Johann Heinrich Christian SchmidtKirchenbuch Stadtkirche Weimar (* 27. September 1779 in Weimar;Getauft am 29. September 1779 (Weimarische Wöchentliche Anzeigen vom 9. Oktober 1779, S. 322). † 14. April 1857 in Wien) war ein deutscher Schauspieler, Theaterdirektor, Regisseur und Schriftsteller.
mini|hochkant|Schiller-Wohnung (Windische Gasse), heute hier Neubau Schillermuseum miniatur|hochkant|Schillerhaus (Esplanade) um 1900 mini|hochkant|Hoftheater Weimar, Stich um 1800 miniatur|hochkant|Altes k.k. Theater nächst der Burg (rechts) und der Winterreitschule der Hofburg (links)
Leben Heinrich Schmidts Vater war der Weimarer „Kauf- und Handelsmann“ Johann Christian Schmidt. Seine Mutter, Johanna Friederika Christina Martini, entstammte der Allstedter Musikerfamilie Martini.Kirchenbuch Stadtkirche. Schmidt wuchs mit sieben Brüdernsiehe Schmidts Erinnerungen, S. 22. und vier SchwesternKirchenbuch Stadtkirche Weimar in Weimar auf. Er erzählt in seinen Erinnerungen, seinen Eltern habe das Vorderhaus an der „Windischen Gasse“ mit Hinterhaus an der „Esplanade“SchillerhausSchillers Wohnhaus in Commons (heute Schiller-Gedenkstätte, Schillerstraße 12) gehört. Letzteres habe sein Vater an Friedrich Schiller verkauftsiehe Schmidts Erinnerungen, S. 223f.Laut Fritz Kühnlenz hat Schmidt das Gebäude 1777 errichten lassen und es 1801 an den Kammerherrn Joseph Charles Mellish verkauft, der es dann 1802 an Schiller verkaufte (Schiller in Thüringen. Stätten seines Lebens und Wirkens. Neue, verbesserte Ausgabe 1984, S. 179).. Dieser hatte zuvor ab 1799 im Vorderhaus Windische Gasse gewohnt. In Jugendfreundschaft mit den Kindern Herders und WielandsSchmidts Erinnerungen, S. 9. besuchte Heinrich Schmidt das Gymnasium bis 1796. Er war ein Lieblingsschüler des Goethe-Beraters Böttigerausführliche Biographie bei Wikisource (ADB:Böttiger, Karl August), und während seiner Schulzeit wurde er für Kinderrollen am Liebhabertheater der Herzogin Anna Amalia vorbereitet. 1797–1800 studierte Schmidt Jura in Jena, wo er auch philosophische Vorlesungen hörte. Nach Weimar zurückgekehrt, erhielt er dramatischen Schauspielunterricht bei GoetheSchmidt lernte von Goethe beispielsweise, dass es gegen alle Regeln der Schönheit sei, auf der Bühne die Faust zu ballen; ebenso musste es vermieden werden, dem Publikum beim Spielen das Profil zuzukehrenVgl. Schmidts Debüt in Weimar in Leo von Seckendorf: Korrespondenzen der Goethezeit, S. 743., und er kam zu Lesungen in Schillers Haus. Mit Empfehlungen Goethes kam Schmidt 1801 an das Wiener Burgtheater, allerdings ohne nachweisbarem Erfolg als Schauspieler.
1804 erhielt Schmidt jedoch von Fürst Esterházy als Direktor und Regisseur die Leitung von dessen fürstlichem Hoftheater in Eisenstadt (Burgenland, Ungarn), wo er bis 1813 gleichzeitig auch für die fürstliche Kunst- und Musiksammlung zuständig war. Am Theater in Eisenstadt wurde die Oper dem rezitativen Drama vorgezogen, und hier wirkte auch Joseph Haydn, welchen Schmidt mit dem damals bekannten Schauspieler Iffland bekanntmachte. Durch den Einfluss des Fürsten Esterhazy machte sich Schmidt auch in Wien einen NamenGoethe 1807 an Heinrich Schmidt in: Briefe 1805 – 1808 bei Google Books, von wo aus er 1813–1815 neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller Reisen nach Weimar und Berlin unternahm, um „erste“ Darsteller für Wiener Bühnen anzuwerbenin Birgit Himmelseher: Das Weimarer Hoftheater unter Goethes Leitung: Kunstanspruch und Kulturpolitik im Konflikt, S. 143, bei Google Booksin Momme Mommsen: Die Entstehung von Goethes Werken: Diderot-Entoptische Farben, S. 224, bei Google Books.
1815–1825Die Geschichte des Brünner Stadt-Theaters, S. 94-109 bei Internet Archive sowie 1831–1837Die Geschichte des Brünner Stadt-Theaters, S. 118-131 bei Internet Archive leitete Schmidt mit gutem Erfolg das Brünner Stadttheater, wo er neben Schauspielen auch Opern und Singspiele zur Aufführung brachte.
Danach zog sich Schmidt nach Wien ins Privatleben zurück. Hier widmete er sich der Niederschrift seiner Lebenserinnerungen, zu denen Begegnungen mit wichtigen Persönlichkeiten seiner Zeit gehörten und die er 1856 herausgab.
Familie Heinrich Schmidts erste Frau, Therese Dollinger (1786–1806), Tochter eines Oberpostverwalters, war die erste Sängerin des Esterhazy-Theaters in Eisenstadt und Schülerin Haydns. Sie starb bereits im ersten Wochenbett. Seine zweite Frau, Elise Schneider, trat 1807–1813 in Eisenstadt und ab 1814 in Brünn als dramatische Sängerin auf. Sie starb sieben Jahre vor ihrem Ehemann.
Schmidts ältester Bruder Johann Christoph Friedrich Schmidt (1774–1827) war der Vater des Komponisten und Kapellmeisters Gustav Schmidt.
Seine älteste Schwester Maria Henrietta Carolina (1775–1837), Witwe von Herders ältestem Sohn, dem Hofmedicus Wilhelm Christian Gottfried Herder (1774–1806),Selbstinszenierungen im klassischen Weimar, S. 308 bei Google Bookssiehe Schmidts Erinnerungen, S. 9 heiratete 1811 den Juristen Christian Gottlob Voigt (1774–1813), Sohn des Christian Gottlob von VoigtBrieftexte, Register S. 691 bei Google Books. Dieser geriet im Frühjahr 1813 in französische Gefangenschaft, aus der er zwar befreit werden konnte, an deren Folgen er jedoch kurz darauf auf Grund einer fiebrigen Erkrankung verstarb. bei „Deutsche Biographie“ im Artikel des Vaters
Seine jüngere Schwester Louise Friedericke Christiana (1783–1859) heiratete 1806 den späteren Bürgermeister Carl Lebrecht Schwabe, der durch sie mit Schiller bekannt wurde und bei dessen Tod 1805 die Umstände seiner Beisetzung veranlasste.Schmidts Erinnerungen 1856, S. 221f.
Werke (Auswahl) 1800 Gedichte Opernlibretti: 1810 Cendrillon (nach Charles-Guillaume Etienne (1778–1845), Musik: Nicolas Isouard). 1813/14 Das Oesterr. Feldlager. Ein militärisches Gemählde mit Gesang. Nach Wallensteins Lager (Musik: C. M. v. Weber, F. J. Clement, I. v. Seyfried) Erinnerungen eines weimarischen Veteranen aus dem geselligen, literarischen und Theater-Leben. Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig 1856. Digitalisat.
Literatur
Eike Pies: Prinzipale. Zur Genealogie des deutschsprachigen Berufstheaters vom 17. bis 19. Jahrhundert. Ratingen, Kastellaun, Düsseldorf 1973. ISBN 3-450-01061-1, S. 324.
Weblinks
Das alte Weimarer Theater unter Goethe (DNT) mit mehreren Abbildungen
Einzelnachweise
Anmerkungen
Kategorie:Theaterschauspieler Kategorie:Geboren 1779 Kategorie:Gestorben 1857 Kategorie:Mann