreiteten Referenzperiode 1961–1990, also den gemittelten Klimadaten aus diesen 30 Jahren, die hier deshalb stets zuerst genannt wird. In den letzten Jahren wird auch vom DWD zusätzlich die Referenzperiode 1981–2010 verwendet, da diese die einschneidenden Veränderungen des Klimas im Laufe der letzten Jahrzehnte und somit unsere Klimagegenwart besser abbildet. Aus diesen Gründen werden die Mittelwerte in den folgenden Abschnitten – falls nicht anders erwähnt – immer für beide Perioden angegeben. Ab dem Jahr 2021 wird die neue internationale Referenzperiode 1991–2020 zur Verfügung stehen.
Der sogenannte bundesweite Gebietsmittelwert der Lufttemperatur (also ein aus den Daten aller DWD-Wetterstationen errechnetes Flächenmittel) liegt im Jahresmittel bei 8,2 °C (Normalperiode 1961–1990) bzw. 8,9 °C (Normalperiode 1981–2010) mit dem Januar als kältestem Monat mit durchschnittlich −0,5 °C bzw. 0,4 °C und dem Juli als wärmstem Monat mit 16,9 °C bzw. 18,0 °C. Die höchsten Jahresdurchschnittstemperaturen verzeichnet der Oberrheingraben und das angrenzende Neckartal mit über 11 °C z. B. in Karlsruhe, Heidelberg und Stuttgart, während beispielsweise in Oberstdorf nur 6,6 °C erreicht werden.
Klimawandel in Deutschland Entwicklung der Jahrestemperaturen in Deutschland 1881–2019|mini In den letzten Jahrzehnten zeichnet sich als Folge der globalen Erwärmung in Deutschland wie auch weltweit ein allgemeiner Trend zu höheren Temperaturen ab: Wie anhand der Zeitreihe der Lufttemperatur in Deutschland erkennbar ist, lagen bis auf 1996 und 2010 in allen Jahren seit 1988 die Durchschnittstemperaturen über dem langjährigen Mittelwert (1961–1990) von 8,2 °C (Stand der Auszählung: bis inkl. 2019); seit etwa der Jahrtausendwende kommt es zu einer Häufung sehr warmer Jahre. So wurde der alte Rekord von 9,9 °C aus dem Jahr 2000 erneut 2007 und 2015 erreicht und sowohl durch die Jahre 2014, 2019 (jeweils 10,3 °C) und 2018, 2022 (je 10,5 °C) – den neuen Rekordhaltern – übertroffen.Friedrich, K.; Kaspar, F.: Rückblick auf das Jahr 2018 – das bisher wärmste Jahr in Deutschland, Bericht des Deutschen Wetterdienstes, Stand 2. Januar 2019Kaspar, F., Friedrich, K.: Rückblick auf die Temperatur in Deutschland im Jahr 2019 und die langfristige Entwicklung, Bericht des Deutschen Wetterdienstes, Stand 2. Januar 2020 9 der 10 wärmsten Jahre seit Beginn systematischer Wetteraufzeichnungen 1881 lagen im Zeitraum zwischen 2000 und 2019 (Stand der Auszählung 2022). Bei Betrachtung des Zeitraums 1881 bis 2022 fällt die Erwärmung in den Jahreszeiten einheitlich aus: Für Sommer, Herbst und Winter ergeben die Auswertungen des Deutschen Wetterdienstes über diesen Zeitraum einen linearen Trend von +1,5 °C, für den Frühling von +1,6 °C.
Diese Veränderungen haben auch für jedermann sichtbare Konsequenzen: So wandern die typischen phänologischen Stichtage pro Jahrzehnt etwa 2,5 Tage nach vorne. Durchschnittlich beginnt also der anhand der Schneeglöckchenblüte definierte Vorfrühling mittlerweile rund 10 Tage früher als vor 40 Jahren, gleiches gilt für die Apfelblüte als definierendes Ereignis zu Beginn des Vollfrühlings.
Temperaturrekorde
Tiefsttemperatur Die tiefste jemals in Deutschland gemessene, aber offiziell nicht bestätigte Temperatur betrug −45,9 °C und wurde am 24. Dezember 2001 am Funtensee in den Berchtesgadener Alpen registriert. Es handelt sich jedoch um einen unbewohnten Extremstandort; in der abflusslosen Senke kann sich in langen Winternächten über einer Schneedecke extrem kalte Luft bilden. Der Deutsche Wetterdienst gibt als Rekordwert −37,8 °C an, die am 12. Februar 1929 in Hüll (Ortsteil Wolnzach, Kreis Pfaffenhofen) gemessen wurden.
Höchsttemperatur Die höchste gemessene Temperatur in Deutschland wurde am 28. Juni 2026 in Coschen () mit 41,7 °C erreicht. Sie übertraf damit die beiden vorangegangenen Temperaturrekorde, die während der gleichen Hitzewelle an den beiden vorangegangenen Tagen aufgestellt wurden: 41,5 °C in Drewitz () am 27. Juni 2026 bzw. 41,3 °C in Saarbrücken-Burbach () am 26. Juni 2026.Temperaturrekord 41,7 Grad in Ost-Brandenburg gemessen. In: deutschlandfunk.de, 28. Juni 2026. Abgerufen am 29. Juni 2026.
Diese lösten den vorherigen Temperaturrekord von 41,2 °C ab, der am 25. Juli 2019 an den Stationen Duisburg-Baerl und Tönisvorst erreicht worden war.Vom DWD annulliert: Lingen verliert deutschen Hitzerekord, ndr.de, 17. Dezember 2020Peter Bissolli, Thomas Deutschländer, Florian Imbery, Susanne Haeseler, Christiana Lefebvre, Jutta Blahak, Rainer Fleckenstein, Juliane Breyer, Michael Rocek, Frank Kreienkamp, Stefan Rösner, Klaus-Jürgen Schreiber: Hitzewelle Juli 2019 in Westeuropa – neuer nationaler Rekord in Deutschland. Bericht des Deutschen Wetterdienst, 1. August 2019. Abgerufen am 26. August 2019
Niederschlag miniatur|hochkant=1.5|Am Jahreszyklus sind regionale Unterschiede bezüglich des Niederschlagsmaximums zu erkennen. In den meisten Regionen fällt das Maximum der Niederschläge in den Juni; in Schleswig-Holstein jedoch meist in den November. Die mittlere jährliche Niederschlagshöhe beträgt 789 mm bzw. 819 mm 1981–2010, trockenster Monat ist bisher der Februar gewesen, aber der April hat in den letzten 10–15 Jahren den Februar sogar unterboten. Die nassesten Monate sind die Sommermonate, die Niederschläge fallen dann häufig als vergleichsweise kurze und heftige Schauer bei Gewittern und weniger als Dauerregen. Dabei variiert die Niederschlagshöhe zwischen weit über 1000 mm in den Alpen und den Mittelgebirgen und unter 500 mm im Regenschatten des Harzes zwischen Magdeburg im Norden, Leipzig im Osten und Erfurt im Süden. Generell nimmt die Luftfeuchtigkeit von West nach Ost ab. Auffallend ist außerdem ein Trend zur Frühjahrstrockenheit vor allem im Osten des Landes, der in vielen Jahren kleinere Vegetationsbrände begünstigt.