mini|St. Arbogast in der Altstadt mit dem neubarocken Turm
St. Arbogast ist die römisch-katholische Pfarrkirche von Haslach im Kinzigtal. Die Pfarrgemeinde gehört seit der Dekanatsreform am 1. Januar 2008 zum Dekanat Offenburg-Kinzigtal und gehört zudem zur Seelsorgeeinheit St. Ursula Katholische Kirchengemeinde und betreut zusätzlich die Filialkirchen St. Josef im Stadtteil Bollenbach sowie Maria Königin im Stadtteil Schnellingen. Das Kirchengebäude vereinigt gotische, frühklassizistische und neoklassizistische Teile.
Geschichte Das Arbogast-Patrozinium lässt auf frühe Einflüsse aus Straßburg schließen, war der 618 gestorbene Heilige doch Bischof von Straßburg. Ein romanisches Tympanon (siehe unten) bezeugt eine Kirche im 12. Jahrhundert. Jedoch wird St. Arbogast erst 1328 schriftlich erwähnt. Damals verkauften die Herren von Geroldseck ihre Rechte an der Kirche an die Fürsten zu Fürstenberg. Die Einführung des evangelischen Bekenntnisses 1542 durch Graf Wilhelm von Fürstenberg (1491–1549) blieb Episode. Schon unter seinem Bruder Friedrich II. von Fürstenberg (1496–1559)Sigmund Ritter von Riezler:Fürstenberg, Fredrich II. Graf zu (1496 bis 1559). Abgerufen am 22. September 2015. wurde der katholische Glaube wieder eingeführt. Für die Seelsorge wichtig wurde der Bau eines Kapuzinerklosters in Haslach ab 1630.
Baugeschichte Um 1481 wurde die romanische Kirche durch eine spätgotische Hallenkirche mit einem Chor mit 3/8tel-Schluss ersetzt. Am erhaltenen Westturm ist die Jahreszahl auf einer von Stabwerk umrahmten Platte eingemeißelt.Wingenroth 1908, S. 597.
Im Januar 1779 – Pfarrer war Franz Schaller (1715–1789) – schildert ein Bericht die Kirche als „am Dach als Bühnewerck so ruinos und vermodert, daß es besonders in dem Chor auf den Altar herunter regnet, und zu befürchten stehet, daß die Bühne herabfalle, und den Priester auf dem Altar totschlage“.Brommer 1978, S. 3. Der fürstenbergische Baudirektor Franz Joseph Salzmann gutachtete, die Kirche könne zwar „mit vielen Kosten wiederum auf eine gute Zeit repariert werden, allein bleibt es doch immerhin ein zu tief in dem Boden stehendes, unschickliches, unkommodes und irregulares Gebäu. Ich wäre des ohnmaßgeblichen Dafürhaltens, daß man auf die Herstellung einer ganz neuen Kirchen antragen sollte“.Wohleb 1951, S. 62. Im Jahr darauf legte Salzmann einen Plan und ein Angebot für 3960 Gulden vor. Er bekam gegen Konkurrenten den Zuschlag mit der Auflage, die alten Altäre, Kanzel und Bänke sorgfältig abzubrechen und zur Wiederverwendung zu verwahren. Der gotische Turm wurde beibehalten und daran ein Schiff von vier Fensterachsen und ein Chor mit wiederum 3/8tel-Schluss angesetzt. Im Herbst 1781 konnte der zwischenzeitlich ins Kapuzinerkloster verlegte Gottesdienst in der neuen Kirche aufgenommen werden.
Die Stuckierung übertrug man Johann Joseph Meisburger aus Freiburg im Breisgau. Die aus der alten Kirche übernommenen Altäre empfand man bald als unbrauchbar. Für die beiden Seitenaltäre griff man 1782 den Vorschlag Meisburgers – „der in allhiesiger Pfarrkirchen die Stokkatorarbeit mit vollkommener Approbation verfertiget“ – auf, seine für die Kartause Freiburg geschaffenen Altäre zu übernehmen, die nach der Aufhebung der Kartause überflüssig geworden waren. Sie wurden mit neuen Altarblättern von Johannes Herrmann ausgestattet. Einen neuen Hochaltar bekam die Kirche erst 1792. Sein Meister ist unbekannt.
Als der Freiburger Konservator Max Wingenroth (1872–1922) 1908 im Kreis Offenburg-Band der von Franz Xaver Kraus begonnenen Reihe „Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden“ die Salzmann-Kirche und ihre Ausstattung lobte,Wingenroth 1908, S. 598–599. war sie bereits fundamental verändert. 1898 hatte Pfarrer Franz Ignaz Albrecht (1863–1934) über „fürchterliches Gedränge“ beim Gottesdienst geklagt. Für 2000 Katholiken standen nur 360 Sitzplätze zur Verfügung. Dass es zur Vergrößerung kam, war in erster Linie den Geschwistern Grieshaber zu verdanken, Philippine (1838–1913), Marie (1842–1913) und Josephine (1848–1918), die 1905 100.000 Mark und später weitere „gewaltige Summen“ spendeten. Ihr Vater, Franz Michael Grieshaber (1838–1913), hatte an der Badischen Revolution teilgenommen und war 1850 wegen Hochverrats zu einer hohen Zuchthausstrafe verurteilt worden. Er flüchtete nach Angers in Frankreich und ließ später die Kinder nachkommen. Bei der Beerdigung ihrer Mutter in Haslach 1902 lernten die Geschwister Pfarrer Albrecht kennen. Sie sind wie der Vater in Angers gestorben. Architekt der Erweiterung war Johannes Schroth, der Leiter des Erzbischöflichen Bauamts in Karlsruhe. Er erweiterte um dieselbe Zeit ähnlich die barocke Pfarrkirche St. Maria in Bühl-Kappelwindeck.Ulrich Coenen: Johannes Schroth – Architekt des Späthistorismus und des Jugendstils. In: Die Ortenau 94, 2014, S. 243–278, hier S. 263–264. Zur Kirche: St. Maria auf der Internetseite der Pfarrgemeinde. Abgerufen am 27. Januar 2015. 1906 wurden in Haslach die Fundamente gelegt, 1907 wurde die Kirche konsekriert. In den Jahren 1955 und 1956 wurde sie renoviert.
mini|hochkant|Die Kirche mit beiden Türmen
Gebäude mini|Blick zum Chor
Schroth behielt den gotischen Westturm und Salzmanns frühklassizistisches Langhaus bei und brach Salzmanns Chor ab. An dessen Stelle traten der Erweiterungsbau, der nach außen als Querschiff mit geschweiften Giebeln in Erscheinung tritt, und ein neuer, den Salzmannschen nachahmender Chor. Im Winkel zwischen dem Erweiterungsbau und der Nordseite des neuen Chores errichtete Schroth einen wuchtigen zusätzlichen Turm, Wahrzeichen der Stadt, mit quadratischem Untergeschoss, von großen Rundbogenfenstern mit Zopfdekoration durchbrochenem Glockengeschoss, doppelter „welscher Haube“ und einer Laterne mit Kreuz darauf. Unten bildet der Westturm eine offene netzgewölbte Halle. In der westlichen Innenseite ist das romanische Tympanon eingemauert, eine Darstellung des Sündenfalls mit dem Baum der Erkenntnis, Adam und Eva und Gottvater.
Beim Eintritt wirkt Salzmanns schmales einschiffiges Langhaus wie das Entree zu Schroths tempelartiger Erweiterung, einer quadratischen Halle aus drei Schiffen mit hohen, schlanken Säulen aus weißem, marmoriertem Sandstein, kräftigem Gebälk und flacher Decke.Zimdars 1997, S. 278. In der Verlängerung des nördlichen Seitenschiffs öffnet sich im neuen Turm eine Kapelle.
Ausstattung mini|hochkant|links|Christusfenster von Fritz Geiges Im Inneren überwiegen Weiß-, Grau- und Goldtöne. Die Fenster sind aus farblosem Klarglas, mit vier Ausnahmen.
Für das Kirchenschiff stiftete der aus Haslach stammende Pfarrer, Schriftsteller und Politiker Heinrich Hansjakob zwei neuromanische Buntglasfenster, in der Nordwand ein Marienfenster, signiert „Helmle & Merzweiler 1893“,Daniel Parello: Von Helmle bis Geiges. Ein Jahrhundert historistischer Glasmalerei in Freiburg. Stadtarchiv, Freiburg im Breisgau 2000, ISBN 3-00-006521-0, S. 266. in der Südwand ein Christusfenster, signiert „Fritz Geiges Glasmalerei Freiburg“ und mit der Widmung „ZUM ANDENKEN AN SEINE + + ELTERN PHILIPP UND CAEZILIE GEB. KALTENBACH GESTIFTET VON PFARRER DR. HEINRICH HANSJAKOB 1893“. Es zeigt die Verkündigung an Maria, Geburt, Kreuzigung, Himmelfahrt und – für Christus als Weltrichter – Alpha und Omega zwischen posaunenblasenden Engeln.Daniel Parello: Von Helmle bis Geiges. Ein Jahrhundert historistischer Glasmalerei in Freiburg. Stadtarchiv, Freiburg im Breisgau 2000, ISBN 3-00-006521-0, S. 283.
Die zwei Fenster neben dem Hochaltar sind in Grisaille gehalten.
Stuckaturen und Deckengemälde mini|hochkant|Deckengemälde der Erweiterungshalle Das Programm der frühklassizistischen Stuckierung dürfte Pfarrer Franz Schaller entworfen haben.Brommer 1978, S. 13. Im Hauptfeld der Decke des alten Langhauses symbolisieren Kreuz, Anker und Kelch – vor Wolken, von einem Blumenkranz umgeben und Strahlen aussendend – Glaube, Hoffnung und Liebe. Die drei Engelsköpfchen dazwischen werden Joseph Hörr zugeschrieben, mit dem Meisburger auch sonst zusammenarbeitete. Über der Orgel symbolisieren zuckende Blitze über der schlangenumwundenen Erdkugel, Eule, Flammenschwert und Geißel die Verdammung der Bösen. Entgegengesetzt zum Chor hin symbolisieren die Sonne über dem Himmlischen Jerusalem, die Erdkugel mit einer Mauerkrone, Palmzweig, Ölzweig und Blütenkranz die Belohnung der Guten.
Die Stuckierung der Erweiterungshalle und des neuen Chors schuf 1907 nach Ideen von Pfarrer Franz Ignaz Albrecht und in sorgfältiger Anpassung an Meisburgers Stil Wilhelm Füglister (1861–1921).Füglisters Werk im Lesesaal der Universitätsbibliothek Heidelberg auf deren Internetseite. Abgerufen am 17. Januar 2015. Am Triumphbogen blickt zwischen anbetenden Engeln nach Meisburgers Vorbild das Auge der Vorsehung auf die Gemeinde. An der Chordecke weisen Krone, Zepter, Kreuz und eine Taube, Strahlen aussendend und von einem Blütenkranz umgeben, auf die Heiligste Dreifaltigkeit hin.
An die Decke der Erweiterungshalle malte Kaspar Schleibner Szenen aus dem Leben des heiligen Arbogast. Unten im Hauptfeld holt Arbogast den von einem Eber getöteten Sohn König Dagoberts II. ins Leben zurück, worauf Dagobert ihn reich beschenkt. Zwischen den Säulen des Bischofspalasts sind Heinrich Hansjakob und hinter ihm Pfarrer Albrecht porträtiert. Oben wird Arbogast in den Himmel aufgenommen. Das Haslacher Stadtwappen zu seinen Füßen bittet um Gottes Gnade.
Altäre mini|hochkant|Hochaltar Künstler des aus weißem Sandstein und Hartstuck modellierten Hochaltars ist August Schädler. Zwischen jederseits zwei gekoppelten, zu den oben erwähnten Grisaillefenstern überleitenden Säulen mit Zopfstil-Kapitellen ordnete er übereinander Gottvater, Christus am Kreuz und die Taube als Symbol des Heiligen Geistes an. Auf den kurvigen Gebälkstücken tragen Engel die Leidenswerkzeuge. Anbetende Engel rahmen den Tabernakel. Über Türen zu einem Umgang um den Altar platzierte Schädler links Arbogast, rechts den heiligen Sebastian. Auf Konsolen unterhalb der Säulen stehen Büsten des Petrus mit dem Schlüssel und des Paulus mit dem Schwert, „erstklassige Rokokoarbeiten“Brommer 1978, S. 20. von Franz Xaver Biheler (1726–1787).Brommer 1978, S. 13. Die Namensform „Biheler“ ist unsicher. Ein Bildhauer „Frantz Bieheler“ war gleichzeitig in der von Salzmann erbauten Heiligkreuzkirche in Steinach (Ortenaukreis) tätig. Zu „Frantz Bieheler“ wurde wiederum gefragt, ob er mit dem Donaueschinger Hofbildhauer Franz Xaver Biecheler (1726–1787) identisch sei, siehe Wohleb 1950, S. 114 und 118. Dieser Donaueschinger Hofbildhauer Biecheler schließlich wird in zeitgenössischen Dokumenten „Xaver Biehler“ geschrieben, siehe Abgerufen am 21. Januar 2015.
Die Seitenaltäre, rechts Marienaltar mit der Rosenkranzspende an die heiligen Dominikus und Katharina von Siena, links Josefsaltar mit der Vermählung von Maria und Josef, fertigte der Offenburger Bildhauer Peter Valentin (1877–1962) aus weißem Sandstein und Kalkstein. Sie sind „von makelloser Schönheit, Ruhe und zartem Fluß der Gewänder geprägt“.
Sonstiges mini|hochkant|Kreuzweg Von August Schädler stammen der an die Wände stuckierte Kreuzweg und die steinerne Kanzel mit Stuckreliefs der vier Kirchenväter Papst Gregor I. mit einer Taube, Ambrosius mit einem Bienenkorb, Hieronymus mit seinem Löwen und Augustinus mit einem brennenden Herzen.