Das Kraftwerk Alfenz ist das einzige Kraftwerk der Alfenzwerke Elektrizitätserzeugung GmbH. Das Wasserkraftwerk liegt in der Gemeinde Lorüns am Taleingang des Montafon und im äußersten Westen des Verwall. Das Kraftwerk nutzt zur Energieerzeugung die Gefällestrecke vom Seitenspeicher Radin () bis zu dem Krafthaus in Lorüns (). Das Kraftwerk umfasst drei Maschinensätze mit je einer Francis-Turbine und einem Generator.
Geschichte Vor dem heute noch bestehenden Kraftwerk wurde 1907 ein kleineres Kraftwerk mit einer Francisturbine der Firma Rieter aus Winterthur gebaut. Die Wasserkraft hierzu wurde über einen Kanal von der Ill abgeleitet.Ulrike Althof, Manfred Fiel: Geschichte des Zementwerkes Lorüns 1869 – 2013, Herausgegeben von Fa. böhler + sohn, Feldkirch, September 2013, S. 19. Als durch ein Hochwasser im Montafon, inneren Walgau, Klostertal und weiteren Gebieten in Vorarlberg große Schäden verursacht wurden, wurde auch der Einlauf des Kanals zum Zementwerk größtenteils zerstört und es entstand ein Reparaturaufwand von etwa 100.000 Kronen.Ulrike Althof, Manfred Fiel: Geschichte des Zementwerkes Lorüns 1869 – 2013, S. 25. 1929 wurde diese Turbine durch eindringendes Eis zerstört.Ulrike Althof, Manfred Fiel: Geschichte des Zementwerkes Lorüns 1869 – 2013, S. 45.
Das heute noch bestehende Kraftwerk wurde 1924 bis 1925 errichtet, um die Vorarlberger Zementwerke der Lorüns AG in Lorüns und Ludesch mit elektrischer Energie zu versorgen.Die Wasserwirtschaft, Nr. 24, 1924, S. 425 f. Das Ausbruchsmaterial des Stollens wurde, soweit es sich um Zementmergel oder Kalkstein handelte, gleich zur Weiterverarbeitung im Zementwerk genutzt.Ulrike Althof: Zementwerk Der Regelbetrieb wurde am 6. Jänner 1926 aufgenommen.Ulrike Althof, Manfred Fiel: Geschichte des Zementwerkes Lorüns 1869 – 2013, S. 41 f. 1970/1971 wurde die Installation eines dritten Maschinensatzes um 4,3 Millionen Schilling vorgenommen.Ulrike Althof, Manfred Fiel: Geschichte des Zementwerkes Lorüns 1869 – 2013, S. 83 f. Die Kraftwerksanlage wurde im Jahr 1999 an die Zech Kies GmbH (Alfenzwerke Elektrizitätserzeugung GmbH) verkauft.
Teile des 2582 Meter langen, durch drei Stollenfenster zugänglichen Druckstollens, das Wasserschloss und die Druckrohrleitung wurden Anfang 1990 erneuert, als durch den fortschreitenden Gesteinsabbau im Steinbruch Lorüns eine Verlegung erforderlich war.
Namensherleitung Der Name „Alfenz“ wird bereits 1355 als „Alfenze“ bzw. „Alvenze“ erwähntVogt, Vorarlberger Flurnamenbuch, I/1, S. 32z und I/2, S. 207. und soll auf Albantia – Weißbach, zurückzuführen sein.
Leitungsnetz Zum Kraftwerk Alfenz gehört ein kleines Niederspannungs-Verteilernetz, über welches einige private Stromabnehmer versorgt werden (siehe auch: Verteilnetzbetreiber, Netzebene).
Seitenspeicher Aufgrund der hohen Geschiebemenge der Alfenz war bereits in den 1920er Jahren die Errichtung einer Talsperre nicht möglich.Siehe: A. Sonderegger in „Schweizerische Bauzeitung“, 89/90, Heft 19, 7. Mai 1927, S. 247 ff. Anlässlich der Erneuerung der Kraftwerksanlage und unter dem Gesichtspunkt der neuen wasserrechtlichen Bewilligung und aus ökologischen und wirtschaftlichen Gründen wurde die Lösung durch den Bau eines Seitenspeichers gewählt (2006). Das Ablaufbauwerk des Seitenspeichers sowie der Speicherraum wurden so geplant, dass eine Materialbewirtschaftung des Speichers mit schweren Maschinen möglich ist.
Der Seitenspeicher des Alfenzkraftwerks bei Radin wurde im Dezember 2012 in den Probebetrieb genommen und fasst etwa 150.000 m³. Dadurch wurde erreicht, dass in der Alfenz zukünftig eine ausreichend Restwassermenge fließt (400 bis 700 l/s) und es brachte auch für den Kraftwerksbetreiber eine Erhöhung der Wirtschaftlichkeit des Kraftwerks.Roland Gruber in „Wirtschaftlichkeitsschub für das KW Alfenz“, Beitrag vom 24. Februar 2014 in . Der Seitenspeicher Radin kann nunmehr auch teilweise das Schwallwasser des Auslaufs des etwa 13 km oberhalb liegenden Speicherkraftwerks Spullersee der Österreichischen Bundesbahnen aufnehmen und kann dieses einer elektrizitätswirtschaftlichen Nutzung zuführen.
Technische Daten mini|Blick auf das Kraftwerksgebäude (rechts an den Gleisen)
Alfenzkraftwerk Alte Anlage Inbetriebnahme: 6. Januar 1926 Hersteller Druckrohrleitung: Waagner-Biro AG, Wien und Fa. Kurz, Graz Hersteller Turbinen: J. M. Voith, St. Pölten Turbinenanzahl: 2, später 3 Turbinentype: Francis-Spiralturbine mit liegender Welle Turbinenleistung: je 882 kW Maximaler Durchfluss je Turbine: 2 m3/s Maximale Drehzahl Turbine: 750/min. Hersteller Generator: je 1 Stk von Brown Boveri Werke Wien und AEG-Union Wien. Generatorleistung (Erstausbau): 1200 kVA Generatorspannung: 3800 Volt Generatorfrequenz: 50 Hz Maximale Drehzahl Generator: 750/min. Maximale Stauhöhe altes Wehr: 2,8 m (abgebrochen) Ablauf der ersten wasserrechtlichen Genehmigung: 1996
Neue Anlage Wasserschloss: Grundfläche 180 m² Druckrohrleitung: Stahlrohrleitung (teilweise im Stollen, teilweise erdverlegt) Maximal mögliche Ausbauwassermenge: 6,8 m3/s Engpassleistung: rund 3 MW Zur besseren Nutzung der Kapazitäten des Kraftwerkes, soll dieses zukünftig überwiegend in den Hochtarif-Phasen betrieben werden.Der Speicher wird in der Nacht gefüllt und tagsüber je nach Bedarf entleert. Siehe Roland Gruber in „Wirtschaftlichkeitsschub für das KW Alfenz“, Beitrag vom 24. Februar 2014 in .
Seitenspeicher Radin Die Wasserfassung war bei Radin mit einer Doppelkammer-Entsandungsanlage nach dem System Dufour (2 × 32 m) ausgeführt, führt weitgehend waagrecht (Gefälle nur 1,2 ‰) über einen etwa 2,5 km langen Stollen durch die Davennagruppe und nach Lorüns zum Kraftwerkhaus. Vor dem Kraftwerkshaus ist noch im Berginneren ein Wasserschloss angelegt, durch das eventuelle Druckstöße abgefangen werden. Vom Wasserschloss führt eine 115 m lange Druckrohrleitung zum Kraftwerkshaus (Fallhöhe etwa 60 m). Planungsbeginn: 2006 Inbetriebnahme: 2012 Volumen bei Stauziel: 151.800 m³ Nutzbares Volumen: 130.000 m³ Wasserspiegeloberfläche: 27.200 m² Maximale Dammhöhe: 8,50 m Dammneigung beidseitig: 1 : 2 Seelänge: 270 m Seebreite: 110 m Dammumfang: 750 m Abdichtung: Gestein Energieinhalt: 17.550 kWh Entleerungszeit: 5 Std. 20 min
mini|Blick vom Davennakopf (1708 m) auf den Seitenspeicher des Alfenzkraftwerkes Der Einlauf-Schütz öffnet, entgegen der üblichen Bauweise, bei dieser Anlage von oben nach unten. Dadurch ist eine variable Entnahmewehrschwellenhöhe gegeben und soll die jahreszeitlichen Unterschiede bei der Gewährleistung der Restwassermenge von 400 bis 700 l/s im Bachbett der Alfenz gewährleistet werden.
Trotz jahrelanger Bemühungen gelang es nicht, das Eindringen größerer Geschiebemengen, die aufgrund der Bauart des Seitenspeichers eigentlich an diesem vorbeigespült werden sollen, in den Speicher zu verhindern. Das macht etwa einmal pro Jahr das Ausbaggern, das sog. „Entlanden“ des Speichershttps://www.bludenz.at/fileadmin/user_upload/Kundmachung_Alfenzwerke_Elektrizit%C3%A4tserzeugung_GmbH__N%C3%BCziders.pdf und die Abfuhr von Geschiebe per LKW notwendig. Nachdem der Abtransport längere Zeit über provisorische Wege geschah, wollen die Kraftwerksbetreiber aufgrund des Transportaufkommens nun eine Werkstraße dafür bauen.Verhandlungsschrift über die 07. öffentliche Sitzung der Stadtvertretung Bludenz am Donnerstag, den 17. Juni 2021, Seiten 29 und 30
Literatur Wirtschaftlichkeitsschub für das KW Alfenz von Roland Gruber. A. Sonderegger in „Schweizerische Bauzeitung“, 89/90, Heft 19, 7. Mai 1927, S. 247 ff, online. A. Sonderegger in „Schweizerische Bauzeitung“, 89/90, Heft 20, 14. Mai 1927, S. 263 ff, online.
Einzelnachweise
Weblinks Alfenzwerke
Kategorie:Laufwasserkraftwerk in Österreich Kategorie:Kraftwerk in Vorarlberg Kategorie:Lorüns Kategorie:Laufwasserkraftwerk in Europa SAlfenzkraftwerk