Ein Étang ist eine stehende Wasserfläche, die wenig tief ist und eine verhältnismäßig kleine Oberfläche (einige zehn Hektar) besitzt. Er entsteht auf wasserundurchlässigen Böden.
mini|Der Étang, Bild von Théodore Fourmois, gemalt 1867 mini|Weiher in Norddeutschland; in diesem Beispiel wird die Wasserverdunstung vermindert durch die Verkleinerung der freien Oberfläche, teilweise wird dies ausgeglichen durch die Evapotranspiration, also die Verdunstung durch Pflanzen. mini|Gemeindeweiher in Tucquegnieux (Meurthe-et-Moselle), der offensichtlich künstlich angelegt wurde, mit wenig natürlichen Uferböschungen und der vorwiegend dem Freizeitvergnügen, insbesondere dem Angeln dient mini|Étang von Aureilhan (Landes) mini|Baggersee in der Provinz Hennegau, Belgien
Definition Es bestehen verschiedene Definitionen für einen Étang, am nächsten kommt sicher der Begriff Teich. Es handelt sich beim Étang um eine Wasserfläche natürlichen oder menschlichen Ursprungs innerhalb des Festlandes. Er ist perennierend, führt also ganzjährig Wasser und ist mit dem natürlichen Wassersystem verbunden, kann aber für die Bewirtschaftung trockengelegt werden. Die Größe liegt unterhalb der eines Sees, ist aber größer als ein Weiher oder Tümpel.
Besonders in Frankreich bestehen auch die Begriffe étangs de pêche und étang de chasse (Fisch- und Jagdweiher).
Etymologie Der Begriff des Étang stammt aus dem Französisch und geht zurück ins 12. Jahrhundert. Estanc hatte die Bedeutung einer Wasserfläche mit Uferböschungen, die das Auslaufen verhindern. Die Trennung zwischen mare und étang war nicht immer eindeutig, die Begriffe wurden teilweise synonym verwendet.
Bildung und Entwicklung des Étangs Die Mehrzahl der Étangs sind menschlichen Ursprungs, sei es als Folge eines Damms oder Wehrs in einem Fließgewässer, sei es durch das Abtiefen eines Feuchtgebietes mit einem natürlichen Wasserzufluss (Regen, Quelle), oder durch das Graben bis zum Erreichen des Grundwasserspiegels. In Europa geht die Entstehung zahlreicher Étangs auf die Errichtung von Dämmen und Wehren zurück, die im Mittelalter sehr oft durch Klöster ausgeführt oder geleitet wurden. Die Étangs dienten oft als Wasserreserven und vor allem als Fischteiche für eine ausgeprägte Teichwirtschaft.
Der Bau eines Étangs erfordert einen Wasserzufluss und einen wasserundurchlässigen Boden, oder eine Verbindung zum Grundwasser. Der Zufluss kann aus einem Kanal bestehen, der Wasser aus einem natürlichen Wasserlauf zuführt. Oft wird ein solcher Wasserlauf, wie beispielsweise ein Bach, dazu benutzt, um eine ganze Kette von Étangs zu bilden, von denen sich einer in den anderen ergießt. Die Wehre bestehen in der Regel aus Erdhaufen, Kies und Lehm, seltener aus einer Mauer.
Wenn der Étang von Bäumen umgeben ist, oder sich in einer Erosionszone befindet, ist ein regelmäßiger Unterhalt unabdingbar, um die Verschlammung zu verhindern. Um einen erhöhten Nährstoffeintrag zu korrigieren, müssen die Wasserpflanzen und das Röhricht, aber auch die benachbarten Bäume zurückgeschnitten werden. Bisamratten können Schäden anrichten durch Löcher, die sie in Wehre und Böschungen graben.
Das Leeren des Étangs erfolgt mittels Pumpen, Heber oder Spundlöcher, mit oder ohne Mönche. Der oberste Teil des Wehrs ist oft gemauert und mit einem Gitter versehen, so dass bei Hochwasser das Wasser überlaufen kann, ohne das Wehr zu zerstören oder gar wegzuschwemmen.
Teichspunde und Mönche Ein Teichspund kann ein natürlicher Wasserauslass sein, mit oder ohne Schieber oder Mönch, mit oder ohne Heber.
Ein Mönch ist eine Art Brunnen, entweder aus Beton, der an Ort gegossen wird, oder aus vorgefertigten Bauelementen. Die einfachsten besitzen eine Seite aus Brettern, die in Nuten in den Seitenwänden eingeschoben werden. Die Höhe des obersten Brettes definiert gleichzeitig den höchsten Wasserstand und dient als Überlauf bei Hochwasser. Teilweise werden Mönche mit zwei Bretterschichten ausgeführt, dazwischen befindet sich ein Filter, der ebenfalls regelmäßig gereinigt werden muss. Im unteren Teil des Mönchs befindet sich ein Rohr (Teichspund), das durch den Staudamm ins Étangbecken führt.
Oft werden die Mönche auch in der Höhe unterteilt und mit Rohren oder Heber versehen, wodurch es möglich ist, den Étang schichtweise zu leeren. Da das kälteste Wasser in Bodennähe, das wärmste zuoberst liegt, kann durch Entleeren einer geeigneten Schicht eine Temperaturregelung des Wassers im Étang vorgenommen werden.
Geschichte Ursprünglich wurden die Étangs vor allem für die Fischzucht angelegt. Da die Kirche den Mönchen und Nonnen rund zweihundert Fastentage pro Jahr vorschrieb, bestand ein großer Bedarf an Fischen, die als Nahrungsmittel erlaubt waren. Aus diesem Grund wurde die Fischzucht von den Klöstern in besonderem Maße gefördert. In sumpfigen Gegenden (wie beispielsweise in der Bresse) war der Bau von Étangs eine Möglichkeit der Entwässerung der Kulturflächen. Gleichzeitig war es dank der Étangs möglich, das Brachjahr in der Dreifelderwirtschaft zu überbrücken.
Für den Betrieb der Mühlen wurden die Étangs mit den zugehörigen Wasserläufen (canal, ruisseau, bief) für den Antrieb der Mühlenräder benutzt. Durch diese Wasserreserven konnten die Wassermassen gezielt erhöht werden.
Mit der Erfindung der Dampfmaschine hat der Étang seine Wichtigkeit zwar etwas eingebüßt, nur wenige Mühlen oder Sägereien nutzen noch ein Mühlenrad – und dies auch nur in Notfällen wie Stromausfall u. ä. Der Étang wird heute vorwiegend als Freizeitmöglichkeit genutzt, für das Angeln, die Jagd auf Wasservögel oder weiterhin für die Fischzucht.
Physikalische Besonderheiten Entgegen weit verbreiteten Ansichten haben limnologische Studien gezeigt, dass zeitweise recht starke thermische Strömungen in Weihern stattfinden, die mehr als zwei Meter tief sind.
Der Étang, wie Wasserflächen im Allgemeinen (deutsch: See, Weiher, Tümpel – französisch: Lac, Étang, Mare), bildet ein sehr empfindliches Ökosystem, das unmittelbar auf Umweltverschmutzungen aller Art reagiert. Flora und Fauna beinhalten mannigfaltige Arten, die auf eine Bewirtschaftung (Füllen – Nutzen – Trockenlegen) angewiesen sind und etliche dieser Arten sind heute geschützt. Von Seiten der Naturschutzverbände sowie auch von staatlichen Stellen wird heute in Frankreich ein großes Augenmerk auf den Erhalt und die Pflege der Étangs gelegtStillgewässer auf Conservatoire d'Espaces Naturels de Bourgogne.
Wasserbilanz Die Wasserbilanz eines Étangs ergibt sich grundsätzlich durch Subtraktion von Abfluss und Verdunstung von Niederschlag und Zufluss. Aufgrund der Tatsache, dass die Étangs einen starken Pflanzenbewuchs aufweisen, der zu einer weiteren, schwierig messbaren Verdunstung führt, ist das Erstellen einer Wasserbilanz für einen Étang ungleich schwieriger als für ein Bassin, ein ReservoirG. E. Harbeck: A practical field technique for measuring reservoir evaporation utilizing mass-transfer theory. (= U.S. Geol. Survey Prof. Paper 272-E). 1962. oder ein Rückhaltebecken.W. B. Langbein, C. H. Hains, R. C. Culler: Hydrology of stock-water reservoirs in Arizona. (= U.S. Geol. Survey Circ. 110). März 1951.
Der Wasserverlust besteht nicht nur aus dem Abfluss,G. E. Harbeck, Kohler, M. A. Koberg, G. E. u. a.: Water-loss investigations ; Lake Mead studies. (= U.S. Geol. Survey Prof. Paper. 298). 1958. sondern auch aus dem Überlauf sowie aus der Versickerung im Lehmboden und den Böschungen (Darcy-Gesetz), nicht zuletzt aber auch aus VerdunstungM. A. Kohler, T. J. Nordenson, D. R. Baker: Evaporation maps for the United States. (= U.S. Weather Bureau Tech. Paper 37, pls. 2. 4). 1959. und Evapotranspiration.G. Katul, K. Novick: Evapotranspiration. In: Encyclopedia of Inland Waters. 2009, S. 661–667.W. S. Eisenlohr, Jr.: Water loss from a natural pond through transpiration by hydrophytes. In: Water Resources Research. v. 2, no. 3, 1966, S. 443–453. wegen Pflanzen in und am Ufer des Étangs, insbesondere auch von Baumwurzeln, die die Böschungen durchdringen.W. S. Eisenlohr, Jr.: Determining the water balance of a lake containing vegetation. In: Internat. Assoc. Sci. Hydrology Pub. v. 1, 70, 1966, S. 91–99. Teilweise muss auch dem Wasserverlust aufgrund von Kälte und Frost Rechnung getragen werdenW. D. Willis, H. L. Parkinson, C. W. Carlson, H. J. Haas: Water table changes and soil moisture loss under frozen conditions. In: Soil Sci. v. 98, no. 4, Oktober 1964, S. 244–248. Beim Wasserzufluss sind zu berücksichtigen: Zufluss durch einen oder mehrere Bäche und Kanäle, aber auch Meteorwasser und die Zufuhr aus dem Grundwasser.
Die Terme der WasserbilanzgleichungJ. J. Marciano, G. E. Harbeck: Mass-transfer studies, in Water-loss investigations - Lake Hefner studies. technical report. (= U.S. Geol. Survey Prof. Paper. 269). 1954, S. 16–70. ändern sich, abhängig davon, ob die Gewässeroberfläche frei ist oder mehr oder weniger stark bewachsen und diesfalls abhängig von der Pflanzenart (Sumpfpflanzen, Röhricht, Seerosen etc.)W. S. Eisenlohr, Jr.: Water loss from a natural pond through transpiration by hydrophytes. In: Water Resour. Res. 2(3), 1966, S. 443–453, doi:10.1029/WR002i003p00443..
Umwelt und Ökologie Neben natürlichen Küstenseen und Lagunen, bildet der Étang ein geographisches Objekt, das hydrografisch und biogeografisch mehr oder weniger künstlich ist, und dessen ökologische Qualität kontrovers diskutiert wird.Pascal Bartout: Pour un référentiel des zones humides intérieures en milieu tempéré : l'exemple des étangs en Limousin (France). Dissertation 2006. 201, ISBN 978-613-1-50618-5. Insbesondere in Fischerkreisen ist der Nutzen umstritten, da in der Regel den edleren Fischarten (Salmoniden), die in Fließgewässern leben, gegenüber den Fischen in stehenden Gewässern (Karpfen, Hecht) der Vorzug gegeben wird. Aus diesen Kreisen taucht deshalb immer wieder der Wunsch auf, die Étangs zu renaturieren und in Fließgewässer zurückzuverwandeln. Andererseits bilden die Étangs und ihre Uferböschungen willkommene Rückzugsgebiete für Flora und Fauna, die ohne die menschlichen Eingriffe noch weithin vorhanden wären. Wäre der Biber als natürlicher Bewohner nicht ausgerottet worden, wäre zudem eine weitgehend ähnliche Landschaft durch seine Bauten entstanden.
Im Weiteren wurde der Wert des Étangs – viel mehr als derjenige des Teichs oder Tümpels – in Frankreich lange verkannt, außer in gewissen Gegenden, wo noch eine ausgeprägte Fischwirtschaft gepflegt wird (z. B. Dombes, teilweise auch Bresse). Das Inventar der Feuchtgebiete, das die WasserbehördenWasserbehörde des Umweltministeriums zurzeit erstellen, wird größere Zusammenhänge aufzeigen, hinsichtlich Morphometrie, Geomorphologie, Hydrographie, Ökologie, Fischzucht, Physik, Sozioökonomie und Kulturgeschichte. Allein im Limousin wurden 22.792 stehende Wasserflächen (davon rund 16.000 Étangs), die in der Regel seit mehr als tausend Jahren bestehen, erfasst und katalogisiert. Diese Arbeit führt dazu, dass das Limousin die erste Stillwasser-region Frankreichs ist, dabei ist insbesondere das Hoch-Limousin die Gegend Frankreichs, die am dichtesten mit stehenden Gewässern bedeckt ist.
Der Bau eines Étangs und insbesondere seine Form und seine Tiefe wirken sich auf seine Umwelt aus. Es kann sich dabei um eine reine künstliche Umgestaltung handeln oder es können sich ökologisch positive Auswirkungen ergeben. Die Umleitung eines Bachlaufs, die Veränderung der Fließgeschwindigkeiten, der Abfluss in einen vorher kühleren, reineren Bachlauf, sowie auch die Erwärmung des Wassers im Sommer, können tiefgreifende Veränderungen in Fauna und Flora hervorrufen.In einer großen Zahl von Étangs wurden – absichtlich oder zufällig – Pflanzen, Algen und Bakterien, aber auch Fische, Krebstiere, Schnecken und Muscheln eingesetzt, die allochthon oder gar invasiv sind (Siehe Invasionsbiologie).