mini|Musterhafter Aufbau einer Shintō-Schreinanlage: 1. Torii, 2. Steintreppe, 3. Sandō, Weg zum Hauptschrein, 4. Brunnen zur Mund- und Handreinigung (Chōzuya oder Temizusha), 5. Tōrō, 6. Kagura-den (Bühne für Kagura-Aufführungen), 7. Verwaltungsbüro (Shamusho), 8. Ema, 9. Zweigschrein (Setsumatsusha Sessha/massha), 10. Löwenhunde (Komainu), 11. Gebetshalle (Haiden), 12. Zaun / Einfriedung des Schreins (Tamagaki), 13. Hauptschrein (Honden)

Man schätzt die Zahl der Shintō-Schreine in Japan auf mehr als 150.000.Hideto Kishida: Japanese Architecture, 2008, S. 34 Die Vielzahl der kleineren Schreine sind üblicherweise ein einzelnes Gebäude; es können jedoch weitere Bauwerke auf dem Schreingelände vorhanden sein wie Gebetshallen, Reinigungshallen, Hallen für Opfergaben (heiden), Gebäude für Tanzaufführungen, Laternen, Zäune, Steinwälle oder Torii.Sokyo Ono, William P. Woodard: Shinto the Kami Way, 2004, S. 26–27.

Die Bezeichnung Nationalschatz wird seit 1897 verwendet, um besonders bedeutsame Kulturgüter zu bezeichnen. Auch wenn sich die Definition und die Kriterien für Nationalschätze im Laufe der Zeit änderten, folgt die nachstehende Liste den Bestimmungen des gegenwärtig gültigen Kulturgutschutzgesetzes von 1951. Die Nationalschätze wurden vom Ministerium für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie aufgrund ihres „besonders hohen historischen oder künstlerischen Wertes“ ausgewählt.

Die Liste umfasst 39 Teile von Schreinanlagen, die zu Nationalschätzen deklariert wurden und die vom 12. Jahrhundert, der Heian-Zeit an, bis zur vormodernen Edo-Zeit reichen. Teilweise sind einzelne Nationalschätze, die aus mehreren Teilen bestehen in der Tabelle in mehrere Einträge zerteilt, sodass die Zahl der Einträge größer ist als die Anzahl der deklarierten Nationalschätze. Zu den Baustrukturen, die Teil einer Schreinanlage und Gegenstand der Deklaration sind, gehören: die Haupthalle (honden),Bisweilen auch als Haupthalle bezeichnet. Gebetshallen (haiden), Reinigungsstätten (haraedono), Hallen für die Opfergaben (heiden) und Tore.

Überblick Der Brauch sakrale Bereiche zu kennzeichnen, reicht bis in die Yayoi-Zeit (500 v. Chr. bis 300 n. Chr.) und die Anfänge allererster religiöser Vorstellungen zurück. Man glaubte, dass Besonderheiten der Landschaft, wie Felsen, Wasserfälle, Inseln und Berge die Eigenschaft besitzen Kami („Geistwesen“) anzuziehen und folglich verehrte man sogenannte „Yorishiro“, Objekte, die kami anlocken und binden konnten. Ursprünglich waren sakrale Plätze schlicht durch einen Zaun und ein Tor oder Torii gekennzeichnet. Etwas später schuf man provisorische Konstruktionen, wie den heute auch noch verwendeten Mikoshi, einen tragbaren Schrein,Kazuo Nishi, Kazuo Hozumi: What is japanese architecture?, 1996, S. 40 um die Kami in die sakralen Stätten einzuladen und schließlich entwickelten sich feste Baustrukturen und Gebäude, die den Göttern geweiht wurden. Im Altertum wurden Schreine zunächst monumentalen Wohnhäusern, wie der Izumo-Taisha,Hideto Kishida: Japanese Architecture, 2008, S. 33 oder aber Kultspeichern, wie der Großschrein von Ise nachempfunden.Banister Fletcher, Dan Cruickshank: Sir Banister Fletcher’s a history of architecture, 1996, S. 724 Diese Gebäude besaßen Giebeldächer, Hochböden, Bohlenwände und Dächer, die mit Reet oder der Rinde der Hinoki-Scheinzypresse gedeckt waren. Diese frühen Schreinanlagen besaßen noch keine Plätze für die Anbetung. Für Schreine des Altertums kann man drei wichtige Bauweisen unterscheiden: die Taisha-, Shinmei- und sie Sumiyoshi-Bauweise. Beispielhaft für diese Bauweisen sind der Izumo-Taisha, der Nishina Shinmei-Schrein und der Sumiyoshi-Taisha.Hideto Kishida: Japanese Architecture, 2008, S. 35 In Übereinstimmung mit der Tradition des Shikinen sengū-sai () wurden die Gebäude einer Schreinanlage in regelmäßigen, festgelegten Abständen unter Beibehaltung von Gestalt und Aussehen vollständig erneuert. Auf diese Weise wurde die Bauweise des Altertums bis in die Gegenwart hinein wiederholt und erhalten.Heute wird nur noch der Großschrein zu Ise im Rhythmus von 20 Jahren erneuert.Kazuo Nishi, Kazuo Hozumi: What is japanese architecture?, 1996, S. 41.

Neue Formen der Schreinarchitektur kamen in der Mitte des 6. Jahrhunderts mit dem Buddhismus von Baekje nach Japan; die Entwürfe heutiger Shinto-Schreine sind buddhistischen Ursprungs.Yoshiro Tamura: Japanese Buddhism – A Cultural History, 2000, S. 21 Die Idee, das Tempel Stätten der Zusammenkunft sind, wurde auf Schreine übertragen. Zudem wurde der Hauptschrein (honden) durch ausgedehnte Überdachungen und dann durch Gebäude, wie die Gebetshalle (haiden), also um Plätze für die Anbetung ergänzt. Stilelemente buddhistischer Tempel wie Steinpostamente für die Pfeiler,Zuvor waren die Pfeiler direkt in die Erde getrieben worden, nunmehr lagerten sie auf steinernen Sockeln. Konsolen, geschwungene Dächer, bemalte Oberflächen, Verzierungen aus Metall, Korridore und Pagoden.David Young, Michiko Young: The art of ja architecture, 2007, S. 50Kazuo Nishi, Kazuo Hozumi: What is japanese architecture?, 1996, S. 43 wurden in Schreinen integriert und eingesetzt. Die Neuentwicklung der Bauweise und die Aufnahme neuer Stilelemente lässt sich ab Ende des 8. Jahrhunderts an der Kasuga-Bauweise (etwa des Kasuga-Schreins und des Hakusandō/Kasugadō im Enjō-ji), an der Nagare-Bauweise (im Shimogamo-Schrein), der Hachiman-Bauweise (des Usa Hachiman-gū) und der Hiyoshi-Bauweise (des Hiyoshi-Taisha).Hideto Kishida: Japanese Architecture, 2008, S. 40–41Kazuo Nishi, Kazuo Hozumi: What is japanese architecture?, 1996, S. 42 ablesen. Die Nagare-Bauweise war, gefolgt von der Kasuga-Bauweise die beliebteste Bauart. Zum Ende der Heian-Zeit wurde es üblich Torii und Zäune durch zweistöckige Tore und Säulengänge aus der Tempelarchitektur zu ersetzen. Der Einfluss der Shinden-Bauweise Heian-zeitlicher Adelspaläste und Residenzen ist etwa noch am Itsukushima-Schrein zu erkennen.Hideto Kishida: Japanese Architecture, 2008, S. 42–43

Der Marōdo-Schrein, der zum Itsukushima-Schrein gehört, stammt aus dem 13. Jahrhundert, der Kamakura-Zeit, während der Hauptschrein und die Gebetshalle des Kibitsu-Schreins aus dem 15. Jahrhundert und damit aus der Muromachi-Zeit stammen.Hideto Kishida: Japanese Architecture, 2008, S. 128–129 Im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert, also zur Momoyama-Zeit, wurde der Gongen-Baustil bestimmend für Schreinbauten. Der Hauptschrein wurde nunmehr durch bauliche Strukturen, allgemein als ai-no-ma bezeichnet, die aus der Hachiman-Bauweise stammen, mit der Gebetshalle verbunden. Beispiele dieser Bauweise sind der Hauptschrein des Kitano Tenman-gū und der Ōsaki Hachiman-Schrein.Hideto Kishida: Japanese Architecture, 2008, S. 43–44 Der Hauptschrein von Nikkō wurde 1636 vollendet und stammt damit aus der Edo-Zeit. Diese Anlage ist insofern außergewöhnlich, als sich dort eine ungeheure Zahl buddhistischer Tempel, shintoistischer Schreine und das Mausoleum von Tokugawa Iemitsu befinden.Banister Fletcher, Dan Cruickshank: Sir Banister Fletcher’s a history of architecture, 1996, S. 726 Die Anlage ist damit ein Beispiel für das Shinbutsu-Shūgō, den Shintō- bzw. Kami-buddhistischen Synkretismus, der in der Heian-Zeit seinen Anfang nahm. Der Kitano Tenman-gū, der 947 für Sugawara no Michizane gebaut wurde, war die erste Anlage, die für einen Kami sowohl Tempel, als auch Schreine besaß und die fortan Jingū-ji genannt wurden.Hideto Kishida: Japanese Architecture. 2008, S. 131

Kennzahlen Die 39 Listeneinträge umfassen: Hauptschreine (honden), Kombinationen aus Hauptschrein und Gebetshalle (haiden) bisweilen verbunden durch Zwischenräume oder -gänge (ai-no-ma) oder verbunden durch Hallen für die Opfergaben (heiden), Gebetshallen (haiden), Korridore, Tore, Zäune, Reinigungsstätten und anderen Teilen, die zu einem Schreingelände gehören. mini|350px|alt=Die meisten Nationalschätze in der Kategorie Schreine befinden sich im Kansai Gebiet und in West-Honshū, eine kleinere Zahl erstreckt sich auf das restliche Honshū und auf Kyushu.|Schematische Landkarte mit der Lage der Nationalschätze in der Kategorie Schreine. Präfektur Stadt Nationalschatz Präfektur Hiroshima Hatsukaichi 1 Präfektur Kagawa Sakaide 1 Präfektur Kumamoto Hitoyoshi 1 Präfektur Kyōto Kyōto 5 Uji 2 Präfektur Miyagi Sendai 1 Präfektur Nagano Ōmachi 1 Präfektur Nara Nara 2 Tenri 1 Uda 1 Präfektur Okayama Okayama 1 Präfektur Ōita Usa 1 Präfektur Osaka Osaka 1 Sakai 1 Präfektur Saitama Kumagaya 1 Präfektur Shiga Nagahama 1 Ryūō 1 Yasu 2 Ōtsu 3 Präfektur Shimane Matsue 1 Taisha 1 Präfektur Shizuoka Shizuoka 1 Präfektur Tochigi Nikkō 6 Präfektur Tottori Misasa 1 Präfektur Yamaguchi Shimonoseki 1 Epoche Nationalschatz Heian-Zeit 2 Kamakura-Zeit 9 Muromachi-Zeit 5 Momoyama-Zeit 8 Edo-Zeit 15

Legende Die Spalten der nachfolgenden Tabelle sind, mit Ausnahme der Spalten Anmerkungen und Bild, sortierbar. Bezeichnung: Bezeichnung des Nationalschatzes gemäß der Datenbank Nationaler Kulturgüter Schrein: Name der Schreinanlage, zu dem das deklarierte Bauwerk gehört Anmerkung: zur Architektur und allgemeine Bemerkungen: zur Größe angegeben in ken, dem Abstand zwischen den Stützpfeilern; "m×n" gibt die Länge (m) und die Breite (n) eines Bauwerks in ken an. zum Baustil (jap. Suffix zukuri) und zur Art der Bedachung zu baulichen Einzelheiten wie Ortgängen, Giebeln, Vordächern etc. Datum: Zeitabschnitt und Jahr des letzten großen Umbaus; die Sortierung der Spalte erfolgt nach Jahresangaben. Ist lediglich eine Epoche bekannt, dann wird das erste Jahr dieser Epoche als Sortierkriterium verwendet. Standort: angegeben sind der Name der Stadt und der Präfektur, wobei Letzteres als Sortierkriterium dient Bild: Bild des Schreins

Nationalschätze

Bezeichnung Schrein Anmerkung Datum Standort Bild Ōsaki Hachiman-gū ()Ebenfalls mitdeklariert ist eine Anschlagtafel am Dachfirst (, munafuda) mit Angaben zur Erbauung. Ōsaki Hachiman-gū Hauptschrein: 5×3, eingeschossig, Irimoya-Bauweise mit Dachschindeln; steingepflasterter Korridor (, ishi-no-ma): 1×1, eingeschossig, Ryōsage-BauweiseRyōsage-Bauweise (, ryōsage-zukuri): bezeichnet einen Giebel ohne Giebeldreieck. mit Dachschindeln; Gebetshalle: 5×3 (7 ken an der Vorderseite), eingeschossig, Irimoya-Bauweise, Vorderseite mit einem chidori-hafu-Ortgangchidori hafu (, wörtl. „Regenpfeifer Giebel“): Ortgang an einer Dachgaube mit ausgeprägt konkaver Dachform. und einem 5 ken großen norikarahafu-Vordachnokikarahafu (): bezeichnet einen Karahafu-Giebel, der an der Dachtraufe ansetzt. und mit Dachschindeln. Älteste erhaltene Gongen-BauweiseGongen-Bauweise (, gongen-zukuri): ist eine Bauweise, bei der der Hauptschrein (honden) mit der Gebetshalle (haiden) mittels eines überdachten Weges (, ai-no-ma), auch steingepflasterter Korridor (, ishi-no-ma) oder Chūden () genannt, verbunden ist. Die Bezeichnung meint insbesondere die komplizierte Dachkonstruktion, die durch die Verbindung der unterschiedlichen Gebäude notwendig ist. Sie ist benannt nach der Bauweise des Kitano Tenman-gū in Kyōto. gongen bedeutet „Erscheinungsform Buddhas“Ryūji Kuroda: History and Typology of Schrein Architecture. 2005. Azuchi-Momoyama-Zeit, 1607 Sendai, Präfektur Miyagi 150px|alt=Holzgebäude mit ausladendem Dach und einem Giebel auf der Vorderseite. Hauptschrein (, honden), steingepflasterter Korridor (, ishi no ma) und Gebetshalle (, haiden)Ebenfalls als Nationalschatz mitdeklariert wurden: ein Glockenhaus (, shōsha), tōdaihoya (), ein sakrales verkupfertes Lagerhaus (, dōjinko), Verbindungsgang (, watarō), Tor eines Magazins aus Kupfer (, dōko-mon), westlicher Kultraum (, saijō), zwei eiserne Hängelaternen (), neun Kisten aus Kupfer it Utensilien für eine Totenandacht (), zwei Seiteneingänge (, tsumado), das Tor am östlichen Zugangsweg (, higashi tsuyōgō-mon oder , shake-mon), 104 Steinlaternen (, ishitōrō), Zugangsweg zum Schrein (, sandō), das „Notfall“-Tor (, hijō-mon) ein Wachhaus (, uchibansho)