Jetzt Zeichen setzen! ist eine 2011 gegründete Plattform, die mehr als 50 österreichische Organisationen und Gruppen aus der Zivilgesellschaft sowie Parteien vernetzt, die unter diesem Motto Gedenktage für die Opfer des Nationalsozialismus veranstalten und mit Protestkundgebungen und anderen Aktionen gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus in der Öffentlichkeit auftreten.Milena Borovska: Zeichen setzen gegen Rechtsextremismus, Die Presse, Print-Ausgabe, 18. Januar 2012, online 17. Januar 2012
Organisator der Plattform ist Nikolaus Kunrath.
Träger der Plattform Zu den bedeutendsten Trägern der Netzwerkplattform zählen der ÖGB, die Österreichische Gewerkschaftsjugend und die Österreichische HochschülerInnenschaft, die Parteien SPÖ, Die Grünen und KPÖ sowie die drei Konfessionen der Katholiken, Evangelische und Israeliten, das Mauthausen Komitee Österreich und die Lagergemeinschaften der KZ Auschwitz, Buchenwald und Ravensbrück. Darüber hinaus gehören der Plattform eine Reihe vor Organisationen und Vereinigungen der österreichischen Zivilgesellschaft an:
Asyl in Not Aktion gegen den Antisemitismus in Österreich Gesellschaft für politische Aufklärung Grazer Autorinnen Autorenversammlung Hemayat IG Autorinnen Autoren Integrationshaus Wien Kulturverein Österreichischer Roma und Sinti KZ-Verband (VdA) Literaturhaus Wien Österreichische Liga für Menschenrechte Österreichischer P.E.N.-Club Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreichs Republikanischer Club – Neues Österreich Resistance for Peace SOS-Menschenrechte SOS Mitmensch Universität Wien (Ev. und Kath. Fakultät) Verein Gedenkdienst Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit (ZARA)
Die Hauptveranstalter konnten auch eine Reihe ihrer Teil- und Vorfeldorganisationen zur Unterstützung der Plattform motivieren, zum Beispiel auf sozialdemokratischer Seite die SPÖ Wien, die SPÖ Bildung und die SPÖ-Frauen, die Jugend-, Schüler- und Studentenorganisationen AKS, SJÖ, JG, FSG Jugend und VSStÖ, weiters ASKÖ Wien, BSA und Volkshilfe Wien, den Bund Sozialistischer Freiheitskämpfer und den Bund Sozialdemokratischer Juden (Avodah) sowie die SoHo. Seitens der Grünen zählten zu Unterstützern auch die Landesorganisationen von Wien und NÖ, die Grünalternative Jugend und die GRAS sowie die Grünen Frauen Wien und die Grüne "Generation Plus" (vormals Grüne SeniorInnen). Neben der KPÖ beteiligen sich auch der Gewerkschaftliche Linksblock im ÖGB, neben der Katholischen Aktion auch die Katholische Jugend Österreich und die ökumenisch orientierte Organisation Pax Christi Österreich, auf jüdischer Seite auch Misrachi Österreich und die ZPC-Loge der B’nai B’rith sowie die sozialistisch-zionistische Jugendorganisation Hashomer Hatzair.
Weitere Träger sind fallweise oder regelmäßig der Verein Fibel und MoRaH Austria, die Initiative liberaler Muslime (ILMÖ) und die Initiative Muslimischer Österreicher-innen (IMÖ), die Rassismusfreien Zonen Wien-Leopoldstadt und Transdanubien sowie eine Reihe weiterer Organisationen gegen Antisemitismus, Rechtsextremismus und Rassismus bzw. für den Christlich-jüdischen Dialog oder die Integration von Migranten, Martin Jäggle und Doron Rabinovici sowie 2015 erstmals die Bundesjugendvertretung.Auf der Website der Plattform ist genau gelistet, welche Organisation welche Veranstaltung mitorganisiert bzw. mitgetragen hat.
Geschichte mini|Demonstration 2012 Auslösend für die Gründung der Vernetzungsplattform Jetzt Zeichen setzen! waren die Ereignisse am 8. Mai 2011. Der Wiener Korporationsring (WKR) hielt damals ein Totengedenken am Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation Hitler-Deutschlands auf dem Heldenplatz ab. Am 27. Jänner 2012 fand die Veranstaltung des WKR-Balles in der Wiener Hofburg statt. Es handelt sich beim 27. Jänner um den Tag der Wiederkehr der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz. Der WKR-Ball war jahrzehntelang ein Treffpunkt rechter und rechtsextremer Politiker aus ganz Europa; darunter waren auch einige, die den Holocaust zumindest relativierten.Judith Goetz: Ausgetanzt! Eine kritische Bilanz der Proteste gegen den WKR-Ball. In: Rechtsextremismus. Entwicklungen und Analysen – Band 1. Hg. von der Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit (Wien), Mandelbaum 2014, S. 208.Umstrittenster Ball Österreichs. In: Salzburger Nachrichten. 26. Jänner 2012. Die Veranstalter rechtfertigten sich damit, dass der Ball traditionell am letzten Freitag im Jänner stattfinde. Jetzt Zeichen setzen! proklamierte eine Gedenk- und Aktionswoche vor dem Ballabend mit folgender Begründung:
Der WKR-Ball fand 2012 – mit Marine Le Pen als Ehrengast – zum letzten Mal statt.David Albrich: WKR-Ball: Strache tobt nach Niederlage!, Linkswende, 30. Jänner 2012. Die Betreibergesellschaft der Hofburg hatte den Vertrag gekündigt. Auch verlor die Institution Wiener Ball aufgrund der Gäste des WKR-Balls den Status als UNESCO-Welterbe. Die Plattform jedoch löste sich nicht auf, sondern konzentriert sich seither auf die Ausrichtung eines würdigen Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Jänner sowie auf Gegenveranstaltungen zu weiteren Veranstaltungen des Wiener Korporationsringes.
Weiters beteiligt sich die Plattform – gemeinsam mit der Initiative NOWKR und der Offensive gegen Rechts – an den Protestkundgebungen gegen den Wiener Akademikerball, der seit 2013 von der FPÖ Wien als inoffizielle Nachfolgeveranstaltung des WKR-Balls organisiert wird.
Holocaust-Gedenken am Heldenplatz
Die wichtigste Kundgebung der Plattform ist dem Gedenken an die Opfer des Holocaust gewidmet und findet alljährlich am 27. Jänner, dem Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, auf dem Wiener Heldenplatz statt.
2012 Unter dem Motto „Die extreme Rechte aus dem Takt bringen!“ stand die erste Kundgebung der Plattform am Abend des 27. Jänner 2012, die von mehr als 50 Vereinen und Organisationen getragen wurde und mehrere Tausend Teilnehmer versammeln konnte. Laut Angaben der Polizei waren 2.500 Teilnehmer am Heldenplatz, laut Angaben von Vorarlberg-Online hingegen 6.000.Die Presse: , 18. Jänner 2012.Vorarlberg-Online: WKR-Ball: Die Anti-Ball-Demos aus Sicht der Polizei, 28. Jänner 2012. Es sprachen die Holocaust-Überlebende Dora Schimanko, der Autor Hans-Henning Scharsach und die Grünen-Politikerin Alev Korun. Das begleitende Musikprogramm bestritten u. a. Clara Luzia, Christoph & Lollo, Kommando Elefant und Maur Due & Lichter. Diese Veranstaltung richtete sich zugleich gegen die Veranstaltung des WKR-Balles in der Hofburg, welcher an diesem Abend zum letzten Mal stattfand.
In den Tagen davor gab es ein dichtes Rahmenprogramm in Form einer Gedenk- und Aktionswoche gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus mit zahlreichen Diskussionsveranstaltungen, Buch- und Filmpräsentation, antifaschistischen Spaziergängen, einer Online-Demo und einem Frauen-Brunch, veranstaltet von Trägerorganisationen der Plattform.Gedenk- und Aktionswoche gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus, abgerufen am 11. Jänner 2015. Anlässlich einer Kranzniederlegung – ebenfalls am Heldenplatz – um 13 Uhr des Internationalen Holocaustgedenktages sprachen unter anderem der KZ-Überlebende Rudolf Gelbard, die Grünen-Vorsitzende Eva Glawischnig und der IKG-Präsident Ariel Muzicant.Holocaust Gedenktag 2012 „Jetzt Zeichen setzen!“, abgerufen am 11. Jänner 2015.Kronen Zeitung: Hunderte Menschen begehen Holocaust-Gedenktag in Wien, 27. Jänner 2014.
2013 Aufgrund des hohen Zuspruches zur ersten Heldenplatz-Gedenkveranstaltung am Holocaustgedenktag 2012 entwickelte sich rasch eine Tradition dieser Veranstaltung, die jeweils von einem breiten Spektrum der Zivilgesellschaft getragen wird. 2013 sprachen die KZ-Überlebende und Widerstandskämpferin Käthe Sasso, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Oskar Deutsch und der Vorsitzende des Mauthausen Komitees Österreich Willi Mernyi, die Vizebürgermeisterin von Wien, Renate Brauner (SPÖ), und Maria Vassilakou (Grüne), der Superintendent der evangelisch-methodistischen Kirche, Helmut Nausner, und Rodaina El Batnigi, Sprecherin der Bundesjugendvertretung. Es moderierte Katharina Stemberger, es musizierten das Ensemble Scholem Alejchem sowie Isaac Loberan mit Ensemble.Cultural Broadcasting Archive: Holocaust-Gedenktag in Wien: Gedenkveranstaltung des Bündnisses „Jetzt Zeichen setzen“ am Heldenplatz, 27. Jänner 2013.
2014 Auf der Gedenkveranstaltung 2014, die wiederum Jetzt Zeichen setzen! organisiert hatte, sprachen die Zeitzeugin Miriam Auerbach und der Holocaust-Überlebende Rudolf Sarközi, die Politiker David Ellensohn (Grüne), Manfred Juraczka (ÖVP) und Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ), erneut Oskar Deutsch, weiters Laura Schoch, die Vorsitzende der Bundesjugendvertretung.Der Standard: „Erinnern tut weh“: Holocaust-Gedenken am Wiener Heldenplatz, 27. Jänner 2014. Ihre Rede stand unter dem Titel: Wer schweigt, stimmt zu! Bezugnehmend auf die Anti-Akademikerballdemo drei Tage zuvor, sagte sie:
Das anschließende Totengebet sprach Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg, es moderierte Katharina Stemberger, Gebärdendolmetscherin war Sabine Zeller, für musikalische Begleitung sorgte der Jüdische Chor Wien; der Samariterbund Wien sorgte für heißen Tee.
2015 Die Kundgebung dieses Jahres war dem Jahrestag „70 Jahre Befreiung des KZ Auschwitz“ gewidmet und mobilisierte deutlich mehr Teilnehmer als in den zwei Jahren zuvor. Es sprachen die Widerstandskämpferin Irma Schwager (Ehrenvorsitzende der KPÖ), der Präsident des International Council of Christians and Jews, Olivia Kaiser-Dolidze vom Verein Gedenkdienst, Waltraud Barton vom Verein IM-MER, Raimund Fastenbauer von der Israelitischen Kultusgemeinde sowie die Wiener Landespolitiker Manfred Juraczka (Volkspartei), Maria Vassilakou (Die Grünen) und Michael Häupl (SPÖ). Wiederum moderierte Katharina Stemberger, Gebärdendolmetscherin war Sabine Zeller, es sang die Chorvereinigung Gegenstimmen.
Weitere Kundgebungen „Nimm Dir frei, am 8. Mai!“ Im Jahr 2012 standen die Aktivitäten der Plattform rund um den 8. Mai, dem Tag der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht, noch im Zeichen des Widerstands gegen das Totengedenken des Wiener Korporationsringes, welches am Wiener Heldenplatz stattfand. Ebendort gedachte ab 17 Uhr die Plattform der Opfer des nationalsozialistischen Verbrechensregimes und feierte „den Sieg über den Nationalsozialismus“. Es sprachen die Politiker David Ellensohn und Andreas Mailath-Pokorny, die Historikerin Heidemarie Uhl, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Oskar Deutsch, die Autorin Corinna Milborn und Richard Wadani, der Ehrenvorsitzende des Personenkomitees Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz. Für die musikalische Umrahmung sorgten Stelzhamma und Krankypanky.8. Mai 2012 – Tag der Befreiung am Heldenplatz! #nowkr, abgerufen am 11. Jänner 2015. Damit war die Idee für das Fest der Freude geboren, welches von der Republik Österreich seit 2013 an diesem Gedenktag veranstaltet wird.
2012 gab es auch weitere Rahmenveranstaltungen, wie ein Gedenken an die Opfer der NS-Gräuel am Morzinplatz, gemeinsam veranstaltet von Israelitischer Kulturgemeinde und den Grünen, oder der Antifaschistische Spaziergang, den das Referat für Menschenrechte und Gesellschaftspolitik der ÖH organisierte. Auch 2013 gab es – nunmehr als Rahmenprogramm zum Fest der Freude – zahlreiche Veranstaltungen der Plattform, u. a. eine Lesung von Karl Pfeifer und eine Buchpräsentation von Hans-Henning Scharsach, außerdem Kundgebungen am Morzinplatz, beim Mahnmal für die Opfer des Faschismus am Reumannplatz sowie am vorgesehenen Platz für das Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz am Ballhausplatz. Zur Motivation wurde der Slogan geprägt: „Nimm Dir frei, am 8. Mai!“Der Standard: Symphoniker gegen „Totengedenken“ der Burschenschafter, 8. April 2013.SOS Mitmensch: Nimm Dir frei, am 8. Mai!, 6. Mai 2013.ORF: „Wichtigster Demokratiefeiertag“, 7. Mai 2013.