mini|Reichsstädtisches Landgebiet von Nürnberg 1505–1806 mini|Ehemaliges Gesindehaus der Erichmühle von 1897, Dach eingestürzt mini|Erichmühle vor 1930
Erichmühle (fränkisch: ÄrichmilE. Wagner: Land- und Stadtkreis Schwabach, S. 17. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „ęriχmìl“.) ist ein Gemeindeteil des Marktes Wendelstein im Landkreis Roth (Mittelfranken, Bayern). Erichmühle liegt in der Gemarkung Großschwarzenlohe.
Geographie Die Einöde liegt etwa 15 Kilometer südlich von Nürnberg und sieben Kilometer östlich von Schwabach. Nördlich von Erichmühle fließt die Schwarzach, die mit Ausnahme der Kraftwerksstufen überwiegend naturbelassen mäandert. Von Süden her mündet bei Erichmühle der Lohbach in die Schwarzach; diese nimmt dort die gereinigten Abwässer der Kläranlage am gegenüberliegenden Ufer auf. Der Ort befindet sich inmitten eines ausgedehnten Wasser- und Landschaftsschutzgebietes.
Erichmühle liegt an der Kreisstraße RH 1, die die Staatsstraße 2239 kreuzend nach Kleinschwarzenlohe (0,7 km nordwestlich) bzw. nach Großschwarzenlohe führt (0,4 km südlich).
Geschichte Erichmühle wurde wahrscheinlich wie das nur einen Kilometer flussabwärts liegende Königshammer um 1200 gegründet. Sie lag an einer Brücke, die über die Schwarzach führte. 1372 wurde sie als „Jörgenmühl“ erstmals urkundlich erwähnt.F. Eigler: Schwabach, S. 340. Der Ortsname bedeutet zu der Mühle des Georg. Im Laufe der Zeit kam es zur Verschleifung des Ortsnamens: Irgersmühle (1562), Ergersmühle (1716), Erichmühle (ab 1727).W. Ulsamer (Hrsg.): 100 Jahre Landkreis Schwabach, S. 299.E. Wagner: Land- und Stadtkreis Schwabach, S. 17.
Ab 1372 hatte die Mühle die Siechkobelstiftung St. Peter und Paul der Reichsstadt Nürnberg als Grundherrn, die Fraisch hatte jedoch das Amt Schwabach der Burggrafschaft Nürnberg inne, in deren Nachfolge ab 1427 die Markgrafschaft Ansbach. Unmittelbar nördlich grenzte die Fraisch der Reichsstadt Nürnberg an (siehe Karte). 1448, zeitgleich mit der Weihe der Allerheiligenkirche im unmittelbar benachbarten Kleinschwarzenlohe, wird Erichmühle als Messer- und Schwertschleiferei und Sägewerk genutzt.
1632 wurde der Ort in Folge des Dreißigjährigen Krieges brandgeschatzt. Weitere Brände mit jeweils anschließendem Wiederaufbau sind aus den Jahren 1774 und 1963 bekannt.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gehörte Erichmühle zur Realgemeinde Großschwarzenlohe. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Richteramt Schwand aus. Die Mahl- und Sägemühle hatte die Siechkobelstiftung St. Peter und Paul der Reichsstadt Nürnberg als Grundherrn. Unter der preußischen Verwaltung (1792–1806) des Fürstentums Ansbach erhielt Erichmühle die Hausnummer 26 des Ortes Großschwarzenlohe.F. Eigler: Schwabach, S. 389. Seit 1791 gehört die Mühle der Familie Braun.
Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Schwabach. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 Erichmühle dem Steuerdistrikt Großschwarzenlohe (I. Sektion) und der 1818 gebildeten Ruralgemeinde Großschwarzenlohe zugeordnet.F. Eigler: Schwabach, S. 472f.
Im Zweiten Weltkrieg fielen am 8. März 1943 auf die Erichmühle zwei Brandbomben, von denen eine am Dach abprallte und ins Wasser fiel, die andere das Dach durchschlug und in dem aufgeschütteten Getreide stecken blieb, ohne zu explodieren.Pfarrer Pleschs Kriegstagebuch, abgerufen am 9. Januar 2015 Die hölzerne einspurige Schwarzachbrücke (siehe Bild) wurde 1931 durch einen hochwassersicheren zweispurigen Betonbau ersetzt. 2007 wurde dieser erneuert. Erichmühle wurde immer wieder durch Hochwasserereignisse und Brände stark beschädigt und wiederaufgebaut.Flutbrücke Erichmühle, abgerufen am 11. Januar 2015
Am 1. Mai 1978 wurde Erichmühle im Zuge der Gebietsreform in Bayern nach Wendelstein eingegliedert.
1980 wurde der Sägewerksbetrieb aufgegeben und die Wasserkraft zur Elektrizitätserzeugung genutzt. 1995 erfolgte der Abriss des Sägewerkes und es wurde durch einen Neubau ersetzt. Heute beherbergt die Erichmühle einen Holz- und Gartenmarkt.Chronik der Erichmühle Im originalen Bauzustand erhalten ist nur noch das ehemalige Gesindehaus der Erichmühle.
Einwohnerentwicklung Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2008Einwohner 17 12 17 18 15 10 9 16 7 14 7 7HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude. 2 2 2 2 2 2 2 2 Quelle
Religion Der Ort ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und bis heute nach St. Peter und Paul (Leerstetten) gepfarrt. Die Katholiken sind nach Maria Königin (Kornburg) gepfarrt.
Öffentlicher Nahverkehr Seit November 2014 hat Erichmühle eine eigene Bedarfshaltestelle, die von fünf Linien bedient wird. Es bestehen regelmäßige Verbindungen nach Nürnberg, Schwabach, Feucht, Schwand und Roth. Ab Samstagnachmittag sowie an Sonn- und Feiertagen wird nur Nürnberg angefahren.
Literatur
Weblinks
Fußnoten
Kategorie:Einzelsiedlung im Landkreis Roth Kategorie:Geographie (Wendelstein, Mittelfranken) Kategorie:Ersterwähnung 1372 Kategorie:Ort an der Schwarzach (Rednitz)