Vohburg an der Donau (amtlich: Vohburg a.d.Donau) ist eine Stadt im oberbayerischen Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm.
Geographie Geographische Lage mini|hochkant=1.2|Stadtteile des Ortskerns (vereinfachte Darstellung) mini|hochkant=1.2|Blick über Vohburg an der Donau mini|hochkant=1.2|Lage von Vohburg im nördlichen Oberbayern (Karte von Johannes Aventinus, 1523; Vohburg ist dort als „Voburck“ eingezeichnet). Vohburg liegt im Norden des Landkreises Pfaffenhofen an der Ilm, etwa 15 km donauabwärts von Ingolstadt. Die Stadt gehört zur Planungsregion Ingolstadt und ist im Regionalplan als Grundzentrum eingestuft. Die Altstadt wird eingerahmt von den Flussläufen der Donau, Kleinen Donau und Paar. Am südlichen Stadtrand fließt zudem die Ilm. Vohburg könnte somit als Vierflüssestadt bezeichnet werden. Der nächstgrößere Wasserlauf in Vohburg ist der nördlich in die Donau mündende Mailinger Bach.
Benachbarte Gemeinden sind Ernsgaden, Geisenfeld, Großmehring, Manching, Münchsmünster, Oberdolling und Pförring. Vohburg liegt auch an der nördlichen Grenze zur Hallertau.
Gemeindegliederung Es gibt 13 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Es gibt die Gemarkungen Dünzing, Irsching, Menning, Oberhartheim, Oberwöhr (nur Gemarkungsteil 0), Rockolding und Vohburg a.d.Donau.
Stadtteile des Ortskerns
Der Vohburger Ortskern kann in kleinere, zumeist inoffizielle, Teile untergliedert werden: das historische Zentrum im Norden der Stadt (in der Übersicht: 1), das Gries, die Antonius-Siedlung und das Gewerbegebiet im Osten (2), die Au im Westen (3), die Beizn/Bahnhofstraße und die alten Siedlungen um die Siedlungsstraße herum (4), die neuen Siedlungen um die Kastanienallee und den Clermontplatz (5), das Quartier unweit der Neumühle im Süden (6) und Hartacker am südlichen Ilm-Arm (7).
Historisches Zentrum Das historische Zentrum von Vohburg (1) umfasst den Burgberg mit dem Burghof und der Vorburg, den Pfarrhof, das Kleine Donautor im Süden, den Marktplatz, der den Namen Ulrich-Steinberger-Platz trägt, und die Donaustraße. Weiterhin gehören der östliche Ortskern an der Alten Landgerichtsstraße dazu, im Westen das Auer Tor, die Häuser an der Hohenstaufenstraße und im Norden die Donautorgasse mit dem Donautor. Dieser dicht bebaute Teil von Vohburg besteht seit Jahrhunderten. Er ist mit dem Rathaus und der Außenstelle Nord des Landratsamtes Pfaffenhofen an der Ilm das Verwaltungszentrum der Stadt. Hier befinden sich auch die Stadtbibliothek mit der Touristinformation sowie der Kulturstadl und die Markthalle.
Vor dem modernen Strukturwandel der letzten Jahrzehnte war das Zentrum übersät mit kleinen handwerklichen Betrieben und Gewerbe, unter anderem der Gerberei Kopp, dem Modehaus Ludsteck, der Konditorei Demmel, der Kfz-Werkstatt Polz oder der Bäckerei Hammerschmid. An der Donaustraße befanden sich Gaststätten wie der Strasser-Wirt oder das Gasthaus zur Sonne („Schapfl“). Außerdem wurde in der Amberger-Brauerei Bier gebraut. Heute prägen das Innenstadtleben vor allem die Behörden und Bankfilialen, die Bäcker- und Metzgereiketten sowie die Hotels und Gastronomie mit Gaststätten, Pizzerias, Bars, Cafés und Eisdielen.
Burgberg/Burgstraße Die Burgstraße bildet die Grenze zwischen Au und Burgberg. Sie verläuft vom Kleinen Donautor in Richtung Feuerwehrhaus, beschreibt eine enge, um den Burgberg laufende Schleife, die das Auer Tor auf der linken Seite passiert und ab dort als Hohenstaufenstraße wieder zurück zur Donaustraße führt. Im Osten des Burgbergs befinden sich die Innenstadt und der Ulrich-Steinberger-Platz.
Der Burgberg beherbergt meist sakrale und historische Gebäude: das Burgtor, die Pietà-Kapelle, die Stadtpfarrkirche St. Peter, die Kriegergedächtniskapelle, den städtischen Friedhof mit der neuen Aussegnungshalle und dem alten Leichenhaus, das als Kolumbarium genutzt wird, die Überreste der Burg Vohburg, das Pflegerschloss, in dem das Museum Vohburg beheimatet ist, und den einem mittelalterlichen Bergfried nachempfundenen Wasserturm.
Vor der allgemeinen Elektrifizierung im 20. Jahrhundert nutzten die Bewohner der Hänge des Burgbergs kleine Höhlen und Verschläge, um im kühlen Felsmassiv Nahrung zu lagern und zu kühlen. An der Ostseite des Bergs befinden sich größere Keller, die in den Burgberg hineinreichen und auf denen von den Anwohnern terrassenartig Gärten angelegt wurden. Diese Terrassierung zeigt sich auch rund um den Burgberg.
Au Bis Anfang des 20. Jahrhunderts bestand die Au (3) noch weitgehend aus Ackerland und kleinen Gärten. Einige hundert Meter vom Burgberg entfernt befanden sich vereinzelte landwirtschaftliche Betriebe.
In der Au tragen die Straßen Vogelnamen (Beispiel: Amselweg, Habichtstraße, Kiebitzweg). Ausnahmen sind drei Hauptstraßen: die Austraße (verläuft von der Burgstraße nach Süden Richtung Biendlweiher), der Augartenweg (trennt sich in Höhe Feuerwehrhaus/Bushaltestelle Vohburg von der Austraße und verläuft Richtung Westen), die Auer-Tor-Straße (knüpft beim Auer Tor an die Burgstraße an und verläuft Richtung Westen) und die weniger ausgebaute Augrabenstraße. In der Au befindet sich das Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr Vohburg.
Der Name des Stadtteils stammt von den Auen der Kleinen Donau (im Süden der Au) und der Donau (im Norden der Au). Die Nähe zu den beiden Flüssen und das tiefgelegene Terrain wurden der Au in der Vergangenheit oft zum Verhängnis: Die Anwohner hatten dort häufig mit Hochwassern zu kämpfen. Seit der Hochwasserfreilegung (2007–2008) ist der Stadtteil vor den Fluten der Donau und Kleinen Donau weitestgehend geschützt.
Neumühle Am Südende der Bahnhofstraße befindet sich ein weiteres Viertel (6). Eingerahmt von der Neumühle im Süden und dem Lagerhaus Müller an der Bahnhofstraße bildet es den Südrand der Stadt. Die Neumühle selbst wurde bereits 1350 im Marktrechtsbrief erwähnt. Erst viel später folgten die so genannten „Gelben Blöcke“ im Zusammenhang mit der Industrieansiedlung von 1966/1968 (BP-Raffinerie und Kraftwerk Irsching). Heute befindet sich dort Gewerbe (das Autohaus Kaltenecker, Auto Huber und die Druckerei Seber). In den letzten Jahren ist neben diesem Gewerbegebiet eine stetig wachsende Wohnsiedlung entstanden, die in Nachbarschaft der „Gelben Blöcke“ fast bis zur Neumühle reicht.
Ganz am Ende, am äußersten Südrand der Stadt, befindet sich die Schleuse („Schleißn“), die die Ilm in zwei Arme teilt: den nördlichen Arm, die Kleine Donau, und den südlichen Arm, der weiterhin Ilm genannt wird und weiter Richtung Hartacker fließt.
Hartacker mini|Marienkapelle Hartacker Urkundlich wurde Hartacker (7) schon ab dem 12. Jahrhundert erwähnt. In den Aufzeichnungen des Klosters Münchsmünster wurden „Hörige und Zinspflichtige“ aus dem Dorf aufgeführt. Über die Jahrhunderte festigte sich der Name „Ardachaer“, „Ardakker“ oder „Artackher“ für den dort ansässigen Ortsadel. 1616 wurde das Gebiet um den Ort als „Harackher Acker“ betitelt, was sich von Äckern an einem Hart (einem kleinen Weidewald bzw. einer öffentlichen Weide) ableitet. Bis heute hat sich „Harackher“ im Sprachgebrauch der Vohburger gehalten.
Nach den Napoleonischen Kriegen zu Beginn des 19. Jahrhunderts umfasste das Dorf 24 Häuser und eine Mühle, die an der Ilm gelegen war, und gehörte damals zur Gemeinde Wöhr. Bis heute werden die Grundstücke unter der Gemarkungsbezeichnung von Oberwöhr geführt. 1837 wurde Hartacker eine eigenständige Gemeinde. 1907 übernahm die Wirtsfamilie Alter den Gasthof und konnte 2007 das 100-jährige Bestehen feiern.
Am 1. Januar 1972 wurde Hartacker im Zuge der Gebietsreform in Bayern ein Ortsteil von Vohburg.
Hartacker ist in seinem heutigen Zustand durch die im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts errichteten Siedlungen nahtlos mit dem Vohburger Stadtkern verbunden.
Vom Stadtkern führt die Hartackerstraße beginnend an der großen Kreuzung Bahnhofstraße/Regensburger Straße Richtung Südosten nach Hartacker. Sie führt dabei an der Grund- und Mittelschule, der Agnes-Bernauer-Halle, dem Kindergarten „Rappelkiste“, dem Seniorenzentrum „Herzog Albrecht“, der Jahnstraße mit Anbindung an das Gewerbegebiet und Sportzentrum sowie an dem evangelischen Gemeindezentrum mit der Jesuskirche und an der Siedlungsstraße vorbei. Diese Straße nach Hartacker besitzt daher eine überdurchschnittliche Bedeutung.
Der Kern von Hartacker ist deutlich an der 1910 neu erbauten Marienkapelle auszumachen. Dort liegt auch das Gasthaus Alter, und die an die Hartackerstraße anschließende Waldstraße trifft auf die Kreuzstraße.
Geschichte hochkant=1.2|mini|Kupferstich von Michael Wening um 1700: Nordansicht von Vohburg mini|hochkant|Das Kleine Donautor: Historisches Wahrzeichen der Stadt
Die Geschichte von Vohburg umfasst steinzeitliche Siedlungsanfänge, mittelalterliche Blütezeiten, einen verheerenden Bruch im Dreißigjährigen Krieg, einen Aufenthalt Napoleons und viele andere interessante und bedeutsame Ereignisse. Das heutige Vohburg definiert sich durch seine Geschichte. 1952 erfolgte die Erhebung zur Stadt.
Historische Stadtfeste und Agnes-Bernauer-Festspiele tragen ihren Teil dazu bei, dass Vohburg und seine Bürger die Geschichte ihrer Heimatstadt lebendig halten. Als Quellen diente die kurze Geschichtsabhandlung auf der Homepage der Stadt und besonders Max Kirschners Zur Geschichte der Stadt Vohburg. (unter Literatur aufgeführt).
Von der Bronzezeit bis zur ersten Zerstörung der Vohburg 1500 v. Chr. Funde auf dem Vohburger Burgberg weisen auf eine dortige Besiedlung in der Bronzezeit hin 895 n. Chr. Erstmalige Erwähnung einer „größeren befestigten Hofanlage“ auf dem Burgberg. Diese war im Besitz eines 'Pernhard de Vohapurch'. 911–1081 Die Grafen von Vohburg werden als auf der Burg ansässige Adelige dokumentiert 1081 Mit der Hochzeit der Beatrix von Vohburg (Witwe des Pfalzgrafen Cuno II.) mit Rapoto III. von Cham erlosch das Geschlecht der Vohburger Grafen. Die Diepoldinger (Der Name ist bis heute noch im häufig in der Region vorkommenden Familiennamen Diepold verwurzelt) regierten nun über die Vohburg. Dies hatte bereits 25 Jahre danach schwerwiegende Folgen für die Vohburg. 1104–1106 Nachdem der Deutsche Kaiser Heinrich IV. vom Papst mit einem Bannfluch belegt und entmachtet worden war (siehe auch unter Gang nach Canossa), schwand dessen Fürspruch unter den deutschen Fürsten und insbesondere bei seinem Sohn Heinrich V., der ihn 1104 gefangen nahm und seinen Thron bestieg. Als wichtiger Berater fungierte Markgraf Diepold von Vohburg, der mit wenigen anderen Fürsten die entscheidende Rolle bei der Thronbesteigung Heinrichs V. spielte. Heinrich IV. konnte sich aus der Gefangenschaft befreien und bestrafte die Haupthetzer, unter denen, wie oben bereits aufgeführt, der Diepoldinger war: Die Burg von Vohburg wurde 1105 durch Truppen des verbündeten Markgrafen Luitpold von Österreich und dessen Schwager, dem Böhmenkönig Bořivoj II., vollkommen zerstört. Als der gestürzte König jedoch bereits 1106 starb und von Seiten seiner Verbündeten nichts Kriegerisches zu erwarten war, baute Diepold die Burg nach seinen Vorstellungen auf.Max Kirschner: Zur Geschichte der Stadt Vohburg. 1978, Seiten 14 bis 16
Von den Wittelsbachern bis zur dritten Zerstörung der Vohburg ab 1204 war die Burg in Besitz der Wittelsbacher 1246 Hochzeit von Elisabeth von Bayern, Tochter des Herzogs Otto II. des Erlauchten, mit dem römisch-deutschen König Konrad IV. 1316 Nachdem Ludwig der Strenge gestorben war, ging die Vohburg an dessen Sohn Herzog Rudolf. Es kam zum Zerwürfnis zwischen Rudolf und seinem Bruder Herzog Ludwig der Bayer, dem späteren deutschen Kaiser. Im Streit der zwei Brüder zerstörte Ludwig den Prachtbau der Diepoldinger auf dem Burgberg und weitere Besitzungen seines Bruders. Dieser zeigte sich unterworfen und zog sich von der Regierung und vom Anspruch auf Vohburg zurück.Max Kirschner: Zur Geschichte der Stadt Vohburg. 1978, Seiten 41 und 42