mini|Leibchel, Postkarte, um 1900.

Leibchel () ist ein Ortsteil der Gemeinde Märkische Heide im Landkreis Dahme-Spreewald (Brandenburg). Bis zum Zusammenschluss der 17 Gemeinden des ehemaligen Amtes Märkische Heide zur Gemeinde Märkische Heide war Leibchel eine selbständige Gemeinde.

Geographie Leibchel liegt rund 18 km nordöstlich von Lübben (Spreewald), etwa 14 km südwestlich von Friedland und nur knapp 3 km ostsüdöstlich von Groß Leuthen. Es liegt nur wenige hundert Meter nordwestlich der B 87 und ist von dieser Straße durch zwei Zubringerstraßen zu erreichen. Die größere der beiden Straßen, die K6113 führt durch den Ort hindurch einerseits nach Klein Leuthen, andererseits zur B 179 und nach Groß Leuthen. Durch den verstärkten Ausbau des früheren Wohnplatzes Neue Krug östlich des ursprünglichen Ortskerns besitzt Leibchel nun zwei Siedlungskerne.

Die Gemarkung von Leibchel grenzt im Norden an die Gemarkung von Schuhlen-Wiese (bzw. die frühere Gemarkung von Schuhlen), im Osten an die Gemarkungen von Ressen und Guhlen, im Süden an die Gemarkungen von Glietz und Groß Leine, im Südwesten an die Gemarkung Dollgen, und im Westen und Nordwesten an die Gemarkung von Groß Leuthen. Das Rocher Mühlenfließ hat seinen Ursprung zwar schon auf der Glietzer Gemarkung, bezieht sein Wasser aber im Wesentlichen aus Gräben der sumpfigen Wiesen, die Leibchel umgeben. Höchster Punkt der Gemarkung ist der 65,8 m hohe Weinberg, tiefster Punkt das Rocher Mühlenfließ im Norden der Gemarkung bei etwa 44 m.

Auf der Gemarkung Leibchel liegt der Wohnplatz Neukrug (Nowa Kjarcma).

Geschichte Der Ort wurde bereits 1004 erstmals in einer Urkunde als Liubocholi genannt. Aufgrund der frühen Nennung ist der Name sicher von einem aso. Personennamen Ľubochoł abzuleiten. Der Name ist somit als Ort des Ľubochoł zu deuten. Ľub leitet sich vom slaw. ľubь = lieb ab. Die Ableitung von -chol ist schwierig, vielleicht besteht ein Zusammenhang mit russ. cholit = pflegen, hätscheln (vgl. auch nso. pachol = Knabe, Bursche). Nach seiner Struktur ist Leibchel ein Sackgassendorf, wie auch im Schmettauschen Kartenwerk noch deutlich zu erkennen ist.

Heinrich II. schenkte am 8. August 1004, damals noch als König des Ostfrankenreiches (Kaiser ab 1014), die civitates Triebus und Liubochoni, und die Orte Mroscina, Grothisti, Liubsi, Zloupisti und Gozteuuissi an das Kloster Nienburg an der Saale. Während die Deutung der civitates Triebus umstritten ist, häufig wird es auch mit Trebbus oder Trebitz gleichgesetzt, andere identifizieren es mit Trebatsch, was viel besser passen würde, liegen beide Orte Triebus und Liubochoni/Liubocholi doch an einer alten Heerstraße (von Leipzig nach Frankfurt (Oder)), ist die Deutung von Liubocholi als Leibchel unumstritten. Liubocholi/Leibchel war nach den damaligen Maßstäben eine Stadt (civitas) oder zumindest eine größere Siedlung mit einer Befestigung. Die Burg bzw. Befestigung lag am Südende der Siedlung etwa an der Stelle des heutigen Rittergutes. Das heutige Leibchel liegt auf einem sanften Hügel umgeben von sumpfigen Wiesen und Wasserläufen, nimmt aber nur etwa die Hälfte dieses Hügels ein. Das alte Liubocholi könnte also etwa doppelt so groß gewesen sein. Es war damals nur von Nordosten her über eine Brücke zugänglich, die heutige K 6113. Der heutige zweite, etwas südlicher gelegene, von Osten ins Dorf führende Zugang von der B 87 her, ist im Schmettauschen Kartenwerk von 1767/87 noch nicht verzeichnet, ist also neueren Datums. Auch im späteren Mittelalter und der frühen Neuzeit führte der einzige Zugang zum Dorf über diese Brücke.

Heinrich von Röbel ließ 1592 bei Leibchel eine Windmühle bauen, was der Genehmigung des Landvogtes bedurfte. Unklar ist allerdings, ob diese Windmühle bereits an ihrem später nachgewiesenen Platz östlich der Heerstraße Leipzig-Frankfurt (Oder) (die heutige B 87) stand.

Als Joachim von Röbel 1613 Leibchel von seinem Vater Heinrich übernahm, gehörte zum Inventar Braugerät und Braupfanne, ein deutlicher Hinweis auf die mit dem Gut verbundene Braugerechtigkeit und einen Krug im Ort. Da der spätere Krug Neukrug genannt wurde, ist wohl eher daran zu denken, dass der alte Krug im Ortskern lag. Der Flurname Weinberg, nördlich des Ortskerns gelegen, deutet auf früheren Weinbau auf der Leibcheler Gemarkung hin.

mini|Leibchel auf dem Urmesstischblatt 3950 Groß Leuthen von 1846

1708 wohnten drei Bauern, neun Kossäten und ein Büdner im Ort. 1718 waren es noch zwei Bauern. Das Dorf hatte eine Schatzung von 866 Gulden. 1755 werden 171 „Konsumenten“ genannt. Die durchschnittliche Ernte in Dresdner Scheffeln betrug 481¾ Scheffel Korn, ein Scheffel Weizen, 125 Scheffel Gerste, 61¼ Scheffel Hafer, 8 Scheffel Erbsen, 50 Scheffel Heidekorn (= Buchweizen), 4 Scheffel Hopfen und 7 1/8 Scheffel Lein. Im Schmettauschen Kartenwerk von 1767/87 sind der neue Krug und die Windmühle am später belegten Standort bereits verzeichnet. Die Windmühle stand an der Straße von Neukrug nach Guhlen auf einem auffallend geschnittenen Grundstück (Nr. 12 bei ALKIS). Die südwestlich und südlich anschließenden Äcker werden als Mühlenschlag bezeichnet. 1795 nennen die Urkunden 8 Freibüdner. 1809 bestand die Wohnbevölkerung Leibchels aus 3 Ganzbauern (Vollbauern), 8 Ganzkossäten, 2 Halbkossäten und 13 Häuslern oder Büdnern. 1818 gab es in Leibchel selber 31 Feuerstellen und 194 Einwohner, bei der Leibcheler Windmühle eine Feuerstelle und 4 Einwohner und beim Sandkrug 1 Haus in dem 5 Menschen lebten. 1840 nennt die Topographische Übersicht dagegen nur 27 Häuser und 172 Einwohner im Ortskern, dazu gab es im Wohnplatz Neukrug, damals Sandkrug, auch Neue Schänke und Klein-Leibchel genannt (einschließlich der Windmühle), bereits 9 Häuser in denen 54 Menschen wohnten, also insgesamt 36 Häuser und 226 Einwohner. Für 1861 ist ein Schulgebäude belegt. 1864 hatte Leibchel 290 Einwohner. Im Dorf selber wohnten in 27 Häusern 212 Menschen, in Neukrug (auch Sandkrug und Klein-Leibchel genannt) gab es bereits 14 Häuser mit 78 Bewohnern. Dort hatten sich auch zwei ausgebauten Gehöfte angesiedelt; die Windmühle wurde ebenfalls dazu gerechnet. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurde in der Niederung nordwestlich des Ortskerns Torf gestochen.

Bevölkerungsentwicklung von 1818 bis 2002 Jahr 1818 1846 1871 1890 1910 1925 1939 1946 1950 1964 1971 1981 1991 2002 Einwohner 203 226 303 310 280 266 238 459 452 315 302 243 200 179

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Rittergut enteignet und neun Neubauernstellen geschaffen. 1960 wurde die LPG Typ I „Wiesengrund“ in Leibchel gegründet.

Besitzgeschichte Leibchel war im Mittelalter Rittersitz. Dazu gehörten auch Glietz und Anteile an Mittweide und Schuhlen.

1527 wurde Valten von Streumen mit dem Teil von Leibchel, Schuhlen und Glietz belehnt, „soviel etwan Heinrich Lugkwan im Dorf Leupchel, im Dorf Sgchlicz und Scolin, zu Leupchel die Behausung und Gerichte und sonst da und in obbemelten Dörfern die pauern mit Zinsen, allen Gnaden und Rechten, obersten und niedersten Gerichten, Weinbergen, geistlichen und weltlichen Lehen, sonderlich aber 4 Bauern zu Dubrau, den Altaristen zu Leipchel gehörig.“ Weiter wurde Valte von Streumen mit einem Lehnstück in Mittweide und Schuhlen belehnt „soviel Georg Lugkwen seligen darinne gehabt, und den dritten Teil der Ober- und Niedergerichte in beiden Dörfern“. Weiter heißt es im Lehnbrief, dass er den dritten Teil des Zolls von Rentsch Luckwen gekauft hatte, nämlich (den Zoll), „der zwischen Leibchel und Mittweide von den bosen themen (Dämmen) gegeben wird“. Nach diesem Lehnbrief scheint es so, dass zumindest Schuhlen und Mittweide einmal in drei Teile geteilt war. Die Verwandtschaftsverhältnisse der genannten Georg, Heinrich und Rentsch (Reinhold oder Lorenz) von Luckowin sind nicht bekannt. Wie groß das Lehnstück in Glietz war, ergibt sich aus dem Lehnbrief nicht. Der genannte Heinrich von Luckowin ist vermutlich mit dem Heinrich von Luckowin identisch, der 1505 zusammen mit zwei weiteren Adeligen zwei Diener des Landvogt Heinrich von Plauen in der Forstschen Heide überfallen hatte, und auch an weiteren Gewalttätigkeiten beteiligt war. 1505 fand am Weinberg von Leibchel ein spektakulärer Überfall des Andreas von Bomsdorf auf Georg Kune, den Sohn des Niclas Kune und Bürgermeisters von Frankfurt (Oder) statt, bei dem Georg Kune 141 Gulden geraubt wurden.

Die von Luckowin waren ein altes markbrandenburgisches Adelsgeschlecht, das seinen Besitzschwerpunkt im Land Lebus, in den Herrschaften Beeskow und Storkow und in der nördlichen Niederlausitz um Leibchel herum hatte. Der Besitz war wie der obige Lehnbrief zeigt bereits unter viele Mitglieder der Familie aufgeteilt. Der Verkaufszeitpunkt muss schon einige Jahre zurück gelegen sein, denn bei obigem Lehnbrief handelte es sich nicht um eine Erstbelehnung, sondern um eine Wiederbelehnung bzw. Lehnsbestätigung nach dem Tod des böhmisch-ungarischen Königs Ludwig II. in der Schlacht bei Mohács 1526. Es ist anzunehmen, dass der Besitz der von Luckowin daher bereits mindestens in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts zurück reicht. Der Lehnbrief lässt auch schließen, dass Glietz und Teile (?) von Mittweide und Schuhlen ursprünglich Zubehör eines Rittergutes mit Sitz in Leibchel waren.

Einen anderen Teil von Leibchel, Glietz und Schuhlen hatte Georg von Luckowin an Arnt/Arnd von Röbel verkauft. Er erhielt 1527 einen Lehnbrief über das Lehnstück „soviel wie Georg Lugkwan zu Leupchel, Glicz und Scolin am Sitz, Vorwerk, an Bauern, Zinsen, Renten, obersten und niedersten Gerichten besessen“. In die gesamte Hand aufgenommen waren seine Vettern Hans, Valten und Joachim Röbel zu Buch, die Brüder Joachim, Peter, Wulf und Georg Röbel in Hohenschönhausen und Antonius von Röbel in Eggersdorf. Auch hier handelte es sich um eine Wiederbelehnung, keine Erstbelehnung. Zur Musterung der Ritterpferde und Fußsoldaten der niederlausitzischen Stände 1520 in Guben war dagegen noch Georg von Luckowin mit einem Pferd und einem Fußknecht erschienen, „wegen Lubichol“, d. h. der Verkauf hat nach 1520 stattgefunden.

Leibchel kommt an die Familie von Röbel