Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der Fußballnationalmannschaft der UdSSR bei Weltmeisterschaften. Die Mannschaft nahm von 1958 bis 1990 siebenmal an WM-Turnieren teil. Nach der Auflösung der UdSSR wird die russische Mannschaft von der FIFA als Nachfolgerin der Fußballnationalmannschaft der UdSSR gesehen und deren Erfolge werden Russland zugerechnet. In der ewigen Rangliste wird Russland daher auf 12. Platz geführt.
Überblick mini|Platzierung der Mannschaft der UdSSR und der russischen Mannschaft in der ewigen WM-Tabelle
Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … Letzte(r) Gegner ErgebnisDie Platzierungen ab Platz 5 wurden von der FIFA festgelegt, ohne dass es dafür Platzierungsspiele gab. Siehe: (PDF; 200 kB) Trainer Bemerkungen und Besonderheiten 1930 Uruguay nicht teilgenommen kein FIFA-Mitglied 1934 Italien nicht teilgenommen kein FIFA-Mitglied 1938 Frankreich nicht teilgenommen kein FIFA-Mitglied 1950 Brasilien nicht teilgenommen 1954 Schweiz nicht teilgenommen 1958 Schweden Viertelfinale Schweden 7. Nach Entscheidungsspiel (1:0) gegen England für das Viertelfinale qualifiziert. 1962 Chile Viertelfinale Chile 6. Erneutes Scheitern im Viertelfinale gegen den Gastgeber 1966 England Spiel um Platz 3 Portugal 4. Platz Nikolai Morosow Beste Platzierung bei einer WM. Halbfinalniederlage gegen Deutschland 1970 Mexiko Viertelfinale Uruguay 5. 1974 Deutschland nicht qualifiziert Nachdem die Sowjetunion zum Playoff-Rückspiel in Chile nicht antrat, wurde dieses für Chile gewertet. 1978 Argentinien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Ungarn gescheitert 1982 Spanien Zwischenrunde Polen, Belgien 7. Auf Grund der schlechteren Tordifferenz ausgeschieden. 1986 Mexiko Achtelfinale Belgien 10. Niederlage (3:4) in der Verlängerung 1990 Italien Vorrunde Rumänien, Argentinien, Kamerun 17. Nach zwei Niederlagen gegen Rumänien und Weltmeister Argentinien und einem Sieg gegen Kamerun als Gruppenvierter mit einem besseren Torverhältnis (4:4) als der Gruppensieger Kamerun (3:5) ausgeschieden.
Statistik (Angaben inkl. 2026: 23 Weltmeisterschaften; Prozentangaben sind gerundet)
Teilnahmeverzicht: 2× (8,7 %; 1950, 1954) Nicht zugelassen: 3× (13,0 %; 1930, 1934 und 1938) Nicht qualifiziert: 2× (8,7 %; 1974 und 1978) Nicht mehr existent: 9× (39,1 %; seit 1994) Sportliche Qualifikation: 7× (30,4 % bzw. bei 78 % der Versuche) Vorrunde: 1× (4,3 %; 1990) Achtelfinale: 1× (4,3 %; 1986) 2. Finalrunde mit 12 Mannschaften: 1× (4,3 %; 1982) Viertelfinale: 3× (13,0 %; 1958, 1962 und 1970) Vierter: 1× (4,3 %, 1966)
Turniere mit maximal 16 Teilnehmern 1930 bis 1954 Nach der Gründung der UdSSR verbot die FIFA ihren Mitgliedern Länderspiele gegen diese. Daher konnte die UdSSR an den ersten drei WM-Turnieren nicht teilnehmen. Trotz der Aufnahme der UdSSR in die FIFA 1946 dauerte es bis 1952, bis die UdSSR zu ihrem ersten Länderspiel antrat. Stalin erhoffte sich einen Propagandaerfolg von der Teilnahme der sowjetischen Mannschaft am Fußballwettbewerb der Olympischen Spiele 1952. Als dieser ausblieb, wurde die Nationalmannschaft bis 1954 wieder auf Eis gelegt. Daher nahm die Mannschaft nicht an den ersten beiden WM-Turnieren nach dem Zweiten Weltkrieg teil.
1958 in Schweden mini|Sowjetische Briefmarke zur WM 1958
Nach dem Olympiasieg 1956 konnte sich die UdSSR dann erstmals für die Fußball-Weltmeisterschaft 1958 qualifizieren. In der Qualifikation musste sie gegen die Nachbarn Polen und Finnland antreten. Polen und die UdSSR gewannen beide ihre Heimspiele sowie in Finnland und hatten daher beide 6:2 Punkte. Da die bessere Tordifferenz der UdSSR nicht zählte, gab es ein Entscheidungsspiel in Leipzig, das die UdSSR mit 2:0 gewann.
In Schweden wurde die UdSSR, die noch acht Olympiasieger aufbot, in eine Gruppe mit dem späteren Weltmeister Brasilien, dem WM-Dritten Österreich und England gelost. In ihrem ersten WM-Spiel gegen England mussten sie nach 2:0-Führung noch das 2:2 hinnehmen. Dabei erzielte Nikita Simonjan in der 13. Minute das erste WM-Tor für die UdSSR. Im zweiten Spiel kamen sie zu ihrem ersten WM-Sieg: Mit 2:0 wurde Österreich besiegt. Gegen Brasilien verloren sie dann aber mit 0:2. Da die UdSSR und England damit punkt- und torgleich waren, gab es ein Entscheidungsspiel um den zweiten Platz zwischen beiden, das die UdSSR mit 1:0 gewann. Im Viertelfinale trafen sie bereits zwei Tage später auf Gastgeber Schweden, der zwei Tage mehr Pause hatte, und verloren mit 0:2. Damit ging es ihnen wie zwei weiteren Mannschaften, die nur über die Entscheidungsspiele das Viertelfinale erreicht hatten und dadurch weniger Regenerationszeit hatten. Zur nächsten WM wurde diese Regelung daher abgeschafft. In der ewigen Rangliste startete die Mannschaft auf dem 19. Platz, ihrer bis zum Ende schlechtesten Platzierung.
1962 in Chile Die Qualifikation für die Fußball-Weltmeisterschaft 1962 verlief erneut erfolgreich. Nach dem Gewinn der Europameisterschaft 1960 konnte sich die UdSSR gegen Norwegen und die Türkei souverän mit vier Siegen in vier Spielen qualifizieren.
In Chile wurde die UdSSR in eine Gruppe mit dem EM-Finalgegner Jugoslawien, Ex-Weltmeister Uruguay und WM-Neuling Kolumbien gelost. Im ersten Gruppenspiel wurde Jugoslawien mit 2:0 besiegt. Danach folgte ein denkwürdiges 4:4 gegen Kolumbien – das einzige Länderspiel, bei dem der sowjetische Torhüter Lew Jaschin vier Gegentore hinnehmen musste. Mit einem 2:1 gegen Uruguay sicherte sich die UdSSR dann aber den Gruppensieg und traf im Viertelfinale auf den Gastgeber Chile. Mit 1:2 schied die UdSSR erneut gegen den Gastgeber aus, konnte sich aber in der ewigen Rangliste um drei Plätze verbessern.
1966 in England mini|Briefmarke der UdSSR zur WM 1966
1966 fand die WM in England statt und für Wales, Gruppengegner der UdSSR in der Qualifikation, war dies ein besonderer Ansporn, sich zu qualifizieren. In einer Vierergruppe trafen beide zudem auf Griechenland und Dänemark. Vizeeuropameister UdSSR gewann alle Spiele, bis auf das Spiel bei den heimstarken Walisern, und qualifizierte sich wieder souverän.
In England wurde die UdSSR in eine Gruppe mit Ex-Weltmeister Italien, Chile und WM-Neuling Nordkorea gelost. Das erste Spiel gegen den Neuling gewannen die sowjetischen Spieler mit 3:0. Nach einem 1:0 gegen Italien war die UdSSR bereits für das Viertelfinale qualifiziert und konnte sich durch ein 2:1 gegen Chile im letzten Spiel einerseits für das Viertelfinalaus vier Jahre zuvor revanchieren und andererseits den Gruppensieg perfekt machen. Im Viertelfinale trafen sie auf die Ungarn, die zusammen mit Portugal Titelverteidiger Brasilien ausgeschaltet hatten. Mit 2:1 wurde auch diese Hürde genommen, wodurch die UdSSR erstmals im WM-Halbfinale stand. Hier traf die Mannschaft auf Deutschland und verlor nach einem Platzverweis von Igor Tschislenko mit 1:2. Auch das kleine Finale gegen WM-Neuling Portugal wurde mit 1:2 verloren. Der vierte Platz ist aber das beste Ergebnis der UdSSR bei WM-Turnieren. Den deutschen Fußballfans blieb aber insbesondere der sowjetische Linienrichter Tofiq Bəhramov in Erinnerung, der das Wembley-Tor anerkannte. In der ewigen Rangliste erreichten die Sowjets mit Platz 9 eine Top-10-Platzierung.
1970 in Mexiko Auch für die erste WM in Mittelamerika konnte sich die UdSSR wieder qualifizieren. Erneut waren die Türkei sowie Nordirland die Gruppengegner und nur beim 0:0 in Nordirland wurde ein Punkt abgegeben.
In Mexiko wurde die UdSSR der Gruppe mit Gastgeber Mexiko zugelost und durfte das Eröffnungsspiel bestreiten, das torlos endete. Weitere Gruppengegner waren die Belgier, gegen die mit 4:1 gewonnen wurde, und WM-Neuling El Salvador, gegen den mit 2:0 gewonnen wurde. Da auch die Mexikaner gegen die beiden anderen Gruppengegner gewannen, waren die UdSSR und Mexiko punktgleich und hatten dieselbe Tordifferenz. Damit musste das Los entscheiden, wer Gruppensieger wurde, da die Anzahl der Tore keine Rolle spielte. Das Los bestimmte die UdSSR zum Gruppensieger, wodurch sie auf Ex-Weltmeister Uruguay traf. Da in der regulären Spielzeit kein Tor fiel, musste das Spiel verlängert werden und blieb auch bis zur 117. Minute ohne Torerfolg. Dann gelang dem 14 Minuten zuvor eingewechselten Víctor Espárrago der Siegtreffer für die Südamerikaner. Die UdSSR schied damit zum dritten Mal im Viertelfinale aus und verabschiedete sich für 12 Jahre von der WM-Bühne.
Weltmeisterschaft 1974 In der Qualifikation für die erste WM in Deutschland waren die Iren und Frankreich die Gegner. Die UdSSR verlor zwar das erste Spiel in Frankreich, konnte aber danach alle Spiele gewinnen und wurde damit Gruppensieger. Die UdSSR musste aber noch in den Interkontinental-Playoffs gegen Chile antreten. Das erste Spiel in Moskau endete torlos. Danach weigerte sich die UdSSR, im Estadio Nacional anzutreten, da in dem Stadion in den ersten Tagen des Pinochet-Putsches mehrere Tausend Oppositionelle festgehalten, gefoltert und ermordet worden waren. Da die FIFA eine Verlegung des Spiels ablehnte, trat die Mannschaft der UdSSR nicht an. Das Spiel wurde mit 2:0 für Chile gewertet, das sich damit qualifizierte. Die UdSSR war damit erstmals nicht qualifiziert.
1978 in Argentinien Auch für die WM in Argentinien konnte sich die UdSSR nicht qualifizieren. In der Qualifikation wurde hinter Ungarn und vor Griechenland nur der zweite Platz belegt. Ungarn musste dann noch die südamerikanische Mannschaft aus Bolivien in Hin- und Rückspiel ausschalten. Dabei wurden die Südamerikaner in Budapest mit 6:0 bezwungen – dem höchsten Sieg in einem interkontinentalen Playoff-Spiel – und auch in der Höhe von La Paz gelang ein 3:2-Sieg. Damit war Ungarn erstmals seit 1966 wieder qualifiziert.
Turniere mit 24 Teilnehmern 1982 in Spanien Für die WM auf der iberischen Halbinsel konnte sich die UdSSR dann wieder qualifizieren. In einer Gruppe mit der Tschechoslowakei, Wales, Island und der Türkei wurde der erste Platz belegt.
In Spanien traf die UdSSR im ersten Spiel auf Rekordweltmeister und Titelfavorit Brasilien und verlor mit 1:2. Im zweiten Spiel gegen WM-Neuling Neuseeland gelang ein 3:0. Gegen Schottland reichte dann ein 2:2, um sich aufgrund der besseren Tordifferenz als Gruppenzweiter für die zweite Finalrunde zu qualifizieren. Diese wurde bei dieser WM zum einzigen Mal in Dreiergruppen ausgespielt. Mit einem 1:0 gegen Belgien und einem 0:0 gegen Polen schied die UdSSR aus, da die Polen mit 3:0 gegen Belgien gewonnen hatten.
1986 in Mexiko mini|Briefmarke der UdSSR zur WM 1986
Die Qualifikation zur zweiten WM in Mexiko verlief dann endlich auch wieder erfolgreich. In einer Gruppe mit Dänemark, das bei der EM 1984 überraschend das Halbfinale erreicht hatte, der Schweiz, Irland und Norwegen wurde zwar nur Platz 2 hinter Dänemark belegt, dieser reichte aber zur Qualifikation.
In Mexiko traf die UdSSR in einer Gruppe auf Ungarn, Europameister Frankreich und WM-Neuling Kanada. Mit 6:0, dem höchsten WM-Sieg ihrer Geschichte, wurden die Ungarn besiegt. Gegen Frankreich folgte ein 1:1 und gegen Kanada ein 2:0. Damit wurde die UdSSR aufgrund der besseren Tordifferenz Gruppensieger vor Frankreich und traf im Achtelfinale auf die Belgier, die sich nur als bester Gruppendritter für die K.-o.-Runde qualifiziert hatten und gegen die die UdSSR noch nie verloren hatte. Die UdSSR ging zwar zweimal durch Ihor Bjelanow in Führung, musste aber zweimal den Ausgleich hinnehmen, so dass es nach 90 Minuten 2:2 stand. In der Verlängerung konnten dann die Belgier das Spiel für sich entscheiden und mit 4:3 gewinnen, obwohl sie zwei Tage weniger Pause hatten.
1990 in Italien links|mini|Briefmarke der UdSSR zur WM 1990
Die Qualifikation zur zweiten WM in Italien verlief wieder erfolgreich. Österreich, das sich ebenfalls qualifizieren konnte, die Türkei, die DDR, die letztmals an der Qualifikation teilnahm, sowie Island wurden auf die Plätze verwiesen. Gesichert wurde die Qualifikation aber erst am letzten Spieltag durch ein 2:0 gegen die Türkei.