miniatur|Paul Pfurtscheller Paul Pfurtscheller (* 20. November 1855 in Salzburg; † 5. Februar 1927 in Wien) war ein österreichischer Zoologe, Lehrer und Künstler.

Leben Paul Pfurtscheller wurde am 20. November 1855 in Salzburg geboren.Ludwig Eisenberg: Das geistige Wien: Künstler- und Schriftsteller-Lexikon. 2: Medicinisch-naturwissenschaftlicher Theil: Mittheilungen über Wiener Fachschriftsteller und Gelehrte auf dem Gebiete der Medicin (nebst Thierheilkunde und Pharmacie) und Naturwissenschaften. Daberkow, Wien 1893; dort S. 371f. Nach seiner Schulzeit am Akademischen Gymnasium in Salzburg inskribierte er ab 1874 zoologische, botanische u. a. VorlesungenKurt Chytil: Paul Pfurtscheller – 1866–1874 Schüler am Gymnasium, In: 400 Jahre Akademisches Gymnasium Salzburg, Festschrift mit Jahresbericht (2017), S. 166–167. an der Universität Wien. Am Pflanzenphysiologischen Institut verfasste er 1877 handschriftlich seine Dissertation über anatomische Einzelheiten der Nadelhölzer.Paul Pfurtscheller: Beiträge zur Anatomie der Coniferenhölzer. Universität Wien, 1877. Unibibliothek Wien und nochmals in: Verhandl k. k. Zoolog-Botan Ges Wien 34, 1885. Seit 1877 war er Mitglied der k. k. Zoologisch-Botanischen Gesellschaft. Die Lehramtsprüfung für Naturgeschichte und Physik folgte 1880. Zumindest eine Veröffentlichung belegt, dass er weiter wissenschaftlich arbeitete.Paul Pfurtscheller: Ueber die Innenhaut der Pflanzenzelle nebst Bemerkungen über offene Communication zwischen den Zellen. Wien 1883. Österr Natl Bibl 390371–B. September 1882/83 und nochmals in: Jahresber. des k. k. Franz-Joseph-Gymnasium Wien 1888.

Pfurtscheller war beim Landesschulrat Niederösterreich angestellt und begann als Probelehrer in der Hegelgasse 3 im 1. Wiener Gemeindebezirk. Dort war Pfurtscheller dann Supplent, später provisorischer Lehrer im Staatsgymnasium II in der Taborstraße, schließlich wirklicher Professor am Franz-Joseph Gymnasium in der Hegelgasse 3.Evidenzblatt 6866. In: Archivkartei Wiener Magistrat, Abteilung 61, Referat 4.Kurt Chytil: Paul Pfurtscheller, Herausgeber zoologischer Tafeln. Bemerkungen zu seiner Biographie, In: Schriften des Vereins zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse, 156 (2021).

Am 10. Juli 1897 feierten Constantine Schollian (* 1862, Triest) und Paul Pfurtscheller Hochzeit in „Sant’Antonio Nuovo“, der größten Kirche in Triest.Evidenzblatt 6866. In: Archivkartei Wiener Magistrat: 61,4. Ihre Privatadresse lautete Streichergasse 10 im 3. Wiener Gemeindebezirk.Hermann Clemens Kosel (Hg): Deutsch-Österreichisches Künstler- und Schriftsteller-Lexikon. Band 1: Biographien der Wiener Künstler und Schriftsteller. Lechner, Wien 1902. Bis zu seiner Pensionierung 1911 wirkte er als Lehrer am Franz-Joseph Gymnasium. Die Schule übersiedelte nach 40 Jahren, im Jahr 1912, von der Hegelgasse in das nicht weit davon gelegene neue Gebäude Stubenbastei 6–8. Dessen Eingangstor zeigt in Großbuchstaben neben den Namen anderer bedeutender Lehrer und Schüler auch Pfurtscheller.

Wiener Kongress Die 66. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte fand in Wien statt, vom 24. bis 28. September 1894. Aus diesem Anlass gab es in der Universität eine große Rahmenveranstaltung. Die „Ausstellung wissenschaftlicher Objecte wurde zur Besichtigung des Wiener Publicums schon am 16. September unter Anwesenheit des Ministers für Cultus und Unterricht erœffnet.“Neue Freie Presse – Abendblatt 10804 Wien 21. September 1894: Seite 1. „Die Abtheilung der naturhistorischen Lehrmittel wurde von den Professoren J. MikJosef Mik. und Dr. P. Pfurtscheller zusammengestellt, wobei die Custoden der naturhistorischen Cabinette an den neunzehn Mittelschulen Wiens Beiträge lieferten.“Neue Freie Presse – Abendblatt 10805. Wien 22. September 1894: Seite 1. Pfurtscheller selbst hatte Exponate zur Verfügung gestellt; allerdings noch keine zoologischen Tafeln, denn die erste (Sternkoralle) wurde erst 1902 gedruckt.Hermann Clemens Kosel (Hg): Deutsch-Österreichisches Künstler- und Schriftsteller-Lexikon. Band 1: Biographien der Wiener Künstler und Schriftsteller. Lechner, Wien 1902.

„Es zeigt sich da der große Fortschritt, den die naturwissenschaftliche Ausbildung der Schüler nicht nur an den Realschulen, sondern auch an den Gymnasien in Oesterreich während der letzten Decennien gemacht hat.“Neue Freie Presse – Abendblatt 10805 Wien 22. September 1894: Seite 1. Die Organisatoren hatten eine Mustersammlung zusammengestellt, wie sie jede Mittelschule anstreben sollte. Als Anerkennung wurden Mik und Pfurtscheller dem Erzherzog Rainer von Österreich vorgestellt.Seine k. und k. Hoheit, der durchlauchtigste Herr Erzherzog Rainer, war „Protector“ der kaiserlich-königlichen zoologisch-botanischen Gesellschaft. (Der Kaiser befand sich derzeit mit König Albert von Sachsen auf Hochwildjagd in der Steiermark.Neue Freie Presse – Abendblatt 10811 Wien 28. September 1894: Seite 1.) „Die Ausstellung in der Universität bleibt mit Bewilligung des Rectorates noch bis Donnerstag den 4. October, Abends, zur allgemeinen Besichtigung gegen das Entrée von 30 Kreuzern geöffnet.“Neue Freie Presse – Morgenblatt 10813 Wien 30. September 1894: Seite 6.

Wandtafeln Ansehen erlangte Pfurtscheller in Fachkreisen durch „Zoologische Wandtafeln“, die er didaktisch sowie grafisch-künstlerisch gestaltete und einschließlich der Tafel 28 bei A. Pichlers Witwe & Sohn herausgab. Den Druck führte zuerst die Buchdruckerei und Kunstanstalt Friedrich Sperl, Linke Bahngasse 9, in Wien, 3. Bezirk aus, dann der Lithograf Emil Hochdanz in Stuttgart. Die Herausgabe der Tafeln 29 bis 39 besorgte der Verleger Martinus Nijhoff in Den Haag. Die Lithografien sind in bis zu 15 Farben produziert! Jede Tafel wurde durch ein „Begleitwort“ erläutert, damals auch erhältlich in französischer und englischer Übersetzung.Kurt Chytil: Paul Pfurtscheller – Wissenschaftler, Lehrer, Didaktiker, In: Haus der Natur, Salzburg, anlässlich der Ausstellungseröffnung „Meisterwerke der Naturgeschichte. Historische Lehrtafeln um 1900“, 7. März 2019.

Die Tafeln entstanden anfangs zur Unterstützung seines persönlichen Lehrunterrichts. Als entwickeltes Projekt waren die insgesamt 39 Tafeln für „Mittelschulen“ (Gymnasien und Realschulen) gedacht. Doch bald fanden sie auch Anerkennung und Verwendung in zoologischen Universitätsinstituten. mini|hochkant| Anatomie der Stubenfliege; Wandtafel Nr. 31 von Paul Pfurtscheller, 1926 Tabelle: Zoologische Wandtafeln, Format 130 × 140 cm (sofern als Lithographien veröffentlicht)Kurt Chytil, Werner Anselm Buhre: Die Wandtafeln des Paul Pfurtscheller. Ein sorgsam detailverliebtes Leben. Tabelle 5: Anzahl der schematischen und räumlichen Figuren, S. 212f. S.Marix, Wiesbaden 2024. Nr. Wandtafel Gattung, Art Figuren Ausgabe 1 Anthozoa: Polyactinia Astroides calycularis 2 1902 2 Mollusca: Lamellibranchiata Unio pictorum 2 1902 3 Mollusca: Gastropoda: Pulmonata Helix pomatia 4 1902 4 Pisces: Selachii: Plagiostomi Mustulus vulgaris 6 1902 5 Echinodermata: Echinoidea Sphaerechinus 5 1902 6 Hydrozoa: Hydromedusae Hydra 7 1903 7 Mollusca: Cephalopoda Sepia officinalis 5 1902 8 Mollusca: - Mantelformen - 5 1903 9 Cestodes: Taenia solium 11 1903 10 Anthozoa: Octactinia Corallium rubrum 7 1903 11 Echinodermata, Asteroidea Astropecten aurantiacus 4 1904 12 Spongiae (Porifera) Sycon, Aplysina 6 1904 13 Insecta: Hymenoptera Apis mellifica (1) 5 1904 14 Spongiae Euspongia officinalis 5 1904 15 Crustacea: Thoracostraca Astacus fluviatilis 3 1905 16 Vermes: Hirundinea Hirudo medicinalis 5 1905 17 Infusoria: Ciliata Paramecium, Stylonychia, Vorticella 5 1907 18 Reptilia: Ophidia Tripidonotus natrix 3 1906 19 Aves: Columba domestica 3 1907 20 Reptilia: Chelonidae Emys orbicularis 3 1908 21 Myriapoda: Lithobius forficatus 3 1908 22 Pisces: Teleostei Perca fluviatilis 4 1909 23 Insecta: Lepidoptera Pieris brassicae (1) 5 1910 24 Insecta: Lepidoptera Pieris brassicae (2) 4 1910 25 Archnoidae: Araneina Epeira diadema 5 1912 26 Amphibia: Anura Rana sp. (1) 6 1913 27 Amphibia: Anura Rana sp. (2) 4 1913 28 Mammalia Mus decumanus 3 1915 29 Amphibia: Urodela Triton cristatus 5 1923 30 Insecta: Hymenoptera Apis mellifica (2) 4 1923 31 Insecta: Diptera Musca domestica 5 1923 32 Insecta: Diptera Culex pipiens 4 1923 33 Vermes: Chaetopoda Lumbricus sp. 6 1923 34 Reptilia: Ophidia Vipera berus 5 1923 35 Reptilia: Sauria Lacerta agilis 5 1923 36 Arachnoidea: Acarina Tyroglyphus sp. 7 1923 37 Coleoptera: Melolonthidea Melolontha vulgaris 6 1925 38 Vermes: Ascaridae Ascaris lumbricoides 8 1925 39 Insecta: Blattaeformea Periplaneta orientalis 4 1927

Eine auf Leinwand gedruckte Tafel mit Rollstäben kostete 10 Kronen.

In der Versammlung der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft am 20. Juni 1902 referierte der Botaniker Heimerl über das neue Unterrichtsmaterial. Zu dem Zeitpunkt hatte Pfurtscheller 14 Tafeln fertig „gezeichnet“; fünf davon waren im Buchhandel und fünf befanden sich noch in Druck. Exemplarisch wurde die Tafel zur Weinbergschnecke (Helix pomatia) gewürdigt: „Die Darstellung ist eine derartig naturgetreue und packende, eine so von jeder Schablone entfernte und eigenthümliche, endlich eine so ausgezeichnet sichtbare, dass ich aus vollster Ueberzeugung sagen kann, ein derartiges herrliches, den Anforderungen des Unterrichtes und der wissenschaftlichen Verlässlichkeit gleich treu angepasstes Kunstwerk muss von Lehrern und Lernenden mit Begeisterung begrüsst werden und wird einen trefflichen, bis jetzt fehlenden Unterrichtsbehelf bilden.“Anton Heimerl: Zoologische Wandtafeln (Referat). In: Verhandlungen der kaiserlich-königlichen zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien 52, 1902: 412–413. Bis in die späten 1930er Jahre wurden Pfurtschellers Tafeln hoch gelobt und bis 1963 auch verkauft.Markert, M. & Uphoff, I.K. 2018: Für das Studium der Natur. Die Produktion und Rezeption naturkundlicher Schulwandbilder um 1900. – Bildungsgeschichte. International Journal for the Historiography of Education 8, Seite 42–63.

Literatur Bericht der Sektion für Zoologie. Nachruf. In: Verhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Wien. Band 77, 1927, S. 25–27 (Nachruf auf Dr. Paul Pfurtscheller, ). Kurt Albert Chytil, Werner Anselm Buhre: Die Wandtafeln des Paul Pfurtscheller. Ein sorgsam detailverliebtes Leben. S. Marix, Wiesbaden 2024, ISBN 978-3-7374-1224-7.

Weblinks

Paul Pfurtschellers Gesamtwerk: Alle 39 Bildtafeln und ihre Beschreibungen Die Wandtafeln des Paul Pfurtscheller Wissenschaftliche Sammlungen der Universität Wien, Wandtafelsammlung des Departments für Evolutionsbiologie univie.ac.at Wissenschaftliche Sammlungen der Humboldt-Universität zu Berlin: 24 Tafeln. hu-berlin.de sowie die Wandtafeln des Instituts für Biologie (mit Tafeln Pfurtschellers und anderer) hu-berlin.de Pfurtscheller auf der Seite Universitätssammlungen in Deutschland universitaetssammlungen.de Hunterian Museum and Art Gallery, University of Glasgow: 12 Tafeln. gla.ac.uk Museo didattico di zoologia, Università di Milano: 26 Tafeln; Pfurtscheller im Menü „Autori“. unimi.it

(mit Publikationsliste).

Einzelnachweise

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